Hans-Joachim Otto (FDP)
Abgeordneter Bundestag 2005-2009
Dieses Profil dient zu Archivzwecken, eine Befragung ist nicht mehr möglich.

Angaben zur Person
Hans-Joachim Otto
Jahrgang
1952
Berufliche Qualifikation
Jurist
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages, Rechtsanwalt und Notar in Frankfurt
Wahlkreis
Frankfurt am Main I
Landeslistenplatz
4, über Liste eingezogen, Hessen
(...) Auch grundsätzlich halte ich nichts von weitergehenden gesetzlichen Verboten bestimmter Unterhaltungssoftware. Diese Maßnahmen würden meiner Meinung nach kein Mehr an Jugendschutz bringen, sondern die erwachsenen Bürger lediglich bevormunden. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Kultur
17.12.2007
Von:

Sehr geehrter Herr Otto,

als Vorsitzender der Bundesmedienkommission der FDP werden Sie sicherlich die Künstlersozialkasse kennen, die es Künstlern, Publizisten und selbstständigen bzw. freiberuflichen Werbeschaffenden ermöglicht, sich günstiger kranken- und rentenzuversichern.

Kunden von Personengesellschaften oder Freiberuflern, welche Leistungen aus einem kreativen Bereich beziehen, sich also beispielsweise eine Firmenpräsenz im Internet oder eine Image-Broschüre erstellen lassen, sind verpflichtet mehr als 5% des Rechnungs-Nettobetrages an die KSK abzuführen, obgleich der entsprechende Dienstleister in der KSK versichert ist oder nicht.

Es ist nicht einmal die Frage, ob der entsprechende Dienstleister überhaupt dazu berechtigt ist über die KSK versichert zu sein, zahlen muss er bzw. sein Kunde dennoch. Dies ist in meinen Augen nicht gerecht, da dem Kunden ein unerwarteter Mehraufwand und dadurch Wettbewerbsverzerrung entsteht.

Die KSK versteht sich somit im Prinzip als "Gestaltungspolizei" und erhebt, ähnlich wie vielleicht im Rundfunkbereich die GEZ, Gebühren für Leistungen, die man selbst (und seine Kunden noch weniger) gar nicht in Anspruch nimmt, nehmen möchte oder das Recht gar nicht hat, diese überhaupt in Anspruch nehmen zu dürfen. Warum sollen meine Kunden unnötige Gebühren an die KSK bezahlen müssen, was meine Marktpreise indirekt grundlos erhöht, obwohl ich selbst nicht über diese Künstlersozialversicherung versichert bin und auch nicht versichert sein möchte?

Wie sieht die FDP diese Problematik und was gedenkt sie in diesem Bereich zu tun, um das meiner Meinung nach deutlich antiquierte Gesetz von 1983 zu überarbeiten, modernen Anforderungen der Marktwirtschaft anzupassen und Abhilfe für dieses Problem der Ungerechtigkeit zu schaffen?

Gruß,
Antwort von Hans-Joachim Otto
14Empfehlungen
19.12.2007
Hans-Joachim Otto
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre E-Mail.

Bevor ich auf die einzelnen Kritikpunkte zu sprechen komme, möchte ich einige grundsätzliche Aussagen zur Künstlersozialversicherung machen. Die Künstlersozialversicherung und damit auch die Abgabepflicht für die Unternehmer, die Werke oder Leistungen selbständiger Künstler oder Publizisten verwerten, wurde zum 1.1.1983 – also vor bald 25 Jahren – eingeführt. Seit Mitte der Siebziger Jahre hatte die sozial-liberale Koalition an einem solchem Künstlersozialhilfegesetz gearbeitet. 1981 wurde es vom Deutschen Bundestag beschlossen.

