Petra Pau (DIE LINKE)
Kandidatin Bundestagswahl 2005
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Petra Pau
Jahrgang
1963
Berufliche Qualifikation
Lehrerin
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wohnort
-
Wahlkreis
Berlin-Marzahn-Hellersdorf
Ergebnis
42,6%
Landeslistenplatz
2, Berlin
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Persönliche Website
www.petrapau.de
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Frage zum Thema Bürgerrechte
15.08.2005
Von:

Sehr geehrte Frau Pau,

in ihrem Profil auf der Website des Bundestages steht über sie geschrieben:

Studium an der Parteihochschule "Karl Marx”, 1988 Diplomgesellschaftswissenschaftlerin. 1983 bis 1985 Pionierleiterin und Lehrerin. 1988 bis 1990 Mitarbeiterin für Aus- und Weiterbildung in der Pionierorganisation/Zentralrat der FDJ; [...] 1983 Mitglied der SED

Meine Frage nun:
wie stehen sie heute dazu, dass sie aktiv ein totalitäres System gestützt haben, und im Rahmen ihrer führenden FDJ Tätig auch die Jugend im Sinne der SED geformt haben?
Antwort von Petra Pau
6Empfehlungen
16.08.2005
Petra Pau
Meine Antwort:

Ich habe dazu seit Jahren ein sehr kritisches Verhältnis, das ist nachlesbar. Über den Begriff "totalitäres Regime" könnten wir uns theoretisch streiten. Aber grundsätzlich habe ich mit dem System des Staatssozialismus gebrochen. Es ist gescheitert und rückblickend finde ich: zu Recht.

Die PDS hat sich übrigens am Beginn ihrer Erneuerung ausdrücklich bei den Bürgerinnen und Bürgern der DDR entschuldigt. Und ich habe das als Landesvorsitzende der Berliner PDS - zum Beispiel gegenüber den Opfern der "Berliner Mauer" – mehrfach getan.

Aber, und es bedarf eines Aber: Ich bin nicht gewillt, die Zustände im neuen Deutschland heilig zu sprechen. Und ich bin nicht gewillt, die so genannten neuen Reformen gut zu heißen, obwohl sie schlecht sind.

Vor allem ärgert mich – und zwar richtig – dass plötzlich gute Ansätze aufgegriffen werden und zugleich totgeschwiegen wird, dass viele bereits in der DDR praktiziert wurden. Ich nenne als Stichpunkte nur Polikliniken im Gesundheitssystem, länger gemeinsam lernen im Bildungssystem oder gleichberechtigte Löhne für Frauen im Arbeitsleben.

Das schadet nicht der Linkspartei.PDS. Das schadet uns allen. Denn dadurch werden Chancen für Besseres, für die Einheit und für die Zukunft verspielt.

Mit freundlichen Grüßen

Petra Pau
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Frage zum Thema Bürgerrechte
17.08.2005
Von:

Stimmen Sie dem Antrag von Seifert und Co. auf Änderungen im Wahlprogramm der Linkspartei.PDS zu?
Antwort von Petra Pau
2Empfehlungen
16.09.2005
Petra Pau
Sehr geehrter Herr ,

zu dem Zeitpunkt als der Antrag der AG „Selbstbestimmte Behindertenpolitik“ auf dem Parteitag abgestimmt wurde, war ich nicht anwesend, da ich im Fernsehstudio war, um ein Interview zu geben. Die Inhalte des Antrags unterstütze ich voll und ganz, meine aber, dass Form und Länge des Antrags ein Wahlprogramm sprengen.

Mit freundlichen Grüßen

Petra Pau
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Frage zum Thema Aufbau Ost
19.08.2005
Von:
Dr.

Sehr geehrte Frau Pau,

nicht wenige Ihrer Wähler werden sich aus Anhängern von Ideologien der Vorwendezeit einschließlich des noch immer vorhandenen Potentials ehemaliger SED-Kader und -Mitglieder rekrutieren. Besorgniserregend ist die Tatsache, dass viele Menschen, junge wie alte, aufgrund ihrer miserablen Lebenssituation besonders im Osten den Argumenten Lafontaines und Gysis Glauben schenken. Sie als Partei wähnen sich in der komfortablen Situation, lediglich auf Steilvorlagen der "etablierten" Parteien reagieren zu müssen. Um Erfolg zu haben, brauchen Sie nur auf Ausrutscher der so genannten Volksparteien zu warten.

