Nicole Gohlke (DIE LINKE)
Kandidatin Bundestagswahl 2009
Dieses Profil dient zu Archivzwecken, eine Befragung ist nicht mehr möglich. Besuchen Sie das aktuelle Profil.

Nicole Gohlke
Jahrgang
1975
Berufliche Qualifikation
Kommunikationswissenschaftlerin
Ausgeübte Tätigkeit
-
Wohnort
München
Wahlkreis
München-Ost
Ergebnis
5,5%
Landeslistenplatz
5, Bayern
(...) Die Fortsetzung der militärischen Besatzung wird keineswegs die Taliban besiegen können, sondern im Gegenteil – sie wird die Menschen den Taliban weiter in die Arme treiben. (...)
 
weitere Profile auf abgeordnetenwatch.de
Fragen an Nicole Gohlke
Auswahl der Fragen und Antworten
Nachricht an folgende Adresse schicken, sobald eine Antwort eintrifft:


An diese Adresse den abgeordnetenwatch.de-Newsletter bestellen
Bitte loggen Sie sich hier ein.
Frage zum Thema Bürgerrechte, Daten und Verbraucherschutz
02.09.2009
Von:

hallo Frau Gohlke,

können Sie mir bitte sagen, wie Sie zur Unrechtvergangenheit Ihrer Partei stehen, also der PDS als Nachfolgeorganisation der SED? Ich weiß, dass Sie noch sehr jung sind, aber genau deswegen würde mich interessieren, wie Sie sich damit auseinandersetzen und was Sie bewogen hat in die Linke einzutreten und mehr noch zu kandidieren?

Grüße,
Antwort von Nicole Gohlke
10Empfehlungen
04.09.2009
Nicole Gohlke
Hallo Herr ,

vielen Dank für Ihre Frage!

Ich persönlich bin in die bayerische WASG im Jahr 2004 eingetreten, weil ich der Meinung war, es bräuchte dringend eine politische Alternative zu rot-grün, die sich mit ihrer Agenda-Politik für einen großen Teil ihrer Klientel unwählbar gemacht haben. Es war aber auch schnell klar, dass zwei linke Parteien (PDS und WASG) jenseits der SPD keinerlei Erfolg haben würden - vor allem wenn sie sich als konkurrierende Parteien in Ost und West etablierten. Deswegen war ich ein starke Befürworterin des Projektes einer gesamtdeutschen und damit auch starken LINKEN.

Die Vergangenheit der PDS hat mich nicht davon abgehalten, im Fusionsjahr 2007 auch Mitglied der LINKEN zu werden. Bereits die alte PDS stand zu ihrer Geschichte, zog keinen Schlussstrich unter die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, sondern betrieb im Gegenteil eine sehr ehrliche und authentische Aufarbeitung. Der Bruch mit den stalinistischen Traditionen der SED gehört zum Gründungskonsens der PDS. 1989 hat sich die SED-PDS auf ihrem Außerordentlichen Parteitag bei der Bevölkerung der DDR für das von der SED begangene Unrecht entschuldigt. Dieser Prozess der Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte dauert bis heute an und hat auch in der neuen Partei DIE LINKE einen wichtigen Stellenwert.

Ich würde mir wünschen, dass auch die anderen Parteien wie CDU und FDP, in denen ebenfalls die jeweiligen DDR-Blockparteien aufgingen, dies ebenfalls so intensiv bzw. überhaupt betrieben hätten.

Völlig richtig ist, dass die DDR nichts gemein hatte mit dem Anspruch einer linken und emanzipatorischen Politik. So bemerkte auch schon Rudi Dutschke: "In der DDR ist alles real, bloß nicht der Sozialismus ..." Sozialistische Politik bedeutet für mich Emanzipation, Ausweitung demokratischer Prozesse sowie die Demokratisierung wirtschaftlicher Strukturen. Nichts davon war in der DDR verwirklicht.

