Jens Koeppen (CDU)
Abgeordneter Bundestag 2005-2009
Dieses Profil dient zu Archivzwecken, eine Befragung ist nicht mehr möglich. Besuchen Sie das aktuelle Profil.

Grunddaten
Jens Koeppen
Jahrgang
1962
Berufliche Qualifikation
Elektro-Techniker
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages, Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens
Wahlkreis
Uckermark - Barnim I
Landeslistenplatz
4, über Liste eingezogen, Brandenburg
weitere Profile
(...) Die allgemeine Wehrpflicht in Deutschland hat wesentliche Vorzüge gegenüber einer Freiwilligenarmee. Sie ist als Spiegelbild der Gesellschaft eine Armee des Volkes. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
Fragen an Jens Koeppen
Auswahl der Fragen und Antworten
Nachricht an folgende Adresse schicken, sobald eine Antwort eintrifft:


An diese Adresse den abgeordnetenwatch.de-Newsletter bestellen
Bitte loggen Sie sich hier ein.
Frage zum Thema Umwelt
10.07.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Koeppen
Angesichts der neu aufgeflammten Diskussion über Atomkraft in Deutschland würde ich gerne ihre persönliche Einstellung dazu kennenlernen.
1. Was halten Sie vom Atomkonsens?
2. Im vergangenen Jahr standen zeitweilig 6 Atomkraftwerke gleichzeitig still (durch Revisionen, Brände, Kurzschlüsse und bauliche Mängel). Trotzdem hat Deutschland in diesem Jahr Strom in nicht unerheblichen Mengen exportiert! Wie erklären Sie sich vor diesem Hintergrund die Warnungen der großen Konzerne vor einer "Stromlücke"?
3. Alle Parteien wollen einen Ausbau der erneuerbaren Energien. Diese Anlagen müssen an das Stromnetz angeschlossen werden. Seit Jahren gibt es Klagen der Besitzer solcher Anlagen über die Netzbetreiber wegen Behinderungen und Verzögerungen beim Anschluss. Dies ist nicht nur ärgerlich sondern schreckt auch Investoren in diesem Bereich ab. Halten Sie es für sinnvoll wenn Konzerne direkten Einfluss darauf nehmen können ob und wann Konkurrenten am Markt teilnehmen dürfen?
4.Die deutschen AKWs sind die sichersten der Welt! Die Schweden haben ähnliches bis zum letzten Sommer von ihren Anlagen geglaubt und standen kurz vorm Super-GAU! Es beruhigt mich auch nicht gerade wenn in den "sichersten" Anlagen es zu Bränden (Kontrollraum verqualmt, Krümmel 2007) und nicht zu erklärenden Wasserstoffexplosionen direkt am Reaktorbehälter (Brunsbüttel 2001) kommt. Bei dieser riskanten Technik darf das Prinzip des Einäugigen unter den Blinden nicht gelten! Meine Frage: Sind Sie dafür, dass Atomkraftwerke für den Fall eines Unfalls versichert werden müssen?
5.Das ehemalige Endlager der DDR in Morsleben ist vollgelaufen und z.T. bereits eingestürzt. Das "Forschungsbergwerk" Asse II (Salz) bei Wolfenbüttel ist bereits radioaktiv verseucht, Grundwasser läuft in die Grube und laut Experten ist die Standsicherheit ab 2014 nicht mehr gewährleistet. Die Verhältnisse in Gorleben sind ähnlich. Darf es eine Geld- oder politische Frage sein wohin der Atommüll gebracht wird?

MfG
Antwort von Jens Koeppen
8Empfehlungen
22.07.2008
Jens Koeppen
Sehr geehrter Herr ,

die Debatte rund um die Kernenergie und damit verbunden der Ausstieg aus derselben, ist besonders vor dem Hintergrund weltweit steigender Energiepreise ein Thema, welches viele Menschen in diesen Tagen besonders bewegt. Gerne werde ich Ihnen die Sachlage aus meiner Sicht schildern.

