Petra Pau (DIE LINKE)
Abgeordnete Bundestag

Grunddaten
Petra Pau
© Die LINKE
Geburtstag
09.08.1963
Berufliche Qualifikation
Lehrerin
Ausgeübte Tätigkeit
MdB
Wohnort
Berlin
Wahlkreis
Berlin-Marzahn - Hellersdorf
Ergebnis
47,6%
Landeslistenplatz
2, Berlin
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(...) illegaler Zigarettenhandel ist strafbar. Insofern muss und kann ich dazu im Bundestag nicht aktiver werden. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Soziales
12.04.2010
Von:

Sehr geehrte Frau Pau,

als Student älteren Semesters (nicht jeder fängt mit 18 an), bin ich aus der studentischen Krankenversicherung (GKV) aus Altersgründen herausgefallen. Da sich meine KV erst nach 6 Monaten meldete und mich als freiwillig Versicherten betrachtete ("freiwillig" wird hier aber sehr gedehnt...), sind dort nun Gebühren aufgelaufen, die mit sage und schreibe 5% pro Monat verzinst werden. Das sind ganze 60% Zinssatz p.a., die dort vom Staat über den Weg der KV angesetzt werden. (§24 SGB IV)

Frage: Wenn per diverser Gerichtsurteil Zinsen von 12 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz schon als Wucher gelten und damit für nichtig erklärt werden, wie kann dann der Staat mit 60% Zinsen dies als rechtmäßig und verfassungskonform ansehen?
Der Basiszinssatz liegt bekanntlich zur Zeit bei 0,12 %...

Nun habe ich nur die Möglichkeit als Student, mich "freiwillig" gesetzlich zu versichern, wobei man mir unterstellt ich würde 850,- verdienen - dies wäre prinzipiell ja nicht schlecht, aber es wird keineswegs begründet. Der sich daraus erreichnende Beitrag ist eine zusätzliche Belastung, die nicht nur "freiwillig" versicherte (ältere) Studenten betrifft, sondern ebenfalls arbeitslos gewordene Selbständige und weitere Personengruppen, die dieses Einkommen eben nicht besitzen. Nun hat man die Wahl zwischen einem möglichst schnellen Studium mit Unterstützung der Eltern oder der Bildungsweg wird verzögert, damit man noch Geld für Wohnen/Essen/Kleidung/Krankenversicherung hat.

Frage: Ist dies die Form von Sozialpolitik und auch Bildungspolitik (lebenslanges Lernen, Durchlässigkeit im Bildungswesen, Hochschulen auch als Weiterbildungsstandorte, zweiter Bildungsweg,...), die dieses Land voranbringen soll und die einzige Ressource dieses Landes "Wissen" fördern soll? Sind Ihnen Bestrebungen in der Politik bekannt, die eine realistische Betrachtung des Einzelfalles anstreben bzw. die (Weiter)Bildung an dieser Stelle nicht behindern?

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Petra Pau
8Empfehlungen
10.05.2010
Petra Pau
Sehr geehrter Herr ,

ich möchte mich für Ihre Anfrage bedanken. Vorweg muss ich Ihnen jedoch mitteilen, dass ich mit dieser Thematik nicht vertraut bin und mich deshalb bei meinem fachkompetenten Fraktionskollegen Harald Weinberg diesbezüglich informiert habe. Bei dem von Ihnen geschildertem Problem geht es demnach um zweierlei:

1. Der Säumniszuschlag: Bis zur Einführung der Versicherungspflicht am 1. April 2007 betrug der Säumniszuschlag nur 1% im Monat. Damals war das Druckmittel der Kassen, die notwendigen Beiträge einzutreiben, der Rausschmiss aus der gesetzlichen Krankenversicherung. Nach der damaligen Gesetzeslage wären Sie heute kein Mitglied der Gesetzlichen Krankenversicherung mehr und könnten auch nicht ohne weiteres mehr eintreten. Da heute eine Krankenkasse ihren säumigen Mitgliedern nicht mehr kündigen darf, braucht sie zur Durchsetzung der Beitragsansprüche andere Druckmittel. Dafür wurde der Säumniszuschlag auf das von ihnen genannte Niveau erhöht. Ich kann durchaus verstehen, dass man dies als unverschämt hoch bewertet, zumal wenn man das selbst zahlen muss. Ob Ihre Krankenkasse sich hier möglicherweise zu spät gemeldet hat, so dass dies in Ihrem Einzelfall anders zu bewerten ist, kann ich nicht beurteilen. Ich empfehle Ihnen: Rufen Sie hierzu bei der Unabhängigen Patientenberatung unter 0800/0117722 kostenfrei an, damit Sie rechtlich beraten werden.