Die Künstlersozialversicherung ist – damals wie heute - die Grundlage der sozialen Sicherung von Künstlerinnen und Künstlern und ein wichtiger Beitrag des Staates zur Künstler- und Kunstförderung. Die gemeinsame Finanzierung dieser Grundsicherung durch die Versicherten (50 %), die Verwerter (ursprünglich 25, jetzt 30%) und den Bund (ursprünglich 25, jetzt 20%) trägt den besonderen Arbeitsbedingungen von Künstlern, Autoren, Graphikern etc. Rechnung. Anders als bei üblichen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen, beteiligt sich der Bund aufgrund seiner kultur- und sozialpolitischen Verantwortung für freiberufliche Künstler und Autoren an der Finanzierung dieser sozialen Absicherung.

Infolge der einseitigen Absenkung des Bundeszuschusses von 25 auf 20 Prozent durch die rot-grüne Bundesregierung im Jahr 2000 und steigender Versichertenzahlen, denen keine adäquaten Zuwächse bei den abgabepflichtigen und tatsächlich zahlenden Verwertern gegenüberstanden, ist die Künstlersozialversicherung in den vergangenen Jahren finanziell unter Druck geraten. Der Abgabesatz auf die Honorare mußte im Jahr 2005 von 4,3 auf 5,8 Prozent angehoben werden. Ein wichtiger Aspekt, der zu der finanziellen Schieflage der Künstlersozialkasse führte, war die zunehmende Praxis von kunst- und publizistikverwertenden Unternehmern, sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse in Auftragsverhältnisse mit in der Künstlersozialkasse versicherten "freien Mitarbeitern" umzuwandeln. Dies entlastet natürlich die Arbeitgeber, die nicht mehr ihren Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung, sondern nur noch den Verwerteranteil der Künstlersozialversicherung zahlen müssen, widerspricht aber dem Prinzip der Künstlersozialkasse und dem deutschen Arbeitsrecht.

Zur Herstellung der Beitrags- und Abgabegerechtigkeit und zur der Stabilisierung der Finanzierungsgrundlage der Künstlersozialversicherung hat die Bundesregierung ein Änderungsgesetz vorgelegt, welches am 22. März 2007 vom Deutschen Bundestag beschlossen wurde und zum 01.07.2007 in Kraft getreten ist. Die FDP hat dieses Gesetz befürwortet und unterstützt, weil dadurch vor allem zwei Probleme der Künstlersozialversicherung gelöst wurden:
Zum einen erschien es uns ungerecht, daß eine erhebliche Zahl von kunst- und publizistikverwertenden Unternehmen den gesetzlichen Melde- und Abgabepflichten nicht nachgekommen ist. Wenn sich jedes abgabepflichtiger Unternehmen an der Finanzierung tatsächlich beteiligt, ist der Beitrag für den Einzelnen geringer. Die vollständige Erfassung der abgabepflichtigen Arbeitgeber, die seit dem 01.07.2007 durch die Deutsche Rentenversicherung durchgeführt wird, führt zu einer gerechteren Verteilung der Lasten.
Zum andern war unserer Ansicht nach eine intensivere Prüfung der Versicherten im Hinblick auf das Vorliegen der Voraussetzungen der Versicherungspflicht geboten. Eine stärkere Überprüfung der Versicherten führt zu einer größeren Beitragsgerechtigkeit.
Da die Deutsche Rentenversicherung nach SGB IV für alle so genannten Statusfeststellungsverfahren und sonstige Prüfverfahren zuständig ist, erscheint es uns sinnvoll, daß sie die unterstützende Prüftätigkeit für die Künstlersozialversicherung übernimmt.

Die FDP hat sich immer zum System der Künstlersozialversicherung bekannt. Auch die gegenwärtige Kritik an der Künstlersozialkasse halte ich in weiten Teilen für unberechtigt.
Diejenigen Unternehmen, die nur gelegentlich Aufträge an selbständige Künstler vergeben, sind von der Abgabepflicht befreit. Darüber hinaus ist es meiner Auffassung nicht einzusehen, warum es einem Verwerter nicht zuzumuten sein sollte, für die Leistungen eines freien Künstlers eine Abgabe in Höhe von circa 5 Prozent des Honorars zu zahlen, wenn der Verwerter bei der Erbringung der gleichen Leistung durch ein Unternehmen mit sozialversicherungspflichtig Beschäftigten deren im Vergleich wesentlich höheren Sozialabgaben im Paketpreis auch mitbezahlen muß. Das Bundesverfassungsgericht hat in seiner Entscheidung vom 8. April 1987 ausdrücklich festgestellt, daß das Künstlersozialversicherungsgesetz verfassungskonform ist. Gleichzeitig entwickelte es die Formel des symbiotischen Verhältnisses von Künstlern und Verwertern, aus dem sich nach Ansicht des Bundesverfassungsgerichtes eine besondere Verantwortung der Vermarkter für die soziale Sicherung der typischerweise wirtschaftlich schwächeren selbstständigen Künstler und Publizisten erwächst.