Der sogenannte Atomkonsens suggeriert seit jeher, dass Deutschland aus der Nutzung der Kernenergie aussteigen wird. "Atomkraft - Nein, Danke" war und ist eine bewusste Irreführung der deutschen Bevölkerung, denn im Jahr 2020 sollen zwar nach jetzigem Konsens die deutschen Kernkraftwerke abgeschaltet werden, aber die Kernenergienutzung findet trotzdem weiterhin statt. Wir würden also lediglich aus der KernenergieERZEUGUNG aussteigen. Das ist ein großer Unterschied, der bedeutet, dass wir ab 2020 Strom aus z. B. tschechischen, französischen und eventuell bald aus polnischen Kernkraftwerken importieren müssten, da die Grundlasten aus alternativen Energien noch nicht in benötigten Umfang möglich sind. Damit würden die Abhängigkeit und der Preis für deutsche Verbraucher und die deutsche Wirtschaft steigen und wir würden die Risiken lediglich in Kraftwerke, die geringere Sicherheitsstandards aufweisen, verlagern. Wir nutzen dann Atomstrom, den wir nicht erzeugt haben. Ich halte von diesem Feigenblatt nach dem Motto: "Wir sind sauber, was interessieren uns die Probleme der anderen" überhaupt nichts. Ein Atomkonsens und ein geordneter Ausstieg mit echten und machbaren Alternativen können nur global erfolgen. Uns hilft da keine noch so gut aussehende "Käseglocke" über Deutschland.

Mit Atomstrom kann die weltweit steigende Nachfrage nach Energie sicherlich nicht allein gestillt werden. Fakt ist aber, dass in allen großen Ländern Kernenergie ein wichtiger Teil der Stromerzeugung bleibt. Die USA, China, Russland, Indien, Frankreich und viele andere Länder setzen voll auf diese Technologie. Weltweit erlebt die Atomkraft derzeit einen Aufschwung. 36 AKW sind im Bau, 81 in der Planung. Auch die Sicherheitstechnologie verbessert sich ständig.

Niemand darf und will die Augen vor den Risiken verschließen, aber trotz schlimmer Unfälle, wie z. B. in Sellafield oder in Tschernobyl mit rund 5000 Todesopfern, gilt die Kernkraft als vergleichsweise sichere Energieart. Weltweit werden mehr als 400 Atomkraftwerke seit Jahrzehnten sicher betrieben. Dagegen kommen allein im Bergbau weltweit jährlich mehrere Tausend Bergleute um.

Meiner Auffassung nach benötigen wir die Kernenergie weiterhin als Brückentechnologie, da wir derzeit noch nicht in der Lage sind ohne den Atomstrom auszukommen. So sehr ein genereller Ausstieg aus der Atomkraft aus vielen, sicherlich auch begründeten Argumenten, begrüßt werden kann, teile ich jedoch die Auffassung, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht auf Atomkraft verzichten können. Ohne Kernenergie können wir mittelfristig weder unsere wichtigen und ehrgeizigen Klimaschutzziele erreichen, noch unseren Energiebedarf sichern. Die Atomkraft ist ein Bestandteil im Energiemix, bis zu dem Zeitpunkt, da die Entwicklung der Erneuerbaren Energien so weit fortgeschritten ist, diesen Anteil zusätzlich zu übernehmen.

Nach einer Studie der Uni Köln würde eine Verlängerung der AKW-Laufzeiten um 20 Jahre den Kohlendioxid-Ausstoß noch stärker senken als von der Bundesregierung geplant. 60 Millionen Tonnen CO2 könnten eingespart werden - das entspricht dem Jahresausstoß von Dänemark.