2. Die freiwillige Versicherung: DIE LINKE verfolgt das Konzept einer solidarischen Bürgerinnen- und Bürgerversicherung. Wir wollen, dass jeder und jede entsprechend des tatsächlichen Einkommens zur Finanzierung der Krankenversicherung herangezogen wird. Durch die konsequente Einbeziehung der heute privat Krankenversicherten, der Streichung der Beitragsbemessungs- und Pflichtversichertengrenze sowie die Beitragsbemessung auf alle Einkommensarten, kann der Beitragssatz auf etwa 10 Prozent statt heute 14,9 Prozent sinken - bei gleichzeitigem Wegfall aller Zuzahlungen einschließlich der Praxisgebühr. Was die Gruppe derjenigen angeht, die hauptsächlich selbständig tätig sind, wird es bei einer Mindestbeitragsbemessung - also einem angenommenen Mindesteinkommen bleiben müssen, das wir allerdings auf 850 Euro, also 85 Euro monatlicher Beitrag senken wollen. Zum Vergleich: Heute zahlen Selbständige schlimmstenfalls auf 1916,25 Euro Beiträge, also knapp 285,52 Euro im Monat.

Abschließend möchte ich Sie darauf hinweisen, dass es Abgeordneten des Deutschen Bundestages nicht gestattet ist, Rechtsberatungen durchzuführen. Meine Antwort spiegelt lediglich meine politische Einschätzung der Problematik wieder.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen.

Mit freundlichen Grüßen
Petra Pau
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Frage zum Thema Umwelt
28.05.2010
Von:
Lux

Sehr geehrte Frau Pau,

die Schwarz-Gelbe Bundesregierung will bekanntlich die Laufzeiten der Atomkraftwerke verlängern. Wenn es nach der FDP ginge, hätten die Atomkraftwerke sogar noch megalange Laufzeiten. Da die schwarz-gelbe Mehrheit jetzt im Bundesrat die erforderliche Mehrheit verloren hat, wurde jetzt ja sogar angeführt, die Laufzeiten durch Umgehen des Bundesrates zu verlängern. Falls das gelingen sollte, muss man die Befürchtung haben, dass der Bundesrat dann bei heiklen Sachen immer umgangen wird. Was ist Ihre persönliche Meinung dazu und wie werden Sie bzw. die LINKE dagegen vorgehen.

Mit freundlichen Grüßen
Lux
Antwort von Petra Pau
10Empfehlungen
05.06.2010
Petra Pau
Sehr geehrter Lux,

DIE LINKE ist für eine Energie-Wende. Das schließt eine beschleunigte Abschaltung der Atomkraftwerke ein. Deshalb war mir das Ausstiegsszenario, das SPD und Grüne beschlossen hatten, sogar zu langwierig.

CDU/CSU und FDP wollen nun den Ausstieg aus dem Ausstieg aus der Kern-Energie. Das ist nicht neu. Oder salopp gesagt: Auch die Warnzeichen vor Nuklear-Strahlungen sind "Schwarz-Gelb".

Ihre Beobachtung teile ich: Die Regierungs-Koalition versucht nun, die Laufzeiten für Atom-Kraft-Werke mit ihrer Mehrheit im Bundestag unter Umgehung des Bundesrates durchzusetzen.

Dagegen spricht unter anderem ein Gutachten von Prof. Papier, bekannt als langjähriger Verfassungsrichter, wonach die Länderkammer ein Mitspracherecht habe. Das sorgt auch in der Regierung für Unruhe.

Noch wichtiger ist, dass der gesellschaftliche Widerstand gegen die schwarz-gelben Pläne zunimmt. Ich empfehle ihnen dazu auch einen Blick auf die Aktions-Seiten unter www.campact.de .

Mit solar-demokratischen Grüßen

Petra Pau
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
09.06.2010
Von:

Sehr geehrte Frau Pau,

was könnten Sie dafür tun, dass Die Linke die Wahl von Herrn Gauck als Bundespräsidenten unterstützt?

Die Ernennung eines eigenen Kandidaten erscheint mir kontraproduktiv, da Die Linken damit Stimmen ´verschenken´ werden und somit eher die Kandidatur von Herrn Wulff zum BP fördern.

