Kerstin Andreae (GRÜNE)
Abgeordnete Bundestag 2005-2009
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Grunddaten
Kerstin Andreae
Jahrgang
1968
Berufliche Qualifikation
Diplom Volkswirtin
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Freiburg
Landeslistenplatz
3, über Liste eingezogen, Baden-Württemberg
weitere Profile
(...) Das können und wollen wir nicht länger hinnehmen. Wir wollen die gesetzlichen Lärmschutzvorgaben für stark befahrene Strecken verbessern. Lärmschutz kostet natürlich auch etwas und die Planung aufwendiger Maßnahmen braucht Zeit. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
03.07.2009
Bundestagswahlrecht
nicht beteiligt
02.07.2009
AWACS-Einsatz in Afghanistan
JA
18.06.2009
Internetsperren
NEIN
18.06.2009
Patientenverfügung (Stünker-Antrag)
JA
29.05.2009
Schuldenbremse
nicht beteiligt
28.05.2009
Abgabe von künstlichem Heroin an Schwerstabhängige
nicht beteiligt
Fragen an Kerstin Andreae
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Frage zum Thema Arbeit
19.02.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Andreae,

Welche innovativen Lösungen für in Not geratene Firmen haben die Grünen zu bieten? In den 70er-Jahren, als der "Kalte Krieg" zu Ende ging, hatte die Rüstungsindustrie ähnliche Probleme wie die Autoindustrie heute. Lucas Aerospace in England zum Beispiel sollte "dicht gemacht" werden, über die Hälfte der Produktion waren Rüstungsprojekte. Ein ähnliches Schicksal könnte Werken mit Auto-Monokulturen wie Opel drohen. Die damalige Vorhut der Grünen machte sich damals stark für das 1976 bei Lucas Aerospace von Arbeitnehmerseite aus entwickelte Lösungsmodell zur Entwicklung von alternativen Produktionslinien. Blindflug-Systeme für Militärflugzeuge sollten ersetzt werden durch Bau von Sichthilfen für Blinde. Das war nur ein Vorschlag von 150 Ideen, die aus den Reihen der Belegschaft innerhalb nur eines Jahres entwickelt worden waren. Ein Gremium von Vertrauensleuten (shop stewarts) erarbeitete einen Fragebogen an die 15.000 Beschäftigten in allen Werken:
• Wie viele Leute mit welcher Qualifikation gibt es?
• Welche Maschinen stehen zur Verfügung?
• An welchen Produkten mangelt es im Leben jedes Einzelnen und in der Gesellschaft? Welche sozial nützlichen Produkte könnten mit dem Knowhow und den Maschinen im Werk nach kleinen Veränderungen auch hergestellt werden?
• Könnte die Belegschaft das Werk auch selbst betreiben?

Die Resonanz war riesig. Belegschaftsversammlungen wurden durchgeführt. Ingenieure, Techniker, Facharbeiter setzten sich zusammen und entwickelten Ideen. Pläne und selbst Prototypen wurden heimlich während der Arbeitszeit und nach Feierabend gezeichnet und gebaut. Näheres dazu: libcom.org

Wie könnten Sie und Ihre Partei diese Ideen nutzen und damit in der Krise und für den Wahlkampf ein eigenes Profil gewinnen?

Mit freundlichen Grüßen


l
Antwort von Kerstin Andreae
12Empfehlungen
25.02.2009
Kerstin Andreae
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Frage und Ihre Anregungen zur Krise der Automobilindustrie. Ich stimme Ihnen zu, dass wir heute vor einem strukturellen Wandel in vielen Industriezweigen stehen. Die aktuelle Finanzkrise hat diese Entwicklungen lediglich beschleunigt, ist aber nicht die Ursache. Die Automobilindustrie ist ein besonders deutliches Beispiel dafür, wie jahrelang am Markt vorbei produziert wurde, ohne auf drängende Herausforderungen wie den Klimawandel einzugehen.

Das Beispiel von Lucas Aerospace, das Sie anführen, ist sehr interessant, aber nur begrenzt mit der heutigen Situation in der deutschen Automobilindustrie vergleichbar. Zudem sind viele der ehrgeizigen Pläne von damals aus verschiedenen Gründen gescheitert und Lucas Aerospace ist ein Einzelfall geblieben.

