Hans-Christian Ströbele (GRÜNE)
Abgeordneter Bundestag 2005-2009
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Grunddaten
Hans-Christian Ströbele
Jahrgang
1939
Berufliche Qualifikation
Rechtsanwalt
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg-Prenzlauer Berg Ost
Landeslistenplatz
keinen, Berlin
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(...) Das Problem, daß es bei Demonstrationen zu gewaltsamen Ausschreitungen kommen kann, kenne ich, seit ich mich an Demonstrationen beteilige, also inzwischen seit 42 Jahren. (...) Wenn die Polizei nicht nur nervös geworden, sondern eingeschritten wäre, hätte es zu einer schlimmen Eskalation kommen können und zwar völlig unnötiger Weise, wie wir nachträglich wissen. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
07.07.2008
Von:

Anlässlich der Talk Show Anne Will heute zum Thema Demokratieverdossenheit der Büger gab es auf Anne Wills BLOG eine hitzige Diskussion, in der unter anderem auch aussufernder Lobbiismus als Quelle von Politikverdruss und Demokratieverdruss genannt wurden.

Ich weiss, dass Sie befürworten, dass Nebeneinkünfte von Politikern veröffentlicht werden sollen. Aber natürlich stellt man sich die Frage, ob das reicht, und ob die Wirtschaft/Industrie nicht durch ihren Lobiismus (der ja nicht nur durch bezahlte Nebetätigkeiten wirkt) so weit auf die Politik einwirken, dass viele Bürger daran zweifeln, dass die Volksvertreter auch im Namen des Volkes handeln und abstimmen.

Daher meine Frage: hat Sie das in der Vergangenheit und heute auch zum Nachdenken gebracht, wie man dieser Problematik begegnen kann? Haben Sie Ideen, Vorschläge, Initiativen was man tun könnte?
(PS: mir ist noch nix wirklich Gutes eingefallen, da sich Lobbiismus nur sehr schwer sachlich erfassen lässt, und erst recht kaum bestimmbar ist, ob und wie er sich konkret auswirkt).

Ich bin hier neugierig zu hören, was jemand, der ja sozusagen mittendrin ist (im Bundestag, mit meiner Stimme mitgewählt), eigentlich davon mitbekommt... also was ist Ihr persönlicher Eindruck, wie stark ist der Einfluss von Wirtschaft und Industrie auf die Gesetzesvorschläge (wo ja ab und an auch berichtet wird, dass bestimmte Lobby-Gruppen sogar Gesetzesvorschläge mit erarbeitet haben) und auf das Abstimmungsverhalten der Abgeordneten?
Antwort von Hans-Christian Ströbele
7Empfehlungen
08.07.2008
Hans-Christian Ströbele
Sehr geehrter Herr .

Der Einfluß der Lobbyisten auf Gesetzgebungsverfahren und Abgeordnete ist groß - mal mehr, mal weniger.
Allerdings sind die Gründe nicht nur die Beeinflußbarkeit von Mitarbeitern in den Ministerien oder von Abgeordneten, sondern manchmal auch reale Probleme.
So stößt die Forderung, große teuere Autos mit hohem Bezinverbrauch nicht länger faktisch dadurch aus Steuermitteln zu subventionieren, daß die Kosten für deren Kauf und Unterhalt grenzenlos steuerlich abzugfähig sind, auf das Argument, daß bei einer Änderung der Abzugfähigkeit viel weniger dieser Autos verkauft und damit Arbeitsplätze verloren werden. Dieses Argument macht auf viele Abgeordneten Eindruck, besonders auf die, die aus Wahlkreisen kommen, wo die Autofabriken sind.
Da treten dann schnell politische, ökologische und Gründe der Gerechtigkeit in den Hintergrund, das Richtige und Vernünftige gerät dann zuweilen rasch aus dem Blickfeld.
Deshalb setze ich mich dafür ein, daß alle Lobbyaktivitäten, vor allem Spenden und Geschenke an Parteien und Abgeordnete, vollständig offen und transparent sein müssen, daß die Bürgerinnen und Bürger auch auf Bundesebene die Möglichkeit erhalten müssen, durch Volksbegehren und Volksentscheide ganz demokratisch korrigierend in die große Politik einzugreifen und daß die Abgeordneten schon jeden Anhaltspunkt für eine Abhängigkeit von Firmen und Lobbyisten offen erkennbar machen müssen. Es darf nicht sein, daß Abgeordnete noch auf den Gehaltslisten von Firmen und Verbänden stehen, wenn sie über Gesetze entscheiden, die auch die wirtschaftlichen Interessen von diesen berühren, wie dies in der Vergangenheit der Fall war und toleriert wurde.
Die grüne Bundestagsfraktion wird ein Gesetz zur erweiterten Strafbarkeit von Abgeordnetenbestechung im Bundestag auf die Tagesordnung setzen, wie es Transparency International seit Lagem fordert.

