Hans-Christian Ströbele (GRÜNE)

Angaben zur Person
Hans-Christian Ströbele
Jahrgang
1939
Berufliche Qualifikation
Rechtsanwalt
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg-Prenzlauer Berg Ost
Landeslistenplatz
keinen
weitere Profile
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
Öffentliche Äußerungen
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
30.09.2008
Von:
von

Geehrter Herr Ströbele,

auch ich gehöre zu den steuerzahlenden Bürgern, die dem Staat ein halbes Jahr lang die Steuern vor die Füße legen und dann erst an den eigenen Geldbeutel denken können. Zwangsweise. Alles wird automatisch ans Finanzamt abgeliefert. Ich weiß, daß ich Steuern zahlen muß - für sinnvolle Dinge, aber auch für Mumpitz. Das nehme ich hin. Zähneknirschend. Doch was jüngst in diesem Land passiert, überschreitet die Grenze des Erträglichen. Wenn ein Empfänger von Transferleistungen im Verdacht steht, einige Euro unberechtigt zu kassieren, kommen die Schnüffelbrigaden der Arbeitsagentur mächtig in Schwung. Wenn Banken nach riskanten Spielchen, unter "Aufsicht" vieler deutschen Politiker, die im Aufsichtsrat der betroffenen Banken sitzen, milliardenschwer abstürzen, sind ganz schnell, völlig unbürokratisch, Steuergelder in riesigen Mengen vorhanden.

Wir haben, angeblich (?!) kein Geld für die Bekämpfung der Armut, für eine bessere Bildung, oder eine bessere Infrastruktur. Für die Rettung von Spekulanten werden jedoch, ganz schnell und völling unbürokratisch, zig Milliarden Euro zur Verfügung gestellt.

Wann e n d l i c h fängt die erste Staatsanwaltschaft von Amts wegen zu ermitteln an, Herr Ströbele? Vielleicht in Richtung Veruntreuung von Steuergeldern oder Diebstahl von Volkseigentum oder - angesichts der Netzwerke - auch in Sachen organisierte Kriminalität?

Wo ist da Ihrer Ansicht nach der Gleichheitssatz?

MIt verstimmten und sehr enttäuschten Grüßen,

von
Antwort von Hans-Christian Ströbele
13Empfehlungen
06.10.2008
Hans-Christian Ströbele
Sehr geehrterter Herr von .

Sie haben völlig recht. Ihre Kritik ist auch meine. Ich habe sie bezüglich des Finanzskandals immer wieder geäußert.
Wenn es etwa darum geht, die ALG-II-Zahlungen wenigstens der Preissteigerungsrate anzupassen oder, wie von den Grünen verlangt, auf 420,- zu erhöhen, ist angeblich kein Geld da. Wenn es aber gilt selbstverschuldete Finanzierungslöcher bei Banken zu schließen, stehen über Nacht wie selbstverständlich ohne größere Probleme zweistellige Milliardenbeträge zur Verfügung. Es ist zum Heulen. Ob ein Staatsanwalt deswegen Ermittlungen einleiten kann, kann ich abschließend nicht beurteilen, weil ich die Einzelheiten der Geschäftsabläufe nicht kenne. "Diebstahl von Volkseigentum" ist kein geltender Straftatbestand. Und für die Veruntreuung sehe ich ich derzeit kein ausreichenden Anhaltspunkte, denn die Banken arbeiten ja nicht mit Steuermitteln, sondern lassen sich ihre Löcher in der Kasse von der Regierung mit Steuergeldern stopfen oder zumindest mit Bürgschaften aus Steuergeldern absichern.

Aber ich bin auch insoweit Ihrer Meinung, wenn keine geltenden Strafgesetze anwendbar sind, sollte jetzt überlegt werden, neue Strafsgesetze für die Strafbarkeit der Gefährung und gar Ruinierung der Volkswirtschaft zu schaffen.