Doch ich möchte Rudi Dutschke auch beim zweiten Teil seines Zitates beipflichten: "... In der BRD ist alles real, bloß nicht ‚Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit´." Dieses Zitat gilt heute, in denen die Regierenden die Lasten der Wirtschaftskrise auf diejenigen abwälzen, die ohnehin schon mit dem Rücken zur Wand stehen und mit Gesetzen à la Hartz für die Präkarisierung von Tausenden Betroffenen und für die Entsolidarisiserung der Gesellschaft verantwortlich sind, umso mehr.

Deswegen engagiere ich mich mit der LINKEN für eine gerechte und solidarische Gesellschaft. Aus meiner Sicht haben das Ende des Stalinismus wie auch der DDR den Weg frei gemacht für eine Neubegründung einer Tradition des Sozialismus von unten.

Viele Grüße,
Nicole Gohlke
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Außenpolitik
06.09.2009
Von:

Was sagen Sie zur Hamas, ihren Raktenangriffen bis zum Ende des Jahres 2008, und zum Existenzrecht Israels. Ist Hamas für Sie eine Terrororganisation? Sollten deren Untergruppierungen in der BRD mit allen gesetzlichen Mittel daran gehindert werden Propaganda und Terrorfinancing für den Dschihad zu machen? Da Sie oft und gerne einen reinen Sozialismus beschwören und Rudi Dutschke für sich bemühen, haben wir stalinistisches Blockdenken in der sogenannten Plästinafrage von der Linken zu erwarten, die altbekannte volle DDR-"Solidarität" für palästinensischen (und wie wir heute wissen auch deutschen) Terrorismus? Wie stehen Sie zur iranischen Opposition, jener die es nur auf der Straße geben darf, hat nach Ihrer Ansicht Achmadinedsch ein bischen recht?
Kurzum die Gretchenfrage: Wie halten Sie es mit der Demokratie angesichts eines aufmarschierenden Islamofaschismus?
(Vernommen habe ich schon, dass die PDS sich einmal sogar schriftlich beim DDR-Volk "entschuldigt habe", wie Sie zu meinen sich rühmen. Und kein Misverständnis Ihrerseits, Lafontaine halte ich für einen der wenigen honorablen Polit-Akteure im deutschen Lügensumpf und Dutschke für so eine Art Propheten einer direkten Demokratie)
Antwort von Nicole Gohlke
6Empfehlungen
12.09.2009
Nicole Gohlke
Sehr geehrter Herr ,

ich habe länger überlegt, ob und wie ich auf Ihre Frage antworte. Denn der Ton, in dem Sie Ihre Anfrage stellen, macht mir eine Beantwortung ziemlich schwer - sie ist gespickt mit Vorwürfen und Unterstellungen und macht insgesamt den Eindruck, als seien Sie mehr an einem Forum, um diese Vorwürfe abladen zu können interessiert, als an einer ehrlichen politischen Auseinandersetzung mit mir.

Aus Ihrer "Anfrage" lassen sich für mich letztlich folgende Fragen herausfiltern:
  • Ist "Islamofaschismus" die "Gretchenfrage", die es derzeit zuallererst zu beantworten gilt?
  • Wie kann die Oppositionsbewegung im Iran unterstützt werden?
  • Was positioniere ich mich im Nahostkonflikt?
Ich versuche die Fragen in dieser Reihenfolge zu beantworten.

Ich lehne den Begriff des "Islamofaschismus" ab.
Erstens beinhaltet er eine unhistorische Relativierung des deutschen und europäischen Faschismus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Zweitens wird er von der politischen Rechten als Kampfbegriff gegen muslimische Minderheiten in Europa genutzt, die spätestens seit dem 11. September 2001 zum Sündenbock gemacht werden für eine Politik des Krieges und der Besatzung im Nahen und Mittleren Osten.

Die "Gretchenfrage" der Demokratie ist meiner Ansicht nach auch nicht jener "Islamofaschismus" von dem Sie reden, sondern die Ungleichverteilung des Reichtums und damit verbunden die Ungleichverteilung der gesellschaftlichen Teilhabe. Demokratie braucht zuallererst die Möglichkeit für jeden einzelnen, am gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Leben teilzuhaben -unabhängig von seiner Herkunft und religiöser Überzeugung.