Letztlich bleibt der Schlüssel zur Verriegelung der Tür gegen den falschen Einfluß von Lobyisten bei der Bevölkerung. Sie muß durch richtige Ausübung ihres Wahlrechts dafür sorgen, daß Parteien und Abgeordnete in Machtpositionen kommen, die die Gewähr dafür bieten, daß sie unabhängig von Lobbyisten ihr Mandat wahrnehmen.

Mit freundlichem Gruß
Ströbele
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Frage zum Thema Wirtschaft
07.07.2008
Von:

Hallo Herr Ströbele,

Sie schrieben Hr. Birrenkoven als Antwort: "[...]und vor allem die drastische Senkung des Energieverbrauchs verbunden mit einem kurzfristigen Ersatz des heutigen Ernergieträgers Öl durch andere. Das aber klappt nur durch weitere starke Förderung von Forschung und Produktion anderer Energieträgern.
[...]"
Warum wird dann nach wie vor an der Ölpreisbindung beim Erdgas festgehalten, bzw. von der Politik nichts dagegen unternommen?
Ich sehe ein, dass fossile Brennstoffe auf Dauer keine Lösung sind, und somit auch ein Umstieg auf Erdgas als Ersatz für Erdöl. Aber es widerstrebt mir, für ein Gut einen Preis zu zahlen, der sich nicht an Angebot / Nachfrage oder den Produktionekosten orientiert, sondern durch Absprachen von Produzenten und Importeuren bestimmt und hochgehalten wird.
Bereits 2004 / 2005 hat plusminus aufgedeckt, dass es eigentlich gar keine richtige Ölpreisbindung gibt, sondern der Gaspreis zu Lasten der privaten Haushalte hochgehalten wird.
Den dadurch erzielten Gewinn schaufeln sich einige wenige (im Grunde zwei) große deutsche Energieversorger in die Tasche.
Das Bundeskartellamt und Verbraucherschutzorganisationen kritisieren die Ölpreisbindung als überholt, zumal sie für eine Reihe anderer Staaten nicht gegeben ist.
Warum werden also deutsche Verbraucher hier nach wie vor geschröpft?

Mit freundlichem Gruß
Antwort von Hans-Christian Ströbele
14Empfehlungen
11.07.2008
Hans-Christian Ströbele
Sehr geehrter Herr .

In der Tat macht die Bindung des Gaspreises an den des Öls keinen Sinn. Da kann ich Ihnen nur zustimmen. Der Sinn ist wohl, den großen Profit der Gaslieferanten zu sichern.
Das ist wie bei den anderen Energieanbieter. Die Profite sind extrem hoch und nicht durch die Produktionskosten zu rechtfertigen. Ein Wettbewerb findet weder beim Öl noch beim Gas und überwiegend auch bei der Elektrizität nicht statt.
Der immer modernere Kapitalismus funktioniert offensichtlich immer mehr nur noch zur Profitsteigerung der Quasi-Monopole. Der berühmte Wettbewerb zugunsten der Verbraucherinnen und Verbraucher zeigt immer weniger Wirkung.
Die Versuche der nationalen Politik, daran etwas zu ändern, wirken meist nur noch kläglich. Auch das Bundeskartellamt kann nachhaltig offensichtlich nichts machen.
Ich bin zu wenig Fachmann, um Antworten anbieten zu können, wie innerhalb des herrschenden Wirtschaftssystems wirksamere Kontrollen und Änderungen durchgesetzt werden könnten. Vielleicht setzt sich ja die Meinung durch, daß dieses System so doch nicht das Ideale ist. Solange wird noch gebastelt und werden Vorschläge gemacht, wie die schlimmsten Auswüchse zu verhindern oder wenigstens weniger auffallend zu gestalten sind.

Mit freundlichem Gruß
Ströbele
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
08.07.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Ströbele,

"In allen öffentlichen Grund-, Mittel-, höheren und Hochschulen ist der Unterricht unentgeltlich"

heißt es in Artikel 59 der hessischen Verfassung.

SPD, Grüne und Linke haben aus diesem Grund gegen die Einführung von
Studiengebühren in Hessen geklagt und verloren.

Verfassungsrichterin Karin Wolski erklärte in der Urteilsbegründung,
Artikel 59 beinhalte keine Garantie eines gebührenfreien Studiums.

