Renate Künast (GRÜNE)
Kandidatin Bundestagswahl 2009
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Grunddaten
Renate Künast
Jahrgang
1955
Berufliche Qualifikation
Sozialarbeiterin und Rechtsanwältin, Bundesministerin für Landwirtschft, verbraucherschutz und Ernährung
Ausgeübte Tätigkeit
MdB
Wohnort
-
Wahlkreis
Berlin-Tempelhof - Schöneberg
Ergebnis
26,3%
Landeslistenplatz
1, Berlin
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(...) Wir Grüne stehen in der Tradition des Volkszählungsurteils und der Bürgerrechtsbewegung der Friedlichen Revolution. Ich bin der Meinung, dass wir uns hier überhaupt nicht verstecken müssen: Nicht vor Innenminister Schäuble und seinen Trojanern, nicht vor anderen Parteien und erst recht nicht vor der FDP. (...)
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Frage zum Thema Bürgerrechte, Daten und Verbraucherschutz
16.07.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Künast,

nach deutschem Recht ist es zulässig, dass Privatpersonen und Unternehmen in unbegrenzter Höhe Geldspenden an Parteien tätigen dürfen.

Ich sehe in dieser Regelung folgende vier Probleme:

1) Es profitieren nicht alle Parteien in gleichem Maße (proportional zur Wählerschaft) von dieser Regelung. Während CDU, CSU und FDP von Großspenden profitieren, sehe ich die SPD und die LINKE im Nachteil. www.parteispenden.unklarheiten.de

2) Nach meinem demokratischem Verständnis sollten juristische Personen keine Möglichkeit haben Politik zu fördern. Sie dürfen schließlich auch nicht wählen.

3) Nach meinem demokratischem Verständnis sollten arme und wohlhabende Bürger die gleiche Möglichkeit haben Parteien zu fördern. Durch die unbegrenzte Spendenhöhe sehe ich dieses Gleichheitsprinzip verletzt.

4) Eine politische Spende geschieht natürlich immer ohne jede Gegenleistung. Allerdings kann man sich, solange sich Spender und Empfänger nicht dumm anstellen, niemals sicher sein, ob es nicht doch geheime Absprachen gab.

Aufgrund dieser Punkte würde ich für ein Spendenverbot Juristischer Personen und eine Begrenzung der Spendensumme je Natürliche Personen pro Jahr befürworten.

Wie sieht Ihr demokratisches Verständnis bezüglich dieser Problematik aus?
Antwort von Renate Künast
bisher keineEmpfehlungen
01.09.2009
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Frage, die ich gerne beantworten möchte. Sie kritisieren dass Privatpersonen und Unternehmen in unbegrenzter Höhe Geldspenden an Parteien tätigen dürfen.

Parteispenden von Unternehmen, die in irgendeiner Form staatliche Hilfe erhalten, wollen wir verbieten. Das gilt übrigens auch für vom Staat gestützte Geldinstitute: Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass jenen Banken geholfen wird, die den richtigen Parteien Geld spenden.

Ob eine Begrenzung der Spendensumme je natürliche Person pro Jahr notwendig ist, werden wir prüfen.

Wir stehen für Offenheit und Transparenz. Deshalb stellen für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN die Spendenregelungen des Parteiengesetzes nur einen Mindeststandard dar.

Mit freundlichen Grüßen
Renate Künast
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Frage zum Thema Energieversorgung
20.07.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Künast,

was hat ein Transformator mit der Kernenergieerzeugung zu tun?

MfG
Antwort von Renate Künast
bisher keineEmpfehlungen
24.08.2009
Sehr geehrter Herr ,

der Strom, der im Atomkraftwerk erzeugt wird, muss ins Stromnetz eingespeist werden. Diese Übertragung macht der Transformator. Wenn der nicht richtig funktioniert oder gar einen Kurzschluss auslöst, gibt es Spannungsprobleme in beide Richtungen, sowohl im Netz als auch im AKW selbst. Das kann zu großen Problemen führen, sowohl auf der Stromabnehmerseite als auch im AKW selbst.

