Klaus Lederer (DIE LINKE)
Kandidat Bundestagswahl 2009
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Klaus Lederer
Jahrgang
1974
Berufliche Qualifikation
Rechtswissenschaftler
Ausgeübte Tätigkeit
Rechtsanwalt, Mitglied des Abgeordnetenhauses
Wohnort
Berlin
Wahlkreis
Berlin-Mitte
Ergebnis
19,1%
Landeslistenplatz
6, Berlin
(...) 1. Die vollständige Gleichstellung im Bundesrecht setzt voraus, dass alle Rechte, die sich mit der Ehe verbinden, auch auf die Lebenspartnerschaft übertragen werden. Bislang gibt es eine Reihe von Feldern, in denen das nicht der Fall ist. (...)
 
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Frage zum Thema Bürgerrechte, Daten und Verbraucherschutz
22.08.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Lederer,

im Vorfeld Ihrer Kandidatur zum Deutschen Bundestag bitte ich um die Beantwortung folgender zwei Fragen:

1. Im Bundestag gibt es wenige profilierte Vorkämpfer, die für gleichberechtigte Rechte von homosexuellen Lebensgemeinschaften eintreten. Sehen Sie auf diesem Gebiet weiteren gesetzlichen Handlungsbedarf und wenn ja, wie könnte der aussehen?

2. Sie sprechen auf Ihrer Homepage von einem globalen Finanz- und Wirtschaftstotalitarismus. Inwieweit sehen Sie jedoch noch Handlungsbedarf bei der Aufarbeitung des totalitären Systems der DDR und was sollte getan werden?

Mit freundlichen Grüßen,

Antwort von Klaus Lederer
2Empfehlungen
24.08.2009
Klaus Lederer
1. Die vollständige Gleichstellung im Bundesrecht setzt voraus, dass alle Rechte, die sich mit der Ehe verbinden, auch auf die Lebenspartnerschaft übertragen werden. Bislang gibt es eine Reihe von Feldern, in denen das nicht der Fall ist. So sind Adoption wie auch steuerliche Gleichstellung mit der Ehe bislang nicht erfolgt. Auch in Bezug auf manch landesrechtliche Materie gibt es noch Gleichstellungslücken, so in manchen Bundesländern bei der Versorgung und Besoldung der Beamtinnen und Beamten. Der einfachste Weg wäre die Gleichstellung im Rahmen des Familienrechts, so dass alles, was für die Ehe gilt, analog auch für die Lebenspartnerschaft gilt. Das wäre der schnellste Weg und er ist längst fällig - leider finden sich offenbar dafür gegenwärtig keine Mehrheiten.
Bislang geht Deutschland einen anderen Weg als zum Beispiel Spanien es getan hat: die mühsame schrittweise Angleichung des Rechtsinstituts der Lebenspartnerschaft an die Ehe. Berlin hat im Übrigen unter Rot-Rot alle Schritte der landesrechtlichen Gleichstellung unternommen, es gibt nur noch sehr wenige Lücken, die ausgefüllt werden müssen (z. B. beim Kindergeldzuschlag). Damit führt Berlin im Bundesmaßstab.

2. Wichtig ist für mich erstens die Arbeit der Erinnerung, wie wir sie in Berlin beispielsweise mit dem Gedenkkonzept Berliner Mauer auf den Weg gebracht haben, auch die Anerkennung und Entschädigung der Opfer. Und ich finde zentral, dass der öffentliche Diskurs sich dieses Themas mit aller Ernsthaftigkeit annimmt - nicht nur als Projektionsfläche, sondern in dem ernsthaften Bemühen, die verschiedenen Seiten der parteibürokratischen Diktatur im Osten Deutschlands angemessen zu würdigen. Dazu gehört die Vermittlung der Herrschaftsstrukturen genauso wie der angemessene Umgang mit den Biografien vieler Menschen, die im Osten Deutschlands geboren wurden und in der DDR aufgewachsen sind und gelebt haben. Nur lebendiges Erinnern, so schmerzhaft es für manche auch sein mag, wird Geschichte präsent halten und damit auch Lernprozesse befördern. Nicht zuletzt ist die Linke in der Pflicht, sich mit ihrer eigenen Geschichte weiterhin auseinanderzusetzen. Nur wenn sie das ernst nimmt, wird sie erstens als sozialistisch-demokratische Partei Glaubwürdigkeit für sich beanspruchen können und zweitens etwas dazu beitragen können, dass unsere Gesellschaft demokratischer, gerechter und sozialer wird.