Mit freundlichm Gruß
Ströbele
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
01.10.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Ströbele,
ich bin Hartz IV Empfägerin und eine ökologisch denkende Frau . Das bedeutet, um wenig Heizung zu verbrauchen, habe ich mich warm angezogen und mir eher eine Decke genommen, als die Heizung aufzudrehen. Nun bekomme ich nach der Heizungsabrechnung aufgrund meines niedrigen Verbrauches Geld zurück. Ich übergebe die Abrechnung dem JobCenter und mir wird sofort das Geld abgezogen. Ich frage Sie, wie kann die rot-grüne Regierung, die sich Umweltschutz auf die Fahne geschrieben hat, gleichzeitig eine Vorschrift erlassen, die Menschen, die sich an Ihre Vorgaben hält, bestraft. Ganz davon abgesehen, dass es nicht sehr motivierend ist, sich an Ihre Richtlinien zu halten.
U.
Antwort von Hans-Christian Ströbele
15Empfehlungen
02.10.2008
Hans-Christian Ströbele
Sehr geehrte Frau Permukas.

Ihren Ärger und Ihre Enttäuschung über den Abzug der von Ihnen unter Entbehrungen ersparten Heizkosten durch das JobCenter kann ich verstehen und nachvollziehen. Es ist in der Tat wenig sinnvoll und wenig zielführend, wenn so auf den Erfolg Ihrer Sparbemühungen reagiert wird. Das ist unökologisch und widerspricht den Zielen der Politik, Anreize für die Senkung des Energieverbrauchs zu schaffen.

Ich kann nur vermuten, daß diese Regelung eine Folge davon ist, daß Wohngeld an ALG-II-Empfängerinnen ja nur in Höhe der tatsächlichen Mietkosten gezahlt wird. Wenn Sie eine Wohnung mit niedrigerer Mietzahlung anmieten, erhalten Sie auch nicht die Mietzahlung für die alte Wohnung, die höher war.

Ich selbst bin nicht vertraut mit allen Einzelheiten der Regelungen für ALG-II-Empfänger, weil dieser Politikbereich nicht zu denen gehört, mit denen ich im Bundestag besonders befaßt bin. Ich werde deshalb bei dem Fachkollegen nachfragen, ob es eine Möglichkeit gibt, Ihnen die ersparten Heizkosten doch zu erhalten.

Mit freundlichm Gruß
Ströbele
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Frage zum Thema Finanzen
01.10.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Ströbele,
ich komme nochmals auf meine Frage vom 12.09.08 und Ihre Antwort vom 21.09.08 zurück. Herzlichen Dank für Ihre Antwort. Was Herr Steinbrück behauptet und was die Wahrheit ist, sei hier nicht in Frage gestellt. Die anschließende peinliche Fehlüberweisung wurde nach meinem Eindruck sehr viel mehr in den Vordergrund gestellt, wovon sollte da wohl wieder abgelenkt werden? Besteht in solch einem Fall nicht, wie bei jedem Überweisungsvorgang, die Möglichkeit, das Geld wieder zurückbuchen zu lassen?
Wann wird die Öffentlichkeit informiert, wieviele Milliarden € Steuern zur Rettung der IKB eingesetzt wurden und wieviele Millionen der Verkauf eingebracht hat, warum die IKB überhaupt verkauft wurde, warum die IKB nicht für einen höheren Betrag an russische Bieter verkauft wurde?
Aber sei es wie es sei. Inzwischen stand bereits die nächste Pleite an (HRE). Und wieder wird schlechtem Geld gutes Geld (Steruergelder natürlich) hinterhergeworfen! Man wundert sich doch sehr, wie schnell plötzlich Milliarden € zur Verfügung stehen, wo doch immer behauptet wird, dass, wenn es um Geld für die Erhöhung von ALG oder Rente, für Bildung, für KITAs etc. geht, kein Geld da ist und dies nicht finanzierbar sei....
Wieviele Mrd. € werden wohl demnächst noch locker gemacht, um die (as-) soziale Marktwirtschaft zu "retten"? Was wäre wohl, wenn man dies nicht tun würde? Ist das kapitalistische System vielleicht doch gescheitert? Ist es nicht so, dass das Geld nicht weg ist, es hat nur ein Anderer? Wer ist der "Andere", bzw. wer sind die "Anderen"?
Wäre es nicht ratsam, sein Geld den Banken anzuvertrauen, die mit den amerikanischen "Zockern" / mit dem amerikanisierten Finanzsystem keine Geschäfte machen? Wo findet man diese? In China? In Russland? In islamischen Staaten?
Das derzeitige System taugt scheinbar nicht.
Armut, Hunger, Kriege, Folter, Verfolgung, Überwachung, Korruption, Ausbeutung etc. wird dabei scheinbar eher gefördert als bekämpft.
MfG
Antwort von Hans-Christian Ströbele
19Empfehlungen
02.10.2008
Hans-Christian Ströbele
Sehr geehrter Herr .

