Hans-Michael Goldmann (FDP)
Abgeordneter Bundestag 2005-2009
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Grunddaten
Hans-Michael Goldmann
Jahrgang
1946
Berufliche Qualifikation
Tierarzt, Studiendirektor
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Unterems
Landeslistenplatz
3, über Liste eingezogen, Niedersachsen
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(...) Hier wird wohl erst das Gerichtsurteil Klarheit bringen. Doch selbst wenn die Rechtsauffassung der BVVG korrekt sein sollte, belegt der Bundesrechnungshof eine Reihe von schlampigen Einzelfällen, in denen die Sorgfalt der BVVG zu kritisieren ist. Hierbei geht es natürlich nicht um so gigantische Summen, wie die kolportierte Summe von einer Mrd. €, doch zur kritischen Nachfrage nach dem Gerichtsurteil geben diese Fälle auf jeden Fall Anlass. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Umwelt
16.03.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Goldmann,

vielen Dank für Ihre Antwort vom 26.02.09, mit der Sie leider auf die Hälfte meiner Fragen vom 26.12.08 nicht eingegangen sind. Ich muss daher erneut um eine Begründung Ihrer juristisch nicht haltbaren Behauptungen in der Fernsehsendung bitten, jeder Bürger könne gegen die PelztierhaltungsVO 2006 oder gegen einzelne Tierquäler klagen.

Nach Ihren jetzigen Ausführungen gibt es keinen vernünftigen Grund, in Deutschland Echtpelze herzustellen. Folglich wäre die PelztierhaltungsVO wegen Verstoßes gegen ranghöheres Recht (§ 1 Tierschutzgesetz) nichtig. Warum befürwortet die FDP eine aus Ihrer Sicht nichtige Rechtsverordnung? Warum haben Sie genau diese Verordnung, die in Bezug auf den Tierschutz bekanntlich weit hinter den Vorgaben des Beschlusses des Bundesrats aus dem Jahre 1993(!) zurückbleibt, in der Fernsehdiskussion auch noch vehement verteidigt? Ihre Aussagen waren insoweit völlig klar. Da es den Tieren in den Käfigbatterien ja (angeblich) so gut geht und sie (angeblich) so human getötet werden, besteht für keinen (potentiellen) Pelzträger Grund zu irgendwelchen Bedenken. Die Wendigkeit, mit der Sie sich auf dieser Plattform nunmehr als Gegner der Pelztierhaltung präsentieren, wirkt auf mich Schwindel erregend.

Es ist erfreulich, dass Sie nunmehr die Existenz von Gefühlen bei Tieren einräumen und Tierschützer, denen Sie in der Diskussionsrunde noch Versagen vorgeworfen haben, als wichtige gesellschaftliche Kraft bezeichnen. Allerdings hört und liest man gelegentlich, dass Politiker von der Bevölkerung als immer weniger glaubwürdig wahrgenommen werden. Sind Sie davon überzeugt, dass völlig widersprüchliche Aussagen in der Fernsehsendung vom 03.12.08 einerseits und in Ihrer hiesigen Antwort andererseits geeignet sind, dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten?

Mit freundlichen Grüßen

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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
08.05.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Goldmann,

da ich Paintball spiele und mein Sport nun verboten werden soll, möchte ich von Ihnen wissen, wie Ihre Haltung in dieser Sache ist, da dies entscheidend sein wird für mein Verhalten bei den kommenden Wahlen. Außerdem verstehe ich nicht, wieso in anderen EU-Ländern Paintball kein Problem darstellt und allein in Deutschland dieser Sport so diskriminiert wird.

Wenn Sie gegen Paintball sein sollten, dann müssen Sie auch für die Abschaffung von Fechten und Boxen sein und Kindern verbieten, Cowboy und Indianer mit Spielzeug-Waffen zu spielen. Es gibt keinerlei Zusammenhang zwischen Paintball und Amokläufern oder anderen Gewalttaten, entsprechende Behauptungen mancher Politikern sind einfach nur gelogen und halten keiner seriösen Betrachtung stand.

