Markus Kurth (GRÜNE)
Abgeordneter Bundestag 2005-2009
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Grunddaten
Markus Kurth
Jahrgang
1966
Berufliche Qualifikation
Diplom Politikwissenschaftler
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Dortmund I
Landeslistenplatz
6, über Liste eingezogen, Nordrhein-Westfalen
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(...) Wir, die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, finden, dass Gewalt in den Köpfen von Kindern und Jugendlichen nichts zu suchen hat. Nicht zuletzt deshalb hat Rot-Grün im Jahr 2003 den Jugendmedienschutz verschärft. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Soziales
15.04.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Kurth,

wir sind eine Wählergemeinschaft aus Berlin Prenzlauer Berg.

Wir möchten Ihnen persönlich und als Mitglied der Grüne-Fraktion im BT-Ausschuss Arbeit und Soziales folgende Frage stellen:

Wie kann es eigentlich sein, dass Mitbürger auf ihren selbstverdienten Lohn über 40% Sozialversicherungsbeiträge zahlen müssen, und damit teilweise unter das Existenzminimum gedrückt werden.
Und deshalb allein durch die Zahlungspflicht der SV-Beiträge selbst zu Hartz-IV-Berechtigten werden.

Können Sie uns die Logik dieser Systematik erklären? Denken Sie, dass diese Abgaben auf das Existenzminimum mit dem Grundgesetz vereinbar sind?

Der Vizepräsident des Bundestages, Herr Dr. h.c. Wolfgang Thierse hat freundlicherweise unsere Frage als erster beantwortet.
Wir würden gerne auch Ihre Antwort auf unserer homepage www.uwp-berlin.de und www.arm-trotz-arbeit.de für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich machen.

Bitte zögern Sie also nicht, unsere zugegebenermaßen nicht ganz einfache Frage zu beantworten.

Vielen Dank


Geschäftsführer der UWP
Antwort von Markus Kurth
9Empfehlungen
21.05.2008
Markus Kurth
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Anfrage vom 15.04.2008. Leider komme ich erst jetzt dazu sie zu beantworten.

Ich stimme Ihnen mit Blick auf die Belastung der unteren Einkommen mit Sozialversicherungsbeiträgen grundsätzlich zu. Insbesondere im unteren Einkommenssegment sind es in Deutschland die hohen Lohnnebenkosten, die mehr Arbeitsplätze gerade für Geringqualifizierte im Wege stehen und die Schwarzarbeit florieren lassen. Bündnis 90/Die GRÜNEN wollen die Voraussetzungen dafür schaffen, dass im Handwerk, bei Dienstleistungen und in vielen anderen Bereichen neue Arbeitsplätze entstehen können und haben bereits im Jahre 2006* mit dem Progressivmodell die Senkung der Lohnnebenkosten im unteren Einkommensbereich vorgeschlagen. So entstehen neue Chancen für die, die bisher dauerhaft vom Arbeitsmarkt ausgegrenzt waren und die Nettoeinkommen der Geringverdiener steigen. Zugleich sind niedrigere Lohnnebenkosten bei einfachen Tätigkeiten ein geeignetes Mittel zur Eingrenzung der Schwarzarbeit, durch die unserer Volkswirtschaft Milliardeneinahmen entzogen werden.

Erst ab einem Bruttoeinkommen oberhalb von 2.000 EUR soll die volle Last der Sozialversicherungsabga­ben von heute rund 40% (Arbeitgeber- und Arbeitnehmeran­teil) anfallen. Für alle Einkommen bis 2.000 EUR sollen die Beitragssätze langsam anstei­gen. Bei einem Bruttoeinkommen von 1.000 EUR sollen Arbeitgeber und Arbeitnehmer nach unseren Vorstellun­gen so zum Beispiel nur je 14% Beiträge, zusammen also 28% entrichten. Durch die Verringerung der Abgaben könnten Arbeitgeber mehr Arbeitsplätze und neue Dienstleistungen anbieten. Um das möglichst einfach zu gestalten, könnte der ermäßigte Arbeitnehmerbeitrag in Form einer Steuergutschrift gewährt werden.