Was auf der Stromabnehmerseite geschehen kann, haben wir an den Ampelausfällen, Computerproblemen und geplatzten Rohrleitungen nach der Schnellabschaltung von Krümmel in Hamburg gesehen. Im Atomkraftwerk selbst kann es durch eine Verkettung von Ausfällen z.B. des Transformators und Fehlfunktionen im Extremfall zur Kernschmelze und damit zu einem schweren Reaktorunfall mit Austreten von Radioaktivität kommen. Gerade im Umgang mit einer Hochrisikotechnologie wie der Atomkraft ist es deshalb unerlässlich, dass der Betreiber auch die auf den ersten Blick "unscheinbaren" technischen Bereiche sehr ernst nimmt und beständig überprüft. Bei Vattenfall habe ich ernsthafte Zweifel, ob diese Zuverlässigkeit des Betreibers gegeben ist. Denn in Krümmel gab es schon vor zwei Jahren Probleme mit dem (baugleichen )Trafo – er ist explodiert. Trotzdem wurde der andere Trafo nicht ausgetauscht und Überwachungsgeräte für den Trafo wurden nicht installiert. Wir Grüne fordern daher, Vattenfall die Betriebserlaubnis für Krümmel zu entziehen und diesen Pannenreaktor endlich stillzulegen.

Mit freundlichen Grüßen

Renate Künast
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Frage zum Thema Bürgerrechte, Daten und Verbraucherschutz
20.07.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Künast,

ich schätze Sie und ihre Auftritte, ihre öffentlich gewordene EU-Begeisterung veranlasst mich Ihnen zu schreiben.

Immer mehr Menschen nehmen von "etablierten" Parteien Abstand auch von der Grünen. Einer der Gründe mag sein, daß auch GRÜNE die Geldsystemdebatte bisher völlig ausblenden und die wahren Ursachen der Finanz- und Wirtschaftsktrise einfach nicht integrieren wollen. Ein anderes Problem ist der Vertrag von Lissabon und die Folgen.

Zu meine Fragen:

Haben Sie sich in der Parteispitze schonmal ernsthafte Gedanken zur Rolle der Banken gemacht und ob es nicht sinnvoll wäre, die Geldschöpfung und Geldmengensteuerung wieder in die öffentliche Hand zu bekommen?

Sind Sie persönlich wirklich zu 100% über die Folgen des Vertrags von Lissabon bewusst? Könnten Sie einer Debatte mit Professor Schachtschneider Stand halten? Dieser Professor legte in seinem letzten Vortrag (youtube) überzeugend dar, daß dieser Vertrag praktisch gesehen eine Entmachtung des Parlaments (des Volkes) und unseres geliebten Grundgesetzes bedeutet.
Gefolgt von massiven Auswirkungen auf unsere ordnungspolitischen Rahmenbedingungen und die demokratischen Einflussmöglichkeiten. Mit diesem Vertrag nimmt die EU offenbar endgültig diktatorische Züge an. Das kann nicht im Sinne der Bürgerrechte und des Volkes sein, und auch nicht der GRÜNEN. Wären Sie bereit eine Gegenposition einzunehmen und eine öffentliche Debatte mit Professor Schachtschneider zu führen?

Auf Wunsch der Moderation sende ich Ihnen youtube Links zur Information und Stellungnahme:

www.youtube.com

In dem Vortrag legt er seine Meinung überzeugend dar, daß der EU-Vertrag rechtswidrig und wir mit "Lissabon" den Weg in eine Diktatur antreten. Das macht Sorge.

Herzliche Grüße

Cosmic der Direktkandidat
Friedrichshain-Kreuzberg
Antwort von Renate Künast
bisher keineEmpfehlungen
24.09.2009
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Fragen.

Zuerst zu Ihrer Frage zum Lissabon-Vertrag und seinen Folgen: Unser Anspruch ist es, Globalisierung nicht einfach nur geschehen zu lassen, sondern zu gestalten. Wir wollen mehr Klimaschutz, mehr Gerechtigkeit, mehr Menschenrechte, mehr Frieden auf der Welt. Das können wir nur mit einer starken Europäischen Union, mit einer starken Verhandlungsposition schaffen. Durch institutionelle Reformen wie der Einrichtung eines Hohen Vertreters für Außen- und Sicherheitspolitik, quasi eines EU-Außenministers, setzt der Lissabon-Vertrag genau an diesem Punkt an.