Laut Institut RWI zählt Atomstrom zu den günstigsten Energiearten. Die Kilowattstunde kostet in der Herstellung rund 2 Cent. Zum Vergleich: Strom aus Braunkohle kostet im Schnitt 5 bis 6 Cent/kWh, Solarstrom rund 40 Cent/kWh. Experten rechnen bei längeren AKW-Laufzeiten mit einer Milliarden-Ersparnis für Wirtschaft und Verbraucher. Durch eine Verschiebung des Atomausstiegs um 20 Jahre könnten ihnen Kosten von 50 Milliarden Euro und mehr erspart bleiben.

Um Zeit für den Ausbau der erneuerbaren Energien zu gewinnen, spreche ich mich deshalb für eine Verlängerung der Laufzeiten von Kernkraftwerken aus. Wir können unter den gegebenen Bedingungen auf kein Kernkraftwerk verzichten, das sicher Strom produziert. Denn schon heute importiert Deutschland 80 % seines Energiebedarfs. Deshalb macht es auch keinen Sinn, unsere sicheren Kernkraftwerke vorzeitig vom Netz zu nehmen. Die im eigenen Land fehlende Energie müsste aus anderen Ländern eingekauft werden - gegebenenfalls wie bereits erwähnt Atomstrom aus weit weniger sichereren Kraftwerken als in Deutschland.

Über die Vorfälle im Kernkraftwerk Krümmel war ich genauso besorgt wie Sie. Was hier erschwerend hinzukam, war die mangelnde Informationspolitik des Betreibers. Nach den vorliegenden Informationen bestand aber glücklicherweise für die Bevölkerung zu keinem Zeitpunkt eine ernste Gefahr.

Trotz des Zwischenfalls ist es nicht richtig, ältere Kernkraftwerke automatisch unter eine Art Generalverdacht zu stellen, da das Alter eines Atomkraftwerkes noch nicht unbedingt etwas über dessen Sicherheit aussagt. Die deutschen Atomkraftwerke erfüllen weltweit die höchsten Sicherheitsstandards.

Die Bundesregierung hat immer wieder betont, dass es bis 2030 ein Endlager für hochradioaktive Abfälle geben werde. Der jetzige Koalitionsvertrag sieht außerdem vor, die Frage des Endlagers noch in dieser Legislaturperiode zu lösen. Der Salzstock Gorleben ist in den 70er Jahren aufgrund von u. a. geologischen, raumplanerischen und sozioökonomischen Kriterien, in einem anspruchsvollen Verfahren das international Maßstäbe gesetzt hat, für eine Erkundung ausgewählt worden. Dieser Kriterienkatalog hat selbstverständlich heute noch Gültigkeit.

ASSE II kann mit Gorleben nicht gleichgesetzt werden. In der Schachtanlage ASSE, einem ehemaligen Salzbergwerk, wurden von 1965 bis 1995 Forschungs- und Entwicklungsarbeiten für die Endlagerung radioaktiver Abfälle in Salzformationen durchgeführt. Eine Einlagerung von radioaktiven Abfällen findet seit 1979 nicht mehr statt. Als Dienstleistungseinrichtung des Helmholtz Zentrums München steht die Schachtanlage allen Interessenten zur Durchführung von Forschungs- und Entwicklungsarbeiten für die sichere Endlagerung radioaktiver und chemisch-toxischer Abfälle unter realistischen Bedingungen zur Verfügung. Bis 2017 soll die Schließung der Schachtanlage nach Bundesberggesetz vollzogen sein. Es stellt sich auch die Frage nach den eingelagerten Stoffen im Bergwerk ASSE II. Es handelt sich z. B. auch um Materialien aus der Medizintechnik. Die schwachradioaktiven Abfälle lassen sich grob unterteilen in Mischabfälle bestehend aus Papier, Folien, Overalls, Überschuhe, Putzlappen, Holz, Glas, usw., Filterabfälle, Schlämme, Verdampferkonzentrate, Harze, usw., Metallabfälle, wie Schrott, Eisen, Blech, Strukturteile, Rohre, u. ä., Bauschutt, also Kies, Bodenbelag, u. ä. Die mittelradioaktiven Abfälle untergliedern sich in Metallabfälle, d. h. die Metalle selbst, Schrott, Eisen, Blech, Strukturteile, Rohre, usw.

