Katrin Göring-Eckardt (GRÜNE)
Abgeordnete Bundestag

Grunddaten
Geburtstag
03.05.1966
Berufliche Qualifikation
Theologiestudium
Ausgeübte Tätigkeit
MdB
Wohnort
Ingersleben
Wahlkreis
Gotha/ Ilm-Kreis
Ergebnis
5,4%
Landeslistenplatz
1, Thüringen
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(...) Die gegenwärtigen Anstrengungen sind in der Tat unzureichend. Ich kann Ihnen versprechen, dass die Evangelische Kirche diese Entwicklung der Finanzmarktpolitik weiterhin sorgfältig beobachtet, ihre Einwände formuliert und an konstruktiven Lösungen mitarbeitet. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Soziales
19.05.2010
Von:

Sehr geehrte Frau Göring-Eckardt,

wie ist Ihre Meinung zum bedingungslosen Grundeinkommen?

Vielen Dank für Ihre Antwort.

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Katrin Göring-Eckardt
1Empfehlung
20.05.2010
Katrin Göring-Eckardt
Sehr geehrter Herr ,

ich möchte eine Gesellschaft, in der niemand ausgegrenzt wird und in der alle ihre Chancen zur Entfaltung ihrer Fähigkeiten bekommen. Das erreichen wir Grüne durch eine Sozialpolitik, die Selbstbestimmung, Teilhabe und eine verlässliche materielle Absicherung gleichermaßen anstrebt. Natürlich ist die Idee des Grundeinkommens zunächst eine bestechende. Alle bekommen das Gleiche und sind dann frei zu handeln. Aber brauchen alle das Gleiche? Haben alle die gleichen Handlungsoptionen. Vor allem: Wofür fühlt sich die Solidargemeinschaft dann tatsächlich noch verantwortlich? Stützen wir nicht die Mentalität des "Zahlen und Wegsehens"? Für mich wäre ein Grundeinkommen keine Alternative zum bestehenden Sozialstaat. Die Rentenversicherung kann nicht über Nacht abgeschafft werden, schon erworbene Ansprüche müssen ausgezahlt werden. Auf die Krankenversicherung, Pflegeversicherung oder auch die Eingliederungshilfe für Behinderte kann gar nicht verzichtet werden. Da viele Bürgerinnen und Bürger arbeiten wollen, wird auch Arbeitsmarktpolitik nicht entbehrlich.

Armutsbekämpfung, Teilhabe und Existenzsicherung wollen Bündnis 90 / Die Grünen durch eine deutliche Verbesserung der Infrastruktur und bei den Leistungen nach dem Zweiten Sozialgesetzbuch (Regelsatz, Wohnkosten, Eingliederungsangebote) erreichen. Regelsätze für Erwachsene und Kinder - die Teilhabe sichern. Der Regelsatz für Erwachsene soll in Zukunft 420 Euro betragen. Dieser Betrag orientiert sich an einem Gutachten des Paritätischen Wohlfahrtsverbands. Dieser Betrag muss in einem transparenten Verfahren unter Beteiligung der Wohlfahrtsverbände regelmäßig angepasst werden. Der Bedarf von Kindern muss eigenständig ermittelt, die Regelsätze müssen ebenfalls angehoben werden. Notwendig sind Regelsätze für Kinder und Jugendliche, die ihren tatsächlichen entwicklungsbedingten Bedarf decken. Wir setzen uns aber darüber hinaus für eine Kindergrundsicherung ein, die jedes Kind entsprechend seiner individuellen Bedürfnisse fördert - damit jedes Kind, egal welcher Herkunft, eine Zukunft bekommt. Mit der Kindergrundsicherung wollen wir Leistungen der Ehe- und Familienförderung bündeln und auf die Kinder konzentrieren. Für alle Kinder soll, unabhängig von der Familienform, das Existenzminimum gesichert werden.

Betreuungs- und Bildungseinrichtungen müssen verbessert und ausgebaut und nicht abgebaut werden. Denn Armut beginnt früh - schon dann, wenn Kinder wenig Chancen auf Bildung und Entwicklung haben. Zugang zu Bildung ist eine Frage der Gerechtigkeit. Wir setzen auf Bildung und bessere Betreuung von frühester Kindheit an. Wir wollen mehr in Bildung investieren, mehr Ganztagsschulen einrichten und unser Bildungssystem durchlässiger machen.