Wir sind der Überzeugung, dass das Lissabonner Vertragswerk die EU keineswegs in eine Diktatur überführt, sondern im Gegenteil durch die Stärkung der einzig direkt gewählten Institution, dem Europäischen Parlament, demokratischer macht. Unsere Auffassung wird vom Bundesverfassungsgericht geteilt, das dem Lisabonner Vertrag die Vereinbarkeit mit dem Grundgesetz bescheinigt hat. Zudem haben wir durch die Verabschiedung eines neuen Begleitgesetzes vor zwei Wochen die Mitspracherechte des Bundestags gestärkt. Bei der Verlagerung von Kompetenzen auf die Europäische Ebene muss der Bundestag jetzt immer zustimmen. Darüber hinaus hat der Bundestag die Möglichkeit, bei bestimmten Fragen der sozialen Sicherheit und des Strafrechts die Notbremse zu ziehen. In den Fällen muss die Bundesregierung das europäische Gesetzgebungsverfahren aussetzen und den Europäischen Rat anrufen.

Zum Themenkomplex Geldmengensteuerung: Die Geldmengensteuerung geschieht im Euro-Raum ausschließlich indirekt, nämlich über die Höhe des Leitzinses der Europäischen Zentralbank. Sie entscheidet also nicht, wie viel Geld in einer Volkswirtschaft umläuft, sondern zu welchem Preis - eben den Leitzinsen - sie Kredite an die Banken gibt. Diese leiten das Geld dann an Unternehmen und Verbraucherinnen und Verbraucher weiter. Da sie nicht alles ausgeliehene Geld vorrätig halten müssen, sondern nur eine Mindestreserve, schöpfen die Banken Geld.

Die niedrigen Leitzinsen vor allem in den USA haben sicherlich zur Finanzmarktkrise beigetragen. Viel wichtiger ist aber, dass es keine effektiven Regeln für die Finanzmärkte gab und größtenteils immer noch nicht gibt. Niemand sollte sich von dem Mythos blenden lassen, allein die Zinspolitik der Fed sei schuld an dem gegenwärtigen Desaster. Verantwortlich sind die Gier der Manager und Anleger sowie die schlechten Regeln, für die die Politik die Verantwortung trägt. Wir Grüne streiten für neue Regeln an den Finanzmärkten, die sich an Stabilität, Verbraucherschutz und Nachhaltigkeit orientieren.

Ich hoffe, dass Ihnen meine Antwort weiterhilft.

Mit freundlichen Grüßen
Renate Künast
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Frage zum Thema Soziales und Familie
16.08.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Künast,

ich als grüner Stammwähler bin in diesem Jahr in einem Dilemma.
Nachdem das von Ihrer Partei gepriesene Experiment Schwarz-Grün in Hamburg aus meiner Sicht nicht anderes ist als verlogene Postenwirtschaft für Grün und grüne Inhalte eigentlich nicht durchgesetzt werden konnten (Ich hätte mir nach dem unappetiltlichen Vorfall mit dem Kohlekraftwerke eine ehrliche Aufkündigung der Koalition gewünscht), habe ich ANGST, dieses Jahr Grün zu wählen, und damit Mehrheitsbeschaffer für die CDU zu werden.

Meine Frage: Ist es Absicht, dass auf den Wahlplakaten der Grünen die obere linke Ecke schwarzgefärbt ist? Soll dies Ihre Wähler auf unbequeme Wahrheiten vorbereiten?

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Direktwahlbezirk
Antwort von Renate Künast
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25.09.2009
Sehr geehrter Herr ,

ich danke für Ihre Frage.

Die Koalition in Hamburg basiert auf sehr guten Vereinbarungen gerade in der Schul-, aber auch in der Umweltpolitik. Die Entscheidung zum Kohlekraftwerk ist das Ergebnis eines Gerichtsbeschlusses.

Ich freue mich, dass Sie grüner Stammwähler sind. Die farbliche Gestaltung unserer Wahlplakate sollte daran nichts ändern. Die Farben haben keine politischen Aussagen - mit einer Ausnahme: Wir setzen auf ein starkes grün!

