Prof. Jörn Thießen (SPD)
Abgeordneter Bundestag 2005-2009
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Grunddaten
Prof. Jörn Thießen
Jahrgang
1961
Berufliche Qualifikation
Pastor
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Steinburg - Dithmarschen Süd
Landeslistenplatz
8, Schleswig-Holstein
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(...) Auch den Posten des Sektenbeauftragten der SPD-Bundestagsfraktion bekleide ich nicht als evangelischer Pastor. Es ist eine politische Aufgabe, mich mit Psychokulten und pseudoreligiösen Gruppierungen im Hinblick darauf zu beschäftigen, ob sie sich rechtskonform und im Rahmen des Grundgesetzes bewegen - insbesondere dann, wenn sie als konfliktträchtig gelten. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Inneres und Justiz
07.01.2007
Von:

Sehr geehrter Herr Tießen,

ich habe eine Tochter (8Jahre) die ich seit einem Jahr nicht gesehen habe. Sie wird vom Kindesvater entfremdet und dieser bekommt dabei ausreichend Unterstützung, denn seit einem Jahr hat es das Gericht nicht geschafft den Umgang wieder herzustellen!!! Ich habe ich einen ganz einfachen Vorschlag wie Eltern, die ihre Kinder dem ausserhalb lebenden Elternteil entziehen, Grenzen gesetzt werden können.
Wie man aus zahlreichen Internetveröffentlichungen erkennen kann, scheinen die vorhandenen Gesetze nicht ihren Zweck zu erfüllen, da sie nicht entsprechen angewendet werden (können?). Googeln Sie doch mal: Parental Alienation Syndrom, oder Kind und Entfremdung.

Ich zahle monatlich € 294 Kindesunterhalt für meine Tochter die seit einem Jahr nicht gesehen habe! Meine Tochter lebt in Ihrem Wahlkreis!

Warum koppelt man den Kindesunterhalt nicht an einen verlässlichen Umgang?

Ein Beispiel:
Der Kindesunterhalt wird bei Umgangsboykott auf ein Notar-Anderkonto gezahlt. Sobald wieder ein verlässlicher und dauerhafter Umgang (mindestens 3 Monate lang!) stattfindet, fliesst das Geld wieder auf das Konto des Elternteils bei dem das Kind lebt. Der auf dem Anderkonto eingegangene Betrag verbleibt dort, bis zur volljährigkeit des Kindes, welcher dann z.B. für die Ausbildung oder Führerschein verwendet werden kann. Der entfremdende Elternteil muss nicht mehr machen als dem Kind, so wie es das Gesetz vorsieht, den Umgang mit dem anderen Elternteil zu ermöglichen.

Laut Gesetz ist der ausserhalb lebende Elternteil für die finanzielle Versorgung, und der Elternteil bei dem das Kind lebt für die ”Fürsorge und Pflege” des Kindes verantwortlich. Herr Thießen, wenn ein Kind keinen Kontakt zu beiden Elternteilen hat und dieser weder gefördert noch, wie es das Gesetz ebenfalls vorsieht, positiv beeinflusst wird, kann man doch davon ausgehen, dass dem Kind weder Fürsorge noch Pflege zukommt.

Was halten Sie von meinem Vorschlag? Freundliche Grüße

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Frage zum Thema Umwelt
10.02.2007
Von:

Sehr geehrter Herr Thießen!

Ihre Absicht, der Jugend das Thema Umweltschutz näher zu bringen, finde ich lobenswert.
Wie wollen Sie aber erklären, dass die Politik es duldet, dass durch den Bau von Skisporthallen (Wittenburg und Bispingen), Eisworld,(Lübeck), Skirennstrecken am Rhein, Festbeleuchtung vor Weihnachten in Eutin z. B.Unmengen von Energie verschleudert werden? Dagegen sind die Bemühungen des einzelnen Bürgers doch Peanuts! Warum redet auch niemand vom Flugverkehr, der in großer Höhe unendlichen Schaden anrichtet? (Keine Steuer auf Flugbenzin)
Meiner Meinung nach müsste die Politik neben der Sensibilisierung des Bürgers für umweltschonende Maßnahmen zuerst den Missbrauch der Energie (Spaßfaktor!) unterbinden!

