Petra Pau (DIE LINKE)
Abgeordnete Bundestag 2005-2009
Dieses Profil dient zu Archivzwecken, eine Befragung ist nicht mehr möglich. Besuchen Sie das aktuelle Profil.

Grunddaten
Petra Pau
Jahrgang
1963
Berufliche Qualifikation
Lehrerin
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Berlin-Marzahn-Hellersdorf
Landeslistenplatz
2, Berlin
weitere Profile
(...) Die Gefahren für die Demokratie durch immer mehr Überwachung und durch immer weniger Datenschutz sind übrigens gravierend. Und sie gehen in der Tat vom Staat und von der Wirtschaft aus. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
Fragen an Petra Pau
Auswahl der Fragen und Antworten
Nachricht an folgende Adresse schicken, sobald eine Antwort eintrifft:


An diese Adresse den abgeordnetenwatch.de-Newsletter bestellen
Bitte loggen Sie sich hier ein.
Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
15.01.2009
Von:

Hallo Frau Pau,


ich zitiere:
"Am Rande des Protests gegen den Gaza-Krieg blüht unverhohlen der Antisemitismus. Deutschland erlebt derzeit die vermutlich größten antijüdischen Manifestationen seit dem Zweiten Weltkrieg. Juden werden als Kindsmörder bezeichnet, Israel wird mit dem Dritten Reich gleichgesetzt."
www.ksta.de
Dies ist nur einer von vielen Texten. Auf den Videos bei Youtube kann man Sprechchöre hören wie Heil Hxxxxx, Juden ins xxx etc etc.
Es ist einfach unerträglich das mit zweierleimaß gemessen wird, wieso werden solche antisemitischen Aufmärsche nicht verboten, bzw. antisemiten die mit Hamas und Hisbollah Fahne bewaffnet sind ausgewiesen.
Neonazis werden vollkommen zurecht geächtet, Auflagen für Demonstrationen etc.
Wieso schweigen die Muslime zu den antisemitischen Aufmärschen bzw. der Zentralrat der Muslime.
Und wo bleiben die Pro Israelischen Demonstrationen für die einzige Demokratie im Nahen Osten bzw. die Demonstrationen gegen Antisemitismus.
Ich bin unglaublich empört und weiß gar nicht wie ich im Moment die richtigen Worte finde.
Ich fordere eine klare Stellungsnahme durch Sie, eine Stellungsnahme des Zentralrates der Muslime.
Eine Distanzierung von Teilen der Linkspartei die solche Demonstrationen mit unterstützt.
Ist Ihnen bewußt,dass durch arabische Einwanderung, antisemitismus und homophobie wieder hoffähig gemacht wird, in einem einst liberalen Deutschland/Europa.
Ich fordere mehr Anstrengungen gegen Antisemitismus gerade unter muslim. Migranten und die Solidarität mit Israel.

Beste Grüße
Antwort von Petra Pau
43Empfehlungen
16.01.2009
Petra Pau
Sehr geehrter ,

auf die Fragen, die mich betreffen, will ich gern antworten. Fragen, die zum Beispiel Muslimische Organisationen betreffen, richten Sie bitte an diese.

Auch ich beobachte mit Sorge, dass es Solidaritäts-Kundgebungen für Palästinenser gibt, bei denen es unverhohlen antisemitische Anfeindungen gibt. Das ist fatal. Es ist legitim, Kritik an der Politik Israels zu üben. Das tue ich auch. Aber es nicht akzeptabel, wenn diese in Antisemitismus umschlägt. Denn Antisemitismus ist keine politische Kritik. Antisemitismus ist eine menschenverachtende Ideologie.

Anders, als Sie schreiben, gab und gibt es hierzulande allerdings auch Solidaritäts-Kundgebungen für Israel. Eine fand am vergangenen Sonntag in Berlin statt. Für DIE LINKE sprach dort der Berliner Landesvorsitzende Klaus Lederer. Ich teile die politischen Botschaften seiner Rede. Sie können diese auf seiner persönlichen Web-Seite nachlesen. Ich empfehle das Original, weil seine Rede auch verkürzt und verfälscht verbreitet wird.

Mich treibt noch etwas ganz anderes um. Im Gaza-Krieg haben die Hardliner die Oberhand gewonnen, beiderseits. Dasselbe beobachte ich bei den jeweiligen Demonstrationen in der Bundesrepublik Deutschland, wieder beidseitig. Stimmen der Vernunft finden kaum noch Gehör, hie nicht und da nicht. Das ist eine schwere Hypothek für die Lösung des Nah-Ost-Konflikts. Und das belastet das Miteinander hierzulande.