Wie Sie beschreiben, hat es in diesem Fall im Betrieb starke Eigeninitiativen der Beschäftigten gegeben, die neue Wege für eine veraltete Industrie vorschlugen. Dies kann kaum politisch verordnet werden. Aber wir können uns dafür einsetzen, die öffentliche Diskussion voranzubringen und die richtigen Rahmenbedingungen für mehr Mitbestimmung und einen strukturellen Wandel der Wirtschaft zu setzen. So haben wir zum Beispiel immer wieder eine stärkere Beteiligung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an Unternehmen gefordert und ein Investitionsprogramm vorgeschlagen, das Elektromobilität fördert und damit eine Linie vorgibt, wie die Automobilindustrie aus der Sackgasse kommt.

Auch setzen wir uns für eine strukturelle Neuausrichtung der Wirtschaft ein. Nur wer heute Antworten auf die ökologischen Herausforderungen von morgen findet, wird langfristig ökonomisch erfolgreich sein. In den öffentlichen Debatten stehen wir damit nicht allein da: Die neue us-amerikanische Administration unter Obama setzt genauso auf die ökologische Neuorientierung der Wirtschaft in der Krise wie der UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Selbstverständlich werden wir unsere Positionen auch im Wahlkampf und darüber hinaus weiterentwickeln und uns dafür einsetzen, dass unsere Idee der Grünen Marktwirtschaft
verwirklicht wird.

Mit freundlichen Grüßen

Kerstin Andreae
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Frage zum Thema Soziales
08.03.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Andrea,

seit der mit 53 000 Stimmen votierten Petition an den DB zur Einführung des Bedingungslosen Grundeinkommens gibt es in Deutschland immer mehr Menschen, die sich zu diesem Thema Gedanken machen.

Laut aktuell durchgeführter Bürgerbefragung halten auch im europäischen Rahmen bereits 80 Prozent der Befürworter das Thema relevant, um Armut vorzubeugen, bzw. vorhandene abzuschaffen und das wirtschaftliche Desaster zu entschärfen.

Wie stehen Sie zum Bedingungslosen Grundeinkommen. Würden Sie sich in ihrer Partei aktiv dafür einsetzen, dass das Thema immer wieder ernsthaft aufgegriffen und vorangetrieben wird??

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Kerstin Andreae
21Empfehlungen
17.03.2009
Kerstin Andreae
Sehr geehrte Frau ,

die Debatten um das Grundeinkommen verfolge ich mit großem Interesse. Gesellschaftliche und soziale Ausgrenzung sind keine Randerscheinungen mehr, sie sind längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die Kritik an der Angemessenheit und Leistungsfähigkeit unseres Sozialstaates geht damit einher. Wir werden uns auch in Zukunft darüber zu unterhalten haben, wie viel Geld wir für diese Aufgaben ausgeben wollen und wie Bildung oder auch der Schutz bei Pflegebedürftigkeit am besten gewährleistet werden können. In diesem Zusammenhang gewinnt die Debatte über ein bedingungsloses Grundeinkommen ständig an Bedeutung.

Gerade wegen der Erfahrungen mit Hartz warne ich vor dem bedingungslosen Grundeinkommen. Dies wäre der Totalumbau des deutschen Sozialstaates und noch viel ehrgeiziger als Hartz. Weshalb das Grundeinkommen noch stärker als Hartz Weitungen und Konsequenzen haben kann, die jedenfalls kein Grüner will.

Mein Freiheitsbegriff ist nicht der, dass sich der Staat aus der Verantwortung für Menschen zurückzieht. Damit überlässt er sie einfach nur sich selbst, anstatt die best mögliche Förderung zu gestalten. Ein bedingungsloses Grundeinkommen kann keine globale Alternative zum bestehenden Sozialstaat sein. Die meisten sozialstaatlichen Institutionen werden auf lange Sicht nicht entbehrlich. Die Rentenversicherung kann nicht über Nacht abgeschafft werden, über viele Jahrzehnte wären erworbene Ansprüche zu bedienen. Auf die Krankenversicherung, Pflegeversicherung oder auch die Eingliederungshilfe für Behinderte kann gar nicht verzichtet werden. Ganz zu schweigen davon, dass Bildungseinrichtungen verbessert und ausgebaut werden müssen und nicht abgebaut werden können.