Zur Wahlfälschung von Ahmadinedschad und der folgenden Demokratiebewegung im Iran, wurde bereits am 20.6. eine Resolution des Bundesparteitags der LINKEN unter dem Titel "Solidarität mit den Menschen in Iran" beschlossen:
"Die Partei DIE LINKE solidarisiert sich mit den Protesten der Menschen im Iran gegen den vermuteten Wahlbetrug und unterstützt die iranische Demokratiebewegung, die seit Jahren gegen die herrschende Politik im Iran kämpft." (online unter die-linke.de )

Gleichzeitig darf aus unserer Sicht aber die iranische Demokratiebewegung nicht durch eine militärische Aggression des Westens gegen den Iran behindert werden. Bomben bringen niemals Demokratie, sondern Tod, Leid und Verzweiflung und damit den Nährboden für weitere Gewalt und Diktatur. Dass in der Presse aus dieser Ablehnung der Bombardierungen eine Zustimmung zu Ahmadinedschad konstruiert wird, bleibt Propaganda gegen DIE LINKE.

Im Rahmen dieser kurzen Antwort möchte ich zur Frage des Israel-Palästina Konflikts nur ein paar aus meiner Sicht zentrale Argumente vorbringen.
Zunächst glaube ich nicht, dass in Deutschland das "Nahost-Problem" gelöst werden kann, aber ich denke, dass eine weitere Anfeuerung des Konfliktes unterbunden werden muss. Dazu zählt als allererstes, dass Waffenexporte nach Israel endlich gestoppt werden müssen. Nur durch einen Waffen- und Rüstungsboykott in Konfliktregionen können Krieg und Terror zumindest erschwert werden. Als zweites sollte sich linke Außenpolitik nicht in erster Linie an militärischen, sondern an zivilgesellschaftlichen Vertretern in der Region orientieren, die schon längst bewiesen haben und jeden Tag aufs neue beweisen, dass Juden und Muslime gemeinsam gegen ein politisches Regime der Besatzung und des Krieges aktiv werden. Drittens: Die Hamas ist historisch nicht Ursache, sondern Folge von Besatzung, Eroberung, Landraub und jahrzehntelanger Drangsalierung. Man kann sie nicht für einen über 60 Jahre alten Konflikt verantwortlich machen, wenn sie erst seit gerade mal 20 Jahren existiert. Das macht sie sicherlich noch lange nicht zu unserem ersten Bündnispartner. Dennoch wird es nötig sein, und das ist mein viertes Argument, dass die Hamas als gewählte Volksvertretung in Gaza und als einflussreiche Kraft in der palästinensischen Bevölkerung mit an den Verhandlungstisch kommt, wenn es um die Zukunft einer gerechteren und friedlicheren Gesellschaft im Nahen Osten geht.

Nicole Gohlke
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Bürgerrechte, Daten und Verbraucherschutz
07.09.2009
Von:

Gut – sauber – fair:
Fragen an die Kandidaten der politischen Parteien zur Bundestagswahl
am 27. September 2009

Mitglieder und Unterstützer von Slow Food München hätten gern Ihre Meinung als Kandidat/in gehöhrt zu folgenden Fragen:

• Unterstützen Sie die Einrichtung gentechnikfreier Regionen und setzen Sie sich ein für die Respektierung und Verwirklichung der Forderungen des überwiegenden Teils der deutschen Bevölkerung nach gentechnikfreier Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion?
• Wie wollen Sie traditionelles, regionales Lebensmittelhandwerk (z. B: Metzger- und Bäckerhandwerk) in Deutschland und Europa fördern und stärken?
• Sollten Subventionen in der Landwirtschaft künftig nur noch an die Einhaltung von Umwelt- und Tierschutzrichtlinien sowie den Landschaftsschutz gebunden sein?
• Sollten Erzeuger von alten, aber weniger ertragreichen Nutzpflanzensorten und Nutztierarten auch öffentliche Fördermittel erhalten?
• Sollten auch in Deutschland bei Erzeugern, Verarbeitern und Händlern von Lebensmitteln sowie in der Gastronomie faire Entlohnungs- und Arbeitsbedingungen gelten?
• Sollte das Fach Geschmackserziehung und Esskultur in den Elementarunterricht verpflichtend in die Lehrpläne der Länder aufgenommen werden?
• Und zum Schluss eine persönliche Frage: Worauf achten Sie beim Lebensmitteleinkauf und bei der täglichen Ernährung? Welchen Wert hat bei Ihnen der Genuss?