Der Salzstock Gorleben in Niedersachsen ist ein mögliches Endlager für hochradioaktive Abfälle. Ende 1973 begann die Suche nach einem geeigneten Endlagersalzstock. Geplant war und ist ein Endlager für alle Arten radioaktiver Abfälle in einem Salzstock. Es wurden 24 Salzstöcke betrachtet.

Das gleichfalls geplante Nukleare Entsorgungszentrum sollte ebenfalls am Standort des Endlagers gebaut werden. Die Bundesregierung beauftragte die Firma KEWA (Kernbrennstoff-Wiederaufarbeitungs-Gesellschaft) mit der Standortsuche. Im Unterschied zu ASSE ist der Salzstock Gorleben kein ehemaliges Bergwerk sondern ein unberührter Salzstock, der seit Millionen von Jahren seine Formation nicht verändert hat. Demzufolge gilt er nach heutigen Forschungserkenntnissen als geeignet. Eine Endlagerung sähe im Salzstock Gorleben ganz anders aus, als in ASSE in den 60iger und 70iger Jahren. Hier könnte Deutschland übrigens eine technologische Vorreiterrolle für die weltweit ungelöste Endlagerproblematik spielen. Tausende Arbeitsplätze in der Forschung, Entwicklung und Durchführung könnten entstehen. Eine sichere Endlagertechnologie könnte weltweit exportiert werden.

Die Frage, ob die Einlagerung radioaktiver Abfälle in Salz grundsätzlich eine sichere Lösung ist, wird aus Sicht der Forschung mit Ja beantwortet, denn Steinsalz weist als Wirtsgestein für radioaktive Abfälle eine Reihe von Vorteilen auf, wie z. B. gute Plastizität, hohe Wärmeleitfähigkeit und günstiges gebirgsmechanisches Verhalten. Natürlich müssen die Gegebenheiten des jeweiligen Salzstocks genauestens untersucht werden.

Eine sichere Endlagerung ist unbedingt geboten. Im Sinne der Generationengerechtigkeit dürfen wir die Beseitigung des atomaren Mülls nicht künftigen Generationen überlassen. Meine Fraktion schlägt deshalb die zügige Fortführung der Erkundung Gorlebens in Zusammenhang mit einer internationalen Überprüfung nach den Regularien der NEA/OECD vor. Ein derartig methodisch abgesicherter, international anerkannter und überprüfbarer Prozess würde gleichzeitig zur Versachlichung der politischen Debatte beitragen.

Mit freundlichen Grüßen
Jens Koeppen, MdB
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Umwelt
04.08.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Koeppen,

mit Interesse habe ich Ihre bisherigen Antworten zum Thema Atomenergie gelesen. Leider blieben noch einige Fragen unbeantwortet, daher bitte ich hier noch einmal um eine konkrete Stellungnahme:

1) Im vergangenen Jahr standen zeitweilig 6 Atomkraftwerke gleichzeitig still (durch Revisionen, Brände, Kurzschlüsse und bauliche Mängel). Trotzdem hat Deutschland in diesem Jahr Strom in nicht unerheblichen Mengen exportiert! Wie erklären Sie sich vor diesem Hintergrund die Warnungen der großen Konzerne vor einer "Stromlücke"? (Sie haben diesen Punkt vom vorherigen Fragesteller mit keinem Satz beantwortet)

2) Aus ihrem Kommentar geht hervor, daß regenerative Energien nicht in der Lage wären eine durchgängige Stromversorgung zu ermöglichen, da ja nicht immer Wind weht, bzw. die Sonne scheint. Was für einen EINZELNEN Standort sicherlich zutrifft stimmt im Verbund jedoch so nicht. Ist Ihnen die Seite www.kombikraftwerk.de bekannt? Oder bestreiten Sie die dort getätigten Angaben?

