Hans-Christian Friedrichs (GRÜNE)
Kandidat Bundestagswahl 2009
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Hans-Christian Friedrichs
Jahrgang
1964
Berufliche Qualifikation
Hochschulreife
Ausgeübte Tätigkeit
Geschäftsführer bei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Kreisverband Lüneburg, IT-Berater, selbstständig
Wohnort
Reppenstedt
Wahlkreis
Harburg
Ergebnis
9,4%
Landeslistenplatz
-, Niedersachsen
(...) Der Staat bräuchte – wenn er es denn einsähe – viel Geld für den ökologischen Umbau der Wirtschaft, für Bildung, Gesundheit und Soziales. Unter dieser Prämisse der Erkenntnis der Notwendigkeit der Umsetzung zukunftsfähiger und unausweichlicher Ziele, kann ich mich einer befristeten Vermögensabgabe anschließen. Haarsträubend ist jedoch die Erkenntnis, dass "der Staat" in der jungen Vergangenheit versäumt hat, bei der Ausgabe großer Summen bei der Bankenrettung, der "Abwrackprämie" oder der "Rettung" von Opel gleich zukunftsweisende Auflagen zu erteilen. (...)
 
Kandidaten-Check
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Hans-Christian Friedrichs hat sich am Kandidaten-Check beteiligt und zu allen von 32 Thesen Position bezogen.
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Frage zum Thema Bildung und Kultur
19.09.2009
Von:

Hallo Herr Friedrichs,

was wollen die Grünen dagegen machen, dass immer mehr Studierende, z. B. Ärzte, nach der Feritgstellung ihrers Studiums ins Ausland gehen. Bei den meisten wurde das Studium von den Steuerzahlern bezahlt. Sollte es also nicht so sein, dass, wenn sie das Studium hier in Deutschland bezahlt bekommen, dann auch erstmal hier bleiben sollten??

Als Zweites würde ich gerne mal wissen, was Sie gegen den Lehrermangel tun wollen?
Antwort von Hans-Christian Friedrichs
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21.09.2009
Hans-Christian Friedrichs
Sehr geehrter Herr ,

das Problem beginnt schon viel früher. Gerade im Fach Medizin finden Studierende oftmals im Ausland wesentlich bessere und praxisnähere Studienbedingungen vor, als in Deutschland. So hat beispielsweise die "Elite-Uni" Heidelberg enorm an Renommee gegenüber Budapest eingebüßt. Wenn ich an den niedersächsischen Abiturjahrgang 2011 denke, wird die Situation noch kritischer, weil dann die SchülerInnen des alten G9 und des neuen G8 gleichzeitig auf den Studienmarkt drängen. Viele von ihnen werden gezwungen sein, im Ausland zu studieren, was für sie sogar von Vorteil sein kann. Da sich aber viele Studierende, die im Ausland studiert haben später entscheiden auch dort ihren Beruf auszuüben, ist das volkswirtschaftlich natürlich problematisch.
Insgesamt müssen wir versuchen, hier attraktive Studiengänge ohne Studiengebühren anzubieten, um die Studierenden auch nach ihrem Studium idealerweise hier zu halten. Zwangsweise Regelungen verkehren sich aber oft ins Gegenteil. Wer gezwungen würde, nach dem Studium nur in Deutschland zu arbeiten, würde sich womöglich gleich im Ausland niederlassen. Insgesamt möchte ich das Thema aber nicht überbewerten. Wir haben mit den Universitäten einen europäischen und sogar weltweiten Verbund des Austauschs von Studierenden und Informationen. Im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit ist diese Entwicklung nur positiv zu bewerten.

Der Lehrerberuf muss deutlich attraktiver werden. Das beinhaltet die Lehrerausbildung an sich, die schon lange an Qualität verloren hat, genauso wie das Image des Lehrerberufs. Die Landesregierungen müssen endlich das Ziel erklären und auch umsetzen wollen, kleinere Schulklassen zu schaffen. Das würde den Bedarf an Lehrern deutlich erhöhen und diesen bessere Zukunftsperspektiven bieten. Der aktuelle Lehrermangel in vielen Bundesländern ist ja hausgemacht. Die Planstellen müssen erhöht werden und mit der defizitären Unterrichtsversorgung muss endlich ehrlich und offen umgegangen werden.