Zu der pauschalen Abgabepflicht unabhängig von der tatsächlichen Mitgliedschaft in der Künstlersozialkasse gibt es meines Erachtens keine Alternative. Gäbe es diese pauschale Abgabepflicht nicht, hätten die versicherten Künstler und Publizisten unweigerlich Wettbewerbsnachteile. Durch diese Regelung kann die Künstlersozialabgabe zudem deutlich unter dem Satz des Arbeitgeberanteils zur allgemeinen Sozialversicherung liegen.

Ab 1.1.2008 sinkt der Abgabesatz zudem für das verwertende Unternehmen von 5,1 Prozent auf 4,9 Prozent. Dies ist ein Erfolg der breiteren Lastenverteilung. Infolge der Überprüfungsmaßnahmen der Deutschen Rentenversicherung wird es meiner Überzeugung nach zu weiteren Senkungen des Abgabesatzes kommen.

Jede zusätzlich zu zahlende Abgabe ist – gerade in Zeiten, wo die Staatsquote auf ein Rekordhoch getrieben wird – eine große Belastung. Ich hoffe, daß ich Ihnen mit meinen Ausführungen die Hintergründe der Neuregelungen in der Künstlersozialkasse erläutern konnte. Wenn sich alle kunst- und publizistikverwertenden Unternehmer an der Finanzierung der Künstlersozialkasse beteiligen, sind die Belastungen gleichmäßig verteilt und stellen für den Einzelnen weder eine Benachteiligung noch eine besondere Belastung dar. In diesem Sinne würde ich mich freuen, wenn Sie die Künstlersozialversicherung in Zukunft mit etwas weniger Skepsis betrachten würden.

Mit freundlichen Grüßen

Hans-Joachim Otto MdB
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Frage zum Thema Kultur
17.12.2007
Von:

Guten Tag Herr Müller,

es ist durch zahlreiche wissenschaftliche Studien erwiesen, dass der TV-Konsum besonders für Säuglinge und Kleinkinder - unabhängig vom Inhalt - irreparable Schäden im Gehirn zur Folge hat! Stimmten Sie dieser Ansicht die u.a. von Manfred Spitzer vertreten wird zu?

Wenn nicht - worauf begründet sich Ihr Zweifel?

Und falls dem so ist:
1.) wieso sind in Deutschland trotzdem Fernsehsendungen für 0 bis 3-jährige zulässig und
2.) was für Schritte werden Sie im Bezug auf die Gefahren von Bildschirmkonsum im Ausschuss für Medien unternehmen?

Vielen Dank für Ihre Antwort

Antwort von Hans-Joachim Otto
5Empfehlungen
19.12.2007
Hans-Joachim Otto
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Frage. Mir sind Studien bekannt, die zu dem Ergebnis kommen, daß Fernsehen für Säuglinge und Kleinkinder schädlich sein kann. Ich halte diese Ergebnisse zumindest nicht für abwegig und bin auch persönlich der Meinung - das beruht allerdings nicht auf wissenschaftlichen Studien sondern auf gesundem Menschenverstand -, daß Fernsehen für Säuglinge und Kleinkinder kein guter Zeitvertreib ist.

Grundsätzlich arbeiten die Selbstkontrolleinrichtungen im Bereich des Jugendmedienschutzes mit Altersfreigaben, die ein gewisses Mindestalter für Sendungen vorschreiben. In Kinos z.B. sind diese Altersfreigaben sogar verpflichtend, so darf Jugendlichen unter 16 Jahren grundsätzlich kein Einlaß in einen Film gewährt werden, der "ab 16" freigegeben ist. Im Fernsehen wird dagegen vor allem mit Empfehlungen und Auflagen für Ausstrahlungszeiten gearbeitet, da dort natürlich die Eltern bzw. Erziehungsberechtigten in der Pflicht sind.