Wer arbeitet, muss von seinem Einkommen leben können. Mindestlöhne sind notwendig, um Lohndumping Einhalt zu gebieten. Für Menschen mit geringen Einkommen gibt es zwar geringere Steuersätze, aber keine vergleichbaren Regelungen bei den Beitragssätzen zur Sozialversicherung. Das ist ungerecht und ein Grund für das hohe Armutsrisiko von Geringverdienenden. Konkret wollen wir die Abgaben bei einem Einkommen von z.B. 1000 Euro auf 14 Prozent für Arbeitgeber und Arbeitnehmer absenken.

Mit freundlichen Grüßen

Katrin Göring-Eckardt
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Frage zum Thema Finanzen
11.06.2010
Von:

Sehr geehrte Frau Göring-Eckardt ,

lt. heutiger Zeitungsmeldung zu Ihrer Rede beim einem Erfurter Alumni-Treffen bekräftigen Sie,dass in Zeiten gesellschaftlicher Krisen überzeugte christliche Stimmen notwendig sind.In der Politik gehe es durchaus um Macht ,allerdings nicht um Macht ihrer selbst willen , oder Macht über Menschen , sondern um Macht , die wir für die Gestaltung der Gesellschaft brauchen .
In diesem Bezug möchte ich Sie fragen , welchen Wert Sie dem Einsatz zur Bekämpfung der Geldmacht über die Menschen und die Demokratie beimessen?
Konkret gemeint sind u.A. der Aufruf führender Kritischer Theologen zum Reformationsfest 2008 "Frieden mit dem Kapital ? - Wider die Anpassung der Ev.Kirche an die Macht der Wirtschaft" , oder der Frankfurter Thesenanschlag an der Paulskirche am 30.10.2009 zum Weltspartag - "9,5 Thesen gegen Wachstumszwang und für ein christliches Finanzsystem" , sowie die Forderung der Humanwirtschaftspartei - zur Abstellung der Zinsspekulation (als Hauptursache aller Ungerechtigkeit ,Zwangsverschuldung und Armutsschere), durch Einführung der gesetzlichen Geldumlaufsicherung mit dem Ergebnis gesicherter Leistungs-.und Marktgerechtigkeit .
Warum ? Weil die Zwangsverschuldung in der Zinswirtschaft deshalb unlösbar ist , da Geld nur als Kredit gegen Zinsen von der Bank erhältlich ist. Die Banken fordern also generell mehr Geld zurück, als sie in das System geben! Deshalb fallen für alle Gelder zur Zinstilgung wieder neuerliche Schuldzinsen an - als endlose Umverteilung bis zur Zahlungsunfähigkeit , als Krise bzw. auch Staatspleite !

Mit freundlichen Grüssen und Dank im voraus.
H.
Antwort von Katrin Göring-Eckardt
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15.06.2010
Katrin Göring-Eckardt
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Frage. Als Präses der EKD-Synode kann ich Ihnen antworten, dass die Evangelische Kirche die kritische Anfrage an die Wirkung des Zinses in Geldgeschäften teilt. Ganz sicher brauchen wir auch eine Diskussion, die über die landläufige Diskussion über die Rolle der Kapitalmärkte hinausgeht. Christliche Positionen sind hier jedoch nicht auf eine einheitliche Position festgezurrt. Darin sind sich jedoch alle einig: es geht nicht nur um die Frage ethisch verantwortlicher Investments, sondern um die Frage der Regulierung der Finanzmärkte. Die gegenwärtigen Anstrengungen sind in der Tat unzureichend - dies betrifft sowohl die mangelnde Stringenz mit diese betrieben wird, als auch ihre nicht ausreichenden Mechanismen. Ich kann Ihnen versprechen, dass die Evangelische Kirche diese Entwicklung der Finanzmarktpolitik weiterhin sorgfältig beobachtet, ihre Einwände formuliert und an konstruktiven Lösungen mitarbeitet, wie sie es schon mit ihrem jüngsten Wort "Wie ein Riss in einer hohen Mauer" zur globalen Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise tat.

Mit freundlichem Gruß

Katrin Göring-Eckardt
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Frage zum Thema Finanzen
18.06.2010
Von:

Sehr geehrte Frau Göring-Eckardt ,

herzlichen Dank für Ihre Antwort vom 15.06.2010. Wenn Sie erlauben , möchte ich meine Frage noch konkretisieren .
Wie Sie ausführten , sind bei der Bewältigung der Zinsproblematik bzw.der Regulierung der Finanzmärkte , konstruktive Lösungen und volltaugliche Mechanismen dringend notwendig .