3) Sie beschreiben die Kernenergie als sehr CO2 sparend - sind in Ihren Zahlen die CO2-Werte für den Uran-Abbau enthalten? Und vergleichen Sie nur die Einsparung bei der Stromerzeugung, oder beziehen Sie auch in Ihre Berechnung mit ein, daß bei anderen Kraftwerken die Abwärme auch genutzt werden kann - beim Atomstrom jedoch nicht?

4) Sie schreiben, daß Deutschland auch schon heute 80% seines Eneriebedarfs importiert ... Frage: Ist Ihnen bekannt, daß wir auch das Uran importieren müssen und keine eigenen Abbaugebiete haben?

5) Sie haben auch diese Frage von Herrn Strohmeyer nicht beantwortet, daher stelle ich sie nochmals: Sind Sie dafür, dass Atomkraftwerke für den Fall eines Unfalls versichert werden müssen? - Ich meine wenn die Risiken eines Störfalls SOO gering sind dürfte sich doch eine Versicherung finden lassen, diese Risiken absichert?

6) Sie schreiben dem Verbraucher könnten 50 Mrd. € erspart werden. Können Sie versprechen, daß diese Ersparnis beim Verbraucher ankommt?
Antwort von Jens Koeppen
4Empfehlungen
04.09.2008
Jens Koeppen
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Anfrage bei abgeordnetenwatch.

Meine Sichtweise zum Thema Kernenergie habe ich in diesem Forum bereits ausführlich dargestellt. Bitte lesen Sie insbesondere die detaillierte Darstellung im Rahmen der Antwort an Herrn Strohmeyer.

Mit freundlichen Grüßen

Jens Koeppen, MdB
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Umwelt
05.12.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Jens Koeppen,

Sind Sie in Ihrer Arbeit/politischen Entscheidung für den Anbau von gentechnisch manipulierten Pflanzen (Gen-Saatgut), für die Aufzucht von gentechnisch manipulierten Tieren (Gentechnik im Futtermittel) und für die gentechnische Manipulation von Menschen (z.B. gentechnisch verunreinigte Nahrungsmittel (Zusatzstoffe, etc. und gentechnisch veränderte Impfstoffe)?

Mit welchen Nebenwirkungen haben Pflanzen, Tiere und Menschen zu rechnen?
Ich möchte hiermit auch die Beweisfrage bezüglich "Unschädlichkeit der Gentechnik" stellen. Wo ist empirisch-wissenschaftlich nachgewiesen, dass keine schädigende Wirkung auf Menschen, Tiere und Pflanzen eintreten? Bitte mit genauer Quellenangabe.

Wie stehen Sie zu der Entwicklung, dass Gentechnik Armut verschlimmert (z.B. Indien), d.h. durch Preis-Eskalation von Saatgut, Dünger und Pestiziden? Was tun Sie dagegen?

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Jens Koeppen
7Empfehlungen
17.12.2008
Jens Koeppen
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Anfrage zum Thema Gentechnik.

Bei der so genannten Grünen Gentechnik handelt es sich um eine relativ junge Technologie. Wie bei fast jeder neuen Technologie können neben positiven Effekten auch Risiken beinhaltet sein. Eventuell vorhandene Risiken müssen selbstverständlich genau geprüft und gegebenenfalls entsprechende Maßnahmen ergriffen werden.

Auf der anderen Seite müssen wir die Chancen, die sich hier bieten, nutzen - und nicht von vornherein diese Technologie verteufeln und uns damit von einer weltweiten Entwicklung abkoppeln.

Insgesamt nimmt der Anbau gentechnisch veränderter Nutzpflanzen zu. Indien, welches Sie als Beispiel nennen, setzt auf die Grüne Gentechnik und betreibt intensiv die staatliche Entwicklungsforschung. Wie Sie wissen, ist Deutschland ein rohstoffarmes Land und wir müssen daher in besonderem Maß auf Bildung, Wissenschaft und Forschung setzen. So bietet sich hier auch die Möglichkeit, bei dieser Form der Forschung, die weltweit betrieben wird, eine aktive, führende Rolle zu spielen. Das gilt selbstverständlich nicht nur für die Produkt- sondern auch für die Sicherheitsforschung und die Entwicklung von Standards.

