Prof. Monika Grütters (CDU)
Kandidatin Bundestagswahl 2009
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Grunddaten
Prof. Monika Grütters
© Rieken
Jahrgang
1962
Berufliche Qualifikation
Literaturwissenschaftlerin und Kunsthistorikerin
Ausgeübte Tätigkeit
MdB, Vorstand Stiftung "Brandenburger Tor" der Landesbank Berlin Holding AG
Wohnort
Berlin
Wahlkreis
Berlin-Marzahn - Hellersdorf
Ergebnis
19,4%
Landeslistenplatz
1, Berlin
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(...) Die aktuelle Situation bei der S-Bahn ist schockierend. Wenn sich die letzten Erkenntnisse erhärten sollten, haben Führungskräfte der S-Bahn in den vergangenen 5 Jahren die Sicherheit der Fahrgäste der S-Bahn wissentlich aufs Spiel gesetzt. Dass die Staatsanwaltschaft hierzu Ermittlungen prüft, halte ich für richtig. (...)
Kandidaten-Check
Beim Kandidaten-Check können Sie Ihre eigenen politischen
Überzeugungen mit denen Ihrer Kandidaten vergleichen.
Prof. Monika Grütters hat sich am Kandidaten-Check beteiligt und zu allen von 32 Thesen Position bezogen.
Fragen an Prof. Monika Grütters
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Frage zum Thema Bürgerrechte, Daten und Verbraucherschutz
09.09.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Grütters,

ich nahm an der heutigen Veranstaltung in der Melanchthon-Oberschule teil und hätte Ihnen gerne diese Fragen dort gestellt, aber aus Zeitgründen ihrerseits war dies leider nicht mehr möglich.

1. Woher nehmen Sie die Behauptung, das Internet sei ein rechtsfreier Raum? Im Internet gilt dasselbe Recht wie auch in der realen Welt. Wenn Sie etwas bei einem Online-Versandhändler erstehen und es nicht bezahlen, können Sie rechtlich genauso belangt werden wie bei einer Bestellung über einen Katalog. Wenn Sie im Internet gemobbt werden, können Sie dagegen genauso vorgehen. Statt diese hohle Phrase immer und immer wieder zu predigen, sollten Sie sich bitte stattdessen mal mit diesem Satz auseinandersetzen. Ich empfehle Ihnen sowohl einen SPIEGEL-Beitrag ( www.spiegel.de ) als auch die Aussage zum rechtsfreien Raum eines Juristen, der u.a. mit Internet-Recht zutun hat ( www.lawblog.de ).

2. Bitte nennen Sie mir Länder, in denen Kinderpornographie nicht verboten ist, wo eine Internet-Infrakstruktur existiert und in denen tatsächlich Server mit kinderpornographischen Inhalten stehen. Nach einer Kleinen Anfrage durch die FDP liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse darüber vor. In den 95 Ländern, von denen Frau von der Leyen spricht, verbieten 71 Länder per se Pornographie, worunter natürlich auch Kinderpornographie fällt. Und in Ländern wie dem Irak, Osttimor oder dem Kongo, die tatsächlich diese "Schurkenstaaten" sind, ist es stark zu bezweifeln, dass diese kinderpornographische Inhalte im Internet anbieten. Ich stimme Ihnen vollstens zu, dass etwas gegen Kinderpornographie im Internet getan werden muss - aber effektiv! Investieren Sie den dreistelligen Mio.-Betrag für die Zensur-Infrastruktur lieber in eine effiziente Strafverfolgung, als zu versuchen, die Inhalte zu verstecken.

Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen,
Antwort von Prof. Monika Grütters
1Empfehlung
17.09.2009
Prof. Monika Grütters
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Fragen. Gerne beantworte ich diese, obwohl ich ein wenig das Gefühl habe, dass Sie nicht ernstlich an einer Antwort interessiert sind, sondern mich eher belehren wollen. Ich sehe das Internet nicht als rechtsfreien Raum, der regellos in der Anarchie versinkt. Das können Sie auch den Antworten entnehmen, die ich zu dem von Ihnen angesprochenen Themenkomplex auf dieser Plattform gegeben habe. Ich bin aber der Meinung, dass wir uns auch für den Bereich des Internets durchaus darüber Gedanken machen sollten, wie Verstöße gegen geltendes Recht besser verhindert werden können. Denn §184b StGB. stellt nach Interpretation des Bundesgerichtshofes nicht nur die Verbreitung, sondern auch die Betrachtung von kinderpornographischem Inhalt im Internet unter Strafe.

Zur Problematik von Servern mit kinderpornographischen Inhalten im Ausland ist aus meiner Sicht insbesondere entscheidend, dass diese Angebote dort konsequent so bekämpft werden, wie wir das auch in Deutschland wollen. Es geht nicht darum, ob die abscheuliche Tat auch formal unter Strafe gestellt ist, was für mich eine Selbstverständlichkeit ist, sondern darum, ob die jeweiligen Strafverfolgungsbehörden in den Ländern in der Lage sind, diese Gesetze auch durchzusetzen und der Strafverfolgung dieser Taten eine gewisse Priorität einzuräumen. Europol hat in diesem Zusammenhang bereits Erfolge erzielen können, und in diese Richtung muss aus meiner Sicht auch unser Bemühen intensiviert werden. Ich habe stets deutlich gemacht, dass für mich die Löschung dieser Inhalte vor der Sperrung kommt. Allerdings ist klar, dass es durchaus auch Staaten gibt, bei denen deutsche Rechtshilfegesuche nicht in der gewünschten Geschwindigkeit bearbeitet werden können oder Kritik in dieser Hinsicht noch immer als Einmischung in innere Angelegenheiten missverstanden wird. In diesen Fällen nutzt auch kein weiterer Ausbau der Strafverfolgungskapazitäten in Deutschland. Daher sehe ich an dieser Stelle in der Sperrung solcher Angebote, die sich dem direkten Zugriff unserer Behörden entziehen, eine Möglichkeit, dem Straftatbestand nach §184 StGB. Einhalt zu gebieten.

Mit freundlichen Grüßen

Monika Grütters
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Frage zum Thema Rolle der Regionen und Kommunen
10.09.2009
Von:

Sehr geehrte Fr. Grütters,
Ihre Partei ist strikt gegen die Partei "Die Linke". Wie erklären Sie sich dann, daß Ihre Kollegen im Bezirksparlament Marzahn-Hellersdorf 2006 eine Politikerin von "Die Linke" zur Bürgermeisterin von Marzahn-Hellersdorf gewählt haben?
MfG
Antwort von Prof. Monika Grütters
1Empfehlung
15.09.2009
Prof. Monika Grütters
Sehr geehrte Frau ,

gerade auf kommunalpolitischer Ebene versteht die CDU ihre Aufgabe darin, zur Umsetzung ihrer inhaltlichen Schwerpunkte mit allen demokratischen Parteien zu sprechen und um Mehrheiten zu werben.

Dies ist uns in Marzahn-Hellersdorf auch mit der Partei "Die Linke" gelungen, als es darum ging, die katastrophalen Auswirkungen des Straßenausbaubeitragsgesetzes auf die Grundstücksbesitzer in unserem Bezirk zu verhindern, das Gründerzeitmuseum mit öffentlichen Fördermitteln zu sanieren und das Krankenhaus Kaulsdorf gegen den Willen der Berliner SPD zu erhalten und zu sanieren. Da wir diesen Prozess so transparent wie möglich darstellen wollten, haben wir dies in einem Brief an alle Bewohner in den betreffenden Ortsteilen mitgeteilt.

Nicht richtig ist jedoch, dass wir Frau Pohle zur Bezirksbürgermeisterin gewählt haben. Es galt zu akzeptieren, dass nach dem Scheitern der Zählgemeinschaft aus CDU, SPD, Grüne und FDP nur noch "Die Linke" das Vorschlagsrecht für den Bezirksbürgermeister hatte. Dieses demokratische Recht, entstanden aus dem Wählervotum, galt es zu akzeptieren. Und nur dies haben wir getan.