Es stimmt, das kapitalistische Finanzsystem scheint zu implodieren. Sozial ist an dem Finanzjongliersystem mit Profiten von 30 bis 70 % schon lange nichts mehr.
Sie haben wohl auch recht damit, daß in Europa fast alle Banken mehr oder weniger stark involviert sind. Keine Bank wollte sich in den letzten Jahren dem Sog der Verlockungen des US-Hypothekenmarktes entziehen. Ein Bankvorstand galt als dumm und unfähig, wenn er seinem Bankinstitut nicht auch die Superprofite aus diesen Geschäften verschaffte.
Ich weiß nicht, ob Sie in China oder in Arabien noch Banken finden, die sich nicht beteiligt haben.

Auch ich habe schon darauf aufmerksam gemacht, daß eine unerträglicher Unterschied festzustellen ist, wenn es um die Beschaffung von Finanzmittel für soziale Zwecke geht oder um Finanzmittel, um schwarze Löcher der Banken zu stopfen.

Eine einfache Rückbuchung vom Konto einer US-Bank, die bereits in der Insolvenz ist, wird kaum durchsetzbar sein.
Zur Klärung der Einzelfragen der Überweisung durch die KfW und des Verkaufs der IKB verlangen Die Grünen die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses des Deutschen Bundestages. Wir fürchten, ohne einen solchen Ausschuß werden wichtige Fragen offenbleiben - auch die, die Sie gestellt haben.

Mit freundlichem Gruß
Ströbele
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Frage zum Thema Inneres und Justiz
06.10.2008
Von:

Die Weltwirtschaftskrise und bald einsetzende globale Depression wird zunehmend Aufstände und Proteste, später wohl auch Bürgerkrieg zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen und Ethnien hervorrufen aus meiner Sicht.

Wie erklären Sie sich in diesem Zusammenhang, also der zeitlichen Nähe der sich rasant zuspitzenden Finanzkrise nun die schnelle Einigung bezüglich der Bundeswehr im Innern zur Gefahrenabwehr?

Für wie naiv hält man die Bevölkerung, das man ihnen den Einsatz der Bundeswehr im Innern gegen den angeblichen Terrorismus vorhält?
Antwort von Hans-Christian Ströbele
9Empfehlungen
10.10.2008
Hans-Christian Ströbele
Sehr geehrter Herr .

Ihre Befürchtungen zu den Folgen der Weltfinanzkrise teile ich so nicht. Ich hoffe, zu Aufständen und Bürgerkriegen wird es nicht kommen.
Den von Ihnen vermuteten zeitlichen Zusammenhang der Vorlage des Gesetzentwurfes zur Änderung des Grundgesetzes, der den Einsatz der Bundeswehr im Inneren weitergehend ermöglichen, sehe ich ebenfalls nicht. Die Vorschläge lagen seit Langem vor. Sie sind doch noch ein Wenig abgespeckt worden. Ich bin auch nicht sicher, ob es zur Verabschiedung dieses Entwurfes mit den notwendigen Zweidrittelmehrheiten im Bundestag und im Bundestag reicht.
Möglicherweise spielte der Druck, in der angespannten Situation diesen Streitpunkt in der Koalition auszuräumen, eine Rolle.
Eine Einschränkung des Einsatzes der Bundeswehr nur im Falle von terroristischen Angriffen enthält der Vorschlag übrigens entgegen früheren Entwürfe nicht. Nicht nur aus diesem Grunde ist es dringend geboten, dieser Änderung des Grundgesetzes konsequent entgegenzutreten. Wir wollen dies tun.

