Sehr geehrter Herr

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vielen Dank für Ihre Anfrage vom 19. Juni 2008.
Die vorgezogene Bundestagswahl 2005 hat nicht nur den politischen Kalender durcheinander gebracht, sondern auch meine persönliche Lebensplanung. Ich habe mit dem Wunsch und dem festen Willen kandidiert, mein Studium der Geschichtswissenschaft, der Lateinamerikastudien und der Geografie an der Universität Hamburg erfolgreich zu beenden – unabhängig vom Ausgang der Bundestagswahl. Parallel zu meinen mandatsbezogenen Aufgaben habe ich auf einen zeitnahen Studienabschluss hingearbeitet. Natürlich war mir klar, dass der Abschluss meines Studiums als Bundestagsabgeordneter nicht leicht werden würde. Trotz aller Bemühungen musste ich feststellen, dass eine verantwortungsbewusste Ausübung meines Mandats – dazu gehören eben auch regelmäßig Arbeitswochen mit 80, 90 Stunden – nicht zu vereinbaren war.
Daher habe ich mich für die aus meiner Sicht einzig richtige Möglichkeit entschieden: ehrlich Bilanz zu ziehen. Da mir Transparenz als Abgeordneter schon immer wichtig gewesen ist, habe ich zu keiner Zeit aus meinem noch nicht abgeschlossenen Studium ein Geheimnis gemacht und bin mit dieser Tatsache immer offen umgegangen. Insofern war es für mich nur folgerichtig, auch diese Entscheidung transparent zu machen.
Natürlich ist ein Studienabbruch – oder der Abbruch einer Ausbildung – immer auch eine persönliche Enttäuschung. Aber ebenso gilt: Ein nicht vorhandenes Examen enthebt mich nicht der Fähigkeit, mich als Politiker für gute Bildungspolitik einzusetzen. In Berlin empfange ich regelmäßig Schülergruppen, und das Thema Bildung und Ausbildung ist dabei oft Gegenstand unserer Gespräche. Auch wenn sich Arbeitsbiografien ändern, "krummer" werden und immer wieder eben auch ohne Abschluss ein beruflicher Erfolg möglich ist – eine abgeschlossene Ausbildung ist in der Regel für den Berufseinstieg sehr wichtig. Das sage ich den Schülerinnen und Schülern natürlich auch, denn mein beruflicher Werdegang ist ja keine Blaupause für alle Lebenslagen.
Meine Aufgabe als Politiker – und hier liegt in meinen Augen auch meine Verantwortung als "Vorbild" – sehe ich daher ganz klar darin, die Ausbildungsmöglichkeiten für Jugendliche mit schlechtem oder keinem Schulabschluss zu verbessern. Die SPD hat hier ganz gezielte Handlungsvorschläge gemacht, z. B. mit dem Recht auf einen Hauptschulabschluss. Gemeinsam mit meiner Fraktion setze ich mich dafür ein, dass jeder lebenslang das Recht hat, seinen Hauptschulabschluss nachholen zu können.
Ich hoffe, Ihre Fragen damit erschöpfend beantwortet zu haben.
Mit freundlichen Grüßen,
Niels Annen