Mit freundlichen Grüßen,


P.S.: Manchmal fürchte ich, dass die Menschheit wirklich mal an ihrer Dummheit zugrunde geht.
Antwort von Prof. Jörn Thießen
4Empfehlungen
12.02.2007
Prof. Jörn Thießen
Liebe Frau ,

Sie haben natürlich völlig recht. Neben den Beispielen, die Sie nennen, fällt auch mir einiges ein, wo unser Energieverbrauch geradezu abenteuerlich anmutet. Der Ehrlichkeit halber muss man sagen, dass Skihallen gar keine schlechte Energiebilanz haben: Der Stromverbrauch ist geringer als etwa bei einem Freibad. Trotzdem muss es für uns alle darum gehen, Zeichen zu setzen. Wie wäre es zum Beispiel, wenn die Stadt Itzehoe ihre überbordende Gebäudebeleuchtung abends etwas einschränken würde? Es gibt so vieles, das man tun kann, auch im kleinen Rahmen.

Auf meiner Website www.joernthiessen.de habe ich eine Checkliste für den Klimaschutz veröffentlicht, die beides enthält: Forderungen an die Politik, aber auch Dutzende von Maßnahmen, mit denen jeder einzelne einen Beitrag leisten kann. Das sind mehr als nur Peanuts, auch wenn sich einzelne Ideen vielleicht nur niedlich anhören: Wenn alle Haushalte in Deutschland konsequent Energie sparen würden, könnten die Treibhausgasemissionen um Millionen von Tonnen gesenkt werden - zehn Prozent Reduktion des Ausstoßes von Kohlendioxid allein durch Änderungen im Verhalten der Bürgerinnen und Bürger sind da locker drin! Ihre Mahnungen an die Politik unterstütze ich ohne Vorbehalt, aber Sie und ich müssen weiter unermüdlich mit gutem Beispiel voran gehen, auch wenn wir uns über Verschwendungen bei Großverbrauchern ärgern.

Herzliche Grüße
Jörn Thießen
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Frage zum Thema Familie
26.02.2007
Von:

Sehr geehrter Herr Thießen,
z.Zt frage ich mich, was will die SPD überhaupt? Und wenn vertritt diese Partei überhaupt noch?
Die aktuelle Debatte über die Finanzierung der Kinderkrippen und der Vorschlag ihrer KollegenInnen in Berlin treiben mir die Zornesrote ins Gesicht. Wir,meine Frau und ich erziehen und finanzieren die Erziehung unserer Kinder. Meine Frau leistet dabei ohne Entgelt Erziehungsarbeit. Mit Ihrem Vorschlag zur Finanzierung zeigen "sie" nunmehr wieder die Familienfeindliche Einstellung ihrer "vergreißten Volksvertreter" Wann entdlich tritt Ihre SPD dafür ein, das Kinder eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sind ?
Gerne würde ich mich mit Ihnen unterhalten. jederzeit auch in Berlin.

Mit vielen Grüßen

Betriebsratsmitglied in einem großen Nordostdeutschen Energieversorgungsunternehmen
Antwort von Prof. Jörn Thießen
6Empfehlungen
27.02.2007
Prof. Jörn Thießen
Lieber Herr ,

am schlimmsten trifft mich Ihr Vorwurf des vergreisten Volksvertreters. Bislang hatte ich mir eingebildet, dass ich mit meinen 45 Jahren und den drei minderjährigen Kindern noch ein gewisses Maß an Realitätsnähe für mich in Anspruch nehmen kann. Ihr Generalverdacht, dass hier in Berlin nur senile Nichtsnutze tätig sind, ist schwer erträglich. Ich möchte mich Ihnen deshalb zu einem persönlichen Gespräch anbieten, bei dem ich hoffe, dass Sie einen besseren Eindruck von uns davontragen.