Besonders erschreckend ist zu sehen, wie schnell Menschen besonders in den neuen Bundesländern vergessen können. Auf der Ostalgiewelle schwimmend kümmert es nicht mehr, wie sich in 40 Jahren Diktatur eine Funktionärskaste mit dem Machtapparat der Staatssicherheit menschenverachtend in Szene setzte. Diese Kaste verweigerte nicht nur Reisefreiheit und Demokratie. Sie ließ auf Menschen schießen, die ihr Land verlassen wollten. Sie kerkerte Menschen jahrelang in Zuchthäusern ein, die nicht einmal die Verhältnisse grundlegend ändern wollten, sondern nur ein Mindestmaß an Demokratie und Selbstbestimmung einforderten. Weit über tausend Tote und eine Viertelmillion politische Häftlinge waren die Schreckensbilanz jener menschenverachtenden Diktatur. Der PDS-Vorgänger ließ die innerdeutsche Grenze verminen und Selbstschussanlagen installieren, deren quaderförmige, scharfkantigen Projektile nicht bloß schlimme Wunden riss und Menschen, die nichts als die Freiheit suchten, fürchterlich verstümmelte, sondern viele von ihnen auch tötete. Längst vergessen ist das wirtschaftliche Chaos dort. Wegen einfachster Dinge musste auf die Staatsreserve zurückgegriffen werden. Auf die Entwicklung eines Urlaubsfarbfilmes musste man sechs oder acht Wochen warten. Gefährliche Schlaglöcher "zierten" die Straßen. Im Obst- und Gemüseladen gab es oft nur Rotkohl und Weißkohl. Ersatzteile für Autos - dazu gehörte auch der Flüchtlingskoffer "Trabant" - Fehlanzeige. Versorgungsengpässe, leere Regale und ebenso leeres Geschwafel der SED-Funktionäre waren das Maß der Dinge. Nur Dumme können all dies vergessen. Gewissenlose vergessen nicht, sie verdrängen!

An dieser Stelle meine Fragen an Sie:
Wann hat die Nachfolgepartei der SED jemals Verantwortung für dieses Chaos übernommen?
Wann hat sie den Opfern von SED und Staatssicherheit Gerechtigkeit widerfahren lassen?
Hat sie sich ablehnend zu den Schüssen an der Grenze, zu den Tausenden von Horrorurteilen der Stasi-Justiz geäußert?
Haben Sie und Ihre Parteifreunde sich beispielsweise für die Renten der geschundenen SED-Opfer eingesetzt, wie das die SED-Nomenklaturkader für sich selbst mit Erfolg getan haben?
Und, verehrte Frau Pau, meinen Sie nicht auch, dass der Einfluss politisch derart vorbelasteter Kandidaten Ihre Partei unglaubwürdig macht?

Dr. phil.

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Frage zum Thema Aufbau Ost
21.08.2005
Von:

Sehr geehrte Frau Pau,

wie wollen die Linken das denn alles bezahlen, was sie versprechen?

Mit freundlichem Gruß
F.
Antwort von Petra Pau
6Empfehlungen
23.08.2005
Petra Pau
Lieber F. ,
liebe kandidatenwatch-Gemeinde,

auf die konkrete Frage komme ich gleich zurück. Trotzdem sei mir eine Vorbemerkung erlaubt. Ich bin sehr für mehr Demokratie und deshalb auch dafür, dass die Möglichkeiten des Internets dafür genutzt werden. Kandidatenwatch ist ein solches Angebot und daher gut. Und sofern ich es schaffe, werde ich gern darauf eingehen. Aber bitte schaut auch mal andersherum. Ich bin keine Institution, ich bin keine Fraktion, ich bin ich und mein Tag hat 24 Stunden. Mehr nicht und einige wenige Stündchen möchte ich – auch im Wahlkampf – einfach schlafen. Kurzum. Ich kann manches, aber ich schaffe nicht alles.