Ich sehe auch im Bereich des Fernsehens keinen gesetzlichen Handlungsbedarf. Es ist selbstverständlich Aufgabe und Verantwortung der Eltern, ihre Kinder angemessen zu erziehen. Daß dazu ein gewisses Maß an Medienkompetenz vorhanden sein muß, ist selbstverständlich. Die Förderung der Medienkompetenz ist dabei eine nicht nur gesellschaftliche sondern auch staatliche Aufgabe. So habe ich mich für eine Stärkung von "Medienunterricht" in den Schulen ausgesprochen. Darüber hinaus gibt es auch viele weitere staatliche und private Organisationen, die Förderung von Medienkompetenz voranbetreiben - im Bereich des Fernsehens etwa die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF).

Auch im Ausschuß für Kultur und Medien des Deutschen Bundestages befassen wir uns mit dem Thema Medienkompetenz und werden dies auch weiterhin tun. Ich möchte allerdings auch auf die Zuständigkeit der Bundesländer für das Schulwesen hinweisen. Die Landtage sollten m.E. möglichst bald Anpassungen der Rahmenlehrpläne initiieren, um eine frühe Förderung von Medienkompetenzen zu erreichen.

Mit freundlichen Grüßen

Hans-Joachim Otto
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
23.01.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Otto,

mit großer Erschütterung musste ich vor kurzem erfahren, dass die Deutsche Post (DHL) seit geraumer Zeit routinemässig den USA personenbezogene Daten über den Briefpostverkehr zwischen D und USA zukommen läßt. (siehe: www.zeit.de ).

Ich kann kaum beschreiben, wie groß meine Bestürzung darüber ist, dass diese flagrante Mißachtung von Artikel 10 unseres Grundgesetzes nicht nur freiwillig erfolgt, sondern sogar in Zukunft noch erheblich ausgeweitet werden soll.

Mich interresiert daher sehr, wie Ihre Position zu diesem Thema ist und
wie (bzw. ob) sie hier weiter vorgehen wollen.

Vielen Dank!

mfG
Antwort von Hans-Joachim Otto
8Empfehlungen
07.02.2008
Hans-Joachim Otto
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Frage vom 23.01.08. Es ist erfreulich, daß nach wie vor viele Bürger auf die Einhaltung von hohen Datenschutzstandards pochen und Probleme zur Sprache bringen.

Das von Ihnen angesprochene und in der "Zeit" dargelegte Vorgehen hinterläßt auch bei mir ein mulmiges Gefühl. Die Bundesregierung muß sich unbedingt für die Einhaltung des Postgeheimnisses einsetzen. Meine für Datenschutzfragen zuständige Kollegin in der FDP-Bundestagsfraktion, Gisela Piltz, ist deshalb auch bereits initiativ geworden und hat die Bundesregierung aufgefordert, diesem Vorgang nachzugehen. Auch der Innenausschuß des Deutschen Bundestages wird sich damit beschäftigen.

Die FDP-Bundestagsfraktion wird sich nach wie vor für ein größtmögliches datenschutzrechtliches Niveau in Deutschland und im internationalen Miteinander einsetzen. Sollte sich herausstellen, daß weitere parlamentarische Initiativen notwendig sind, wird die Fraktion entsprechendes einleiten.

Mit freundlichen Grüßen

Hans-Joachim Otto
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Frage zum Thema Kultur
14.02.2008
Von:
Jan

Sehr geehrter Herr Otto.