Bitte sagen Sie mir, dass wir nicht in einem Land leben, wo nur der Recht bekommt der am lautesten Schreit und manche ihrer Politiker Kollegen schreit schon sehr laut!
Antwort von Hans-Michael Goldmann
8Empfehlungen
12.05.2009
Hans-Michael Goldmann
Sehr geehrter Herr ,

die Planung der großen Koalition aus CDU, CSU und SPD zum Verbot von Kampfspielen wie Paintball lehnt die FDP ab. Schon jetzt ist das Spiel in der Öffentlichkeit untersagt und die ´Markierer´ können nur von Volljährigen erworben werden. Ein ursächlicher Zusammenhang derartiger Spiele mit dem Anlass des Verbots, nämlich Amokläufen wie jüngst etwa dem von Winnenden, ist nicht gegeben.

Ein solches Verbot wäre wieder einmal ein Paradebeispiel für wirkungslose Symbolpolitik, wie sie bei CDU/CSU und SPD leider an der Tagesordnung ist. Statt die eigentlichen Ursachen von Gewaltkriminalität anzugehen, werden Nebenschauplätze eröffnet, die vom Versagen der Koalition bei der Bekämpfung der eigentlichen Probleme ablenken sollen. Statt solcher Ablenkungsmanöver muss Gewalt- und Kriminalprävention einen höheren Stellenwert bekommen. Es muss früher und sensibler wahrgenommen werden, wenn Kinder, Schüler oder Freunde sich absondern oder Probleme mit sich tragen. Das Entgegenwirken von Vereinzelungs- und Isolationstendenzen bei insbesondere jungen Menschen ist eine bedeutende gesellschaftliche Herausforderung, auch und gerade vor Ort. Wer ernsthaft glaubt, dass Spiele wie Paintball ursächlich für Gewalttätigkeit und Aggressivität sind, der müsste auch olympische Sportarten wie Fechten und Boxen, aber auch Völkerball verbieten. Die FDP steht für eine solche Scheinpolitik nicht zur Verfügung. Wir hoffen, dass die Bundestagswahl am 27. September dazu führt, dass die FDP in einer Regierungskoalition die fehlgeleitete Verbotspolitik der Regierung verhindern und ihre sachorientierte Position durchsetzen kann.

Mit freundlichen Grüßen
Hans-Michael Goldmann
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Frage zum Thema Land- und Forstwirtschaft
17.05.2009
Von:

Guten Tag Herr Goldmann,
Sie setzen auch in der Milchwirtschaft auf eine "marktwirtschaftliche" Lösung und wollen gleichzeitig ein Gesamtkonzept, um den deutschen Milchbauern zu helfen. Wie also, Herr Goldmann, sieht Ihr "Gesamtkonzept" aus? Wie sehen Ihre verbesserten Rahmenbedingungen für die Milchbauern denn aus? Die Dieselbeihilfe reicht zweifellos nicht aus. Auch die Abschaffung eines Tierschutz-TÜV (was auch immer das sein mag) dürfte nicht reichen. Wie sollen deutsche Milchbauern ohne Außenschutz in einem Hochlohngebiet wie Mitteleuropa und entsprechend hohen Flächenkosten zu Weltmarktbedingungen produzieren? Welchen Beitrag müsste die Bundesregierung nach Ihrer Auffassung zum verbesserten Absatz "marktfähiger Produkte" unternehmen. Zu welchen "auskömmlichen" Erzeugerpreisen sollen neue Märkte erschlossen werden? Weshalb hat nach Auffassung die Milchquote versagt? Wie viele Milcherzeuger hätten wir denn nach Ihrer Auffassung ohne Quote? Mehr oder weniger als jetzt? Weshalb können Milcherzeuger die Exportmöglichkeiten am Weltmarkt besser nutzen, nur weil die Quotenkosten (nach Ihrer Auffassung) wegfallen, dafür aber der Erzeugerpreis drastisch sinkt?

O.
Antwort von Hans-Michael Goldmann
2Empfehlungen
19.05.2009
Hans-Michael Goldmann
Sehr geehrter Herr ,

die FDP tritt konsequent für eine soziale Marktwirtschaft und damit gegen Protektionismus und Exportsubventionen ein. Auch die neue Bundeslandwirtschaftsministerin hatte dem Protektionismus im Rahmen der Internationalen Grünen Woche in Berlin 2009 den Kampf angesagt. Bedauerlich ist, dass Frau Aigner gleichzeitig für die Wiedereinführung von Exportsubventionen, die sie eigentlich im Rahmen der WTO abschaffen möchte, eingetreten ist. Auch in diesem Bereich ist die Politik der Bundesregierung mehr als widersprüchlich und zum Schaden der heimischen Land- und Ernährungswirtschaft.