Mit freundlichen Grüßen
Hans-Christian Friedrichs
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Frage zum Thema Verkehr und Infrastruktur
22.09.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Friedrichs,

ich lebe seit 60 Jahren in Lüneburg und bin seitdem regelmäßiger Bahnkunde. Bis in die 70er Jahre hinein gab es rund um unsere Stadt eine engmaschige Schienen-Infrastruktur und man konnte alle wirtschaftlich und touristisch wichtigen Orte mit der Bahn erreichen. Trotz anhaltender Bekenntnisse zum Klima- und Umweltschutz betreiben CDU, SPD und FDP seit Jahrzehnten eine Politik der Stillegung von Bahnstrecken und investieren gleichzeitig Milliarden von Euro in den Bau von Autobahnen und Fernstraßen. Müssen wir nicht gerade im Angesicht der drohenden Klimakatastrophe den Schienenverkehr fördern und den motorisierten Verkehr auf das erforderliche Mindestmaß reduzieren? Was wollen Sie tun, um den Erhalt der bestehenden Bahnlinien in Ihrem Wahlkreis zu sichern? Wäre es auch möglich, bereits stillgelegte Bahnlinien im Personen- und Güterverkehr zu reaktivieren, wie das kürzlich bei der Hunsrück-Querbahn in Rheinland-Pfalz und bei der Ilztalbahn Passau-Freyung geschehen ist?

Mit freundlichem Gruß
Antwort von Hans-Christian Friedrichs
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23.09.2009
Hans-Christian Friedrichs
Lieber Herr ,

zunächst muss ich Ihnen voll und ganz Recht geben. Wir brauchen die Mobilitätswende, hin zu einem umweltverträglichen, attraktiven und bezahlbaren, möglichst schienebasierten Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und weg vom Ausbau des motorisierten Individualverkehrs (MIV). Das sind wir uns mit den selbst gesteckten Klimaschutzzielen und unserer moralischen Verpflichtung zum Erhalt unserer Umwelt, insbesondere der Natur, schuldig. Wir Grüne sind übrigens die einzige Partei, die die Natur als Wert an sich begreift und nicht nur indirekt über den Nutzen am Menschen. Daher muss uns der Stopp von Flächenfraß und Zerschneidung durch Verkehrsgroßprojekte wie A22, A39 und Y-Trasse ein wichtiges Anliegen sein.

Ich würde mich auch im Bundestag im Rahmen meiner Möglichkeiten zusammen mit meiner Fraktion für den Erhalt und die Reaktivierung bestehender Bahntrassen einsetzen. Auch im grünen Wahlprogramm zur Landtagswahl 2008 konnte ich genau diese Akzente setzen. Ich würde mich beispielsweise über Gesetzesinitiativen und andere uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten dafür einsetzen, dass der Bundesverkehrswegeplan 2010 reformiert wird und die oben genannten Projekte dann nicht mehr enthalten sind. Andere müssten hinzukommen, beispielsweise die Reaktivierung der Buchholz-Wittenbergener Bahn, also von Buchholz über Lüneburg, Dannenberg und Dömitz nach Wittenberge, um nur ein Beispiel zu nennen. Das 300 km lange Netz der OHE, das einmal für nur 20 Mio. Euro privatisiert bzw. verscherbelt wurde, müsste zurück in staatliche Hand und für den gemischten Personen- und Güterverkehr saniert werden. Dazu kann der Bund Impulse liefern, handeln und kooperieren muss aber die Landesregierung. Insgesamt gibt es eine große Zahl von verkehrspolitischen "Baustellen", die ich aber in der Kürze der Zeit hier nicht alle behandeln kann.

Ich hoffe, Ihnen einen Eindruck im meine Ambitionen und Vorstellungen gegeben zu haben.