Über Ihre Antwort auf der Seite www.abgeordnetenwatch.de und auch an muenchen@slowfood.de freuen wir uns. Ihre Antworten werden wir gern auf unserer Homepage veröffentlichen.
Antwort von Nicole Gohlke
2Empfehlungen
16.09.2009
Nicole Gohlke
Hallo Herr ,

anbei die Antworten auf Ihre Fragen:

1. Unterstützen Sie die Einrichtung gentechnikfreier Regionen und setzen Sie sich ein für die Respektierung und Verwirklichung der Forderungen des überwiegenden Teils der deutschen Bevölkerung nach gentechnikfreier Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion?

Antwort: Ja, DIE LINKE unterstützt die Schaffung gentechnikfreier Regionen in Deutschland und Europa. Die Zulassungskriterien für gentechnisch veränderte Sorten müssen unter Einbeziehung ökologischer und sozialer Kriterien verschärft werden. Wir lehnen die Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen ab, denn die ökologischen und gesundheitlichen Risiken sind nicht überschaubar. Wir fordern die Beibehaltung der "Nulltoleranz" bei Importfuttermitteln, d.h. Importe aus Nicht-EU Ländern dürfen keine Bestandteile gentechnisch veränderter Pflanzen enthalten, die nicht in Europa zur Nutzung bereits zugelassen sind. Die Zulassungsverfahren für gentechnisch veränderte Futter- und Lebensmittel müssen außerdem objektiver und transparenter sein.

2. Wie wollen Sie traditionelles, regionales Lebensmittelhandwerk (z.B. Metzger- und Bäckerhandwerk) in Deutschland und Europa fördern und stärken?

Antwort: Wir wollen regionale Wirtschaftskreisläufe vorrangig fördern im Bereich Wirtschaftsförderung. Dies soll den ökologischen Umbau der Wirtschaft vorantreiben. Arbeitsintensive Dienstleistungen und Handwerkerleistungen sollen unserem Willen nach zukünftig mit nur noch sieben Prozent Mehrwertsteuer belastet werden.

3. Sollten Subventionen in der Landwirtschaft künftig nur noch an die Einhaltung von Umwelt- und Tierschutzrichtlinien sowie den Landschaftsschutz gebunden sein?

Antwort: Subventionen sollten künftig an die Einhaltung von Umwelt- und Tierschutzrichtlinien geknüpft werden. Ich bin gegen eine Verlängerung der Agrarexportsubventionen wie überhaupt der Exportorientierung der EU-Agrarpolitik, weil sie auf Kosten unserer Natur und Umwelt wie auch der Landwirtschaft in den ärmeren und armen Ländern gehen. Sozial und ökologisch zerstörerische Subventionen sollten komplett gestrichen werden.

4. Sollten Erzeuger von alten, aber weniger ertragreichen Nutzpflanzensorten und Nutztierarten auch öffentliche Fördermittel erhalten?

Antwort: Ja. Der Erhalt der (Agro)Biodiversität ist wichtig, weil damit erstens Rote-Liste-Arten bzw. Sorten geschützt werden, sie also nicht aussterben. Außerdem bleiben damit ihre genetischen Ressourcen erhalten, womit dann die Möglichkeit erhöht werden kann, auf neue Herausforderungen (Hitze, Kälte, Stress, Salz, etc.) zu reagieren. Einmal ausgestorben, sind die Eigenschaften (Genressourcen) der einen Art oder der einen Sorte für immer verloren. Abzulehnen ist aber der Erhalt solcher Sorten und Arten als "Genpool" für die Gentechnik-Industrie. Genressourcen sollten Erbe der Menschheit sein und nicht patentierbar oder monopolisierbar.