Entscheidend ist meiner Meinung nach, Wege aus der Armut zu weisen. Das hat auch, aber eben nicht nur, mit Geld zu tun. Deshalb trete ich für eine Grundsicherung in einem umfassenden Sinne ein. Das heißt, dass Menschen Zugang zu Bildung, zu Kinderbetreuung, bezahlbarem Nahverkehr und erschwinglicher Erwachsenenbildung, zu gesunden und ausreichenden Mahlzeiten in Kindergärten und Schulen sowie zu Jobs haben müssen – Jobs, die anständig bezahlt sind, weshalb wir ja auch für einen Mindestlohn eintreten. Auch plädieren wir dafür, die Lohnnebenkosten bei niedrigen Einkommen zu senken, damit Menschen mit geringer Qualifikation die Chance erhalten, mit ihrer eigenen Hände Arbeit ihre Existenz zu sichern. Denn die meisten Bürgerinnen und Bürger wollen arbeiten.

Wir wollen einen Sozialstaat, der die soziale Orientierung des oder der Einzelnen fördert, statt die jeweilige Lebenslage zum "sozialen Schicksal" erstarren zu lassen. Das aber passiert leicht, wenn sich der Kontakt auf die monatliche Kontoüberweisung beschränkt.

Wer Menschen bei der Entfaltung ihrer Potenziale unterstützen will, muss ihnen mehr anbieten als bloße Geldtransfers. Diese allein eröffnen langfristig keinen Raum für neue Lebensentwürfe. Grüne Grundsicherung setzt sich deshalb aus zwei gleichrangigen Bestandteilen zusammen: Teilhabegarantie und Existenzsicherung. Wir entwickeln unser Konzept auch in der Auseinandersetzung mit den Vertretern eines bedingungslosen Grundeinkommens kontinuierlich weiter und befördern so die Debatte um das Grundeinkommen, die heute – auch aufgrund der intensiven Diskussion bei den Grünen- schon viel weiter ist.


Mit freundlichen Grüßen

Kerstin Andreae
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Frage zum Thema Gesundheit
07.04.2009
Von:

Sehr geehrter Frau Andreae,

mich würde interessieren, ob Sie in der laufenden Legislaturperiode an Veranstaltungen der Tabakdrogenindustrie oder der Tabaklobby teilgenommen haben?

Vielen Dank.
Antwort von Kerstin Andreae
21Empfehlungen
14.04.2009
Kerstin Andreae
Sehr geehrter Herr ,

Nirgendwo ist die Lobbyarbeit der Zigarettenindustrie so stark wie in Deutschland. Auch durch Veranstaltungen, zu denen Abgeordnete eingeladen werden, versuchen die Tabakkonzerne ihre Interessen an den Mann oder die Frau zu bringen. Ich habe an keiner Veranstaltung dieser Art teilgenommen, denn meine Position ist klar: Rauchen ist gefährlich, Gesundheitsschutz und Jugendschutz dürfen deswegen nicht zugunsten der Tabakindustrie eingeschränkt werden. Im Gegenteil brauchen wir klare Regulierungen bei der Werbung, in der Kennzeichnungspflicht für Zigarrettenschachteln und im Nichtraucherschutz. Das habe ich auch gegenüber der "Die Tabakzeitung" (DTZ) deutlich gesagt. Im Interview, das Sie auf meiner Homepage nachlesen können, erläutere ich die grüne Position unmissverständlich. Wir Grüne vertreten schon sehr lange und intensiv eine Gesundheitspolitik, die die Interessen der einzelnen Bürgerinnen und Bürger in den Mittelpunkt stellt, anstatt sich an den Klientelinteressen von Lobbygruppen zu orientieren. So gab es in dieser Wahlperiode zum Beispiel eine Vielzahl von Vorstößen der Grünen, die den Schutz vor Passivrauchen in den Mittelpunkt stellten. Wir haben uns für Rauchverbote in öffentlichen Gebäuden, einen bundesweit einheitlichen Nichtraucherschutz in Gaststätten und die Verankerung des Nichtraucherschutzes im Arbeitsrecht eingesetzt. Denn freiwillige Selbstverpflichtungen der Tabakkonzerne reichen erwiesenermaßen nicht aus, um die Gefahren des Rauchens zu minimieren. Auch in Zukunft werden wir dafür kämpfen, dass die Gesundheitsinteressen der Bürgerinnen und Bürger nicht der Lobbyarbeit der Tabakindustrie zum Opfer fallen.

mit freundlichen Grüßen,

Kerstin Andreae
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Frage zum Thema Gesundheit
16.04.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Andreae,

bezugnehmend auf Ihre Antwort an Dieter Müller (Anfrage vom 7.4.2009), Sie seien niemals Gast beim Liberty Award von Reemtsma gewesen:

