Renate Künast (GRÜNE)
Kandidatin Bundestagswahl 2009
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Grunddaten
Renate Künast
Jahrgang
1955
Berufliche Qualifikation
Sozialarbeiterin und Rechtsanwältin, Bundesministerin für Landwirtschft, verbraucherschutz und Ernährung
Ausgeübte Tätigkeit
MdB
Wohnort
-
Wahlkreis
Berlin-Tempelhof - Schöneberg
Ergebnis
26,3%
Landeslistenplatz
1, Berlin
weitere Profile
(...)  
Bündnis 90/Die Grünen werden mit keiner Partei eine Koalition bilden, die u.a. die Rückkehr zur Atomkraft anstrebt, sich Mindestlöhnen verweigert und den Kündigungsschutz schleifen will. (...)
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Frage zum Thema Umweltpolitik
23.09.2009
Von:
Tom

Sehr geehrte Frau Künast,

in der öffentlich-rechtlichen TV Sendung "Abgeordnet" machten Sie ein "Praktikum" auf einem Bauernhof. Im weiteren Verlauf der Sendung töteten Sie nach dem Angeln eines Saiblings denselben mittels Knüppelschlag. Im Vorfeld Ihrer Tötungshandlung schlug ein Kind (etwa 11 Jahre alt) auf einen anderen Saibling ein. Dabei hielten Sie den Fisch fest. Das Kind schlug mehrfach daneben und fügte dem Fisch so unnötig Qualen zu (Verstoß gegen §2 Nr. 2 TierSchG).

§4 Abs. 1 S. 3 TierSchG bestimmt, dass ein Wirbeltier (wozu der Saibling gehört) nur töten darf, wer die dazu notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten hat. Das ist bei Kindern im Allgemeinen und im speziellen bei dem in der TV-Sendung vorkommenden Jungen nicht der Fall.

Ich stelle fest, dass Sie bei der nicht artgerechten Tötung des Fisches gegen das Tierschutzgesetz verstoßen verstoßen haben.

Wie können Sie ernsthaft noch Tierschutz von Großbetrieben einfordern, wenn Sie schon im Privaten selbst das TierSchG nicht achten? Was wollen Sie künftig tun, damit derartige Entgleisungen nicht wieder vorkommen?

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Frage zum Thema Soziales und Familie
24.09.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Künast,

ich bin leider etwas irritiert. Sowohl in dem Diskussion der Oppositionspolitiker als auch in der heutigen Ausgabe von Bild-Online werden Sie, bzw. Ihr Kollege Jürgen Trittin, wie folgt zitiert:

"Mindestlohn spart Geld, weil wir keine Hartz-IV-Aufstocker mehr haben."

Nun ist es jedoch so, dass ein Großteil der Hartz-IV-Aufstocker a) nicht Vollzeit arbeitet und b) 2/3 aller Hartz-Aufstocker bereits heute 7,50 EUR / Stunde oder mehr verdienen, jedoch ergänzendes Hartz IV bekommen, weil sie eine große Bedarfsgemeinschaft zu versorgen haben haben.

Nach Angaben des DIW bekommen würden nur etwa 10% aller Hartz IV-Aufstocker von einem Mindestlohn von 7,50 EUR / Stunde tatsächlich profitieren. 50% der vollzeitbeschäftigten Aufstocker bekommen sogar heute 9,00 EUR oder mehr pro Stunde.

www.rbb-online.de

Inwiefern rechnen Sie daher mit tatsächlichen Einsparungen bei ergänzenden Hartz IV-Leistungen im Falle der Einführung eines einheitlichen Mindestlohns? Sehen Sie nicht gerade in den wirtschaftsschwachen Regionen zusätzlich die Gefahr von Arbeitsplatzverlusten?

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Renate Künast
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24.09.2009
Sehr geehrter Herr ,
 
vielen Dank für Ihre Frage. Sie beschreiben den Zusammenhang zwischen Mindestlöhnen und ALG II-Bezug sehr richtig. Allerdings gibt es zur Anzahl der betroffenen ALG II-Bezieher, die Vollzeit arbeiten und einen sehr geringen Stundenlohn erhalten, unterschiedliche Einschätzungen und entsprechende Einsparmöglichkeiten. Beispielsweise hat eine Studie des DGB die Einsparpotenziale auf 2 Mrd. Euro p.a. angesetzt also eine große Summe. Über das Argument der Einsparung hinausgehend, finden wir einen Mindestlohn aber ein wichtiges Zeichen. Niemand soll für weniger Geld arbeiten müssen, das ist eine Frage der Würde.
 
