Hannelore Kraft (SPD)
Abgeordnete Landtag NRW

Grunddaten
Hannelore Kraft
© Landtag NRW
Geburtstag
12.06.1961
Berufliche Qualifikation
Ministerpräsidentin; Dipl.-Ökonomin
Ausgeübte Tätigkeit
MdL, Ministerpräsidentin
Wohnort
Mülheim an der Ruhr
Wahlkreis
Mülheim I , über Wahlkreis eingezogen
Ergebnis
49,3%
Landeslistenplatz
1
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(...) Hierüber entscheiden allerdings seit 2006 die örtlichen Jugendämter in eigener Zuständigkeit, ohne dass das Land noch ein Weisungsrecht hätte. (...)
Parlamentarische Arbeit
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
09.06.2010
Von:
Uwe

Sehr geehrte Frau Kraft,

nach Ihren heutigen Äußerungen zu den Sondierungsgesprächen mit der FDP ist ja zu erwarten, daß Sie dem nächsten Parteitag der SPD vorschlagen werden, den Wortteil "sozial" aus dem Parteinamen zu streichen.
Wie können Sie es vertreten, mit den Gegnern eines modernen Sozialstaates derartig auf Tuchfühlung zu gehen, während Sie die Verteidiger sozialer Grundrechte der Bürger, Die Linke, mit Scheinargumenten diskrediriert hatten? Sehen Sie sich in der Tradition von August Bebel und Wilhelm Liebknecht oder in der der Arbeiterverräter Noske, Scheidemann und Schuhmacher?

Mit besorgten linken Grüßen
Dr. Uwe

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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
13.06.2010
Von:

Sehr geehrte Frau Kraft,

ich habe gelesen, daß Sie nach dem Scheitern der Sondierungsgespräche mit Linken, FDP und CDU vorhaben, zu versuchen, über das Parlament und wechselnde Mehrheiten, Ihre Politikvorstellungen, bzw. die der SPD durchzusetzen. Ich finde die Idee gut, weil auf diese Weise bei einzelnen Fragen jeweils eine breite parlamentarische Mehrheit gefunden werden kann.

Wäre es nicht im Sinne dieser Idee jetzt auch zu versuchen, über eine breite parlamentarische Mehrheit die Hürden für Volksbegehren und Volksentscheide auf Landesebene soweit zu senken, daß eine direkte Beteiligung der Bevölkerung an politischen Entscheidungen realistisch würde?

Gerade in den heutigen Krisenzeiten wäre es m.E. wichtig, auf diese Weise der sogenannten "Politikverdrossenheit", die nach meiner Einschätzung eher eine "Parteienverdrossenheit", bzw. eine Frustration über die mangelnden Mitwirkungsmöglichkeiten ist, entgegenzuwirken!
Die solide demokratische Grundlage, die man auf diese Weise für Entscheidungen finden könnte, , müßte doch eigentlich auch im Interesse der jeweils regierenden Politiker sein.

Viele Grüße!
Antwort von Hannelore Kraft
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24.06.2010
Hannelore Kraft
Sehr geehrte Frau ,

vielen Dank für Ihre Mail.

Die Hürden für Volksbegehren und Volksentscheide auf Landesebene soweit zu senken, dass eine direkte Beteiligung der Bevölkerung an politischen Entscheidungen möglich wird, ist nicht die Position der NRWSPD.

Unsere Position zu diesem Thema können Sie unserem Wahlprogramm unter dem nachfolgenden Link entnehmen: www.nrwspd.de

Mit freundlichen Grüßen

Hannelore Kraft
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Frage zum Thema Gesundheit
19.06.2010
Von:

Sehr geehrter Frau Kraft,

ich wende mich an Sie weil ich, wie ich denke viele andere Bürger auch, so langsam nicht mehr weiter weiss.
Täglich kommen neue "Horrormeldungen" über Sparpläne der Bundesregierung, fast täglich muss man Angst haben ob es überhaupt so weitergehen kann.