5. Sollten auch in Deutschland bei Erzeugern, Verarbeitern und Händlern von Lebensmitteln sowie in der Gastronomie faire Entlohnungs- und Arbeitsbedingungen gelten?

Antwort: Selbstverständlich. Faire Entlohnungs- und Arbeitsbedingungen sollten in jeder Branche gelten. Ich setze mich deswegen mit der LINKEN für einen gesetzlichen Mindestlohn ein, welcher im Laufe der Wahlperiode auf zehn Euro steigen soll. Nur dieser sichert einen Lohn, von dem jede und jeder leben und später eine gute Rente beziehen kann. Außerdem muss der Kündigungsschutz ausweitet werden. Bereits nach drei Monaten soll er Anwendung finden. Auch muss die Befristung von Arbeitsverträgen ohne sachlichen Grund abgeschafft werden, da hierdurch der Kündigungsschutz umgangen wird. Nicht zuletzt müssen in profitablen Unternehmen Kündigungen verboten werden, da sie nur der weiteren Steigerung der Gewinne dienen.

6. Sollte das Fach Geschmackserziehung und Esskultur in den Elementarunterricht verpflichtend in die Lehrpläne der Länder aufgenommen werden?

Antwort: DIE LINKE steht für eine Gemeinschaftsschule, die eine umfassende Allgemeinbildung und einen lebensnahen Unterricht für alle Schülerinnen und Schüler gewährleistet. Allgemeinbildung umfasst alle Bereiche des menschlichen Lebens: Natur, Arbeitswelt, Wirtschaft, Politik, Sprachen, Kommunikation, Wissenschaft und Kunst, soziale und ethische Beziehungen, Gesundheit, Sport, Freizeit und Familie. In der Gemeinschaftsschule sollen die Vorteile heterogener Lerngruppen durch kooperative Lernformen und individuelle Lernpläne erschlossen und so der Erwerb sozialer Kompetenzen durch integrative Bildung nachhaltig gefördert werden. Ein Fach Geschmackerziehung und Esskultur als obligatorisch einzuführen halte ich nicht für notwendig. Als Wahlfach könnte es allerdings ins Angebot aufgenommen werden.

7. Und zum Schluss eine persönliche Frage: Worauf achten Sie beim Lebensmitteleinkauf und bei der täglichen Ernährung? Welchen Wert hat bei Ihnen der Genuss?

Antwort: Auf Qualität und den Geldbeutel - je nachdem in welcher Situation ich gerade bin. In Zeiten des knappen Geldbeutels leidet wie so manch anderes auch die Qualität der Nahrung, in Zeiten eines guten Auskommens gönne ich mir gerne gutes Essen, auch gerne aus Bioläden oder vom Markt. In Zeiten mit viel Stress leidet das Thema gesunde Ernährung bei mir allerdings immer - dann muss ich mich sehr darum bemühen, nicht unter hektischen Bedingungen und ungesund zu essen.

Viele Grüße,
Nicole Gohlke.
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Bildung und Kultur
09.09.2009
Von:

Hallo Frau Gohlke,

wie stehen Sie zu Aus und Weiterbildung für Langzeitarbeitslose, es gibt da bei der Caritas Werkstätte "Am Westpark" Ortlerstr. 12, 81373 München
www.caritas-werkstaette-muenchen.de die Möglichkeit eine Ausbildung als Schreiner zu machen. Man bekommt weiterhin Harz 4 plus 1,25€ / Std. Verdrängt aber keinen anderen Arbeitsplätze!
Viele Grüße
Antwort von Nicole Gohlke
bisher keineEmpfehlungen
24.09.2009
Nicole Gohlke
Hallo Herr ,

vielen Dank für ihre Anfrage!