Mit besten Grüßen

Klaus Lederer
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Frage zum Thema Innere Sicherheit und Justiz
29.08.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Lederer,

inwiefern halten Sie Netzsperren für sinnvoll?
Wie wägen Sie dabei Nutzen der Sperren und die Einschränkung von Bürgerrechten (Zensurgefahr) ab?

Mit freundichem Gruß
Antwort von Klaus Lederer
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31.08.2009
Klaus Lederer
Sehr geehrter Herr Hase,

ich halte Netzsperren für eine dem Medium Internet widersprechende und für die Bekämpfung von Straftaten ungeeignete Maßnahme. Sie sind zum einen zu umgehen, zum zweiten Ausdruck einer gewissen Hilflosigkeit angesichts der Schwierigkeiten der Strafverfolgung in der globalisierten Welt und drittens sehe ich die Gefahr, dass die gegenwärtigen Schritte, die vor allem wegen des - natürlich herrscht hier ein gesellschaftlicher Konsens bei der Ablehnung der fürchterlichen kinderpornografischen Aktivitäten - Themas durchsetzbar waren, auch in anderen Bereichen sukzessive eingeführt werden und dann tatsächlich zu einer umfassenden Zensur des Internet führen. Gegen Kinderpornografie hilft nur die tatsächliche Verfolgung von Straftaten, aber auch Prävention und Kinderschutz. Das lässt sich ersatzweise nicht mit Internetsperren machen. Bei der Abstimmung im Bundesrat habe ich dazu folgende Presseerklärung abgegeben, die meine Position noch einmal umreißt:

10. Juli 2009 - Ignoranz schadet der Demokratie.

Zur Entscheidung des Bundesrates, das Zugangserschwerungsgesetz passieren zu lassen, erklärt der Landesvorsitzende der Partei DIE LINKE Berlin, Klaus Lederer:

Entgegen allen sachlichen Bedenken hat der Bundesrat heute das Internetsperrengesetz passieren lassen. Wirtschaftssenator Harald Wolf (DIE LINKE) hatte zuvor im Wirtschaftsausschuss des Bundesrat die Anrufung des Vermittlungsausschusses beantragt, blieb mit diesem Anliegen aber bei Enthaltungen der vier FDP-mitregierten Länder und Hamburgs allein. Dabei gäbe es viele gute Gründe für diesen Schritt. Immer wieder haben Ex-pertInnen darauf hingewiesen, dass die in diesem Gesetz vorgeschlagenen Maßnahmen zur Bekämpfung von Kinderpornographie im Internet nicht geeignet sind und Zweifel daran bestehen, ob die darin festgeschriebenen Eingriffe in das Fernmeldegeheimnis mit der Verfassung im Einklang sind. Das Land Berlin hat diese und weitere Bedenken heute im Bundesrat in einer Erklärung zu Protokoll gegeben. Die Art und Weise, wie sich die Große Koalition in den zurückliegenden Monaten über sachliche Einwände hinwegsetzte, hat dem Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die demokratischen Institutionen und in die Kompetenz von Abgeordneten und Regierungen erheblich geschadet.

Mit freundlichen Grüßen

Klaus Lederer
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Frage zum Thema Bürgerrechte, Daten und Verbraucherschutz
13.09.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Lederer,

gestern fand die Datenschutzdemo "Freiheit statt Angst" in Ihrem Wahlkreis statt. Beteiligt waren neben Ihnen u.a. Frank Bsirske, Claudia Roth und Burkhard Hirsch. Am Ende der weitgehend friedlichen Demonstration (Einschätzung des Polizeisprechers) kam es zu einer Szene, in der ein nicht näher bekannter und dem Anschein nach friedlicher Radfahrer zusammen mit umstehenden Passanten von den Einsatzkräften der Polizei brutal verprügelt würde. Ein Video dieser Szene wurde gestern veröffentlicht und von den Medien aufgegriffen (z.B. taz).