Die Milchquote sollte seinerzeit nicht nur Milchseen beseitigen helfen, sondern auch den Milchbauern helfen. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass die Milchquote den Bauern weder einen auskömmlichen Milchpreis garantiert, noch das Höfesterben beendet hat. Während es 1984 noch rund 380.000 Milcherzeuger gab, sind es heute noch knapp 100.000. Interessant ist, dass schon während der letzten großen Koalition (1967) das Landwirtschaftsministerium ausführlich Quotensysteme für die Milch geprüft hat und zu dem Urteil kam, dass sie nicht funktionieren könnten. Nahezu alle Kritikpunkte des Ministeriums haben sich seit Einführung der Milchquote bewahrheitet. Deshalb muss man die Einführung der Milchquote als Fehler bezeichnen.
Ich selbst bin seit 2002 für die Agrarpolitik der FDP-Bundestagsfraktion verantwortlich und sage seit dem immer wieder, dass die Bauern sich auf den Markt einstellen müssen. Dort wo staatliche Vorgaben die Wettbewerbschancen deutscher Bauern verschlechtern, müssen entweder fairer Wettbewerb geschaffen werden oder durch staatliche Ausgleichszahlungen Nachteile ausgeglichen werden. Dies ist für uns die gesellschaftspolitische Rechtfertigung für die Flächenprämie. Die Hauptursache für den daniederliegenden Milchpreis ist, dass trotz des laufenden Umstrukturierungsprozesses und der massenhaften Aufgabe von Milchbauern in den letzten Jahrzehnten, immer noch zuviel Milch in Europa produziert wird (denn trotz weniger Milchbauern und Milchkühen, wird durch erfolgreich gezüchtete Milchkühe heute fast ebenso viel Milch produziert wie vor 15 Jahren).
Die deutsche Politik kann den Bauern vor allem dort helfen, wo die Produktionskosten durch staatliche Vorgaben und Steuern höher sind, als bei unseren europäischen Nachbarn. Das ist auch der Grund warum die FDP-Bundestagsfraktion seit geraumer Zeit ein stringentes Konzept für die Landwirtschaft und insbesondere für die Milchbauern fordert. Die Milchgipfel, die Seehofer und Aigner abgehalten haben, waren nichts als Augenwischerei und Symbolpolitik. Sie sollen darüber hinwegtäuschen, dass die Regierung ihre Hausaufgaben nicht macht.

Entscheidend ist, die Landwirte auf der Kostenseite zu entlasten:
  • Gleichbehandlung beim Agrardiesel (deutsche Landwirte zahlen ca. 50 € pro Hektar mehr für ihren Diesel als z.B. ihre französischen Nachbarn).
  • Entlastung bei der Ökosteuer.
  • Beschränkungen bei Fütterungsverboten aufheben (Gentechnisch veränderte Futtermittel sind billiger als herkömmliche und werden bei den meisten unserer Nachbarn verfüttert, in Deutschland gibt es massive Beschränkungen).
  • Bürokratieabbau, um die Landwirte bei den Verwaltungskosten zu entlasten.

Dies sind vier Punkte, bei denen die Regierung sofort handeln könnte. Damit stärkt man die marktfähigen Betriebe und erhöht ihre Marktchancen. Des Weiteren kann sich die Bundesregierung in Gesprächen bei der Industrie dafür einsetzen, dass wieder Butter und Milch in der Lebensmittelindustrie verwendet werden und nicht pflanzliche Fette. Auch das Schulmilchprogramm muss konsequent ausgeschöpft werden.


Mit freundlichen Grüßen
Hans-Michael Goldmann
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Frage zum Thema Land- und Forstwirtschaft
19.05.2009
Von:

