Liebe


,
gerne beantworte ich die Fragen.
- Was haben Sie für Solingen in naher Zukunft geplant?
Sie werden wissen, dass die Finanzsituation Solingens dramatisch schlecht ist. D.h., zur Zeit gibt die Stadt sehr viel mehr aus, als sie einnimmt. Das ist zu einem größeren Teil fremd verschuldet, etwa, weil der Bund entschieden hat, dass Kommunen jetzt für alle kleinen Kinder zwischen 3 und 6 Jahren einen Kindergartenplatz bieten müssen, ohne dass er den Kommunen das notwendige Geld dafür gegeben hätte. Ein kleinerer Teil der hohen Ausgaben ist aber selbstverschuldet. Da möchte ich ansetzen. Es gibt immer noch Möglichkeiten, zu sparen. Allerdings nicht beim kulturellen Angebot, nicht bei den Freizeitangeboten für Kinder und Jugendliche und nicht beim Öffentlichen Nahverkehr. Wir wollen vielmehr das Verwaltungshandeln verändern – den Fachverstand der Verwaltung viel mehr nutzen, als Gutachten von anderen schreiben zu lassen. Wir wollen die riskanten Finanzgeschäfte stoppen, mit denen die Stadt in den letzten Jahren Millionen Verluste eingefahren hat und wir wollen ein Ende der Privatisierungen. Wir glauben nämlich nicht, dass private Unternehmen alles besser können. Sie können die Dinge vielleicht preiswerter anbieten, aber dann bezahlen sie ihre Angestellten auch nicht so gut, so dass die dann wiederum kaum noch von ihren Löhnen leben können. Also sagen wir: was die Verwaltung machen kann, das sollte sie selber machen!
- Was ist Ihr Motto für diese Wahl?
Zeit für Veränderung – Zeit für Grün. Und:
Wenn nicht jetzt wann dann – denn irgendwann müssen wir alle gemeinsam damit anfangen, die Zukunft nachhaltig zu gestalten. Ich glaube, dass es höchste Zeit ist, damit wir den Klimawandel in den Griff bekommen und Ihrer Generation nicht nur einen Scherbenhaufen hinterlassen. Wenn nicht jetzt, wann sollten wir dann damit anfangen, ökologisch zu handeln, Armut zu bekämpfen – denn, ja, auch hier in Solingen gibt es erschreckend viele wirklich arme Menschen - , und eine Stadt für alle hier lebenden Menschen zu gestalten?
- Wofür stehen Sie persönlich?
Für ein offenes und lösungsorientiertes Miteinander, für grüne Inhalte, für sozialen Ausgleich und für der Erhalt des kulturellen, sportlichen und bildungspolitischen Angebotes in unserer Stadt. Ich stehe nicht für den Ausbau unseres Straßennetzes, etwa dem Neubau der unsinnigen, extrem teuren B 229n oder der genauso unsinnigen L 405. Ich möchte keine Millionen in Beton versenken, ich möchte sie lieber in die Zukunft investieren: in Bildung, Klimaschutz und Soziales. Das sind die Felder, die dringend beackert werden müssen!
- Wie stehen Sie zu den Themen : Cobra, Freibäder, Nachtexpresse und Aktionen für die Jugend?
Cobra: wir haben uns vehement für den Erhalt der Cobra am Standort eingesetzt, gemeinsam mit vielen anderen Engagierten! Es war eine Schnappsidee von CDU und SPD, die Cobra in die Festhalle verlagern zu wollen. Damit wäre die Cobra mit ihrem ganz eigenen Angebot tot gewesen. Es ist gut, dass wir uns alle jetzt durchsetzen konnten.
Freibäder: unser Bäderkonzept sieht vor, dass in Solingen ein dezentrales, mit dem ÖPNV gut erreichbares, für die Menschen in der Stadt finanzierbares Bäderangebot bestehen bleibt. Das bedeutet: Erhalt der Hallenbäder Vogelsang (Attraktivierung durch neuen Außenbereich, energetische Sanierung), Ohligs (Energetische Sanierung) und der Klingenhalle (mit Anbau eines neuen Beckens), sowie Erhalt des Freibades Ittertal (ggf. als Naturschwimmbad) inkl. des Eislaufangebotes. Das Hallenbad Birkerstraße wollen wir auf die Lebenshilfe übertragen – was eigentlich alle anderen auch möchten, was aber die Verwaltung leider schon seit Monaten verschleppt.