Diese Sichtweise teile ich auch , deshalb halte ich den humanwirtschaftlichen Ansatz zur vorrangigen Beseitigung der wahren Hauptursache dieser Ungerechtigkeiten für unverzichtbar .
Die Grobkonzeption :
  • Ungerechtigkeit ist nur überwindbar durch die zielführende Bekämpfung deren Hauptursache , und nicht durch den endlosen Kampf gegen die Folgen der Ungerechtigkeit , um das was beim Chancenraub durch die Zinswirtschaft übrig bleibt , weil die Hauptursache fortbesteht und den Chancenraub als System nach geltendem Recht schützt ! So wie man Gesundheits-Probleme nicht mit Ignoranz der Hauptursache bekämpfen kann, gilt dies in allen Dingen , auch für das Problem ungerechter Strukturen .
  • Die Hauptursache der Ungerechtigkeit ist die Zwangsverschuldung durch Zinsspekulation . Diese lässt sich durch die Weiterentwicklung unserer Geldordnung verhindern , mit einer Gesetzlichen Geldumlauf-Sicherungsgebühr auf Geldhortung zur Zinsspekulation , damit sich diese nicht mehr lohnt .In der Folge ergibt sich für alle Nichtspekulanten eine Besserstellung, nicht durch Revolution , sondern durch Evolution !

Meine Frage ist , ob Sie diesen Vorrang-Ansatz teilen können , bzw. wie Sie ihn werten , und welcher Ansatz nach Ihrer Vorstellung wirksam und nachhaltig zu gerechten Strukturen führt ?

Mit freundlichen Grüssen und Dank im voraus.
H.
Antwort von Katrin Göring-Eckardt
bisher keineEmpfehlungen
23.06.2010
Katrin Göring-Eckardt
Sehr geehrter Herr ,

wie ich Ihnen schon in meiner Antwort mitteilte, sind die christlichen Positionen zur Wirkung der Zinsen im Geldgeschäft verschieden, die Diskussion hierüber hat aber bereits begonnen. Unter www.ekd.de erhalten Sie durch die dort regelmäßig veröffentlichten Presseerklärungen der EKD einen Einblick, in wie weit sich die Diskussion in der Evangelischen Kirche entwickelt.
Die Position der Grünen zu den Fragen der Finanzen finden Sie unter www.gruene.de .

Mit freundlichem Gruß,
Katrin Göring-Eckardt
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Frage zum Thema Inneres und Justiz
20.06.2010
Von:

Sehr geehrte Frau Göhring-Eckardt,

dieser Tage habe ich in der Presse gelesen, daß das Aktionsbündnis Winnenden Ihnen eine Liste mit Unterschriften für eine weitere Verschärfung des Waffenrechts übergeben hat. Unter anderem sollen großkalibrige Faustfeuerwaffen generell verboten werden.

Mit dem Versuch solche Waffen zu verbieten werden Millionen legaler und zuverlässiger Waffenbesitzer als potenzielle Amokläufer abgestempelt. Von den Millionen illegaler Waffen, die sich im Volk befinden, redet niemand.

Ich bedauere den Verlust der vielen Menschenleben durch den Amoklauf von Winnenden zutiefst. Aber sogar das BKA veröffentlicht im Bundeslagebild Waffenkriminalität, daß "das Gefahrenpotential der Waffenkriminalität schwerpunktmäßig im illegalen Besitz und Führen von Waffen liegt".

In Großbritannien wurden im Jahr 1996 Faustfeuerwaffen verboten. Trotzdem sind die Straftaten durch Waffen seither weiter angestiegen. Erst im Juni 2010 hat im Norden Englands ein Amokläufer fünf Menschen und sich selbst erschossen.

Warum glaubt Ihre Partei, daß eine weitere Verschärfung des Waffengesetzes ein Mehr an Sicherheit bringt?

Freundlich Grüßt Sie,
Antwort von Katrin Göring-Eckardt
bisher keineEmpfehlungen
28.07.2010
Katrin Göring-Eckardt
Sehr geehrter Herr ,

haben Sie vielen Dank für Ihr Schreiben, zu dem ich gerne Stellung nehmen möchte.