Guten Tag Herr Goldmann,
leider haben Sie meine Fragen im Wesentlichen nicht beantwortet. Wie sieht Ihr "Gesamtkonzept" für die Milcherzeuger aus? Ich sehe bei Ihnen nur Stückwerk. Mehr Markt soll zu "auskömmlichen" Milchpreisen führen? Wie denn, Herr Goldmann? In welchem Land ohne Quotensystem gibt es denn "auskömmliche" Milchpreise? Nennen Sie doch einmal eins! Wenn "mehr Markt" in der Milchwirtschaft die Lösung ist, warum gibt es dann nicht längst einen funktionierenden Milchmarkt, Herr Goldmann? Die Politik behauptet, die Milcherzeuger müssten mit erheblichen Preisschwankungen leben. Wie sollen da "auskömmliche" Milchpreise entstehen? Ein Milchviehbetrieb ist doch kein Industriebetrieb, der mal die Leute in Kurzarbeit schicken kann oder die Produktion drosseln kann.
Um wie viel werden denn die Milchbauern durch Ihre Vorschläge entlastet? 0,5 ct/kg? 1 ct/kg? Wenn man sich die Kostenstruktur eines Milchviehbetriebes ansieht, dürfte es nicht mehr sein? Sie haben auch nicht auf die Frage geantwortet, wie Sie bei den hiesigen Produktionskosten mehr Milchprodukte exportieren wollen. Wenn, wie Sie behaupten, hier 15% zu viel produziert wird, wie viele Milcherzeuger hätten wir denn heute ohne Quote? Wie soll denn fairer Wettbewerb auf den Weltmärkten aussehen, Herr Goldmann? Wegen der großen Nachfrage stiegen die Milchpreise 2007 stark an, es gab weder einen Milchsee noch einen Butterberg. Weshalb haben wir dann 15% Überproduktion, wie Sie behaupten?
O.
Antwort von Hans-Michael Goldmann
1Empfehlung
27.05.2009
Hans-Michael Goldmann
Sehr geehrter Herr ,

ich werde hier nicht in eine Diskussion mit Ihnen einsteigen. Dazu gibt es andere Gelegenheiten, als Abgeordnetenwatch. Die deutschen Milchbauern und ihre europäischen Kollegen gerieten trotz der von Ihnen geforderten Milchmengenregulierung in eine solche Not- und Krisensituation. Ein Höfessterben findet seit vielen Jahren statt und dies, obwohl eine Milchquote und damit eine Mengensteuerung existiert, die aber ganz offensichtlich versagt hat.
Das Gesamtkonzept der FDP sieht vor, einerseits die Marktchancen zu nutzen, so wie die Schweine und Geflügelhalter seit vielen Jahren sich ebenfalls am Markt behaupten müssen und zum Teil gute Erlöse erzielt haben; andererseits aber die Bauern dort zu entlasten, wo der Staat handeln kann, nämlich die Wettbewerbsnachteile zu europäischen Nachbarn abschaffen.
Die Milch-Überproduktion ist doch keine Behauptung von mir, sondern ich kenne keinen Experten, der nicht von 10-20% Milchüberproduktion derzeit ausgeht. Dass es 2007 trotzdem zu steigenden Preisen kam liegt nun einmal an den volatilen Märkten. Abgesehen davon, hat diese Hochpreisphase z.B. dazu geführt, dass die Lebensmittelindustrie noch stärker als zu vor auf pflanzliche Fette umgestiegen ist, was das Problem der Überproduktion verschärft. Angesichts dessen, dass ja noch nicht einmal 15% der Milch als Frischmilch beim Verbraucher landet und der Rest der Produktion weiterverarbeitet wird, bleiben wolkige Appelle an die Verbraucher meist fruchtlos. Abgesehen davon nützt es doch auch niemanden, wenn Verbraucher mehrheitlich in Umfragen erklären, sie würde durchaus mehr Geld für die Milch bezahlen, damit die Bauern fairere Preise erhalten und sich am Kühlregal dann doch wieder für die Billig-Milch entscheiden. Auch die Politik kann Konsumentenverhalten nicht ändern. Sie werden bei vielen unserer Nachbarländer erstens weniger landwirtschaftliche Produkte aus anderen Ländern finden als bei uns und zweitens wird fast nirgendwo so wenig vom verfügbaren Einkommen für Lebensmittel ausgegeben wie in Deutschland. Zumindest am ersten Punkt kann die Politik vielleicht etwas nachhelfen. Trotz Binnenmarkt gibt es auch in der EU noch immer nichttarifäre Handelshemmnisse. Deutschland hat z.B. bis vor kurzem nicht die berühmten roten dänischen Pölser ins Land gelassen, weil der darin enthaltene Farbstoff bei uns in Verbindung mit Fleisch verboten, in Verbindung mit Jogurt aber erlaubt war. D.h. wir müssen uns auf europäischer Ebene verstärkt dafür einsetzen, auch die letzten solcher Handelshemmnisse abzuschaffen. Und dies gilt umso mehr für die Märkte außerhalb der EU. Hier schlummert noch ein gewaltiges Potential. Bei der Exportförderung hat sich das BMELV in den letzten Jahren allein auf die Arbeit der CMA verlassen. Hier gibt es noch einen gewaltigen Nachholbedarf. Wir haben immer moniert, dass bei sinkenden Subventionen für die Landwirtschaft eine Gleichbehandlung zur übrigen Exportwirtschaft erreicht werden muss. Die wird nämlich jährlich mit weit über 100 Mio. € gefördert, während die Landwirtschaft nicht nur ihre eigene, sondern auch die Exportförderung der Ernährungswirtschaft bis zum Absatzfondsurteil des Bundesverfassungsgerichts selbst bezahlen musste.