In unserem Progressiv-Modell sind alle ArbeitnehmerInnen *Mitglieder* der Kranken-, Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. Dabei können Mitnahmeeffekte durch eine Mindestarbeitsstundenzahl als Voraussetzung für die Aufnahme in die Gesetzliche Krankenversicherung vermieden werden. Die bisherige Minijob-Regelung würde in unserem Modell aufgehen. Bisherige MinijobberInnen wären in Zukunft vollständige Mitglieder in der Sozialversicherung. Damit wäre ein entscheidender Nachteil der jetzigen Minijob-Regelung beseitigt, nämlich die mangelhafte soziale Absicherung.

Zur Kompensation der über die zusätzlichen Beschäftigungseffekte entstehenden Mehreinnahmen hinaus entstehenden Finanzierungslücke ist eine *Gegenfinanzierung aus Steuern* notwendig. Diese Umfinanzierung der sozialen Sicherheit von Abgaben hin zu Steuern ist jedoch beschäftigungspoli­tisch notwendig und steuerpolitisch möglich. Insbesondere die skandinavischen Länder haben uns vorgemacht, dass man mit stärker steuerfinanzierten Sozialsystemen Beschäftigung aufbauen kann.

Auf dem Weg zur weiteren Entkopplung der Finanzierung der sozialen Sicherung von den Lohneinkommen hin zu einer stärkeren Steuerfinanzierung, könnte neben der Progression ein zweites Element unseres Steuersystems auf die Sozialabgaben übertragen werden. So wie es ein steuerfreies Existenzminimum gibt, könnte auch ein Freibetrag bei den Sozialabgaben schrittweise eingeführt werden. In Abhängigkeit zur Höhe des Freibetrages müssen allerdings zusätzliche Steuereinnahmen mobilisiert werden. Die zielgenaue Absenkung der Sozialabgaben kann dort Arbeit schaffen, wo sie besonders fehlt. Ich hoffe, mit diesen Ausführungen Ihre Frage hinreichend beantwortet zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

Markus Kurth
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Frage zum Thema Finanzen
12.05.2008
Von:

Der Historiker Götz Ali hat vor einigen Monaten mit seinem äußerst umstrittenen Buch "Unser Kampf 1968" die 68er Bewegung verunglimpft und deren Methoden mit denen der Nazis verglichen. Nunmehr wird bekannt, daß sein Buch historisch nicht haltbare "Tatsachen" behauptet, die die Grenze zur Geschichtsfälschung überschreiten. Zu Einzelheiten verweise ich auf den Presseartikel aus der furter Rundschau vom 6.5.2008.

Skandalös ist in diesem Zusammenhang aber die Tatsache, daß die Bundeszentrale für politische Bildung einen Teil der ersten Auflage aus Steuermitteln aufgekauft hat und auch noch zur Verbreitung dieser Geschichtsfälschung beiträgt.

Ich gehe davon aus, daß Ihnen die Angelegenheit bis jetzt weitgehend unbekannt geblieben ist, möchte Sie aber ausdrücklich davon in Kenntnis setzen und Ihnen Gelegenheit geben, Ihre Kontrollfunktion gegenüber der Regierungsinstitution wahrzunehmen.

Bitte teilen Sie mir mit, welche Schritte Sie hierzu zu unternehmen gedenken bzw. schon unternommen haben.

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Frage zum Thema Verkehr und Infrastruktur
19.06.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Kurth,

mich würde interessieren, wie Sie zu Transportalternativen im Güterverkehr wie z. B. dem CargoCap stehen.

Für eine Antwort bedanke ich mich im Voraus.

D.
Antwort von Markus Kurth
bisher keineEmpfehlungen
18.08.2008
Markus Kurth
Sehr geehrte Frau ,

vielen Dank für Ihre Anfrage zum Thema CargoCap. Als sozialpolitischer Sprecher der Fraktion habe ich mir fachliche Unterstützung bei unserem verkehrspolitischen Sprecher Winfried Hermann in Sachen CargoCap eingeholt: Das Transport- und Versorgungssystem CargoCap ist aus Sicht der Grünen neben dem Schienengüterverkehr und der Binnenschifffahrt eine interessante Alternative um Güter klima- und umweltfreundlich zu transportieren und die Straßen zu entlasten. Denn die CargoCaps werden elektrisch angetrieben.