Wie erklären Sie es sich und bitte auch mir, dass Sie in dieser Zusagen-Gästeliste des Liberty Award Reemtsma 2007 an siebter Stelle aufgeführt sind:

www.forum-rauchfrei.de

Mit freundlichem Gruß
Antwort von Kerstin Andreae
20Empfehlungen
17.04.2009
Kerstin Andreae
Sehr geehrte Frau ,

vielen Dank für Ihren Hinweis. In der Tat ist mir dieser Termin unklar gewesen. Sowohl ich, als auch mein Büro haben aber aufgrund Ihrer Anfrage recherchiert. In meinem Kalender aus dem Jahr 2007 ist für den 22. März eine Mitgliederversammlung der Grünen in Freiburg vermerkt. Da es sich aber auch um einen Sitzungstag in Berlin handelte, habe ich über mein Büro prüfen lassen, ob ich nach Freiburg gefahren bin. Dies war nicht der Fall. Daraufhin haben wir uns heute beim Organisationsteam des Liberty Award erkundigt. Diese haben meine Aussage bestätigt, dass ich an der Veranstaltung nicht teilgenommen habe. Sie waren selbst überrascht, dass ich auf der Liste stehe.

Ich hoffe, damit Ihre Frage beantwortet zu haben.

mit freundlichen Grüßen

Kerstin Andreae
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Frage zum Thema Gesundheit
17.04.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Andreae,

Sie schreiben auf dieser Seite wahre Worte über den Lobbyismus der Tabakindustrie in Deutschland (Antwort an Dieter Mueller vom 14.4.09).
Zugleich aber geben Sie sich für ein Interview in der DTZ ("Die Tabakzeitung"), welche ein reines Propagandablatt eben dieser Lobby ist. Sie parlieren über Wirtschafts- und Finanzpolitik, die Tatsache, dass die Tabakindustrie an der Vernichtung auch von Wirtschaftskraft und Wohlstand ( www.tabakkontrolle.de ) nicht unwesentlich beteiligt ist finden Sie in dem Zusammenhang entweder nicht erwähnenswert oder sie ist Ihnen schlicht unbekannt.
Auch an Umweltzerstörung (insbesondere in Ostafrika, siehe z.B. www.unfairtobacco.org ) und an der Vergrösserung der sozialen Schieflage ( www.tabakkontrolle.de ) ist Ihr Medienpartner beteiligt – kein Wort darüber von Ihrer Seite.

Ob Sie auf der Veranstaltung "Liberty Award" von Reemtsma waren oder nicht (vielleicht nur zufälligerweise nicht) – wie kann es sein, dass Sie in jedem Fall keine grundsätzlichen Probleme damit haben, mit dieser Industrie zusammenzuarbeiten bzw. zusammen in der Öffentlichkeit aufzutreten?

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Kerstin Andreae
16Empfehlungen
20.04.2009
Kerstin Andreae
Sehr geehrter Herr ,

Die DTZ ist kein Medienpartner von mir, sondern eine Verbandszeitung, die ein Interview mit mir machen wollte. Wie bei Interviews üblich, kann ich nicht bestimmen, welche Fragen mir gestellt werden. In Interviews kann man nicht alles aufzählen, was eigentlich erwähnenswert ist. Denn der Platz für Antworten ist begrenzt. Ich habe mich entschieden, die allgemeine Grüne Position zum Rauchen und das Thema Jugendschutz deutlich anzusprechen, weil mir dies besonders wichtig erschien. Natürlich sind auch die Themen, die Sie ansprechen, von großer Bedeutung, aber wenn ich sie nur am Rande mit Stichworten erwähnt hätte, hätte ich ihnen nicht gerecht werden können. Ich habe die Gelegenheit des Interviews genutzt, um gegenüber einer Zeitung, die hauptsächlich von Befürwortern des Rauchens gelesen wird, klare Positionen zu beziehen, die im Widerspruch zu den Interessen der Tabaklobby stehen. Das können Sie auf meiner Homepage auch so nachlesen. Chancen, den Grünen Positionen an ungewohnter Stelle Gehör zu verschaffen, sollte man meiner Ansicht nach nutzen. Damit grenze ich mich öffentlich deutlich von den Interessen der Tabaklobby ab, anstatt stillschweigend ihrer Lobbyarbeit zuzusehen und meine Positionen nur dort zu vertreten, wo sie sowieso Zustimmung finden.

Mit freundlichen Grüßen

Kerstin Andreae
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