Der Übergang von einer geringfügigen Beschäftigung mit Aufstockung zu einer selbsttragenden Beschäftigung ist nicht ganz einfach zu gestalten. Wir Grüne setzen uns z.B. dafür ein, dass ALG II-Bezieher von einem Zuverdienst bis 400 Euro monatlich mindestens 50% behalten dürfen, so dass sich Arbeit für sie mehr lohnt. Generell wollen wir aber möglichst viele Menschen aus dem aufstockenden Bezug von ALG II heraushalten. Dazu setzen wir vor allem auf unser Progressivmodell. Dabei werden Einkommen bis 2000 Euro monatlich von den Sozialbeiträgen schrittweise entlastet. Damit bleibt den Arbeitnehmerinnen mehr netto vom brutto übrig und sie müssen erst gar nicht Aufstocken. Das hilft auch Familien, die ihren höheren Bedarf nur schwierig aus dem eigenen Einkommen decken können. Dann erhalten die Menschen auch ein Stück Würde zurück, da sie sich nicht der regiden Bedarfsprüfung unterziehen müssten.
 
Ich hoffe, die Antwort hat Ihnen weitergeholfen.  
 
Mit freundlichen Grüßen
Renate Künast
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Frage zum Thema Soziales und Familie
24.09.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Künast,

wie stehen Sie zum Thema gleichgeschlechtliche Ehen oder wie es in korrekter Ausdrucksweise heißt "Lebenspartnerschaften"? Auch würde mich interessieren wie Sie zu der Frage des Abbaus von Ungleichbehandlungen stehen. Dazu ein Beispiel: Gehen zwei Frauen, von denen eine britische Staatsbürgerin ist, in Großbritanien eine Lebenspartnerschaft ein dann hat dieses Paar in GB die gleiche Rechte und Pflichten wie ein heterosexuell verheiratetes Paar. Genießt auch die gleichen steuerlichen und ähnlichen Privilegien. Ziehen die Beiden nun aus beruflichen Gründen nach Deutschland, werden sie nicht mehr gleich behandelt. Wie kann dies 2009 in einem geeinten Europa möglich sein? Was gedenkt Ihre Partei dagegen zu tun?

MFG
Antwort von Renate Künast
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24.09.2009
Sehr geehrte Frau ,

vielen Dank für Ihre Frage.
wie ich bereits in meiner Antwort an Herrn Fulek ausgeführt habe, kämpfen Bündnis 90/Die Grünen für die volle rechtliche Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Paaren.

Bündnis 90/Die Grünen treten seit jeher für den Grundsatz "gleiche Rechte, gleiche Pflichten" ein. Wir haben in dieser Wahlperiode zahlreiche parlamentarische Initiativen zur Gleichstellung der Eingetragenen Lebenspartnerschaften gestartet, insbesondere auch zum Erbschafts-, Einkommensteuer- und Beamtenrecht sowie zum Adoptionsrecht (Bundestagsdrucksachen 16/3423, 16/5596 und 16/11408). Die große Koalition hat unsere Vorstöße abgelehnt.
Um auf Ihr Beispiel einzugehen: Diese Ungleichbehandlung innerhalb Europas ist absurd und nicht gerechtfertigt. Wir setzen uns daher auf europäischer Ebene ein für die Anerkennung von Lebenspartnerschaften und gleichgeschlechtlichen Ehen, die in einem der Mitgliedsstaaten geschlossen wurden.

Im Deutschen Bundestag werden wir uns auch in der kommenden Wahlperiode für volle rechtliche Gleichstellung engagieren: im Einkommensteuerrecht, im Erbschaftsteuerrecht, im Beamtenrecht und allen Bereichen, in denen Lebenspartnerschaften noch nicht gleichstellt sind. Die Eingetragene Lebenspartnerschaft hat die Akzeptanz für Lesben und Schwulen in der Gesellschaft deutlich verstärkt. Sie ist gesellschaftspolitisch ein großer Erfolg und eine wichtige Etappe auf den Weg zu gleichen Rechten aber noch nicht das Ziel. In unserem Bundestagswahlprogramm haben wir die Forderung nach Öffnung der Ehe für lesbische und schwule Paare verankert.

Mit freundlichen Grüßen

Renate Künast
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Frage zum Thema Landwirtschaft
25.09.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Künast,

ich möchte fragen, ob und wie sich die Grünen für einen besseren Tierschutz einsetzen, insbesondere im Bereich Massentierhaltung und Tiertransporte.
Für mich ist der verantwortungsvolle Umgang mit der Natur und unseren Mitgeschöpfen ein wichtiger Punkt.