Gerade eben lese ich in der Zeitung das bei dem Sparplan des Gesundheitswesens wieder massiv der Bürger zahlen muss.
Bis vor einer Woche waren ich und meine Partnerin ( eheänliche Gemeinschaft ) ALG II bezieherin und nach ca. 500 Berwerbungen habe ich eine bis zum Jahresende befristete Arbeitsstelle finden können.
Dadurch das meine Partnerin aber ohne EInkommen ist bezieht sie folglich auch keine Krankenkassenbeiträge der ARGE mehr was im umkehrschluss bedeutet, dass wir sie nun freiwillig Versichern müssen.
Dies wiederum bedeutet das wir von meinem Einkommen nun ca. 150,00 Euro abziehen müssen. Rechnet man nun noch meine Busfahrkarte hinzu ( 91,80 Euro ) haben wir weniger Geld als wir vorher hatten mit Hartz IV.
Und nun sollen die Krankenkassenbeiträge erhöht werden bzw. andere Abgaben auf die Versicherten zukommen ?
Wenn ich ehrlich sein darf, dann würde ich nun am liebsten komplett auf die KV verzichten und die Gelder die ich dadurch einspare lieber anderweitig ausgeben ( z.B: gesundes Bio - Essen, Sportverein etc ) denn durch den klammen Geldbeutel ist uns dieser "Luxus" nicht gegönnt.

Warum brauchen wir soviele Krankenkassen in Deutschland ? Würde es nicht wesetlich weniger Kosten verursachen wenn es nur noch halb so viele Krankenkassen gäbe da diese weniger Verwaltung, Mieten etc hätten ?
Wenn eine Firma nicht wirtschaften kann dann muss sie in den Konkurs gehen. Bei den Krankenkassen wird unnötig Geld hineingepumpt.
Wenn der Bürger nicht mehr zahlen kann, dann..... ich lass diesen Satz einfach mal offen stehen.

Meine Frage ist: Was können wir Bürger noch tun um selber etwas mehr Geld übrig zu haben ?

Mit freundlichen Grüssen
Antwort von Hannelore Kraft
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08.07.2010
Hannelore Kraft
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Mail, die ich mit Interesse gelesen habe. Es ist in der Tat so, dass Sie, nachdem Sie eigene Einkünfte erzielen, Ihre Partnerin freiwillig mit krankenversichern müssen, da Sie mit ihr in einer Bedarfsgemeinschaft leben.

Das deutsche Gesundheitssystem selbst steht zurzeit vor großen Herausforderungen. Die Beiträge steigen auch deshalb, weil immer weniger Menschen mit stagnierenden Einkommen für steigende Kosten aufkommen müssen. Wenn die hohen Einkommen über der Versicherungspflichtgrenze von 49.950 Euro in die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung einbezogen würden, würden die normalen Kostensteigerungen gerechter auf alle verteilt.

Die SPD will deshalb, anders als die schwarz-gelbe Bundesregierung, die Bürgerversicherung: Alle sollen entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit zur Finanzierung unseres Gesundheitswesens beitragen. Jeder zahlt Beiträge nach Höhe seines Gesamteinkommens, Wohlhabende können sich nicht mehr aus der Solidarität verabschieden. Somit können die Einnahmen der Krankenversicherung mit den Ausgaben Schritt halten.

Mit der Bürgerversicherung verhindern wir eine Dreiklassen-Medizin und garantieren, dass auch in Zukunft alle am medizinischen Fortschritt teilhaben.

Mit freundlichen Grüßen

Hannelore Kraft
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
19.06.2010
Von:

Sehr geehrte Frau Kraft,

Das in Sie gesetzte Vertrauen ist leider durch den ganzen "Zirkus der letzten Wochen" in Mitleidenschaft geraten.
Bitte erklären Sie mir, wie Sie NRW zukünftig nun doch noch, nach den bisherigen Mißerfolgen, wirksam regieren wollen! Wie können Sie uns, den Bürgern, ein Weiterkommen von NRW garantieren?

Vielen Dank im Voraus.
Antwort von Hannelore Kraft
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24.06.2010
Hannelore Kraft
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Mail.

Am 9. Mai 2010 haben die Bürgerinnen und Bürger in NRW den neuen Landtag gewählt - mit einem guten Ergebnis für die SPD.

Das Wahlergebnis hat uns vor schwierige Aufgaben gestellt: Wir haben die Wahl nicht gewonnen. Rot-Grün fehlt ein Sitz zur Mehrheit im Landtag. Andererseits gab es ein klares Votum für einen Politikwechsel in Nordrhein-Westfalen. Rot-Grün hat 400.000 Stimmen mehr und damit 10 Stimmen mehr im Parlament als Schwarz-Gelb.

Angesichts dieser schwierigen Situation hatte der Landesvorstand am 10. Mai beschlossen, mit allen in den Landtag gewählten Parteien Sondierungsgespräche zu führen. Wir wollten prüfen, mit wem ein Politikwechsel in Nordrhein-Westfalen möglich ist. Wir haben diese Gespräche ergebnisoffen und mit dem festen Willen aufgenommen, zu einer stabilen Regierung für NRW zu kommen. Wir haben dann (gemeinsam mit den Grünen) mit der Linkspartei und mit der FDP sondiert. Die Delegation der SPD hat aber auch ausgelotet, ob es möglicherweise zu einer Großen Koalition kommen kann.