Die LINKE unterstützt ausdrücklich die Möglichkeit zur Aus- und Weiterbildung von Langzeitarbeitslosen. In unserem Wahlprogramm finden Sie folgende Forderungen zur Aus- und Weiterbildung:
  • Gute Ausbildung sichern: Ausbildungsumlage im dualen System einführen: alle Betriebe, die nicht ausbilden, zahlen in einen Fonds ein. Wer ausbildet, erhält hieraus Unterstützung.
Ausbildungsentgelte grundsätzlich tariflich vereinbaren, außer- und
überbetriebliche Ausbildungen mit betrieblichen gleichstellen.
  • Klare gesetzliche Abgrenzung von Arbeits- und Lernverhältnissen:
Berufseinstieg über reguläre Arbeitsverträge sichern; Praktika mit
mindestens 300 € im Monat vergüten.
  • Für ältere Beschäftigte durch Weiterbildung, gesundheitliche
Prävention und altersgerechte Arbeitsbedingungen bessere
Möglichkeiten schaffen, bis zum Eintritt in die Rente
versicherungspflichtig tätig zu sein.
  • Weiterbildung als öffentliche Aufgabe verankern: mit einem Weiterbildungsgesetz den Rechtsanspruch, die Finanzierung und Qualität von Weiterbildung sichern; Unternehmen in die Verantwortung nehmen und Branchenfonds bilden; Gesetze von Bund und Ländern zu einer Erwachsenenbildungsförderung ausbauen und allen Menschen - unabhängig vom Geldbeutel - lebenslanges Lernen ermöglichen. Über eine so geschaffene Erwachsenenbildungsförderung lassen sich auch viele weitere Ausbildungsplätze für Langzeitarbeitslose finanzieren.

So sehr das Engagement derjenigen gelobt werden muss, die Langzeitarbeitslosen eine Perspektive für eine berufliche Zukunft bieten wollen und ohne den von Ihnen beschriebenen Betrieb näher zu kennen, meine ich, dass eine Ausbildung unter 1-€-Job-Bedingungen kritisch zu betrachten ist. Einerseits wegen des Zwangscharakters solcher Maßnahmen. Aber auch, weil für eine Ausbildung ein Ausbildungsvertrag und eine Ausbildungsvergütung maßgeblich sind. Und drittens weil die Schaffung von 1-€-Jobs wohl nie ohne Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt ist.

DIE LINKE fordert, alle 1-€-Jobs in tariflich bezahlte Arbeitsplätze
umzuwandeln.

Viele Grüße,
Nicole Gohlke.
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Soziales und Familie
10.09.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Gohlke,

Sie schreiben, dass sich rot-grün mit der "Agenda-Politik für einen großen Teil ihrer Klientel unwählbar gemacht haben." Glauben Sie denn, die haben das gerne gemacht. Ich bin überzeugt, dass diese Schritte notwendig waren, weil sie schon in den Kohljahren notwendig gewesen wären.

Könnten Sie bitte ausführlich darstellen, was Sie statt der Agenda 2010 geamcht hätten bzw. wie Sie dies umstellen würden und vor allem, wie Sie das finanzieren würden.

Eine weitere Frage: Bei einem allgemeinen Grundeinkommen - wie würden Sie verhindern, dass sich nicht mancher auf die faule Haut legt?

Zur PDS-Vergangenheit schreiben Sie: "zog keinen Schlussstrich unter die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, sondern betrieb im Gegenteil eine sehr ehrliche und authentische Aufarbeitung." Dann muss ich Sie schon fragen, wo zum einen die SED-Millionen geblieben sind, wie Sie in Ihrer Partei mit ehemaligen Stasispitzeln umgehen, wie Sie die alten Seilschaften aushebeln.

Eine letzte Frage: Was würden Sie denn in München ändern, wenn Sie hier an der Macht wären?