Mit freundlichen Grüßen

Renate Künast
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Frage zum Thema Finanzpolitik
23.08.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Künast,

der unserem Wirtschaftssystem zugrunde liegende Mechanismus der Geldschöpfung bildet die Grundlage meiner Frage:

Geld wird in unserer Gesellschaft fast ausschließlich erschaffen, indem Schulden aufgenommen werden: Jedes Mal, wenn jemand bei einer Geschäftsbank einen Schuldschein unterschreibt (ein einzelner Mensch oder aber auch der Staat), wird Geld der gleichen Menge praktisch aus dem Nichts als Buchgeld neu geschaffen und in Umlauf gebracht.

Da die Schuldner aber sowohl diese Summe als auch die anfallenden Zinsen und Zinseszinsen zurückzahlen müssen, ist stets weniger Geld in Umlauf, als zurückgezahlt werden soll. Die Folge dieser Diskrepanz ist die Notwendigkeit, immer neue Schulden aufzunehmen, um die alten zu finanzieren.

Aus diesem Zusammenhang folgt sowohl der Wachstumszwang unseres Wirtschaftssystems, als auch die Zwangsläufigkeit von periodisch auftretenden Krisen wie der derzeitigen, weil diese ständig wachsenden Schuldenblasen irgendwann absurd groß werden und platzen müssen.

Die Frage an Sie:

Ist die hier geschilderte Praxis der Geldschöpfung durch Schuldenaufnahme im Zusammenhang mit der aktuellen Krise ein Thema für Sie persönlich oder in Ihrer Partei allgemein? Gibt es Stellungnahmen dazu?

Danke für Ihre Bemühungen und mit freundlichen Grüßen,

Dr. G.
Antwort von Renate Künast
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25.09.2009
Sehr geehrter Herr Dr. ,

vielen Dank für Ihre Frage.
Die lockere Zentralbankpolitik der vergangenen Jahre hat die Finanzmarktkrise begünstigt. Statt auf die Blasenbildung bei Immobilien und Finanzmärkten zu achten, haben sich die Zentralbanken zu sehr auf die angeblichen oder realen Inflationsgefahren konzentriert. Bis heute hat keine Zentralbank deutlich gemacht, wie sie ihre Politik künftig ändern will, damit die Finanzmärkte besser und zuverlässiger in ihre Politik mit einbezogen wird. Wir Grünen fordern an dieser Stelle eine gründliche Aufarbeitung und Neuorientierung.

Für uns Grüne ist klar: Es darf kein Zurück zum Zustand vor der Krise geben, wie es Angela Merkel fordert. Kurzfristiges Profitstreben ist letztlich verantwortlich für die Krise. Wir setzen nachhaltiges Wirtschaften dagegen, das auf soziale Gerechtigkeit, einen behutsamen Umgang mit den natürlichen Ressourcen und ökologische Erneuerung setzt. Mit unserem Grünen New Deal haben wir eine durchdachte Idee vorgelegt, mit der wir die drei großen Krisen - Klima, Wirtschaft und globale Gerechtigkeit - gemeinsam bekämpfen wollen.

Sie sprechen in Ihrer Frage das Wachstums-Thema an. Wir Grünen setzen der blinden Wachstumseuphorie der anderen Parteien das zielgerichtete Prinzip der Nachhaltigkeit entgegen. Wachstum auf Kosten der nachwachsenden Generationen ist unethisch, kurzfristig und zerstörerisch. Deswegen wollen wir einen zurückhaltenden und effizienten Umgang mit den natürlichen Ressourcen in unserer Wirtschaft durchsetzen. Unser Einsatz für erneuerbare Energien ist nur ein Beispiel unter vielen, wie wir dieses Ziel erreichen wollen. In der Finanzmarktpolitik setzen uns für mehr nachhaltiges Investment ein, für Verbraucherschutz und Stabilität. Erst zu Beginn dieser Woche hat die Financial Times Deutschland die Grüne Finanzmarktpolitik explizit gelobt. Wenn Sie Interesse an der Finanzmarktpolitik der Grünen Bundestagsfraktion haben, schauen Sie doch mal unter www.gruene-bundestag.de --> Themen --> Finanzen vorbei. Über Ihr Interesse würde ich mich freuen.

Mit freundlichen Grüßen
Renate Künast
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