Mit freundlichen Grüßen
Hans-Christian Friedrichs
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Frage zum Thema Verkehr und Infrastruktur
22.09.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Friedrichs,

die Bahnstrecke Hamburg-Berlin ist überlastet und der langsame Schienen-Güterverkehr gerät oft in Konflikt mit dem ICE-Schnellverkehr, vor allem zwischen Hamburg und Hagenow-Land (dieser Abschnitt ist gebündelt mit der Strecke Hamburg-Schwerin/Rostock). Bedingt durch den erhöhten Umschlag im Hamburger Hafen steigt auch der Schienengüterverkehr von Hamburg in Richtung Berlin weiter an. Halten Sie es für eine realistische Lösung, den Güterverkehr auf der Schiene von Hamburg nach Berlin anstatt auf der überlasteten Hauptstrecke über Büchen und Hagenow-Land stattdessen über Lüneburg, Dannenberg und Dömitz nach Wittenberge (Anschluss nach Berlin) fließen zu lassen? Dafür müsste man den Abschnitt Dannenberg-Wittenberge wieder reaktivieren, was aber vermutlich nicht teurer wäre als ein Streckenausbau Hamburg-Büchen-Wittenberge.

Erfreulicher Nebeneffekt einer Schienengüterverkehrs-Ertüchtigung HH-Lüneburg-Dannenberg-Dömitz-Wittenberge wären neue Möglichkeiten im SPNV (Schienenpersonennahverkehr), das Wendland würde seine Randlage im Schienenverkehr endlich verlieren. Außerdem würde man (bei einer Reaktivierung Buchholz-Lüneburg) eine durchgehende Schienenverbindung vom Seehafen Bremerhaven sowie von Wilhelmshaven (=gepl. Tiefwasserhafen) über Buchholz, Lüneburg, Dannenberg, Dömitz und Wittenberge nach Berlin unter Meidung der Nadelöhrs Hamburg schaffen! Würden Sie sich für eine solche oder ähnliche Lösung einsetzen, die im Angesicht des Klimawandels für mich dringend geboten erscheint (Reaktivierung statt Neubau, Schiene statt Straße)?

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Hans-Christian Friedrichs
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23.09.2009
Hans-Christian Friedrichs
Sehr geehrte Frau ,

vielen Dank für Ihre Frage zur Verkehrspolitik.

Sie haben die Lösung des Problems schon selbst genannt: Reaktivierung der – nennen wir sie mal bei ihrem historischen Namen – Buchholzer Bahn, also der Verbindung von Buchholz über Lüneburg, Dannenberg und Dömitz nach Wittenberge. Die genannte Strecke ist bis auf wenige Ausnahmen unverbaut und ein Wiederaufbau ist möglich. Lediglich vor den Toren Lüneburgs müsste der Radweg wieder zu einem Schienenweg werden, der Castor-Verladekran in Dannenberg-Ost müsste verschwinden und bei Dömitz müsste die Elbbrücke neu gebaut werden.

Warum das alles? Wenn Sie mit Logistikern reden, werden Sie zum Transportvolumen auf einer Nordwest-Südost-Relation nur eines hören: extrem steigend. Das betrifft sowohl den Verkehr, der heute schon über die Bahn abgewickelt wird, der entweder über die Hauptstrecke von Hamburg über Büchen und Ludwigslust oder über Lüneburg, Uelzen und Stendal läuft, als auch den Güterfernverkehr über die A24 oder die Mautausweichstrecken B5, B216 und B4/B71. Gerade in dieser Region werden wir eine zukunftsfähige Entlastung auf der Schiene brauchen, die neben dem Güter- auch dem Personenverkehr zugute kommt.

Wie realistisch das ist, orientiert sich oftmals an den Kosten. Ein Beispiel: Die neue Eisenbahnbrücke über die Oder bei Frankfurt hat rund 25 Mio. Euro gekostet. Eine Brücke über die Elbe bei Dömitz wäre gut doppelt so lang, rechnen wir also mit 50 Mio. Euro. Zum Vergleich: Der Umbau des Autobahndreiecks Braunschweig-Süd kostet mal eben völlig diskussionslos 72 Mio. Euro, und das nur, damit man auf der zukünftigen Transitautobahn A39 von und nach Wolfsburg nicht mehr "abfahren" muss, sondern auf den beiden Hauptfahrstreifen geradeaus weiterfahren kann.