Mit freundlichen Grüßen
Monika Grütters
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Frage zum Thema Bildung und Kultur
18.09.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Prof. Monika Grütters,

zu Ihren Stellungnahmen hab ich einige Fragen an Sie.

1. Dreigliedriges Schulsystem
Nach Ihrer Auffassung haben die Inhalte und nicht die Struktur die Priorität. Wie stellen Sie sich die Lehrinhalte vor, wenn Schüler, die eigentlich eine sehr gute Realschulempfehlung erhalten haben, mit Schülern die gerade so eine Hauptschulempfehlung haben, in eine Klasse kommen. Die Lehrer müssten grundsätzlich Rücksicht auf die Schwächeren Schüler nehmen und könnten die Stärkeren nicht angemessen fördern. Wie soll das langfristig eine Verbesserung nach sich ziehen?

2. Kassensystem

Wie können wir am Besten bzw. am Schnellsten die Disparitäten zwischen Kassenpatienten und Privatversicherten überwinden? Ich denke dabei an unterbezahlte Ärzte, überfüllte Warteräume und benachteiligte Behandlung der Kassenpatienten.

3. Parteiverbot

Nach Ihren Aussagen sollte die NPD verboten werden. Wie sehen Sie die Gefahr der Linksextremen Parteien, inklusive der LINKEN. Sollten diese Parteien dann nicht auch verboten werden?

4. Koaltion

Nun komm ich auch schon zu meiner letzten Frage.
Wie sehen sie die Koalitionsmöglichkeiten auf der Bundesebene, aber auch auf der Landesebene? Schwarz-Gelb, Jamaica, Schwarz-Rot (natürlich nur auf die SPD bezogen) ?

PS: Wir haben die Kraft!

Hochachtungsvoll
Antwort von Prof. Monika Grütters
bisher keineEmpfehlungen
24.09.2009
Prof. Monika Grütters
Sehr geehrte Frau ,

vielen Dank für Ihre Fragen. Bezüglich Ihrer Frage nach dem dreigliedrigen Schulsystem haben Sie meine Antwort vielleicht ein wenig missverstanden. Ich möchte nicht, dass wir die Debatte um das Schulsystem ausschließlich um die Frage nach der Anzahl der Schultypen führen. Ich glaube, dass wir mit einer Einheitsschule nicht zurechtkommen werden, da wir dort die individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler nicht sinnvoll unter einen Hut bekommen werden. Ob die Alternative dann in einem zwei - oder dreigliedrigen Schulsystem besteht, ist aus meiner Sicht weniger wichtig als die Notwendigkeit, dass man zwischen den verschiedenen Typen eine möglichst hohe Durchlässigkeit gewährleistet. Dadurch lässt sich dann nämlich erst sicherstellen, dass Kinder entsprechend ihren Fähigkeiten auch die bestmöglichen Bildungsmöglichkeiten erhalten. Dazu gehört auch eine vernünftige und effektive finanzielle Ausstattung der Schulen. Dies ist in Berlin leider nicht gewährleistet. Es gibt in Berlin zu wenige Gymnasiumsplätze, so dass der Berliner Senat diese in seiner Not nun unter Berlins Schülerinnen und Schülern verlosen will, anstatt mehr Plätze zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus ist Berlin im aktuellen Bildungsmonitor wieder Schlusslicht, obwohl der Senat so viel Geld für die Schulen ausgibt wie kaum ein anderes Bundesland. Auch dies ist letztlich ein Nachweis dafür, dass der Berliner Senat in Bildungsfragen schon lange nicht mehr Herr der Lage ist.