Ein entsprechendes Forschungsprojekt an der Universität Bochum ist bereits relativ weit fortgeschritten. Allerdings bedarf es für die Umsetzung erheblicher Investitionsmittel in die erforderliche Infrastruktur, damit die Güter ähnlich wie in einem Rohrpostsystem in unterirdisch laufenden Kapseln transportiert werden können. Um zu untersuchen, ob dieses System eine sinnvolle Ergänzung der bereits vorhandenen umweltfreundlichen Verkehrsträger darstellt und welche Kosten damit verbunden sind, wäre ein entsprechendes Pilotprojekt in einem Ballungsgebiet sicher sinnvoll.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit dieser Auskunft behilflich sein.

Mit freundlichen Grüßen

Markus Kurth, MdB
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Frage zum Thema Soziales
25.07.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Kurth,

mitt Interesse habe ich in den Medien gelesen, daß geplant ist, einen fin. Ausgleich für die gestiegenen Energiekosten zu schaffen.Hierfür würden versch. Modelle geprüft auf ihre sozialen wie energiepolit. Konsequenzen hin.
Welche Vorstellungen vertreten Sie / die Grünen.?
Wird ein Modell, das die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel senkt, geprüft, evt. selektiv auf solche Lebensmittel, die ihren Namen verdienen, wie z.b. Obst und Gemüse, Milch- und Vollkornprodukte? (Damit hätte man gleichzeitig etwas gegen die zunehmende Fehlernährung und Übergewichtigkeit getan)
Ein solches Modell kommt vor allem Niedrigeinkommens-beziehern zugute und schmälert nicht den Anreiz, Energie zu sparen bzw. durch regenerierbare Quellen zu produzieren.
Ich hoffe, meine Vermutung, daß diese Angelegenheit in die Zuständigkeit des Ausschusses Arbeit und Soziales trifft zu .

Freundliche Grüße,
Antwort von Markus Kurth
bisher keineEmpfehlungen
18.08.2008
Markus Kurth
Sehr geehrte Frau ,

Bündnis 90/Die Grünen nehmen die sozialen Auswirkungen steigender Energiekosten sehr ernst. Das Thema wird Anfang September 2008 auf der Tagesordnung der Fraktionsklausur stehen. Dem Beschluss wird eine Bundestagsinitiative zu einer sozialen Energiepolitik folgen. Gemeinsam mit der umweltpolitischen Sprecherin der Fraktion, Bärbel Höhn, habe ich zu diesem Thema ein Diskussionspapier verfasst, welches eine Vielzahl von Maßnahmen zur Unterstützung von niedrigen Einkommen bei steigenden Energiekosten enthält. Für uns Grüne bleibt dabei von zentraler Bedeutung, dass unterstützende Maßnahmen zugleich Anreize zum Energiesparen bieten müssen.

Sie können das Papier auf meiner Internetseite unter www.markus-kurth.de herunterladen.

Das von Ihnen angesprochene Modell einer verringerten Mehrwertsteuer auf Energie und Nahrungsmittel wird von uns ausdrücklich nicht favorisiert. Bei dieser Vorgehensweise besteht das Risiko, dass die verringerte Mehrwertsteuer nicht an die Kunden weitergegeben, sondern von den (Energie-)Produzenten eingestrichen wird. Letztere müssen nicht vom Steuerzahler subventioniert werden.

Für Nahrungsmittel existiert außerdem bereits ein verringerter Mehrwertsteuersatz.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit meinen Ausführungen behilflich sein.

Mit freundlichen Grüßen

Markus Kurth, MdB
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
12.08.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Kurth,

ich habe gerade einen Artikel über Computerspiele-Sucht auf der Spiegel Online Seite gelesen ( www.spiegel.de ). Als Beispiel wird über einen 30 jährigen erzählt, der durch diese Sucht alles verlor und sich danach selbst in eine Klinik einweisen ließ.

Gibt es deswegen Überlegungen, dass Anbieter von Online-Spielen Personen einer Suchtberatung melden müssen, die über ein gewisses Limit durchgehend online Computer spielen?

Aus meiner Sicht wäre dies sehr sinnvoll.

Vielen Dank im voraus für Ihre Antwort und viele Grüße

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