Setzen Sie diese Kosten mal ins Verhältnis, so muss es sich lohnen für dieses Infrastrukturprojekt zu kämpfen, bei dem auf alter Trasse ganz neue Verkehrswege entstünden. Hier kommt es auf die richtige und zukunftsweisende Prioritätensetzung an! Ich werde mich gerne für diesen Verkehrsweg einsetzen.

Mit freundlichem Gruß
Hans-Christian Friedrichs
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Frage zum Thema Verkehr und Infrastruktur
24.09.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Friedrichs,

in Deutschland ist aktuell eines von nur wenigen Ländern auf dem Globus, in dem es keine generelle Geschwindigkeitshöchstgrenze auf Autobahnen gibt. Auch innerorts ist Tempo 50 teilweise an Stellen die insbesondere für Kinder gefährlich sind.
Meine Frage nun an Sie, was Sie von einem neuen Verkehrsleitbild hielten, welches die Geschwindigkeiten auf Deutschland Straßen stärker senkt und somit zum mehr Verkehrssicherheit und Klimaschutz durch weniger Abgase beitragen würde? Was würden Sie, bzw. Ihre Fraktion hierzu im Bundestag unternehmen?

Ich danke Ihnen vielmals für die Beantwortung meiner Frage!
Herzliche Grüße,
Antwort von Hans-Christian Friedrichs
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25.09.2009
Hans-Christian Friedrichs
Sehr geehrter Herr ,

zum Thema Tempolimit muss ich Ihnen gleich eine klare und vielleicht radikale Antwort zu meinen Vorstellungen geben:

  • Innerorts Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit mit Ausnahmen auf bestimmten Hauptverkehrsstraßen,
  • 80 km/h außerorts und
  • 100 km/h auf Autobahnen.

Das Ziel der EU, die Zahl der Verkehrstoten bis 2010 um die Hälfte zu verringern, wird verfehlt werden. Wir brauchen ein neues Verkehrsleitbild, das null Verkehrstote ("Vision Zero") als Ziel definiert und die Verkehrssicherheitsarbeit auch und gerade mit den Verbänden an diesem Ziel ausrichtet. Wir brauchen kurzfristig ein neues Geschwindigkeitssystem von 100 km/h auf Autobahnen, 80 km/h auf Landstraßen und 30 km/h innerorts (mit Ausnahmen). Gerade in Städten könnte ein kürzerer Bremsweg wegen einer verringerten Geschwindigkeit viele Unfälle mit Kindern vermeiden. Denn bei Tempo 30 kann ein Auto rechtzeitig anhalten, wenn ein Kind 15 Meter vor ihm auf die Straße läuft. Bei Tempo 50 prallt das Fahrzeug nach 15 Metern mit 45 km/h auf das Kind, was Tod oder Schwerstverletzungen zur Folge hat.

Mit 100 km/h auf Autobahnen gehe ich noch über die Forderung meiner Partei von 120 km/h hinaus. Wir wissen, dass der niedrigste Verbrauch bei etwa 90 km/h vorliegt, der Verkehrsfluss bei 100 km/h wesentlich besser ist als bei höheren Geschwindigkeiten, dass die Kapazität einer Straße mit geringeren Geschwindigkeiten höher ist als bei höheren Geschwindigkeiten und dass das gleichmäßige Fahren bei nur 100 km/h wesentlich entspannter funktioniert als bei hohen Geschwindigkeiten. Norwegen hat als reiches und innovatives Land eine Höchstgeschwindigkeit von nur 90 bis 100 km/h auf Autobahnen, die radikal überwacht wird. Selbst in den USA gelten auf den Interstate Highways (vergleichbar mit Autobahnen) Tempolimits zwischen 89 und 129 km/h, die größtenteils eingehalten werden. In beiden Ländern ist das Autofahren auf Autobahnen eine höchst entspannte Angelegenheit, wogegen bei uns ein Überholvorgang mit moderater Geschwindigkeit schon leicht zum Nervenkitzel werden kann, weil extrem schnell heranfahrende Fahrzeuge ihr Recht auf freie Fahrt auch möglichst schnell durchsetzen wollen und oftmals den Tatbestand der Nötigung erfüllen. Mir drängt sich der Eindruck auf, dass deutsche Autobahnen von vielen VerkehrsteilnehmerInnen als rechtsfreier Raum verstanden werden. Das betrifft Geschwindigkeitsbegrenzungen allgemein, besonders aber in Baustellenbereichen, das dichte Auffahren oder die Nutzung des Standstreifens auf Autobahnen.