Grüße,
Antwort von Nicole Gohlke
3Empfehlungen
15.09.2009
Nicole Gohlke
Hallo Herr ,

bitte haben Sie Verständnis, dass ich nicht auf alle Aspekte Ihrer Frage eingehen kann. Die ausführliche Beantwortung jeder der von Ihnen angeschnittenen Themen könnte ganze Seite füllen; deswegen möchte ich mich auf einige Aspekte konzentrieren:

Wie gerne die SPD und die Grünen ihre Agenda 2010 auf den Weg gebracht haben vermag ich nicht zu sagen. Allerdings vermisse ich bei den führenden Architekten der Agenda 2010 wie bei Steinmeier oder Müntefering, die Einsicht, zu welchen katastrophalen Auswirkungen die Agenda-Politik geführt hat. Der wohl deutlichste Effekt war, dass immer weniger Menschen so etwas wie eine "gute Arbeit", also eine sichere, anständig bezahlte, würdevolle und der eigenen Qualifiaktion ensprechende Arbeit, haben. Millionen Menschen, vor allem Frauen, arbeiten in unsicheren Beschäftigungsverhältnissen - ein Effekt der Agenda 2010: die Ausdehnung von Leiharbeit und befristeter Arbeit. Millionen Menschen, auch vornehmlich Frauen, brauchen mehrere Jobs zum überleben - ein zweiter Effekt der Agenda-Politik: Minijobs und Scheinselbständigkeit. Und Millionen Menschen sind bereit, jeden Job und sei er noch so mies bezahlt, sei die Arbeitsbedingungen noch so schlecht, anzunehmen, weil sie Angst haben vor Hartz IV - denn das ist, wie Hartz IV wirkt: als Programm zur Lohndrückerei. Von den unmittelbaren Auswirkungen auf Hartz IV-Betroffene möchte ich hier gar nicht reden!

Ich halte die Behauptung, es hätte dazu keine politische Alternative gegeben, für einen Mythos. Die ganze Ära des Neoliberalismus hindurch wurde propagiert, diese Politik, dieses Wirtschaften sei alternativlos.
Letztendlich war und ist es aber einfach nur eine Politik im Interesse der großen Konzerne, die gesetzliche Flankierung eines globalisierten Kampfes um die besten Profite. Umso enttäuschender ist es daher auch, dass sich die Sozialdemokratie dieser Politik verschrieben und sich dieses neoliberale Credo der vermeintlichen Alternativlosigkeit zueigen gemacht hat.

In der Politik geht es wahrscheinlich meist um die Frage, in wessen Interesse man handelt bzw. zu handeln bereit ist. Insbesondere in wirtschaftlich zugespitzten Situationen wie es auch heute angesichts der Weltwirtschaftskrise eine ist, stellt sich diese Frage umso dringender. Auch heute steht die Entscheidung an: wer zahlt für die Krise, wer kommt für die milliardenschweren Banken-Rettungspakete auf, wer wird die Löcher in den Länderkassen und den kommunalen Haushalten stopfen? Wer, wie beispielsweise die FDP in solch einer Situation Steuersenkungen verspricht, ohne zu sagen, womit diese gegenfinanziert werden sollen, bereitet einfach nur den nächsten Angriff auf den Sozialstaat vor.

Wir als LINKE stehen für eine Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums von oben nach unten. Denn heute wie vor sechs Jahren, als die Agenda 2010 auf den Weg gebracht wurde, ist die Bundesrepublik ein reiches Land. 2006 belief sich das private Finanzvermögen in der BRD auf 4,5 Billionen Euro. Und schon geringe Maßnahmen in Richtung einer sozial gerechteren Steuerpolitik, wie es die LINKE fordert, brächten Mehreinnahmen zwischen 160 und 190 Milliarden €: die Anhebung des Spitzensteuersatzes, der von Rot-Grün abgesenkt wurde, wieder auf das alte Niveau; die Wiederehebung der Millionärssteuer und die Einführung der Börsenumsatzsteuer; die höhere Besteuerung von Unternehmensgewinnen. (genauer nachzulesen unter: die-linke.de )

Allein durch diese Maßnahmen könnten die unteren und mittleren Einkomen (bis 6.000 € monatlich) entlastet werden, eine Erhöhung der Hartz IV-Regelsätze vorgenommen werden, die Studiengebühren flächendeckend abgeschafft werden, ...
Zusätzliche Einnahmen in den öffentlichen Haushalten sowie in den Arbeitslosen- und Krankeversicherungen können über bessere Löhne und die Schaffung von Arbeitsplätzen (zum Beispiel durch eine Umverteilung der gesellschaftlichen Arbeitszeit) erreicht werden.