Auch in der Sache möchte ich Sie zunächst um Mäßigung bitten - ich hoffe, dass Sie lediglich den Finanzierungsvorschlag kritisieren, nicht die Maßnahmen, die wir vorgeschlagen haben. Wir sind uns alle einig, dass große Versäumnisse im Bereich der Kinderbetreuung, der Erziehung und der Schulpolitik uns an das untere Ende fast jeder international vergleichenden Statistik gebracht haben. Ob wir den Zustand der Bildung in Deutschland, die materielle Situation von Kindern oder andere Fragen betrachten - überall haben wir einen erheblichen Nachholbedarf. Wir brauchen Ideen, wie diese Defizite möglichst rasch auszugleichen sind. Wir müssen uns außerdem darüber unterhalten, wie wir das finanzieren wollen. Meine erste Präferenz ist ein Verzicht auf die Erhöhung des Kindergeldes sicher nicht. Wir sind auch dazu gewählt, verschiedene Ideen offen zu diskutieren, ohne sofort dafür verprügelt zu werden.

Herzliche Grüße
Jörn Thießen
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Frage zum Thema Familie
27.02.2007
Von:

Sehr geehrter Herr Thießen, ich bin momentan ratlos über die halsbrecherischen Vorstöße Ihrer Partei.
Ehe, Familie zählen offensichtlich in Ihrer Partei nicht mehr. Warum wird in Zeiten, wo viele junge Elternteile keine Arbeit haben so getan, als ob unbedingt die jungen Mütter den Arbeitsmarkt in Schwung bringen müssen?
Warum stützt sich Ihre Partei seit Renate Schmidt auf solche falschen oder opportunen Personen wie den Herrn Fthenakis, der selbst einmal behauptet hat, daß ihm kein deutscher Richter widersprechen würde?
Warum soll ich die SPD noch wählen?
Für welche konservativen Werte steht Ihre Partei noch?
Seit dem Afghanistan-Krieg habe ich in Ihre Partei kein Vertrauen.
Freundliche Grüße
Antwort von Prof. Jörn Thießen
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27.02.2007
Prof. Jörn Thießen
Liebe Frau ,

die Familie ist eine der wichtigsten Säulen unserer Politik. Große Teile unseres Hamburger Grundsatzprogramms ruhen darauf, das wir im Oktober verabschieden werden. Die SPD-Familienpolitik ist so gut, dass sogar die christdemokratische Familienministerin sich einige ihrer Prinzipien zu eigen macht. Wir haben schon vor Übernahme der Regierungsverantwortung durch die Große Koalition auf unserem SPD-Bundesparteitag in Karlsruhe im vorletzten Jahr deutlich unterstrichen, dass Familien-, Kinder und Bildungspolitik knallharte Zukunftsthemen sind. Wer sagt, wir würden traditionelle Familienstrukturen diffamieren, denkt nicht mit. Glaubt wirklich jemand, alleinerziehende Mütter hätten ihr Schicksal selbst gewählt? Wir wollen niemanden zurück lassen, auch diejenigen nicht, die aus wirtschaftlichen Gründen nicht als Vollzeitmutter tätig sein können. Ich finde die klassischen Familienbande außerordentlich erstrebenswert. Ich weiß allerdings, dass auch intakte Elternhäuser es sich häufig nicht leisten können, ein Elternteil ganz und gar zu Hause zu belassen.

Ich will nicht verhehlen, dass ich mir eine andere Finanzierungslösung wünsche, als sie bislang von meiner Partei vorgeschlagen und diskutiert wird. Ich bin aber sicher, dass wir in den nächsten Tagen zu einer weniger erhitzten Debatte über dieses Thema zurück finden, bei der sich dann auch meine Vorstellungen von einem vernünftigen Lastenausgleich wiederfinden werden. Wichtig erscheint mir nämlich vor allem, dass in unserer Gesellschaft die Last des Kinderhabens nicht ausschließlich auf den Schultern derer verbleibt, die Kinder haben. Hier muss es eine gerechtere Verteilung geben.

Herzliche Grüße
Jörn Thießen
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Frage zum Thema Inneres und Justiz
24.06.2007
Von:

Sehr geehrter Herr Prof. Thießen,

der Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Neuregelung der Telekommunikationsüberwachung sieht vor, Telekommunikationsunternehmen ab 2008 zu verpflichten, Daten über die Kommunikation ihrer Kunden auf Vorrat zu speichern. So soll nachvollziehbar werden, wer mit wem in den letzten sechs Monaten per Telefon, Handy oder E-Mail in Verbindung gestanden hat. Bei Handy-Telefonaten und SMS soll auch der jeweilige Standort des Benutzers festgehalten werden. In Verbindung mit anderen Daten soll zudem die Nutzung des Internet nachvollziehbar werden.