Wie stehen Sie zu derartigem Vorgehen der Polizei in Ihrem Wahlkreis?

Falls Sie das Vorgehen der Polizei ablehnen: werden Sie den Berliner Innenensator Dr. Ehrhart Körting damit konfrontieren?

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Klaus Lederer
3Empfehlungen
14.09.2009
Klaus Lederer
Sehr geehrter Herr ,

selbstverständlich verurteile ich solche Übergriffe der Polizei auf Demonstrant/innen und begrüße es, dass umgehend nach Bekanntwerden des Vorfalls Ermittlungen gegen die Beamten aufgenommen wurden. Denn das Verhalten der Beamten, so wie es sich dem Augenschein nach in dem Video darstellt, ist nicht durch das Gesetz gedeckt und wäre ggf. Körperverletzung im Amt und somit eine Straftat. Die gleichlautende Position der Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus wird auch in der Erklärung meiner Kollegin Marion Seelig am Montag deutlich.

Dem entsprechend werden wir das Agieren der Polizei nicht nur im direkten Gespräch mit dem Innensenator Herrn Körting, sondern auch im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses kommende Woche thematisieren, so wie wir das auch in der Vergangenheit bei ähnlichen Vorfällen stets getan haben. Denn DIE LINKE setzt sich schon seit vielen Jahren für ein deeskalierendes Agieren der Polizei insbesondere bei Demonstrationen ein. Wir haben in dieser Hinsicht in den zurückliegende Jahren auch einiges erreicht, müssen leider aber immer auch wieder Rückschläge zur Kenntnis nehmen.

Deshalb bleiben wir auch bei unserer Auffassung, dass eine individuelle Kennzeichnungspflicht von Polizeibeamten im Einsatz eine notwendige Maßnahme ist und dringen weiterhin gegenüber dem Polizeipräsidenten sowie dem Innensenator auf deren Einführung. Leider gibt es bei der SPD wie auch auch bei der Personalvertretung der Polizei dagegen nach wie vor teilweise erhebliche Widerstände. Da hilft nur Dranbleiben und weiter am dicken Brett bohren.

Deshalb wird jeder dieser "Einzelfälle" für uns ein Thema bleiben, den wir im Auge behalten und auf deren Aufklärung wir dringen werden.

Mit besten Grüßen

Klaus Lederer
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Frage zum Thema Soziales und Familie
14.09.2009
Von:

sehr geehrter hr. k.lederer,

die LINKE hat in berlin hervorragende arbeit geleistet. dafür wird auch der zuständige wirtschaftssenator wolf von den unternehmerverbänden gelobt.

es wurden die Zuschüsse für Obdachlose und für Behinderteneinrichtungen (2002) gekürzt, das Blindengeld abgeschafft (2005), beseitigte das Sozialticket für den öffentlichen Nahverkehr (2004), um es später, wegen der heftigen Proteste, zu einem dreimal so hohen Preis wieder einzuführen. Berlin wurde Vorreiter bei der Abschaffung der Lernmittelfreiheit (2003), erhöhte die Kita-Gebühren (2003), strich den Jugendhilfeetat von 400 Millionen (2001) auf 230 Millionen Euro herunter (2005) und schuf 24.000 Ein-Euro-Jobs .. u.s.w.u.s.f.


Seit 1995 wurden in Berlin 209.000 kommunale Wohnungen privatisiert, mehr als 57 Prozent davon, rund 120.000, zwischen 2002 und 2005, seit die Linkspartei »an der Macht« ist.


Nie zuvor seit 1945 wurde das Berliner Gesundheitswesen so demoliert wie unter dem SPD/Linkspartei-Senat. Viele Krankenhäuser sind inzwischen privatisiert.Von 2003 auf 2004 wurden im Berliner Gesundheitswesen 39 Millionen Euro eingespart, das meiste davon, weil 13.000 Beschäftigte auf ihr Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichten mussten.


Insolvenz oder Lohnverzicht? Die Beraterfirma McKinsey strich ein Honorar von 2,7 Millionen Euro ein.