Mit freundlichem Gruß
Ströbele
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Frage zum Thema Internationales
11.10.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Ströbele,

nicht nur ein britischer General sondern auch der UN-Sonderbeauftragte für Afghanistan hat die Möglichkeit eines Sieges über die Taliban ausgeschlossen.
Andererseits müßte man wissen, ob es Versuche der Taliban gibt, sich von Al-Kaida zu distanzieren.
Nach meinem Eindruck ist als Folge der Finanzkrise zukünftig der Krieg nur noch durch eine unerträgliche finanzielle Belastung der Bevölkerung finanzierbar. Von ernsthaften(!) Friedensbemühungen der von den Amerikanern abhängigen afghanischen Regierung kann nicht ausgegangen werden. Die Nato bemüht sich nicht um ein Ende des Krieges.

Frage:

Müssen vor diesem Hintergrund interessierte Abgeordnete aus dem Bundestag und dem Europaparlament in Gesprächen mit Vertretern der Taliban erkunden, ob es Möglichkeiten für einen Waffenstillstand und Friedensverhandlungen gibt?

Auf Berichte in Spiegel online vom 5.10.08, Deutsche Welle vom 7.10.08 und sueddeutsche.de vom 8.10.08(Überschrift: Mit den Taliban am Tisch) wird hingewiesen.

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Hans-Christian Ströbele
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18.10.2008
Hans-Christian Ströbele
Sehr geehrter Herr Reh.

Sehr geehrte Frau Gierig.

Am 16. Oktober habe ich im Deutschen Bundestag zum Antrag der Bundesregierung über die Verlängerung und den Ausbau des Mandats für Bundeswehrsoldaten in Afghanistan - wie auch schon in den letzten Jahren - mit NEIN stimmen.

Meine Auffassung zu der Fortsetzung des Bundeswehreinsatzes habe ich für die grüne Zeitung Stachel aufgeschrieben und in einer Erklärung zu Protokoll der Bundestagsdebatte kurz dargelegt.

Ich füge den Text des Artikels im Stachel nachfolgend zu Ihrer Information ein. Ich beziehe mich darin gerade auch auf das von Ihnen angeführte Zitat des britischen Generals.

Gegen den Krieg

Für eine Beendigung des Krieges in verantwortbarer Weise

Die Kriegslage in Afghanistan wird von Jahr zu Jahr schlechter. Die Zahl der Opfer steigt dramatisch. Im Jahr 2008 sind schon wieder über 3000 Menschen getötet worden, dabei mehr als 1000 Zivilisten, darunter viele Frauen und Kinder. Tausende wurden verwundet und verstümmelt. Fast die Hälfte der zivilen Opfer fallen der US-Luftkriegsführung zum Opfer. ACBAR, eine Dachorganisation von 100 Hilfsorganisationen gibt an, dass der Sommer 2008 der bisher verlustreichste war seit 2001.Die Zerstörungen von Gebäuden und Versorgungseinrichtungen übersteigen häufig den Wiederaufbau.

Der Krieg wurde vor sieben Jahren begonnen, um die Verantwortlichen für die Anschläge vom 11.9. in den USA der Gerechtigkeit zuzuführen, so die UN-Resolution vom Herbst 2001. Sie rechtfertigt nicht einen Krieg gegen die Taliban für einen Regimewechsel oder zur Aufstands- und Widerstandsbekämpfung in Afghanistan. Seit Jahren zielt jedoch die militärische Gewalt der ausländischen Truppen auf die Vernichtung der Taliban und des Widerstandes im Land. Die Ergebnisse dieser Strategie sind verheerend. Die Sicherheitslage hat sich seit 2004 nochmals deutlich verschlechtert, obwohl immer mehr Soldaten in diesen Krieg geschickt werden. Auch immer mehr Bundeswehrsoldaten. Seit Beginn des Krieges hat sich die Zahl der eingesetzten Nato-Soldaten mehr als verdoppelt, bis heute auf ca. 63 000. Davon stellt die Bundeswehr bislang 3 500. Ab diesem Herbst sollen zusätzlich weitere 1 000 deutsche Soldaten zum Einsatz kommen.

Jedes Jahr stellen wir erneut das Scheitern der Militärstrategie in Afghanistan fest. Angriffe, bei denen Zivilisten umkommen, gehören auf beiden Seiten zum schrecklichen Alltag dieses Krieges. Selbstmordattentate und Autobomben, Raketen und Bombenangriffe aus heiterem Himmel häufen sich.

