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Sehr geehrter Herr Wellenreuther,
Ich beschäftige mich mit den Problemen unseres verzinsten Geldsystems und deren mögliche Ursache für die wirtschaftlichen und sozialen Verwerfungen, die wir alle momentan beobachten können.
Alle Maßnahmen, die bisher getroffen wurden, wie Rettungsschirme und staatliche Sparprogramme, scheinen meiner Meinung nach nur oberflächlich die Symptome zu bekämpfen. Tatsächlich beschreiben immer mehr angesehene Wirtschaftsleute unser verzinstes Geldsystem und die Art und Weise wie Geld geschöpft wird als Kern unserer sozialen, wirtschaftlichen und ökologische Probleme.
Im derzeitigen System kommt Geld hauptsächlich in Umlauf, indem Geschäftsbanken Kredite vergeben. Dabei wird jedoch stets nur das Kreditgeld erzeugt, das Geld für die Zinsen jedoch nicht. Diese muss der Kreditnehmer den anderen Marktteilnehmern abjagen. Zum anderen führt der Zinseszinseffekt zu einem exponentiellen Wachstum der Geldmenge, was durch ein exponentielles Wachsen der Wirtschaft kompensiert werden müsste.
Ein exponentielles Wachstum ist aber nicht nachhaltig, es ist in der Natur höchstens mit einem Krebsgeschwür vergleichbar, und das ist für den Menschen nicht gesund und kann in einer Welt mit begrenzten Ressourcen nur früher oder später nur scheitern.
Ein zweiter direkter Effekt des Zinseszins Systems ist die Umverteilung von fleißig auf reich, denn die stetig wachsenden Kapitaleinkommen der reichen "Arbeitslosen" müssen ja von den Fleißigen, der arbeitenden Mittelschicht, erwirtschaftet werden.
Der im Geldsystem eingebaute, nie stillbare Hunger nach Wachstum, Energie und Rohstoffen führt auch zu zunehmender Zerstörung unseres Lebensraums und Ausbeutung von Mensch und Natur. Wir brauchen also ein ökosoziales Geldsystem ohne Zins, das ständiges Wachstum unnötig machen würde.
Nun meine Frage: Wie sehen Sie den Sachverhalt? Was ist ihre Haltung zu alternativen Geldsystemen?
Mit freundlichen Grüßen,