Mein Anliegen wird Ihnen sicher sehr ungewöhnlich vorkommen,aber es liegt mir sehr am Herzen.Viele Menschen in Deutschland und sicher auch Sie und ihre Familie gehen doch sicherlich auch gerne in den Zirkus oder?Doch wie lange kann man das noch tun?Denn Zirkus in Deutschland wird immer mehr an den Rand der Städte gedrängt,von Medien,manchen Politikern und Tierschützern nieder gemacht.Warum?
Nur frage ich mich auch,warum dieses einer der ältesten Kulturgüter Deutschlands nicht von staatlicher Seite als Kulturgut anerkannt wird.Denn einige EU-Nachbarstaaten haben dieses schon vor Jahren getan,nur Deutschland hinkt hinter her.
Auch Angriffe von "Tierschützern" müssen Zirkusleute immer wieder ertragen und nicht zuletzt werden immer mehr Festplätze einfach platt gewalzt,von Subventionen(wie in Nachbarstaaten) gar nicht zu sprechen.
Nun meine Frage wann,wird mal für den Zirkus regiert und nicht immer gegen?Auflagen,Behördenauflagen,übertriebene Kosten und und und lassen immer mehr Zirkusfamilien das betreiben eines Zirkus unmöglich machen.Ich hoffe Ihnen und dem Kulturausschuss einen Denkanstoss gegeben zu haben.

Vielen Dank und Gruss

Jan
Antwort von Hans-Joachim Otto
9Empfehlungen
06.03.2008
Hans-Joachim Otto
Sehr geehrter Herr ,

für Ihre Anfrage vom 14.02.2008 zum Thema Zirkus danke ich Ihnen recht
herzlich.

Daß eine Zirkusvorstellung auch viele künstlerische Aspekte beinhaltet, liegt auf der Hand. Auch ganz allgemein ist aus Sicht der FDP-Bundestagsfraktion der Besuch im Zirkus insbesondere für Familien mit Kindern häufig ein sehr positives Erlebnis, das auch für die Zukunft bewahrt werden soll. Jedoch müssen natürlich auch Ansprüche des Tierschutzes und andere Vorschriften beim Zirkus beachtet und berücksichtigt werden. Trotz gewisser Anpassungen wird dies von den in der Regel familiengeführten Betrieben in Deutschland sichergestellt. Deshalb wird die FDP-Bundestagsfraktion auch weiterhin den Zirkus, die dort mit großer Leidenschaft arbeitenden Menschen und die Besucher in berechtigten Anliegen unterstützen.

Was die Anerkennung als "Kulturgut" angeht, bin ich mir nicht ganz sicher, in welche Richtung Ihre Frage zielt. Es ist selbstverständlich - und zum Glück - nicht die Aufgabe des Deutschen Bundestages zu bestimmen, was Kulturgut ist und was nicht. Es ist auch grundsätzlich nicht so, daß Politik etwas zum Kulturgut ernennt.

Dagegen gibt es natürlich viele Einzelaspekte im Zusammenhang mit Kulturpolitik, auf die Ihre Frage unter Umständen abzielt. So kann z. B. der Landesgesetzgeber bei entsprechendem berechtigten öffentlichen Interesse den Status des Kulturdenkmals vergeben und den rechtlichen Rahmen dazu in den jeweiligen Landesdenkmalschutzgesetzen ausgestalten. Des weiteren vergibt auch die UNESCO den Titel des Weltkulturerbes. Schließlich besteht in Deutschland die Möglichkeit für viele Künstler, sich in der Künstlersozialkasse zu versichern. Das gilt unter anderem auch für viele im Zirkus Beschäftigte, etwa Clowns, Akrobaten und Dompteure. Diese Menschen können sich also sogar aus arbeits- und sozialrechtlicher Sicht ganz offiziell Künstler nennen, der Staat wird seiner besonderen Verantwortung gegenüber Kunst und Kultur gerecht.

In der Hoffnung bald mal wieder eine Zirkusvorstellung besuchen zu können,

mit freundlichen Grüßen

Ihr Hans-Joachim Otto
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Frage zum Thema Kultur
17.02.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Otto,

mit großem Interesse habe am gestrigen Abend ihr Interview mit dem Blog Neuer Spieler gelesen ( neuerspieler.blogspot.com ). Ein Vergnügen, das man leider viel zu selten hat, da sich viele Politiker meist gegenüber Anfragen des noramlen Bürgers sperren.