Allein die Nominierung eines aktuellen, noch amtierenden Parteipolitikers, der darüber hinaus bereits in der CDU sozialisiert wurde, dort seine Karriere gestrickt hat und außer der CDU in seinem Leben nicht viel anderes kennen gelernt hat, erscheint mir als unerträgliche Dreistigkeit von Frau Merkel und ihrer Regierungskoalition - die ÜBERPARTEILICHKEIT und die UNABHÄNGIGKEIT, die das Amt des Bundespräsidenten m. W. eigendlich erfordert, kann so ein Parteisoldat einfach gar nicht aufbringen!

Ich bitte Sie daher inständig, diesen absurden, parteienkomplott- und politfilzstrickenden Vorschlag der Regierung abzustrafen, indem Sie sich für die Wahl des Herrn Gauck zum Bundespräsidenten einsetzen und stark machen.

Für mein Empfindem MUSS Die Linke sich nun UNBEDINGT einen Ruck geben und ALLES auch nur IN IHRER MACHT STEHENDE TUN, um einen CDU-PARTEI-BUNDESPRÄSIDENTEN zu verhindern! Alles Andere weist Die Linke m. Ea. aus als ebenso parteiverstrickt und selbstverliebt wie die übrigen Parteien.

Also - geben Sie sich einen Ruck! Dieses Vorgehen bietet Der Linken doch DIE Gelegenheit, sich von den Vorwürfen der Stasi-Verstrickungen zu befreien und eindeutig FÜR eine klare Aufarbeitung der Vergangenheit einzutreten.

Freue mich über Ihre Anwort!

MFG, C.M.
Antwort von Petra Pau
11Empfehlungen
10.06.2010
Petra Pau
Sehr geehrte ,

Wie Sie wissen, hat DIE LINKE mit Lucretia Jochimsen eine eigene Kandidatin für die Bundespräsidenten-Wahl am 30. Juni 2010 nominiert. Der Grund dafür ist übersichtlich. Aus unserer Sicht sind für Linke weder Christian Wulff, noch Joachim Gauck wählbar.

Unsere politischen Markenzeichen sind soziale Gerechtigkeit, Frieden im Inneren und in der Außenpolitik sowie Bürgerrechte und Demokratie. Beide, der Kandidat der CDU/CSU sowie der FDP und der Kandidat der SPD sowie der Grünen, haben sich bisher zu diesen Themen nicht akzeptabel geäußert - im Gegenteil.

Keiner von beiden kritisiert das aktuelle so genannte Sparpaket der Bundesregierung. Keiner von beiden hat sich je von den Kriegseinsätzen der Bundeswehr distanziert. Und keiner von beiden hat vernehmbar seine Stimme gegen den Bürgerrechtsabbau der letzten Jahre erhoben, auch Herr Gauck nicht.

Ich empfehle Ihnen dazu einen Aufruf von DDR-Bürgerrechtlern, die auch zu BRD-Zeiten noch als Bürgerrechtler agieren. Sie finden ihn unter www.freitag.de .

Natürlich kann man taktisch erwägen, Herrn Gauck zu wählen, um Herrn Wulff zu verhindern. Aber damit begäbe sich DIE LINKE in dieselben partei-politischen Niederungen, in denen sich bereits CDU/CSU, FDP, SPD und Grüne verkämpfen. Mit der viel zitierten Würde des Bundespräsidenten-Amtes hätte das übrigens auch nichts zu tun.

Mit freundlichen Grüßen

Petra Pau
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Frage zum Thema Soziales
12.06.2010
Von:

Guten Tag Frau Pau,

erstmal vielen Dank für die hervorragende Arbeit von Ihnen und Ihrer Partei.

Meine Frage bezieht sich (ich weiss, muss Ihnen auch langsam "aus den Ohren rauskommen" diese Thema) auf Hartz 4.

Mich interessiert, insbesondere als selbst betroffener seit 2 Jahren, warum selbst arbeitende unter 25 jährige (ich bin 22) Hartz4-Empfänger ihrer Rechte beschnitten werden. Insbesondere, aber nicht nur, das Verbot der Ortsabwesenheit. Ich meine, wozu habe ich denn meine wenigen Urlaubstage, wenn ich diese nichtmals für einen "kleinen Urlaub" innerhalb Deutschlands, geschweige denn Europa, nutzen darf, sondern mich nur innerhalb der Stadt in meinen Fall also Berlin aufhalten darf bestenfalls.