Tierquälereien bei Haltung und Transport der Tiere müssen verboten werden. Ein beliebtes Gegenargument hierzu ist, dass dann für den Verbraucher alles teurer wird und er ja nicht bereit ist, den höheren Preis zu zahlen. Der vom Verbraucher zu zahlende Betrag ist aber doch nur der Teil des Produktpreises, den wir mit Geld bezahlen. Es gibt doch auch noch andere "Preise", die wir bezahlen; z.B.
  • gequälte Tiere, wenn das Produkt preiwerter wird, weil die Tiere noch weniger Platz haben;
  • mehr Hatz IV-Empfänger, weil die Beschäftigen von dem wenigen Geld, das sie bekommen, nicht leben können;
  • eine zerstörte Natur, weil der Umweltschutz der Produktivität entgegensteht.
  • die Gesundheit der Kunden, wenn die den Tieren gegebenen Antibiotika das Immunsystem der Menschen beeinträchtigt
Dass nur der Geldpreis im Vordergrund steht (Geiz-ist-geil), ist für mich das Ergebnis erfolgreicher Lobbyarbeit der Industrie. Über die anderen "Preise" wird bewußt geschwiegen. Hier muss der Staat eingreifen, um ein Umdenken in der Bevölkerung in Gang zu setzen.

Wie kann nach Ihrer Auffassung diesem Trend entgegengewirkt werden?

Für mich sind folgende Maßnahmen erfoderlich:
1. strengere Regelungen im Bereich Tierhaltung und Tiertranporte und die konsequente Überprüfung von deren Einhaltung
2. der Staat muss durch aktive Information und mehr Transparenz endlich seiner Fürsorgepflicht den Bürgern gegenüber nachkommen.
3. Förderung der artgerechten Tierhaltung und nachhaltigen Landwirtschaft. Es sollte ein politisches Ziel sein, dass sich alle Verbraucher Lebensmittel aus verträglicher Produktion und ohne Tierquälereien leisten können.

Vielen Dank für Ihre Antwort
Antwort von Renate Künast
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27.11.2009
Sehr geehrte Frau ,

vielen Dank für Ihre Frage zum Thema Tierschutz.

Sie haben völlig recht: es gibt in diesem Bereich an vielen Stellen dringenden Handlungsbedarf. Kaninchen, Legehennen, Schweine und viele andere sogenannte Nutztiere werden unter Lebensbedingungen gehalten, die mit Tierschutz nichts zu tun haben. Tiertransporte erfolgen zum Leid der Tiere noch immer über viel zu große Entfernungen. Auch Tierversuche finden weiterhin in viel zu großem Ausmaß statt.

Wir Grünen wollen den Tierschutz, der ja seit 2002 auf grünem Drängen hin in das Grundgesetz aufgenommen wurde, durch konkrete gesetzliche Maßnahmen stärken. Wir wollen deswegen das Tierschutzgesetz neu fassen und haben dazu vor einigen Monaten einen ausführlichen Vorschlag gemacht, den Sie gerne herunterladen können unter www.gruene-bundestag.de

In punkto Tierhaltung fordern wir, dass Bewegungseinschränkungen allenfalls gerechtfertigt sein können, solange sie nur zu kurzzeitigen Leiden oder Schäden führen, nicht hingegen, wenn sie bei den Tieren länger anhaltende oder sich wiederholende Leiden oder Schäden auslösen. Tiertransporte wollen wir zeitlichen und räumlichen eingrenzen und den Einsatz schmerzhafter Hilfsmitteln wie zum Beispiel Elektrotreibern gänzlich verbieten.

Mir liegt besonders am Herzen, mit dem Ausbau der ökologischen Landwirtschaft ein Umdenken im Bereich der Tierhaltung zu erreichen. Dass Bioprodukte für alle Verbraucherinnen und Verbraucher bezahlbar sein müssen, ist ein wichtiger Punkt. In diesem Zusammenhang gehört zwingend auch der Hinweis, dass sich die Konsumausgaben für Lebensmittel seit 1970 nahezu halbiert haben; dass also Ausgaben für andere Wahren und Dienstleistungen einen höheren Stellenwert erhalten haben, den man hinterfragen muss. Günstiger kauft ein, wer auf Regionalität und Saisonalität setzt und weniger Fleisch verzehrt. Aber auch der Staat steht in der Verantwortung, damit sich auch Menschen mit Grundsicherung oder Arbeitslosengeld Bio, fair und Artgerecht leisten können. Die Preise für Qualitätsprodukte werden weiter sinken, wenn mehr Bio gekauft wird, denn oft sind die Stückkosten aufgrund kleinerer Verarbeitungsmengen und einer schlechteren Auslastung bei der Distribution noch höher. Deswegen setzen wir Grünen weiter auf mehr Verbraucherinformation, damit Bürgerinnen und Bürger besser erfahren, was auf den Teller sollte und was nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Renate Künast
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Frage zum Thema Bürgerrechte, Daten und Verbraucherschutz
25.09.2009
Von:

Hallo Frau Künast ! Ich habe per Briefwahl Ihnen meine Stimme gegeben und habe eine Frage:
Was passiert, wenn es hoffentlich bei der Bundestagswahl 2009 nicht für CDU/CSU und der FDP reicht - und die CDU/CSU will unter keinen Umständen wieder mit der SPD zusammen regieren ???
und unter welchen Umständen könnte es Neuwahlen geben ???

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