Doch zu meiner eigentlichen Frage. In dem Interview sagten Sie "Wie schon gesagt, halte ich grundsätzlich nichts vom Verbot bestimmter Computerspiele. Computerspiele allein machen aus Jugendlichen keine Gewalttäter."

Dieses sehen einige Menschen ganz anders. Vor allem in den Berichten der öffentlich rechtlichen Sendeanstalten wurde über Killerspiele, Ego-Shooter und andere Spiele grob verfälscht und hetzerisch berichtet. Als Beispiele können Panorama, Front21 und Hart aber Fair genannt werden. Kritik an der Berichterstattung (z.b. hier www.stigma-videospiele.de ) wurde stets ablehnend behandelt oder mit Ignoranz gestraft.

Viele Computerspieler fühlen sich hierdurch verletzt und verleumdet.

Sie, Herr Otto, als Experte für Kultur und Medien, wie stehen sie zu derartigen Vorfällen und Verfehlungen in den öffentlich rechtlichen Medien?
Antwort von Hans-Joachim Otto
36Empfehlungen
25.02.2008
Hans-Joachim Otto
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Frage vom 18.02.08. In der Tat bin ich der Meinung, daß sich Teile der Öffentlichkeit und der Politik zu undifferenziert mit dem Thema "Computerspiele" auseinandersetzen.

Ich habe mich bereits mehrmals zu diesem Thema geäußert, sowohl auf abgeordnetenwatch.de als auch in der Presse und in meinem Weblog. Um mich hier nicht wiederholen zu müssen, verweise ich hinsichtlich meiner allgemeinen Positionen zum Thema "Computerspiele" auf meine Homepage www.hansjoachimotto.de sowie auf meine bisherigen Antworten.

Auf die Berichterstattung in den (öffentlich-rechtlichen) Medien habe ich keinen Einfluß, was an sich auch richtig ist. Natürlich ist gerade der öffentlich-rechtliche Rundfunk dazu verpflichtet, ausgewogen zu berichten und sorgfältig zu recherchieren. Daß dabei allerdings auch persönliche Meinungen und Neigungen einfließen, kann nicht unbedingt kritisiert werden. Das führt natürlich bisweilen auch dazu, daß die in der Berichterstattung transportierte Meinung mit meiner eigenen oder der Meinung von Zuschauern nicht übereinstimmt.

Ich halte das allerdings gar nicht für so problematisch. Die - zugegebenermaßen - sehr plakative Auseinandersetzung bei Frontal oder Panaroma hat eine sehr aktive Debatte darüber ausgelöst, gerade im Online-Bereich. Das zeigt auch die von Ihnen angesprochene Homepage. Das in diesem Zusammenhang häufig angesprochene Video, das ich bei Youtube mit sehr großem Interesse zur Kenntnis genommen habe, spricht viele Fehler in der Berichterstattung an und korrigiert sie auch teilweise. Das ist genau die Art von lebhafter medialer Auseinandersetzung, die ich begrüße und auch ein Wesen unserer Internet-geprägten Medienlandschaft.

Ich für meinen Teil werde weiterhin für eine differenzierte Auseinandersetzung mit Computerspielen werben. Die FDP-Bundestagsfraktion vertritt hier m.E. eine absolut tragfähige und vernunftorientierte Position. Sollten parlamentarische Initiativen vonnöten sein, werden wir auch dieses Mittel wie gewohnt anwenden. In der vergangenen Woche hat die Fraktion ihre Meinung zum Thema Computerspiele übrigens auch im Plenum des Deutschen Bundestages vertreten. Sie können das Protokoll auf den Internetseiten des Deutschen Bundestages (Plenarprotokoll 16/145) abrufen.

Darüber hinaus werde ich sowohl die Berichterstattung als auch die (multi-)mediale Auseinandersetzung mit diesem Thema weiter verfolgen. Dazu bin ich natürlich auch auf Hinweise und Vorschläge - wie Ihre Frage hier bei Abgeordnetenwatch - angewiesen.

Mit freundlichen Grüßen

Hans-Joachim Otto
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