Das Argument, von den legalen Waffenbesitzern gehe statistische keine relevante Gefahr aus, ist nicht neu. Sie wissen, dass schon die Abgrenzung von legalen und illegalen Waffen nicht immer ganz leicht ist. Viele Waffen im illegalen Handel sind – bei legalen Besitzern – gestohlen oder auf andere Weise abhanden gekommen. Die Gefährlichkeit der illegalen Waffen ist im Übrigen völlig unbestritten. Bündnis 90/Die Grünen waren es, die immer wieder zu verstärkten Anstrengungen aufgefordert haben und beispielsweise die viel zu lange verzögerte Einführung des nationalen Waffenregisters verlangt haben, um eine genaue Übersicht zu bekommen, wer wo was besitzt und lagert. Es war zudem vor allem Bündnis 90/Die Grünen, die eine schärfere Gangart gegen das öffentliche Tragen von Messern eingefordert und sogar teilweise durchgesetzt haben. Sie sehen, wir sind auf diesem Auge keineswegs blind.

Dennoch können wir die Probleme bei der unbegrenzten privaten Lagerung von Schusswaffen und Munition in Privatwohnungen nicht gegen die Probleme des illegalen Besitzes und Gebrauchs von Waffen ausspielen. In ihrer Aussagekraft sind die entsprechenden Argumente ein wenig vergleichbar mit dem Hinweis auf die Zahl der Verkehrstoten gemessen an dem Schaden durch die Atomkraftwerke. Lassen Sie mich generell anmerken, dass sich bestimmte Exzesse nur schwer statistisch messen lassen. Wie wollen sie die Zahl von 12 ermordeten Kindern in Winnenden ins Verhältnis setzen mit anderen Straftaten? Das geht nicht. Wenn Sie mit den Eltern, Geschwistern und Freunden dieser Kinder und Jugendlichen sprechen, verliert das Argument der mangelnden empirischen Relevanz dieser "Amoktaten" nun wirklich an einer auch moralisch vertretbaren Überzeugungskraft.

Worum geht es uns in unserem Antrag zur Reform des Waffenrechts? Wir wissen auch, dass bestimmte Personen Waffen zu Hause bereithalten müssen. Das gilt für Jäger, die in der Nacht gerufen werden, um beispielsweise ein angeschossenes Wild zu erschießen. Das gilt auch für den kleinen Kreis der wirklich gefährdeten Personen, die auf Waffen angewiesen sind. Haben wir aber bei den Sportschützen eine solche Situation, die es wirklich nötig macht, Waffen und Munition in der Wohnung zu lagern? Mit der persönlichen Zuverlässigkeit der Schützen selbst ist es eben nicht getan. In den Haushalten leben regelmäßig andere Menschen mit ihren oftmals nicht einmal in der Familie bekannten Problemen.

Ist es wirklich so weltfremd zu erwarten, dass sich auch der Schießsport von sich aus überlegt, wie er mit dieser Situation umgeht und welche Konsequenzen er zu ziehen gedenkt? Mit bloßer Prävention ist es hier nicht getan. Sie wissen selbst, dass auch die Vereine miteinander konkurrieren und so auch Personen Zugang gewähren, an deren Integrität möglicherweise doch gewisse Zweifel zulässig sind. Es wäre hier überaus hilfreich, wenn statt eines ständigen NEIN konkrete Vorschläge kommen würden, wie die Problematik der in Privatwohnungen gelagerten Waffen gelöst, oder zumindest entschärft werden könnte.

Eine wichtige Frage in dem hier erörterten Zusammenhang ist auch, was mit den überflüssig gewordenen Waffen geschehen soll. Auch sie ist nicht ganz unkompliziert. Die Frage des Verbleibs dieser Waffen stellt sich naturgemäß erst nach der gesetzlichen Umsetzung der von uns erhobenen Forderungen.

Wie ist die Rechtslage? Die fraglichen Waffen sind unabhängig von ihrem konkreten Gebrauchswert Eigentum des Schützen. Wir haben hier eine gewisse Parallele zu antiken Waffen und zu ererbten Waffen. Der Besitzer behält wenigstens zunächst seine Waffenbesitzkarte. Man kann ihn nicht einfach enteignen. Zentraler Punkt ist für uns, dass Waffen generell nicht in einem einsatzfähigen Zustand in der Wohnung gelagert werden, d.h. vollständig und gemeinsam mit der Munition. Nun wäre es in der Tat absurd, bestimmte Waffentypen vom Schießsport auszunehmen und dann aber in den Wohnungen zu lagern. Es wird wohl auf die Anwendung von Anti-Blockiersystemen hinauslaufen, wie wir sie von antiken Waffen kennen.