Nun frage ich Sie, was ist Deutschland als RECHTSSTAAT noch wert, wenn eindeutig formulierte Gesetze durch Verfassungsorgane in ihr Gegenteil verkehrt werden können?????

Und wenn dieses Urteil rechtmäßig sein sollte, wie hätten dann die Urheber der Verfassung, den entsprechenden Paragraphen formulieren müssen, damit er EINDEUTIG ist???

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Hans-Christian Ströbele
2Empfehlungen
11.07.2008
Hans-Christian Ströbele
Sehr geehrter Herr .

Die Begründung der Entscheidung des hessischen Verfassungsgerichts kenne ich nicht. Ohne Kenntnis des vollständigen Textes kann ich zu der Argumentation keine abschließende Stellung nehmen.
Allerdings teile ich Ihre Auffassung, daß der von Ihnen zitierte Text der hessischen Verfassung eindeutig ist. Er kann nur so verstanden werden, daß auch für den Unterricht in den Hochschulen kein Entgelt zu bezahlen sein darf.

Mit freundlichem Gruß
Ströbele
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Frage zum Thema Verkehr und Infrastruktur
09.07.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Ströbele,

entsetzt laß ich, dass die Petitionen betreffs "Cannabis und Straßenverkehr" durch den Petitionsausschuss (meiner Meinung nach grundlos) abgelehnt wurde.
Wie kann so etwas sein, dass die Regierung wissenschaftliche Daten verleugnet und eine MPU als eine Art "Ersatzstrafe" verwendet.

Sind denn in absehbarer Zeit Planungen zur Änderung des Führerscheinrechts, Einführung eines Grenzwertes für THC oder ähnliches in Sicht?

Wie wird es Ihrer Meinung nach nach der europaweiten Vereinheitlichung des EU Führerscheinrechts im Jahre 2012 aussehen? Europaweite MPU? Abschaffung der MPU in Deutschland?


Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Hans-Christian Ströbele
2Empfehlungen
11.07.2008
Hans-Christian Ströbele
Sehr geehrter Herr .

Die Ablehnungsentscheidung des Petitionsausschusses kenne ich bisher nicht.
Ich werde sie mir nach der Sommerpause des Parlaments beschaffen.
Leider ist mit einer Änderung des Führerscheinrechts und der Einführung eines Grenzwertes für THC wohl nicht zu rechnen. Schon gar nicht vor der nächsten Bundestagswahl. Jedenfalls ist mir davon nichts bekannt.
Auch habe ich keine Ahnung, wie die europaweite Vereinheitlichung des EU Führerscheinrechts aussehen könnte. Ich fürchte, eine Liberalisierung ist nicht zu erwarten.

Mit freundlichem Gruß
Ströbele
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Frage zum Thema Sicherheit
09.07.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Ströbele,

sie gelten als ausgesprochener Gegner jeglicher Einschränkung von Bürgerrechten zugunsten der Sicherheitsrechte der Bürger.
Was sind ihre zentralen Bedenken gegen die Onlinedurchsuchung oder etwa einen Nationalen Sicherheitsrat ala USA?Sehen sie Deutschland wegen dieser Vorschläge ernsthaft in der Gefahr eine Diktatur zu werden oder glauben sie , daß die Motivation einen NSR zu etablieren, die Führung eines großen (z.B. Nahostkrieges) Krieges und nicht nur solch begrenzter jetziger Mandatseinsätze der Bundeswehr ist?

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Hans-Christian Ströbele
46Empfehlungen
11.07.2008
Hans-Christian Ströbele
Sehr geehrter Herr Oster.

Es muß nicht gleich die Gefahr einer veritablen Diktatur oder eines großen Krieges sein. Die fortschreitende Überwachung der Bevölkerung bis in den ganz persönlichen Bereich hinein auch ohne konkreten Tat- und Gefährdungsverdacht durch den deutschen Staat von heute ist schon alarmierend genug. Das ist nicht gut für eine selbstbestimmte Entwicklung der Bürgerinnen und Bürger und verstößt gegen das Grundgesetz und das Menschenbild, das dieser Verfassung zugrundeliegt.
Und ausschließen kann niemand eine Entwicklung in Deutschland zu einem autoritären Staat und zur Bereitschaft auch an großen Kriegen teilzunehmen. Dann könnten die einmal geschaffenen Überwachungsmöglichkeiten und Sicherheitsapparate a la FBI in den USA noch verheerendere Wirkung entfalten und einen Widerstand erheblich erschweren.

Mit freundlichem Gruß
Ströbele
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