(diese detaildaten entnahm ich einem artikel von jutta ditfurth – als westberliner weiß ich, das sie stimmen. Im internet nachzulesen: blog.prinz.de mit weiterführenden Quellenangaben .)


meine frage deshalb an sie, der für diese oben zitierten sozialen machenschaften mitverantwortlich ist:

1. wie werden sie sich für die sozialen belange der bürger einsetzen, wenn die linke in diesem unserem bundesland schon diese kahlschlagspolitik mitgestaltet hat ?

2. wie glaubwürdig sind sie und ihre partei nach den beispielen der mitgestaltung hier in berlin ?
Antwort von Klaus Lederer
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15.09.2009
Klaus Lederer
Sehr geehrter Herr ,

ich kann sie beruhigen bzw. muss sie enttäuschen, je nachdem aus welchem poltischen Blickwinkel sie da sehen wollen. Aber die von Ihnen aufgezählten "Fakten" sind entweder falsch oder so verkürzt dargestellt, dass sie womöglich in die propangandistische Argumentation von Frau Ditfurth passen, aber um so weniger die Realität wiederspiegeln.

So kann ich Ihnen beispielsweise versichern, dass das größte Krankenhausunternehmen Europas - die Vivantes-Kliniken - nach wie vor in öffentlicher Hand sind. Das ist keineswegs eine Selbstverständlichkeit angesichts des Umstands, dass die Kliniken 2002 bei unserem Eintritt in die Berliner Regierung mit über 200 Millionen Euro verschuldet waren und kurz vor der Insolvenz standen. Richtig ist, es gab seinerzeit viele Stimmen aus der Opposition, wie auch aus Reihen der SPD, die eine Privatsierung der Krankenhäuser gefordert haben. Allein die PDS hat sich geschlossen diesem Ansinnen verweigert und sich durchgesetzt. Richtig ist, auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben einen großen Anteil daran, dass die Vivantes-Kliniken mittlerweile wieder zumindest eine schwarze Null schreiben. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die rot-rote Koalition die Schulden des Unternehmens gestrichen und damit dessen wirtschaftliche Handlungsfähigkeit wieder hergestellt hat.

Um die Prämissen unseres damaligen politischen Handelns besser zu verstehen, erlauben Sie mir kurz die Rahmenbedingungen unter denen wir handeln mussten kurz in Erinnerung zu rufen. Das Land Berlin ist seit Ende der 90er Jahre hoch verschuldet. Mehr als 2 Milliarden Euro fließen jedes Jahr als Zinsen für diese Schulden an die Banken. Das sind über 10% des Gesamtetats. Das sind über 2 Milliarden, die uns Jahr für Jahr für sinnvolle politische Gestaltungsmaßnahmen im Haushalt fehlen. Hätten wir damals alles so weiter laufen lassen wie bisher, würde Berlin mittlerweile deutlich über 3 Milliarden pro Jahr zahlen müssen.

Unter diesen Voraussetzungen haben wir uns entschieden, dass wir durchaus einige Leistungen zurückfahren müssen, dadurch aber die Leistungen als solche erhalten können. Nicht wenige davon sind bundesweit einmalig oder zumindest selten und kaum einer Hinsicht liegen wir diesbezüglich unter dem bundesweiten Niveau. Beispiel Blindengeld. Ja, Berlin hat hier Zahlungen verringert. Aber Berlin ist das einzige Bundesland, in dem nach dem Landespflegegeldgesetz nicht nur Unterstützung an Blinde, sondern auch an hochgradig Sehbehinderte, Gehörlose und andere Menschen mit Behinderungen zahlte und dies auch weiterhin tut. In anderen Ländern haben jeweils nur ein Teil dieser Betroffenengruppen Ansprüche auf Unterstützungszahlungen. Die Höhe der Zahlungen bewegt sich der Höhe nach im Vergleich der Bundesländer nach wie vor im oberen Drittel, wenn nicht an der Spitze.

Ähnliches gilt für das Sozialticket, ein bundesweit ebenfalls lange Zeit einmaliges Angebot, das zu unserer Freude aber mittlerweile auch in anderen Regionen Nachahmer findet. Ja, S-Bahn und BVG - nicht die damalige PDS und heutige LINKE - haben die Streichung der zusätzlichen Subventionen genutzt, um das Sozialticket zu streichen. Es waren die LINKEN-SenatorInnen, Heidi Knake-Werner und Harald Wolf, die in Verhandlungen dessen Wiedereinführung erstritten und die auch durchgesetzt haben, dass es sich trotz einiger Tarifsteigerungen im ÖPNV seitdem nicht mehr verteuert hat.

