Sehr geehrte Frau

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vielen Dank für Ihre Anfrage.
Die aktuellen Berichte und Zahlen zur Kinderarmut in Deutschland sind skandalös und lösen bei mir erneut und immer noch große Betroffenheit und Empörung aus.
Ich schreibe "immer noch", denn die Zahlen sind zwar erschreckend, aber das Problem ist beileibe nicht neu. Seit Jahren steigt die Kinderarmut in unserem reichen Land. Und das ist eine Schande!
Kinderarmut belegt die misslungene Arbeits- und Sozialpolitik der letzten Jahre. Und Kinderarmut hat viele Facetten: Materielle Not, soziale Ausgrenzung, emotionale Not und schlechtere Bildungs- und damit Zukunftsaussichten.
Das heißt, wir müssen an verschiedenen Punkten gleichzeitig ansetzen.
Für zwingend halte ich und hält meine Fraktion die schnellstmögliche Anhebung des Kindergeldes. Darüber hinaus fordert DIE LINKE eine bedarfsorientierte Kindergrundsicherung, die allen Kindern ein Existenzminimum von wenigstens 420 Euro absichert. Ein Ausbau des Kinderzuschlags für gering verdienende Familien wäre ein erster Schritt dahin. Die finanziellen Mittel dafür sind alleine durch den Verzicht auf Steuergeschenke an Konzerne und Banken schon vorhanden.
Langfristig ist das Problem der Kinderarmut aber nur zu beseitigen, wenn man bei den Ursachen ansetzt. Arme Kinder haben fast immer auch arme Eltern. Die jetzt von der Bundesregierung beschlossenen 200 Millionen Euro für den Ausbau des Kinderzuschlags zu einem Erwerbstätigenzuschuss sind aber nur ein Tropfen auf einen sehr heißen Stein. Die Chance zum Richtungswechsel wurde allerdings vertan.
Ohne einen flächendeckenden Mindestlohn von wenigstens 8,44 pro Stunde, ohne ein Maßnahmepaket gegen Lohndumping und ohne eine Anhebung des Hartz-IV-Regelsatzes auf 435 Euro wird sich das Problem der Kinderarmut nicht wirklich lösen lassen. Denn wenn Eltern keine Arbeit haben oder sogar trotz Arbeit arm sind, sind Kinder die Verlierer.
Freundliche Grüße
Karin Binder