Zuweilen genügt eine Denunziation, um eine Hochzeitsgesellschaft durch US-Raketen auszulöschen. Im Juli 2008 wurden 46 Menschen bei einem US-Luftangriff getötet, darunter 26 Frauen und Kinder, im August 2008 waren es 90 Zivilisten in der Provinz Herat, darunter 60 Frauen und 15 Kinder. Sicherheit und Menschenrechte sind immer weniger garantiert. Weite Teile, nicht nur im Süden, sind unsichere Zonen. In weiten Teilen des Landes gibt es keine funktionierende Regierung. In Parlament und Zentral-Regierung sitzen Warlords und andere, denen schwerste Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Last gelegt werden. Mohnanbau und Mohnhandel blühen. Zwar ist die Zahl der Provinzen, in denen Opium produziert wird, zurückgegangen, aber die Gesamtmenge ist geblieben, 96 % der Weltproduktion.

Ein Ende der Eskalation des Krieges ist nicht in Sicht, ganz im

Gegenteil. Militärexperten gehen davon aus, dass die Truppenstärke auf mindestens 200 000 Nato-Soldaten ausgebaut werden muss und der Krieg noch länger als zehn Jahre dauert. Der amerikanische ISAF-General McNeill sprach von 400 000 Soldaten, die zur Befriedung nötig seien. Gerade auch als Folge der Eskalation und Kriegführung werden, die bekämpft werden sollen, immer stärker. Die Gewaltspirale des Krieges ist die Hauptursache dafür, dass der Haß gegen die ausländischen Truppen wächst und sich immer mehr am Krieg gegen diese beteiligen. Politische und humanitäre Ziele werden unerreichbar. Und Militärs wie der britische Befehlshaber Carleton-Smith bekennen öffentlich " Wie werden den Krieg nicht gewinnen". Der britische Botschafter Cowper-Coles fügt hinzu, die ausländischen Truppen in Afghanistan sind "Teil des Problems, nicht der L&o uml;sung."

Es ist unverantwortlich, einfach so weiterzumachen. Immer weiter Forderungen nach einem Strategiewechsel zu stellen, ohne Konsequenzen zu ziehen, wenn er wieder ausgeblieben ist, ist politisch falsch. Der grüne Parteitag in Göttingen 2007 hat dies als Beschluss formuliert. Richtig und notwendig ist, die erneute Fortsetzung des Einsatzes deutscher Soldaten in Afghanistan wie bisher und gar dessen Ausbau abzulehnen. Nur so wird deutlich, dass wir ein "Weiter so" nicht wollen und nicht mitmachen.

Es ist an der Zeit, neue Wege zu versuchen, um aus dem Dilemma in Afghanistan rauszukommen und zwar jetzt und nicht erst nach Jahren weiterer Kriegseskalation.

Dafür müssen die offensiven Militäroperationen mit Raketenangriffen und Luftschlägen, die die vielen zivilen Opfern zur Folge haben, eingestellt werden. US- und Nato-Truppen sollen abziehen, aber in verantwortbarer Weise. Im Rahmen eines Planes muß mit dem Abzug angefangen werden. Begonnene Gespräche mit dem Ziel eines Waffenstillstand in einzelnen Regionen und im ganzen Land sind mit allen an den Kampfhandlungen Beteiligten in Afghanistan, die dazu bereit sind, und mit den Nachbarstaaten, einschließlich Pakistan und Iran, intensiv fortzuführen.

Den Schutz der Zivilbevölkerung müssen afghanische Sicherheitskräfte übernehmen. Hilfskräfte mit UN-Mandat aus neutralen Drittstaaten, die Kultur und Religion in Afghanistan verstehen und näher stehen, sind eher geeignet, sie dabei zu unterstützen als die Nato.

Die bisherige Strategie ist gescheitert, sie schadet und verschärft den Krieg. Damit muß Schluß gemacht werden. Es gilt nun, verantwortbare Alternativen zu entwickeln.

Für eine Darlegung meiner Auffassung im Bundestag hatte ich wieder mal keine Redezeit bekommen. Ihre Idee, daß auch deutsche Abgeordnete die Möglichkeiten eines Waffenstillstandes erkunden sollten, muß geprüft werden. Ich weiß nicht, ob die dafür erforderlichen Kontakte in Afghanistan hergestellt werden können.

Mit freundlichem Gruß
Ströbele
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