Zu diesen Schritten muss man allerdings politisch bereit sein - das war die SPD - zumindest in der Vergangenheit - nicht. Ich denke aber, es gibt dazu keine Alternative, wenn man nicht bereit ist, ein weiteres Auseinanderklaffen zwischen Arm und Reich und weitere soziale Ungerechtigkeit in Kauf zu nehmen.

Nun zu einem weiteren Aspekt Ihrer Anfrage:
Lebt DIE LINKE von verborgenem SED-Vermögen? Also der Verdacht, die frühere PDS habe Vermögen ihrer Vorgängerpartei, der Staatspartei SED, auf die Seite geschafft und finanziere sich heimlich davon. Diese Unterstellungen werden immer wieder besseren Wissens ins politische Spiel gebracht. Die Finanzen der früheren PDS und der LINKEN liegen der Öffentlichkeit in den Rechenschaftsberichten wie die Finanzen aller anderen Parteien vor.

Das Vermögen der SED wurde auf der Grundlage des Parteiengesetzes der DDR vom Februar 1990 mit dem Stichtag 7. Oktober 1989 unter treuhänderische Verwaltung gestellt.
Unabhängig davon hat die PDS auf eigenen Beschluss Anfang 1990 aus dem Parteivermögen eine Summe von 3,041 Milliarden Mark der DDR an den Staatshaushalt der DDR für soziale und kulturelle Zwecke abgeführt. Große Teile des vorhandenen Geldvermögens der Partei mussten für Abwicklungsmaßnahmen eingesetzt werden - nach Verfügung der treuhänderischen Verwaltung jeweils auf der Grundlage von Freigaben durch die Treuhandanstalt. Die SED hatte immerhin ca. 44000 hauptamtliche Beschäftigte, deren Arbeitsverhältnisse aufzulösen waren. Auch die Verwaltung von ca. 750 Immobilien bis zur Übergabe an neue Träger bzw. Betreiber verlangte größere Aufwendungen.

Zum 31. August 1991 wurden auf der Grundlage eines Verwaltungsaktes der Treuhandanstalt die Geldbestände auf den Bankkonten der PDS eingezogen, so dass faktisch mit dem 1. September 1991 eine finanzielle Neugründung der PDS stattfand. Von da an konnte die Partei nur noch über die ab diesem Zeitpunkt eingenommenen Mitgliedsbeiträge, Spenden und staatlichen Mittel verfügen. Am 18. Juli 1995 wurde vor dem Berliner Oberverwaltungsgericht ein Vergleich zwischen PDS, Treuhandanstalt und Unabhängiger Kommission zur endgültigen Regelung der Vermögensfragen abgeschlossen. Auf der Grundlage dieses Vergleichs hat die PDS kein Geldvermögen zurückerhalten, da der Erwerb dieses Vermögens nicht als materiell-rechtsstaatlich anerkannt wurde. Das traf auch auf die von der SED eingenommenen Mitgliedsbeiträge zu. Der PDS wurden vier Immobilien insbesondere aus dem früheren Eigentum der KPD (darunter das Berliner Karl-Liebknecht-Haus als Sitz des Parteivorstandes) zugesprochen. Außerdem konnte die PDS die in den Geschäftsstellen vorhandenen Ausstattungen behalten.

(genauer nachzulesen unter: www.die-linke.de )

Ich hoffe, die Antworten haben Ihnen weitergeholfen!

Mit freundlichen Grüßen,
Nicole Gohlke
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Ihre Frage an Nicole Gohlke
Die Fragefunktion wurde inzwischen geschlossen.