Die Vorstellung von CDU und SPD, praktisch alle Bäder zu schließen, um dann auf der grünen Wiese ein großes Kombibad zu bauen, ist kläglich gescheitert. Zu Recht, wie wir finden, denn den Eintritt hätte sich kaum jemand leisten können.
Nachtexpress: die Einführung eines Nachtexpreß war eine langjährige Forderung von mindestens zwei Jugendstadträten, die wir immer unterstützt haben. Denn dieses nächtliche Fahrangebot bietet den Jugendlichen einen sicheren Heimweg, der auch noch klimafreundlich ist. Wir haben uns gefreut, als die politischen Mehrheiten endlich die Umsetzung freigaben, allerdings kritisieren wir nach wie vor, dass für die Einführung des Nachtbusses das Busangebot zu anderen Zeiten (frühmorgens und abends) massiv eingeschränkt wurde. Da wurde die eine Gruppe (nämlich vor allem ältere Menschen und ArbeitnehmerInnen, die die morgendlichen Busverbindungen nutzten) gegen die andere Gruppe (die Jugendlichen) ausgespielt. Das war unfair und politisch falsch!
- Wie sieht´s aus mit Jobs für Jugendliche?
Es ist ein Unding, wenn am Ende eines Jahres, wenn die Schulabschlüsse schon Monate lang vorbei sind, Jugendliche bzw. junge Erwachsene immer noch auf der Straße stehen, weil sie keinen Ausbildungsplatz finden. Das lässt sich allerdings nur zum Teil auf kommunaler Ebene ändern, denn Arbeitsplatzangebote sind in Zeiten der Krise natürlich rar gesät. Wir Grüne fordern auf kommunaler Ebene die Einführung von Ausbildungsverbünden, damit auch kleine Unternehmen ausbilden können; wir haben uns immer für eine stärkere Zusammenarbeit von Firmen und Schulen (hier vor allem Hauptschulen) eingesetzt, so dass potentielle Arbeitgeber ihre späteren Auszubildenden bereits in der Schule kennen lernen können. Und wir fordern seit langem, dass Unternehmen, die über die Maße Ausbildung, dafür eine staatliche Unterstützung bekommen.
- Wo kann in Solingen eingespart werden? Bzw. Wofür sollte in Solingen mehr Geld ausgegeben werden?
Die Zeiten sind schlecht. Durch die allgemeine Wirtschaftskrise sind die Einnahmen der Stadt noch einmal dramatisch eingebrochen. Insofern ist abzusehen, dass wir den Gürtel enger schnallen müssen. Die entscheidende Frage ist jedoch, in welchen Bereichen werden Ausgaben gekürzt, und wo werden Einnahmen erhöht. Darin unterscheiden sich Parteien und die OB-Kandidaten ganz fundamental. Ich werde keinem Straßenbauprojekt zustimmen, das nicht ausschließlich dem Erhalt bzw. der Ertüchtigung vorhandener Straßen dient. Dafür ist kein Geld mehr da, wenn ich den Erhalt von Bildungs-, Kultur- und Sportangeboten in der Stadt möchte. Alles geht nicht mehr, und da sind meine Prioritäten klar. Ich möchte, dass die Menschen auch zukünftig gerne in Solingen leben, dafür brauchen sie Platz zum Spielen, zum Toben, zum Plaudern, zum Flanieren und für die Naherholung im Grünen. Das sind die Bereiche, in die ich das wenige Geld stecken möchte, das wir noch haben.
- Wofür wird das Konjunkturpaket ausgegeben?
Das Geld des Konjunkturpaketes wird vorwiegend für die energetische Gebäudesanierung (hier vor allem Schulen) ausgegeben, weil – unter anderem auch auf Druck der Grünen - auf Bundesebene entschieden wurde, dass die Mittel aus dem Konjunkturpaket zu einem großen Teil für etwas eingesetzt werden sollen, was zukunftsfähig ist: also Energie einspart! Darüber hinaus muss die Stadt Solingen neue Kindertagesstätten bauen, weil sie vor zwei Jahren erst gegen unseren erbitterten Widerstand Einrichtungen geschlossen hat, die wir jetzt wieder brauchen, weil immer kleinere Kinder in die Betreuung kommen. Das ist ausgesprochen ärgerlich.