Nachzudenken wäre auch darüber, wie wir eine Rückgabe dieser Waffen analog zum Einsammeln illegaler Waffen entwickeln können. Da wir es aber hier mit zugelassenen Waffen zu tun haben, wäre darüber nachzudenken, eine Prämie für die Abgabe der Waffen zu zahlen. Anders als bislang oftmals üblich, dürfen sie aber nicht wieder in den Handel kommen. Sie müssten vernichtet werden.

Ich würde mich freuen, wenn es mir gelungen ist, Ihnen zumindest die Motive unserer politischen Forderungen deutlich gemacht zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

Katrin Göring-Eckardt
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
01.07.2010
Von:

Sehr geehrte Frau Göring-Eckardt,

die Bundespräsidentenwahl ist gelaufen und dem interessierten Bürger wurde ein erbärmliches Schauspiel an Parteiengeschacher geboten. Wenn Ihnen die Wahl des Bundespräsidenten so wichtig für das Land war, wie Sie in Frank Plasbergs Sendung vom 30. Juni darlegten, warum haben Sie in Ihrer Partei nicht darauf gedrungen, mit SPD und der Linken einen gemeinsamen Kandidat aufzustellen? (Wenn Sie das getan haben: warum und an wem ist das gescheitert?)

Ich als Bürger dieses Landes präferiere eine rotrotgrüne Regierung, da schwarzgelb nicht imstande ist, die Probleme dieses Landes auf sozialverträgliche, demokratische Weise zu lösen. Aber wieso unterstützen die Grünen als ehemalige Anti-Kriegspartei einen Kriegsbefürworter mit neoliberal-konservativen Positionen (Beweis: Gaucks hohe Zustimmung in FDP/CDU und die Kampagne pro Gauck in den konservativen Medien)?

Wieso respektieren Sie die Entscheidung der Linken nicht, sich aufgrund Gaucks Haltung zum Afghanistankrieg der Stimme zu enthalten und sagen zu Klaus Ernst, "es wäre nicht um die Wahl des Parteivorsitzenden der Linken gegangen"? Muss Ihrer Meinung nach ein Politiker, um von anderen (Konkurrenz-)Parteien anerkannt zu werden, erst seine politischen Grundüberzeugungen über Bord werfen?

Sehen Sie bis 2013 die Möglichkeit, ein rotrotgrünes Projekt auf Bundesebene anzustoßen und unseren Staat in Richtung "skandinavisches Modell" zu gestalten?

Vielen Dank im Voraus für Ihre Antwort!

Mit freundlichem Gruß,



PS: Bitte antworten Sie nicht, dass die Linken Gauck "aufgrund seiner Stasi-Aufarbeitung" nicht gewählt hätten. Gauck hat die Linke als "überflüssig für unsere Parteienlandschaft" bezeichnet, dabei ist die Linke die Folgeerscheinung der sozial äußerst unausgewogenen Rot-Grünen "Reformen" von Arbeits- und Kapitalmarkt.
Antwort von Katrin Göring-Eckardt
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11.08.2010
Katrin Göring-Eckardt
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Frage. Das Verhalten der Linkspartei im Verlauf der Bundespräsidentenwahl hat doch deutlich gezeigt, dass dort kein ernsthaftes Interesse an einer Debatte über den Kandidaten Gauck bestand. Eine solche Debatte hätte ein Signal sein können, um zu zeigen, das es der Linkspartei mit geschichtlicher Aufarbeitung und Stärkung der Demokratie ernst ist. Doch die Linke blieb lieber in der Schmollecke. Beleidigtsein aber ist eine unpolitische Haltung.

Und was Koalitionen mit der Linkspartei auf Bundesebene angeht: Hierfür müsste die Partei sich erst mal tatsächlich offen und ehrlich mit ihrer Geschichte auseinandersetzen. Das Verhalten während der Bundespräsidentenwahl hat leider gezeigt, dass es ihr diesbezüglich nicht ernst ist.

Zu Joachim Gauck: Klar, er wäre ein unbequemer Präsident gewesen, auch für die Grünen - aber sicherlich ein sehr guter und überparteilicher Präsident für die jetzigen Krisenzeiten.

Mit freundlichen Grüßen
Büro Katrin Göring-Eckardt
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