Es gibt also einige Punkte, bei denen die Politik ansetzen kann, um der Landwirtschaft allgemein und den Milchbauern im Besonderen zu helfen. Doch bei der Preisgestaltung und Mengensteuerung kann sie es nicht.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Hans-Michael Goldmann
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Frage zum Thema Kinder und Jugend
01.06.2009
Von:
Upa

Sehr geehrter Herr Goldmann,
ich hätte eine ganz praktische Frage bezüglich des geplanten Anti-Kinderpornografie-Gesetztes, welches Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen auf den Weg bringen möchte.

In meiner Freizeit bin ich Administator in einem großen deutschen Forum und halte das geplante Gesetz mehr als fragwürdig.
Um regelwidrige von nicht regelwidrigen Beiträgen zu differenzieren, bin ich gezwungen auf ominöse Links zu klicken, welche von den Benutzern ins Forum geschrieben wurden.
Wenn sich jetzt Mitglieder des Forums einen Spaß erlauben wollen, könnten sie ja Links ins Forum kopieren, welche auf eine "Stopp-Seite" führen.
Der Gesetzesentwurf sieht, meines Wissenstandes nach vor, dass die Daten, wie z.B. die IP-Adresse gespeichert werden und so das BKA im schlimmsten Fall bei mir vor der Haustür steht, nur weil ich gezwungener Maßen auf so einen Link geklickt habe.
Derartige Methoden, bei dem ein Generalverdacht zugegen ist, halte ich für nicht mit unserer Verfassung vereinbar.

Des Weiteren sehe ich in der Sperrung der Seiten lediglich
reinen Aktionismus zur Bundestagswahl und eine Schaffung einer Zensurinfrastruktur bei dem womöglich als nächstes die Musikindustrie Interesse an weiten Sperren bekundet.

Wie kann ich mich vor einer Hausdurchsuchung durch das BKA schützen, wenn das Gesetz wirklich durchkommt.
Wie stehen Sie zum derzeitigen Gesetzesentwurf von Bundesfamilienministerin von der Leyen?
Antwort von Hans-Michael Goldmann
3Empfehlungen
03.06.2009
Hans-Michael Goldmann
Sehr geehrter Herr Upa,

Kinderpornographie muss effektiv bekämpft werden, darin werden sich alle einig sein. Kinderpornographie, bei der der Missbrauch von Kindern in Bild oder Film wiedergegeben wird, ist ein widerliches und schreckliches Verbrechen, denn der vorangegangene Missbrauch hinterlässt unheilbare Wunden an Seele und Körper der missbrauchten Kinder. Notwendig ist die konsequente Verfolgung von Kindesmissbrauch und Kinderpornographie. Insbesondere ist für ausreichende personelle und sächliche Mittel, gerade bei der IT-Ausstattung, bei Polizei und Staatsanwaltschaften, die richtigerweise sehr sensibel auf Anzeigen und Erkenntnisse in diesem Bereich reagieren, zu sorgen.

Den von der Bundesregierung eingebrachten Gesetzentwurf zur Änderung des Telemediengesetzes, nach dem die Zugangsprovider dazu verpflichtet werden sollen, Internetseiten nach Vorgabe einer Sperrliste des Bundeskriminalamts durch Umleitung auf eine Stopp-Seite zu sperren, lehnt die FDP-Bundestagsfraktion ab.

Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Straftaten, die im oder mittels des Internets begangen werden, müssen verfolgt werden. Zugleich müssen sich staatliche Maßnahmen an den geltenden rechtsstaatlichen Vorgaben messen lassen.

Schon die Gesetzgebungskompetenz des Bundes im Bereich der Gefahrenabwehr bei der Verbreitung von Kinderpornographie ist zweifelhaft. Gefahrenabwehr obliegt den Ländern. Auch die Regulierung von Medieninhalten liegt in der Zuständigkeit der Länder, wohingegen der Bund nur für die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen von Telemedien zuständig ist. Insoweit stellt sich die Frage, ob der von der Bundesregierung eingebrachte Gesetzentwurf verfassungsgemäß ist.

Der Gesetzentwurf wirft darüber hinaus verfassungsrechtliche Fragen hinsichtlich der Verhältnismäßigkeit auf. Von den geplanten Sperrungen können auch legale Internetseiten erfasst sein, wie die Bundesregierung selbst darlegt. Daher muss sehr sorgfältig geprüft werden, ob die vorgeschlagene Maßnahme verhältnismäßig ist. Betroffen von der Sperrung von Internetseiten sind die Telekommunikationsfreiheit, die Informations- und Meinungsfreiheit sowie die allgemeine Handlungsfreiheit. Selbstverständlich schützen die Grundrechte nicht rechtswidriges Verhalten. Das Verbreiten und das Sich-Beschaffen wie auch schon der Besitz von Kinderpornographie sind strafbar.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass mit den geplanten Sperrungen durch die Manipulation in den sog. Domain-Name-Servern (DNS), die dazu dienen, eine vom Nutzer eingegebene Internetadresse in die zugehörigen numerischen IP-Adressen aufzulösen, die gesperrten Seiten nach wie vor zugänglich sind, wenn z.B. ein anderer DNS verwendet oder aber die IP-Adresse direkt eingegeben wird. Wenngleich die Umgehbarkeit die Geeignetheit nicht grundsätzlich in Abrede stellt, muss jedoch bedacht werden, dass die Nutzung anderer DNS, z.B. einer Universität, gang und gäbe ist und so eine nicht unerhebliche Zahl der Nutzer gar nicht erfasst wird. Ebenfalls nicht erfasst werden sog. Peer-to-Peer-Netzwerke, da diese nicht in den Domain-Name-Servern verzeichnet sind. Insoweit wird ein für die Begehung von Straftaten im Bereich der Kinderpornographie wesentlicher Verbreitungsweg schon von vornherein nicht erfasst. Schließlich wechseln die Server nach Angabe des BKA häufig, teilweise nach nur wenigen Stunden. Sperrlisten, die binnen sechs Stunden wirksam werden müssen, verfehlen dann aber ihr Ziel.

Von der Bundesregierung wird vorgetragen, dass die Maßnahme aber deshalb erforderlich sei, weil ein strafrechtliches Vorgehen gegen die Betreiber ausländischer Server schwierig bis unmöglich sei. Nach Erkenntnissen aus anderen Ländern befindet sich die weit überwiegende Zahl der Server in den Vereinigten Staaten, die übrigen sogar vielfach in Europa. Hier ist Rechtshilfe regelmäßig möglich und auch Erfolg versprechend.

Die FDP-Bundestagsfraktion hat das Vorgehen der Bundesregierung kritisiert, die Provider durch Verträge mit dem BKA zu Sperrungen zu verpflichten, da Grundrechtseingriffe stets einer gesetzlichen Grundlage bedürfen. Der Gesetzentwurf der Bundesregierung wird aber unter keinem Gesichtspunkt den Anforderungen an eine verfassungsmäßige Rechtsgrundlage gerecht. So fehlen in dem Gesetzentwurf Vorgaben für ein rechtsstaatliches Verfahren oder für klare Haftungsregelungen der Provider. Auch die Ausweitung der Befugnisse des BKA im Bereich der Gefahrenabwehr ist abzulehnen.

Die FDP-Bundestagsfraktion wird das nun anstehende parlamentarische Verfahren dazu nutzen, ihre Bedenken sachlich und kritisch vorzutragen, um eine ernsthafte Debatte anzustoßen. Es verbietet sich nach Ansicht der FDP-Bundestagsfraktion, das Thema in die eine oder andere Richtung zu instrumentalisieren.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Hans-Michael Goldmann
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