Mein web-Angebot versuche ich täglich aktuell zu halten (www.petrapau.de). Nebenbei bediene ich derzeit für die Linkspartei.PDS einen WebBlog bei AOL. Vor allem aber bin ich Tag für Tag unterwegs, in Ost und West, an Ständen und auf Podien, zuweilen auch im Fernsehen. Deshalb: Erwartet bitte nicht, dass ich jede Frage, die mich über kandiatenwatch.de erreicht, beantworte. Das schaffe ich nicht, ich bin kein Roboter.

Nun zur Eingangsfrage:
Ich halte die Steuerpolitik der letzen 15 Jahre für falsch, für verheerend. Mit der wiedergekäuten Begründung, man müsse die Unternehmen entlasten, damit diese mehr Arbeitsplätze schaffen können, wurde der Sozialstaat demontiert. Und es gibt immer mehr Reiche und zugleich immer mehr Arme und obendrein immer mehr Arbeitslose. Das geht nicht gut, das muss in Frage gestellt werden, das muss umgekehrt werden. Der soziale Missstand ist überall erfahrbar. Es lässt sich aber auch leicht wirtschaftlich oder im internationalen Vergleich belegen, dass die Kohl-Schröder-Linie falsch ist.

Nun zum aktuellen Angebot der Linkspartei.PDS. Das Wahlprogramm wird am 27. August auf einem Parteitag beschlossen. Für den Entwurf dafür sind zwei Zahlen markant. Wir wollen über eine Vermögensteuer, über einen angemessen hohen Spitzensteuersatz und andere Vorschläge 64 Mrd. Euro mehr einnehmen. Und wir wollen mehr Ausgaben für Soziales, für Bildung, für Gerechtigkeit, also für Zukunft in Höhe von 57 Mrd. Euro. Das sind die Zahlen aus unserem Wahlprogramm für 2005 bis 2009.

Mit solidarischen Grüßen

Petra Pau
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Frage zum Thema Rente
23.08.2005
Von:

Sehr geehrte Frau Pau,

ich bin 22 Jahre jung. Schon heute beschäftigt mich die Frage, ob ich später vom Staat überhaupt noch eine Rente erwarten kann. Ich finde es gegenüber den Deutschen Bürgerinnen und Bürgern nicht in Ordnung, dass Menschen aus anderen Ländern, die nach Deutschland kommen und nur vom Staat leben (es gibt natürlich auch Ausnahmen) auch noch ein Rente bekommen, wovon manch Deutscher träumt. Wie stehen Sie dazu?

Mit freundlichen Grüßen


P. S. Viel Erfolg bei der Wahl!
Antwort von Petra Pau
6Empfehlungen
05.09.2005
Petra Pau
Sehr geehrte Frau ,

die Frage nach der Renten-Leistung beschäftigt eine große Zahl der Mitbürger in diesem Staat. Darum haben wir uns auch Gedanken gemacht und ein eigenes Konzept entwickelt, das sie in unserem Wahlprogramm unter dem Link sozialisten.de 8 nachlesen können. Zu Ihrer Sicht auf die ausländischen Mitbürger möchte ich Ihnen sagen, dass Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen nach Deutschland kommen, ebenso Rechte wie Pflichten haben. Ebenso wie Sie, wenn Sie Ihren Wohnsitz in ein anderes Land verlegen. Dazu gehört auch, dass diesen Menschen eine entsprechende Versorgung zuteil wird. Unabhängig von der Herkunft hat bei uns jede/r den gleichen Anspruch auf Leistungen, wenn sie/er die Voraussetzungen dafür erfüllt.
Somit möchte ich Sie beruhigen und kann Ihnen versichern, sollten wir unsere
Chance bekommen, werden wir unseren Beitrag leisten Ihre zukünftige Versorgung und die aller in Deutschland lebenden Menschen zu sichern. Für eine soziale und solidarische Zukunft brauchen wir die Mithilfe aller Bürger.

Mit freundlichem Gruß
Petra Pau
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