Die damalige PDS und heutige LINKE hat in all den Auseinandersetzungen übrigens noch ein weiteres Prinzip gehabt: wir kürzen nicht zu Lasten der Armen. Demzufolge gilt die Lernmittelfreiheit (die es übrigens in fast allen anderen Bundesländern nicht gab oder gibt) auch weiterhin für ALG II-Empfangende. Mehr noch, seit dieser Legislaturperiode gibt es für die entsprechende Familien zur Einschulung ein sog. Starter-Kit mit Schulmaterialien im Umfang von 100 Euro je Kind. Auch die Kitagebühren haben sich für die unteren Einkommensklassen nicht erhöht, sondern lediglich für die mittleren und höheren. Das wird demnächst aber ohnehin hinfällig, den bereits seit 2007 ist das letzte Kitajahr gebührenfrei, ab Januar wird es auch das zweite und ab 2011 soll die Kita komplett gebührenfrei sein. Ich könnte das jetzt eine ganze Weile fortsetzten, auch anhand von Beispielen, die sich nicht genannt haben. DIE LINKE wird übrigens von der Jamaika-Opposition und gelegentlich auch von der SPD dafür kritisiert, dass sie stets darauf achtet, dass ALG II-Empfangende soweit wie möglich nicht von Kürzungen betroffen werden. Das nehmen wir mit einem gewissen Stolz zur Kenntnis, weil wir es auch für im Sinne mittlere Einkommen halten, dass eine Grenze nach unten gegen totale Verarmung und den kompletten Ausschluss aus dem öffentlichen Leben und der öffentliche Teilhabe eingezogen wird. Nur so kann auch auf diese der Druck verringert werden, immer mehr für immer weniger Geld arbeiten zu müssen. Natürlich können wir auf Landesebene hier die Auswirkungen der Hartz-Gesetze nur abmildern. Um sie gänzlich zu beseitigen, müssen wir Hartz IV überwinden. Dafür steht DIE LINKE bundesweit und auch in Berlin.

Bis dahin bleiben aber auch wir den bestehenden Gesetzen unterworfen, was sich auch nicht dadurch erledigen würde, dass wir aus der Regierung in Berlin austreten würden. Das schließt ein, dass die Jobcenter (die eben nicht dem Land unterstehen) auch in Berlin sog. Ein-Euro-Jobs anbieten. In Berlin gibt es aber nicht nur diese. Seit 2007 gibt es in Berlin auch einen öffentlich geförderten Beschäftigungssektor, in dem vor allem Langzeitarbeitslose Jobs erhalten, in denen entweder ein vergleichbarer Tariflohn, mindestens aber mit 7,50 € die Stunde bezahlt werden. Übrigens auch unter Verwendung von Geldern, die sonst in weitere Ein-Euro-Jobs fließen würden. Rund 70 Millionen Euro schießt das Land für diese Alternative zu MAE, die es sonst nirgendwo in der Bundesrepublik gibt, dazu. Rund 6.500 Stellen weist der öffentlich geförderte Beschäftigungssektor bereits aus, bis Ende 2010 sollen nochmal mindestens 2.500 dazukommen.

Bitte sehen Sie es mir nach, dass ich an dieser Stelle allein schon aus Platzgründen, auf weitere Beispiele verzichte. Ich kann Ihre Kritik hinsichtlich der ersten Legislaturperiode von Rot-Rot in Berlin zwar ein Stück weit nachvollziehen, weil wir selbst uns darüber auch immer wieder damit auseinandergesetzt haben und selbst wissen, dass nicht jede Entscheidung, die wir damals getroffen haben, glücklich war. Aber bitte nehmen Sie auch zur Kenntnis, dass wir seit 2006 als Bedingung für eine Fortsetzung der Koalition u.a. festgeschrieben haben: Keine weiteren Privatisierungen in der öffentlichen Daseinsvorsorge, Aufbau des öffentlich geförderten Beschäftigungssektors, keine Studiengebühren, den Start einer gemeinsamen Schule für alle schaffen u.v.a.m. Daran halten wir, daran hält sich die Rot-Rote Koalition bis heute und wir sind gewillt, das auch unter wieder schwieriger werdenden Rahmenbedingungen zu tun. Anhand dessen können sie dann unsere Glaubwürdigkeit messen.