80 km/h auf Landstraßen hat den Vorteil, dass es nur noch eine wesentliche Höchstgeschwindigkeit sowohl für Pkw als auch für Lkw gibt. Der permanente psychologische Druck einen vorausfahrenden Lkw überholen zu "müssen" entfiele. Der Verkehrsfluss würde verstetigt werden, die Anzahl schwerer Verkehrsunfälle aufgrund unangepasster Fahrweise würde drastisch zurückgehen.

Die Mobilitätswende beginnt im Kopf. Probieren Sie es einfach mal aus, eine Autofahrt ganz entspannt und mit etwas größerem Zeitbudget anzutreten – es lohnt sich.

Mit freundlichen Grüßen
Hans-Christian Friedrichs
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Frage zum Thema Verkehr und Infrastruktur
24.09.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Friedrichs.
Es geht um Shared Space. In Boomte wurde es angewandt. Jetzt wurde ein Gutachten erstellt, was es in Boomte gebracht haben soll. Angeblich verhalten sich die Bürger ohne Verkehrsschilder nicht so rücksichtsvoll, wie man erhofft hatte. Der Rückgang des LKW-Verkehrs soll nur die Folge der Wirtschaftskrise sein und nicht die Folge verkehrsberuhigter Massnahmen und von dem Wegfall von Verkehrsschildern.
Ist Shared Space damit gestorben?
Mit Freundlichen Grüßen
Antwort von Hans-Christian Friedrichs
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26.09.2009
Hans-Christian Friedrichs
Guten Tag Frau ,

"Shared Space" ist alles andere als gestorben! Schauen Sie sich einfach mal die "Verkehrsuntersuchung unter besonderer Berücksichtigung der Wirkungen des Shared Space-Bereiches" auf der Homepage der Gemeinde Bohmte (www.bohmte.de) an, dann werden Sie feststellen, dass dort eine sehr differenzierte und objektive Betrachtung erarbeitet wurde. Entscheidend ist, dass die Anzahl von Unfällen mit Personenschäden stark zurückgegangen ist. Blechschäden traten in erster Linie an einer neu aufgestellten und vielleicht unglücklich positionierten Straßenlaterne auf, die inzwischen entfernt wurde. Ja, der Lkw-Verkehr ist aus verschiedenen Gründen zurückgegangen, sicherlich besonders stark wegen der Wirtschaftskrise. Wunder hat beim Lkw-Verkehr aber niemand erwartet, nur eine bessere Miteinander und eine Verstetigung des Verkehrsflusses mit bestenfalls leichtem Rückgang. Dieses Ziel wurde erreicht.

Wenn Sie jetzt die Interpretation von "Auto Motor Sport" mit Zitaten der Versicherer ansprechen, dann ist diese durchweg negativ. Kein Wunder, denn für jede Versicherung ist die Regulierung oder eben Nicht-Regulierung eines Unfalls einfacher, wenn alles seine gute alte Ordnung hat. "Auto Motor Sport" erfüllt ebenfalls alle gängigen Klischees. Alle drei Schwerpunkte der Zeitschrift haben bei "Shared Space" keine oder nur untergeordnete Priorität. Um dann die eigene Klientel zu bedienen, werden schon mal Äpfel mit Birnen verglichen und Personenschäden mit leichten Blechschäden in einen Topf geworfen.

Ich lade Sie ein, sich einmal einer Exkursion nach Bohmte anzuschließen und sich selbst ein Bild zu machen oder zumindest die Berichte anderer Besucherinnen und Besucher von Bohmte auf der Internet-Seite der Bohmter Grünen unter www.gruene-bohmte.de durchzulesen.

Mit freundlichem Gruß
Hans-Christian Friedrichs
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