Die Grüne Gentechnik bietet gerade im Bereich der Landwirtschaft eine hervorragende Möglichkeit, die Ernährung auch in Ländern mit starkem Bevölkerungswachstum sicher zu stellen. Hier können wir Negativ-Faktoren wie beispielsweise begrenzten Anbauflächen oder ungünstigen klimatischen Bedingungen in bestimmten Regionen mit dieser Technologie wirksam begegnen.

Gentechnisch veränderte Pflanzen und Lebensmittel erhalten in Deutschland und Europa nur dann eine Zulassung, wenn nach gründlicher Prüfung durch Wissenschaftler keine nachteiligen Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier oder die Umwelt zu befürchten sind. Es gibt bis heute keinen Hinweis darauf, dass von zugelassenen Lebensmitteln die Anteile gentechnisch veränderter Pflanzen enthalten oder aus solchen hergestellt wurden, eine Gefahr für die Gesundheit der Verbraucher oder die Umwelt ausgeht. Im Vergleich zum Rest der Welt hat Europa die strengsten Sicherheitsprüfungen für die Zulassung von gentechnisch veränderten Pflanzen und die höchsten Auflagen für den Umgang mit gentechnisch veränderten Organismen.

Wichtig ist, dass sowohl Landwirte als auch Verbraucher die Wahlfreiheit behalten und sich bewusst für oder gegen ein Produkt entscheiden können. Mit diesem Ziel wurde das Gentechnikgesetz geändert. Dieses stellt Regeln für die Sicherstellung der Koexistenz zwischen Gentechnik verwendendem und gentechnikfreiem Anbau auf. Für eine Verbesserung der Wahlfreiheit für die Verbraucher wurde die Kennzeichnungsmöglichkeit "ohne Gentechnik" den Bedürfnissen der Praxis angepasst.

Mit freundlichen Grüßen

Jens Koeppen, MdB
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Verbraucherschutz
26.01.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Koeppen,.

die übergroße Mehrheit der Deutschen lehnt das Schächten von Tieren ohne Betäubung strikt ab, da es übelste Tierquälerei ist. Es gab schon Petitionen an den Deutschen Bundestag, zahlreiche Unterschriftensammlungen, Schreiben an Politiker ..., aber das Elend geht weiter und weiter.

Warum wird eigentlich am Willen des deutschen Volkes vorbeiregiert? Der § 4a des Tierschutzgesetzes ist endlich ersatzlos zu streichen! Auch unter dem Deckmantel einer Religion dürfen Tiere nicht gequält werden!

Sehr geehrter Herr Koeppen, wie stehen Sie zu dieser Problematik?

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Jens Koeppen
10Empfehlungen
30.01.2009
Jens Koeppen
Sehr geehrte Frau ,

die von Ihnen geschilderte Problematik des Schächtens im Hinblick auf den Tierschutz ist mir natürlich bekannt. Trotzdem muss ich Ihnen leider mitteilen, dass die Möglichkeiten des Gesetzgebers, das Schächten zu unterbinden oder einzuschränken, sehr begrenzt sind, da das Schächten als Ausübung der Religionsfreiheit nach Artikel 4 Absatz 2 Grundgesetz (GG) gehandhabt wird.

Ein ausnahmsloses Verbot ist nicht möglich, da sowohl die Religions-, als auch die Berufsfreiheit als verfassungsrechtlich geschützte Rechtsgüter berührt sind. Und obwohl auch der Tierschutz als ein wichtiges Staatsziel im Grundgesetz verankert ist, hat das Bundesverwaltungsgericht im November 2006 entschieden, dass dies der Erteilung von Ausnahmegenehmigungen zum betäubungslosen Schächten nicht entgegensteht.