Letztlich würden ohne jeden Verdacht einer Straftat sensible Informationen über die sozialen Beziehungen (einschließlich Geschäfts­be­ziehung­en), die Bewegungen und die individuelle Lebenssituation (z.B. Kontakte mit Ärzten, Rechtsanwälten, Psychologen, Beratungsstellen) von über 80 Millionen Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern gesammelt werden. Damit höhlt eine Vorratsdatenspeicherung Anwalts-, Arzt-, Seelsorge-, Beratungs- und andere Berufsgeheimnisse aus und begünstigt Wirtschaftsspionage. Sie untergräbt den Schutz journalistischer Quellen und beschädigt damit die Pressefreiheit im Kern. Die enormen Kosten einer Vorratsdatenspeicherung sind von den Telekommunikationsunternehmen zu tragen. Dies wird Preiserhöhungen nach sich ziehen, zur Einstellung von Angeboten führen und mittelbar auch die Verbraucher belasten.

Wie stehen Sie persönlich zu diesem Vorhaben? Ist Ihnen bekannt, dass 54% der SPD-Wähler in einer Forsa-Umfrage vom Juni 2007 eine 6-monatige Speicherung aller Verbindungsdaten als "unzulässigen Eingriff in die Freiheitsrechte" bezeichnet haben?

Bitte senden Sie mir eine individuelle Antwort, da mich Ihre persönliche Meinung interessiert. Das Formschreiben Ihrer Fraktion zu diesem Thema ist mir bereits bekannt.

Mit freundlichem Gruß,
Antwort von Prof. Jörn Thießen
85Empfehlungen
07.08.2007
Prof. Jörn Thießen
Lieber Herr ,

herzlichen Dank für Ihre Anfrage, die ich leider erst heute beantworten kann.

Sie fragen mich nach meiner persönlichen Meinung. Um es in aller Deutlichkeit zu sagen: Ich halte nichts von diesem Unterfangen, weil es einen Eingriff in die bürgerlichen Individualrechte vornimmt, den ich für unvereinbar mit dem Grundgesetz erachte. Warum eine Maßnahme durchgesetzt werden soll, die nach meiner Überzeugung nichts bringt, horrende Kosten verursacht, juristisch auf tönernen Füßen steht, vom Deutschen Bundestag erst 2005 verworfen wurde und auch in der Bevölkerung von einer breiten Mehrheit abgelehnt wird, ist mir persönlich unverständlich.

Die Bundesregierung folgt mit ihrem Gesetzentwurf zwar nur ihrer Umsetzungspflicht nach EU-Gemeinschaftsrecht, aber selbst der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages hat darauf hingewiesen, dass sehr wahrscheinlich von einer Ablehnung der Vorratsdatenspeicherung durch den Europäischen Gerichtshof schon aus formalen Gründen auszugehen ist. Unabhängig vom Inhalt hat deshalb jeder nationale Gesetzentwurf, der auf Grundlage der EU-Direktive eingebracht wird, zumindest diesen Makel – solange wir nicht wissen, ob die EU-Richtlinie überhaupt Bestand haben wird, kann man sich auch nicht ernsthaft mit ihrer Umsetzung in deutsches Recht beschäftigen. Ich hielte es für geboten, zumindest die Entscheidung am Europäischen Gerichtshof abzuwarten, bevor der Deutsche Bundestag erneut mit diesem Vorhaben befasst wird.

Darüber hinaus erscheint mir der vorliegende Entwurf stark mängelbehaftet: Es fehlt die von der EU-Kommission vorgesehene Übergangsfrist für Internet-Provider bis 2009, eine Entschädigungsregelung für die betroffenen Unternehmen der Branche, und die im ursprünglichen Referentenentwurf noch enthaltene Beschränkung auf schwere Straftatbestände. Selbst wenn die EU-Richtlinie rechtmäßig sein sollte und ihre Umsetzung in deutsches Recht geboten erscheint: Ich werde etwas, das sogar noch strenger als die Brüsseler Vorlage vorgehen will, nicht unterstützen, und ich hoffe sehr, dass die im September anstehenden Expertenanhörungen auch viele meiner Kollegen in beiden Fraktionen der großen Koalition davon überzeugen, dass hier ein falscher Weg eingeschlagen werden soll.
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