In der Frage der Gesundheitspolitik ist für mich ganz klar, dass alle Menschen in unserem Land ein Recht auf eine qualitativ hochwertige und wohnortnahe medizinische Versorgung haben. Das muss natürlich unabhängig von Faktoren wie Einkommen, Alter, sozialer Herkunft oder gesundheitlichem Risiko gelten. Um dieses Ziel zu erreichen, ist aus meiner Sicht eine schrittweise Weiterentwicklung des Gesundheitsfonds der beste Weg. Weder eine reine Staats- noch eine reine Kassenmedizin wäre aufgrund des medizinischen und medizinisch-technischen Fortschritts sowie des demografischen Wandels alleine in der Lage, für eine umfassende gesundheitliche Versorgung mit vertretbaren Kosten zu sorgen. Mithilfe des Gesundheitsfonds können Struktur, Organisation und Finanzierung sowohl der gesetzlichen als auch der privaten Krankenversicherung weiterentwickelt werden. Auf diese Weise können wir für mehr Transparenz, Wettbewerb und weniger Bürokratie im Gesundheitswesen sorgen. Damit steigern wir die Qualität medizinischer Versorgung und sorgen dafür, dass die vorhandenen Mittel effizienter eingesetzt werden.

Hinsichtlich der Frage von Parteiverboten möchte ich klarstellen, dass ich ein NPD - Verbotsverfahren unterstütze, sofern die Voraussetzungen dafür geschaffen werden können. Ein neuerliches Scheitern eines Verbotsverfahrens hätte fatale Wirkung und muss daher unbedingt vermieden werden. Außerdem ist auch die Beobachtung der NPD durch den Verfassungsschutz ein wirksames Instrument, weshalb hier gründlich abgewogen werden muss. Deutlich machen möchte ich an dieser Stelle, dass zwischen der NPD und der Linkspartei große Unterschiede bestehen. Während die NPD aus meiner Sicht zweifelsfrei eine verfassungsfeindliche Organisation ist, kann man das für die Linkspartei nicht behaupten. Doch gibt es einzelne Gruppen innerhalb der Partei, die der Bundesrepublik Deutschland feindlich gegenüberstehen und vor diesem Hintergrund auch vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Dies ist, bei allen inhaltlichen Differenzen, aber keinesfalls auf die gesamte Linkspartei zu übertragen. Daher halte ich ein Verbotsverfahren der Linkspartei überhaupt nicht für denkbar oder sinnvoll.

Zur Frage von Koalitionen möchte ich vorab deutlich machen, dass die Wahl von Regierungen in den Bundesländern aber auch im Bund noch immer die ausschließliche Aufgabe der Menschen in unserem Land ist. Sie bestimmen die politischen Kräfteverhältnisse und ziehen damit die Grenzen, innerhalb derer sich die Parteien bewegen. Deshalb finde ich es nicht gut, wenn man als Politiker bestimmte Koalitionen kategorisch ausschließt. Eines der zentralen Merkmale demokratischer Parteien ist es, ergebnisoffen, inhaltsbezogen und fair miteinander umzugehen. Damit will ich natürlich nicht der Beliebigkeit in Koalitionsfragen das Wort reden. Ich finde es wichtig und richtig, dass die Parteien dem Bürger sagen, welche Partner ihnen inhaltlich am nächsten stehen. Für den Fall, dass der Bürger dann anders entscheidet, muss man aber auch in der Lage sein, die staatspolitische Verantwortung, die dem Wählerauftrag inne wohnt, wahrzunehmen. Für die Bundestagswahlen halte ich eine Koalition aus CDU/CSU und FDP für das beste Modell, um Deutschland sicher und gestärkt aus der Wirtschaftskrise zu bringen. Etwas anders stellt sich die Situation auf Landesebene in der Großstadt Berlin dar. Hier sehe ich zur Zeit relativ große Gemeinsamkeiten zwischen der CDU und den Grünen, inwieweit eine solche Konstellation in Berlin tragfähig ist, wird sich vielleicht in der Zukunft erweisen.

Mit freundlichen Grüßen

Monika Grütters
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