Bei einem Gesetzentwurf des Landes Hessens aus dem Jahr 2007 zeigten sich bei den Beratungen im Bundestagsausschuss genau diese verfassungsrechtlichen Probleme. Es wurde daraufhin mit Glaubens-Vertretern und einigen Tierschutzverbänden noch im Oktober 2007 ein Gespräch geführt, um so eventuell eine kompromissfähige Lösung zu finden. Leider war es nicht möglich, sich auf einen Kompromiss zu verständigen, der von allen Religionsgemeinschaften mitgetragen wurde.

Der Tierschutz ist für die gesamte CDU/CSU-Fraktion ein wichtiges Thema, wir bemühen uns einen Ausgleich zwischen Religionsfreiheit und Tierschutz finden, den alle Seiten mittragen könnten. In den parlamentarischen Beratungen muss so eine verfassungskonforme Modifizierung des Gesetzentwurfs gefunden werden, die zu einer Verbesserung der Gesetzeslage im Sinne des Tierschutzes beim Schächten führt.

Persönlich lehne ich - bei allem gebotenen Respekt vor der Religionsfreiheit - das Schächten ohne Betäubung ab.

Mit freundlichen Grüßen

Jens Koeppen, MdB
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Soziales
06.02.2009
Von:

Wie kann es sein, dass ein Jugendlicher, der seinen Grundwehrdienst bei der Bundeswehr verrichtet, weniger Geld bekommt als ein Hartz IV-Empfänger? Wie begründen Sie das? Vorschlag: Diese 9 Monate Grundwehrdienst sollten abgeschafft werden und das den Leuten überlassen, die gerne Krieg spielen. In dieser Zeit könnten die Jugendlichen in der freien Wirtschaft Geld verdienen und nicht den Eltern auf der Tasche liegen. Was halten Sie davon, dass man bei der Bundeswehr noch mehr sparen sollte?
Antwort von Jens Koeppen
7Empfehlungen
17.02.2009
Jens Koeppen
Sehr geehrter Herr ,

ich stehe zur Wehrpflicht und zum Grundwehrdienst in unserer Bundeswehr. Die Wehrpflicht hat sich bewährt und sie ist nach meiner Überzeugung auch zeitgemäß. Sie stellt ein geeignetes Instrument dar, um den neuen sicherheitspolitischen Herausforderungen zu begegnen. Die Wehrpflicht ist zudem eine aktive Sicherheitsvorsorge für Deutschland und seine Bündnispartner.

Die allgemeine Wehrpflicht in Deutschland hat wesentliche Vorzüge gegenüber einer Freiwilligenarmee. Sie ist als Spiegelbild der Gesellschaft eine Armee des Volkes. Junge Männer erhalten während ihres Grundwehrdienstes eine solide Ausbildung und somit sehr gute Entwicklungschancen für ihre Zeit nach bzw. in der Bundeswehr. Auch die Besoldung wird in regelmäßigen Abständen überprüft und ist erst kürzlich nach oben hin angepasst worden.

Die Idee der SPD, eine "freiwillige Wehrpflicht" einführen zu wollen, ist ein Widerspruch in sich. Ich halte sie außerdem mit dem Grundgesetz für nicht vereinbar. Das Bundesverfassungsgericht hat diesem Modell im Übrigen eine Absage erteilt: "Würde man im Hinblick auf die behauptete gleichheitswidrige Einberufungspraxis es jedem Wehrpflichtigen freistellen, ob er den Grundwehrdienst antritt, wäre die Verteidigungs- und Bündnisfähigkeit Deutschlands in hohem Maße gefährdet" (2 BvR 821/04 vom 17.5.2004, Absatz Nr. 27).

Mit freundlichen Grüßen

Jens Koeppen, MdB
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Ihre Frage an Jens Koeppen
Die Fragefunktion wurde inzwischen geschlossen.