Frauen der Fraktion DIE LINKE hatten gerade dieser Tage friedensbewegte Frauen aus dem Nahen Osten zu Gast, Jüdinnen und Palästinenserinnen. Es gab eine öffentliche Beratung und eine geschlossene. Eine geschlossene, weil wir befürchten mussten, dass es aufgeheizte Versuche gibt, sie zu stören. Eine öffentliche, weil wir hofften, die Medien nehmen davon positiv Notiz. Sie taten es unisono nicht. Konflikt schafft Schlagzeilen, Verständigung nicht.

In einer Frage widerspreche ich Ihnen allerdings ganz klar. Nämlich in Ihrer Unterstellung, dass arabische Migrantinnen und Migranten "Antisemitismus und Homophobie wieder hoffähig" machen würden und das "in einem einst liberalen Deutschland/Europa". Ich teile weder ihr Zerr-Bild über die Zugewanderten, noch ihren Schön-Blick auf Deutschland. Beide helfen ohnehin nicht weiter. Schon gar nicht im Nah-Ost-Konflikt. Und der ist schlimm genug.

Petra Pau
16. 01. 2009
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Wirtschaft
15.01.2009
Von:

Würden Sie aus heutiger Sicht sagen, dass es schon ein sozialistisches System gegeben hat? Bzw. waren die sich sozialistisch nennenden Länder, Länder mit sozialistischen Elementen oder hatten sie tatsächlich eine sozialistische Systemqualität?
Antwort von Petra Pau
47Empfehlungen
16.01.2009
Petra Pau
Sehr geehrter ,

aus heutiger Sicht, und danach fragen Sie ja, würden ich sagen: Es gab ein System mit sozialistischen Elementen, aber es gab kein sozialistisches System.

Als sozialistische Elemente würde ich zum Beispiel die soziale Ausrichtung der Wirtschaft bezeichnen, ein integrierendes Bildungssystem und ein Politik, die am Frieden orientiert war. Ich spreche von der DDR.

Das ist etwas anderes, als eine Wirtschaft, deren bestimmendes Maß der Profit ist, als ein Schulsystem, das sozial ausgrenzt, und als eine Politik, die zunehmend auf militärische Optionen setzt.

Gleichwohl ist der "real- existierende Sozialismus" sowjetischer Prägung gescheitert. Er ist implodiert, weil das System falsch war.

Dafür gibt es aus meiner Sicht mehrere Gründe. Zwei entscheidende sind: Bürger- und Freiheitsrechte wurde hintenan gestellt und im Zweifelsfall ausgesetzt. Außerdem erwies sich die zentralistische Planwirtschaft im Vergleich mit den kapitalistischen Metropolen als zu ineffizient.

Bleibt ein geflügeltes Wort aus der Zeit nach der System-Auseinandersetzung: Der Kapitalismus hat nicht gesiegt, er ist nur übrig geblieben.

Da ist viel mehr dran, als mancher neoliberale Heilsprediger wahrhaben will. Die aktuelle Finanz-, Wirtschafts-, ja Systemkrise belegt es. Deshalb bleibe ich dabei: Der Kapitalismus darf nicht das letzte Wort der Geschichte sein. Die Alternative dazu kann aber nur ein Demokratischer Sozialismus sein.

Petra Pau,
16. 01. 2009
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Wirtschaft
16.01.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Pau,

vielen Dank für Ihre schnelle Antwort und Ihre entsprechenden Kommentare die ich als durchaus lesenswert betrachte.

Vollkommen stimme ich Ihnen zu, dass es sozialistische Elemente gab, diese haben sie z.T. angesprochen.
Aber es gab keine sozialistische Systemqualität.

Jedoch kann man, und darin werden Sie mir nach Ihren Äußerungen recht geben, auch nicht von einem Kapitalismus in der DDR sprechen.
Die Frage ist also um was für ein System es sich gehandelt hat. Freilich war es ein Versuch den Sozialismus aufzubauen und ich unterstelle hier vielen Akteuren, dass sie es ehrlih gemeint haben und versuchten ihr bestes zu geben.

Ganz interessant finde ich diesbezüglich die Analyse von Lion Wagner in seiner Broschüre "Sozialismus gab es nie!", ich weiß nicht ob Sie diese kennen, die ja aus der Sicht eines Anhängers des sozialismus geschrieben wurde.
Lion Wagner bezeichnet das System als Sozialdespotismus um u.a. auch die sozialen Komponenten die es gab zu betonen.