Warum wurde und wird nichtmal da von der Bundesregierung (der jetzigen schwarz-gelben und damaligen schwarz-roten) nicht aufgebessert? Vor allem: mit welcher Begründung soll selbst ein arbeitender (U25-) Harzt4-Empfänger unter den Druckmitteln leiden? Ist dies nicht eigentlich auch Diskriminierung aufgrund des Alters? Auch wenn das gesamte Hartz4-Konstukt für alle ein Trauerspiel bleibt und ersetzt gehört.

Weiterhin viel Erfolg und freundliche Grüße
Antwort von Petra Pau
7Empfehlungen
14.06.2010
Petra Pau
Sehr geehrter ,

für alle Mitleserinnen und Mitleser will ich hier daran erinnern: "Hartz IV" wurde am 19. Dezember 2003 im Bundestag beschlossen. Alle Parteien haben zugestimmt. Nur Gesine Lötzsch und ich waren damals für die PDS dagegen.

"Hartz IV" entwürdigt viele, Jugendliche zusätzlich. Es ist irrsinnig: 18-Jährige dürfen als Soldaten forsch gen Afghanistan ziehen, aber 21-jährigen Arbeitslosen wird verwehrt, eine eigene Wohnung zu beziehen.

Bei alledem bitte ich allerdings immer auch zu beachten: Migrantinnen und Migranten sowie Asylsuchende werden noch viel unwürdiger behandelt. Es gibt eine gesetzliche Hierarchie, die Artikel 1 Grundgesetz Hohn spricht.

Am vergangenen Wochenende haben in Berlin und Stuttgart 45.000 Leute gegen die so genannte Spar-Politik der Bundesregierung demonstriert. Käme sie durch, so wäre das eine Aufkündigung des Sozial-Staatsgebotes des Grundgesetzes.

Mit solidarischen Grüßen

Petra Pau
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
01.07.2010
Von:

Werte Frau Pau

Ich habe mit großer Interesse die Bundespräsidentenwahl verfolgt und dabei ist mir einiges aufgefallen. Eine Wahl in der BRD soll nach den geltenden Gesetzen "Frei" und "Geheim" sein, Ich habe dabei keine Wahlkabine gesehen. Die Wähler oder Wählerinnen werden durch das Bundestagspräsidium aufgerufen und die Wähler Wählerinnen treten an die Wahlurne. Dabei kann man schon feststellen, ob jemand nicht wählen möchte oder nicht wählt. Also ist diese Wahl auch nicht geheim. Wie kann eine Wahl frei sein, wenn Politiker fordern können die Wahl frei zu geben. Um eine Wahl frei zu geben, muss sie erst einmal "unfrei" sein.
Wenn Wahlen "unfrei" und "nicht geheim"sind verstoßen Wahlen, so wie abgehalten werden, gegen die geltenden Gesetze, oder?
Mich würde weiterhin interessieren, wie viele von den 1244 Wahlmännern und Wahlfrauen keine Berufspolitiker waren. Wie viele Wahlmänner Wahlfrauen waren davon arbeitslos. Wie viele Wahlmänner Wahlfrauen waren parteilos?
Machen Sie und die Linke weiter so!!!!!!!!

Viele Grüße
Antwort von Petra Pau
7Empfehlungen
03.07.2010
Petra Pau
Sehr geehrter ,

bei der Wahl des neuen Bundespräsidenten gab es Wahlkabinen, und zwar aus guten Gründen in einem Bereich des Bundestages, der nicht durch Kameras einsehbar war. Die drei Wahlgänge waren also geheim.

Sie waren auch frei, was bekanntlich so manchem Spitzenpolitiker nicht geschmeckt hat. Sie waren sogar so frei, dass die jeweiligen Ergebnisse weder der CDU/CSU und der FDP, noch der SPD und den Grünen gefielen. Letztere schossen sogar den Freiheits-Vogel ab. Sie sprachen der LINKEN öffentlich die Politikfähigkeit ab, weil wir nicht ihren "Vorgaben" folgten, Joachim Gauck zu wählen, sondern uns selbstbestimmt und politisch souverän entschieden haben.

Die gewünschten statistischen Angaben über die 1.242 Wahlfrauen bzw. -Männer kann ich Ihnen nicht bieten. Aber es liegt in der Natur des Verfahrens, dass es vor allem Berufspolitikerinnen bzw. -politiker waren. Denn die eine Hälfte der Bundesversammlung sind die Mitglieder des Deutschen Bundestages. Und die andere Hälfte wird von den 16 Landesparlamenten entsandt, wobei unter den so Delegierten auch Sportler, Künstler und andere Prominente waren.

Mit freundlichen Grüßen
Petra Pau
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