Ich denke, es ist anhand der genannten Beispiele auch erkennbar geworden, wie und in wessen die Interesse DIE LINKE in diesem Land zu wirken gedenkt. Hätten wir die entsprechenden Möglichkeiten, auf die Bundespolitik Einfluss zu nehmen und beispielsweise durch eine andere Steuerpolitik, die die Gelder wieder von oben nach unten verteilt, die finanziellen Rahmenbedingungen für staatliches und politische Handeln auch in Berlin wieder zu verbessern, würde uns das sicher auch hier um Einiges leichter fallen.

Ich bedanke mich bei Ihnen für die Gelegenheit, das hier einmal ausführlich darstellen zu können.

Ihr Klaus Lederer
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Frage zum Thema Bürgerrechte, Daten und Verbraucherschutz
14.09.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Lederer

gerade wird sehr viel über Urheberrecht und Netzpolitik diskutiert. Es gibt jedoch auch andere Computerthemen, die für die Politik von großer Bedeutung sind und vor diesem Hintergrund nicht verblassen dürfen. Daher würde mich Ihre Position zu Freier Software interessieren. Halten Sie diese für unterstützens– und schützenswert? Inwiefern werden Sie sich dafür tatsächlich einsetzen?

Als Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses halte ich Sie für meine Frage für einen geeigneten Ansprechpartner. Und im Rahmen der Tagung: "Wem gehört Wissen" sprach Ihre Partei das Thema Freie Software auch an. Wie also weiter verfahren?

Über eine baldige Antwort würde ich mich sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Klaus Lederer
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17.09.2009
Klaus Lederer
Sehr geehrter Herr ,

neben Fragen des Urheberrechts und der Publikationsmethoden im Wissenschaftsbereich halten auch wir das Thema IT in der öffentlichen Verwaltung für sehr wichtig. Derzeit werden auf nationaler und europäischer Ebene Weichen für die Errichtung großer IT-Infrastrukturen, etwa im Sozialversicherungsbereich, gestellt.

Die Nutzung von Open Source Software (OSS) kann nicht nur erhebliche Kosteneinsparungen für die öffentliche Hand ,sondern auch mehr Flexibilität und aufgabengerechte Anpassung der IT-Infrastrukturen bringen. Verwaltungen sind durch den Einsatz von OSS unabhängig von den Zyklen und der Produktpolitik großer Hersteller und stärken zudem den mittelständisch geprägten IT-Dienstleistungssektor.
Eine transparente öffentliche Verwaltung sollte prinzipiell mit offenen Standards arbeiten, nicht zuletzt um den nötigen Datenschutz auch technologisch absichern zu können. Das rot-rot regierte Berlin ist Open-Source-Hauptstadt. Rund 9700 Menschen in 600 Unternehmen befassen sich hier mit quelloffener Software. Der LINKE Wirtschaftssenator hat dieses Thema zum Entwicklungsschwerpunkt für den IT-Standort Berlin erklärt.
DIE LINKE unterstützt den Einsatz freier Software auch auf Bundesebene und sieht hier erheblichen Nachholbedarf in den Bundesverwaltungen. Der Bundestag hingegen ist Vorreiter und betreibt bereits 80 Prozent seiner Mailserver mit OSS. Bisher ist keine Rechtsklarheit bei der ausschließlichen Ausschreibung öffentlicher Aufträge auf OSS gegeben. Die Bundesstelle für Informationstechnik empfiehlt den Behörden aus diesem Grund eine neutrale Ausschreibung, die auch proprietäre Softwareanbieter als Bewerber zulässt. Allerdings kann und muss eine Vergabepolitik verstärkt die Vorteile von OSS in den Ausschreibungstexten berücksichtigen.

Mit besten Grüßen

Ihr
Klaus Lederer
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