Ich gebe Ihnen auch recht bezüglich von Fehlentwicklungen die sie beschrieben haben.
Allerdings denke ich nicht, dass die Planwirtschaft an sich gescheitert ist, sondern das nicht die sozialistischen ökonomischen Gesetzte in Ihrer ganzen Qualität befolgt wurden.
Ein Problem erscheint mir z.B. die Frage der Anwendung der Bezahlung nach Leistung. So denke ich dass dies sehr wichtig ist und das auch entsprechend das Bewußtsein sich mitentwickelt hätte. Wie stehen sie zur Bezahlung nach Leistung?

In der Tat muss aber die Planwirtschaft in der Lage sein , es mit dem Kapitalismus aufzunhemen. Nach Marx müßte ja auch die Produktivkraft im Sozialismus deutlich höher sein als im Kapitalismus.

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Petra Pau
28Empfehlungen
18.01.2009
Petra Pau
Sehr geehrter ,

für den Literatur-Hinweis danke ich ihnen. Ich komme darauf zurück, sobald ich dafür Muße finde. An Wortschöpfungen oder Definitionen beteilige ich mich ungern, weil das nicht mein Metier ist. Gleichwohl sind sie berechtigt und vielleicht auch nötig, denn wenn der real- existierende Sozialismus weder Sozialismus, noch Kapitalismus war, was beschreibt ihn dann treffend?

Zur Planwirtschaft gebe ich Ihnen recht. Der Versuch, die wirtschaftlichen Ressourcen und die sozialen Bedürfnisse in Übereinstimmung zu bringen, ist an sich nicht falsch. Ich bin sogar überzeugt, dass dies weltweit nötiger denn je wird. Was übrigens gegen die freie Marktwirtschaft spricht. Es gibt übrigens ein Buch von Arno s und Konrad Zuse – "Computer-Sozialismus" – in dem beide Autoren sich mit solchen Fragen unter neuen Bedingungen befassen.

Es wird übrigens eine Episode kolportiert. Demnach hatte Oskar Lafontaine in den 1980er Jahren mit führenden Gesellschaftswissenschaftlern der DDR ein Gespräch über Planwirtschaft. Oskar Lafontaine soll vorgerechnet haben: Wenn man weiß, wie viele Säuglinge geboren werden, dann kann man auch auf den Milch-Bedarf schließen. Daraus ergäbe sich, wie viele Kühe man braucht und was diese leisten müssten. Ergo lasse sich auch genau planen, wie viele Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche für die Futter-Produktion nötig seien, und so weiter. Der zuständige DDR-Ökonom soll ihm recht gegeben und gesagt haben: Die komplexe Planung der Wiesen haben wir bereits im Griff.

Zum Leistungsprinzip so viel: Es gehörte in den 1970er und 80er Jahren zu den in der DDR am meisten diskutierten Prinzipien. Eben weil die Bezahlung nach der Leistung nur rudimentär erfolgt war. Interessant ist allerdings, dass es im Kapitalismus ebenfalls höchst selten ist, dass nach der Leistung entlohnt wird. Anders gäbe es nicht solch außerirdischen Unterschiede zwischen den Bezügen von Ein- Euro- Jobern und den Gehältern so genannter Spitzen-Managern.

Ich danke Ihnen für den kleinen gesellschaftspolitischen Exkurs.

Mit freundlichen Grüßen

Petra Pau
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
19.01.2009
Von:

Hallo Frau Pau,
zunächst einmal muss ich sagen, Respekt. Ihr seid hier scheinbar eine der wenigen Parteien, die sich den Fragen und Bedürfnissen der Bürger persönlich annehmt.

Und das führt zu der Frage, wie Sie zur direkten Demokratie stehen. Also Volksentscheide. Das ist jetzt zwar eine utopische Annahme aber dennoch, angenommen Sie würden zusammen mit einer anderen Partei im Bundestag eine 2/3 Mehrheit bekommen. Würden Sie dann bei wichtigen Fragen Volksabstimmungen durchführen?

Gab es schon wichtige Volksabstimmungen in Ländern und Kommunen die u.a. von der Linkspartei initiert wurden?

Eine Anmerkung noch zur Schweiz, dort gibt es die direkte Demokratie und ich habe mit einigen Bürgern gesprochen. Sie sagen, dass selbst Leute die sich überhaupt nicht für Politik interessieren, an Abstimmungen immer teilnehmen und auch alle ihre Meinung haben. Die Wahlbeteiligung und Motivation ist auch viel größer weil die Bürger viel mehr mitbestimmen können als in einer parlamentarischen Demokratie. Darum sind die Bürger auch viel glücklicher, sie leben dann mit den Entscheidungen die sie selbst getroffen haben.

In der parlamentarischen Demokratie hat man leider das Übel, dass man vor den Wahlen etwas verspricht, das man nach den Wahlen nicht mehr einhält. Bestes Beispiel war die SPD mit dem Versprechen, dass es mit ihnen keine Mehrwertsteuererhöhung geben wird. Das nennt man auch Wahlbetrug.

Also die Frage nur kurz: Wie stehen Sie und Ihre Partei zu Volksentscheiden im Allgemeinen?

Ich freue mich über Ihre Antwort

Antwort von Petra Pau
34Empfehlungen
21.01.2009
Petra Pau
Sehr geehrter ,

DIE LINKE ist für mehr Demokratie, für mehr direkte Demokratie, also auch Volksabstimmungen auf Bundesebene. Das ist übrigens nicht neu: Schon in der 14. Legislatur-Periode des Bundestages hatten wir einen entsprechenden Gesetzentwurf eingebracht. Vergebens. Seit 1990 wurden mehrere Chancen ausgeschlagen, Volksabstimmungen auf Bundesebene zu ermöglichen. Sie scheiterten verlässlich an der Union. Aber auch SPD und die Grünen haben ihre Demokratie-Leichen im Keller. Sie sperrten sich zum Beispiel gegen eine Volksabstimmung über die EU-Verfassung.

Ihr Verweis auf eine parlamentarische Zwei-Drittel-Mehrheit ist natürlich richtig. Denn mit diesem Quorum muss der Bundestag Volksabstimmungen "frei schalten". Angelegt sind sie bereits im Grundgesetz. Dort heißt es im Artikel 20 (2): "Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen (…) ausgeübt." Eine meiner Grundthesen, mehrfach nachlesbar auf meiner Webseite, ist: Gegen den allgemein beklagten Demokratie-Verdruss hilft nur mehr Demokratie, mehr direkte Demokratie. Im Land Berlin erleben wir übrigens eine Hoch-Zeit der Volksabstimmungen seit Rot-Rot, also DIE LINKE und die SPD, die Hürden für direkte Demokratie gesenkt hat. Ausgerechnet die widerborstige Berliner CDU hat sich seither als außerparlamentarische Opposition neu erfunden.

Mit freundlichen Grüßen
Petra Pau
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
21.01.2009
Von:
-

Sehr geehrte GenossinPau,
ich habe die Fragen von meinen Vorgängern gelesen und bewertet.Nun zu meine Frage:Sollte der demokratische Sozialismus wieder eingeführt werden? Wenn ja,wie würden Sie Frau Abgeordnete ihn einführen?Wie sieht dann es mit den Bürgerrechten aus,da damals in der DDR die Bürgerrechte zu kurz kamen.Was verstehen Sie von der Demokratie,da Sie in der DDR aufgewachsen sind?Ich würde mich in einen Forum,wo mehrere Redner aus verschiedenen Parteien sind,darüber mit Ihnen sehr gerne diskutieren und mich auch einbringen.Auch weiß ich,dass Sie im Moment sehr wenig Zeit haben,um so eine Talkshow zu organisieren.Aber ich würde mich freuen,bei so einer Diskussion dabei zu sein.
Mit sozialistischen Gruß
-,gerufen Grischa
Antwort von Petra Pau
43Empfehlungen
21.01.2009
Petra Pau
Sehr gerufener Grischa,

ich bin leider nicht die einführungs-politische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. Daher bin ich auch nicht für Importe bzw.Re-Importe des Demokratischen Sozialismus zuständig.

Obendrein wüsste ich nicht einmal, wo er derzeit zu haben wäre. Es handelt sich ganz offensichtlich um eine eklatante Marktlücke, die auch durch die Konjunkturpakete I und II der Bundesregierung nicht geschlossen wird.

Gleichwohl bleibe ich historisch optimistisch. Möglicherweise führt eines nahen Tages die innovative Bewegung "Jugend forscht" weiter. Oder wie es früher hoffnungsfroh hieß: "Die Enkel fechten es besser aus!"

Mit demokratisch-sozialistischen Grüßen

Petra Pau
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Ihre Frage an Petra Pau
Die Fragefunktion wurde inzwischen geschlossen.