Das Gespräch mit der Partei "Die Linke" hat uns gezeigt, dass unsere Einschätzung aus dem Wahlkampf richtig war: Diese Partei ist derzeit weder koalitions- noch regierungsfähig.
Die Gespräche über eine Ampelkoalition sind von der FDP beendet worden, obwohl es aus meiner Sicht durchaus Anknüpfungspunkte für eine Zusammenarbeit hätte geben können.
Mit der CDU haben wir in drei Gesprächen ausgelotet, ob es eine Basis für eine gemeinsame Regierungsarbeit geben kann. Dabei ist sehr deutlich geworden, dass ein Politikwechsel, wie wir ihn wollen - nämlich eine Veränderung der politischen Kultur in NRW, eine inhaltliche Neubestimmung und ein personeller Neuanfang - ist mit der CDU nicht möglich ist.

Deshalb wurde entschieden, dass wir den Politikwechsel zunächst aus dem Parlament heraus gestalten wollten. Entscheidend war in dem Beschluss aber das Wort "derzeit". Denn klar war: Wenn eine Situation entsteht, in der es gilt, Schaden von Nordrhein-Westfalen und seinen Bürgerinnen und Bürgern abzuwenden, wollten wir eine neue Positionierung vornehmen.

Dass eine solche Situation so schnell eintreten würde, war auch für mich selbst überraschend. In einem am 17. Juni 2010 erschienenen Beitrag in der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" hat der Vorsitzende der FDP in Nordrhein-Westfalen, Andreas Pinkwart, die schwarz-gelbe Regierung in NRW für beendet erklärt. Mit Ablauf der Legislaturperiode sei die Verpflichtung zum Konsens zwischen CDU und FDP hinfällig. Die FDP, so Pinkwart weiter, wolle im Landtag auf eigene Rechnung für Mehrheitsentscheidungen werben.
Die bemerkenswerten Sätze von Herrn Pinkwart haben deutlich gemacht: In NRW gibt es keine geschäftsführende Landesregierung mehr, die gemeinsame Ziele verfolgt. Es gibt nur noch geschäftsführende Ministerinnen und Minister sowie einen geschäftsführenden Ministerpräsidenten, denen jede gestalterische Kraft abhanden gekommen ist. Jürgen Rüttgers kann sich nach den Aussagen von Herrn Pinkwart nur noch auf die 67 Stimmen der CDU-Fraktion im Landtag stützen. Eine handlungsfähige Regierung gibt es damit in Nordrhein-Westfalen nicht mehr.

Diese Auflösungserscheinungen bei Schwarz-Gelb verlangen ein schnelles und konsequentes Handeln. NRW braucht eine stabilere Regierung, als sie Jürgen Rüttgers noch bieten kann. Deshalb ist es nunmehr notwendig, eine Minderheitsregierung von SPD und Bündnis 90/Die Grünen zu bilden, um den von den Wählerinnen und Wählern gewollten Politikwechsel in NRW herbeizuführen. Rot-Grün hat im Landtag zehn Stimmen mehr als Schwarz-Gelb. Wir wissen: Es fehlt eine Stimme zur absoluten Mehrheit. Allerdings brauchen wir für die meisten Entscheidungen nur eine einfache Mehrheit.

Das bedeutet, wenn nicht CDU, FDP und Linke geschlossen gegen Rot-Grün stimmen, können wir unsere gemeinsamen Vorhaben durchsetzen. Wir sagen selbstbewusst, dass wir mit unseren guten Inhalten Mehrheiten im Parlament finden werden. Wir laden ausdrücklich alle im Landtag vertretenen Parteien ein, mitzuwirken und eine gute Entwicklung für NRW nicht zu blockieren.

Ich bitte an dieser Stelle herzlich um Vertrauen dafür, dass wir weiterhin alles in unserer Macht stehende dafür tun werden, die Ziele und Konzepte, für die die Menschen uns gewählt haben, auch umzusetzen.

Mit freundlichen Grüßen

Hannelore Kraft
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
24.06.2010
Von:

Sehr geehrte Frau Kraft,

ich habe mal eine Nachfrage zur Ihrer Antwort zu den Bürgerbegehren. Ich bin über Twitter über Ihre Antwort informiert worden und habe auch das Wahlprogramm Ihrer Partei gelesen.

Gilt denn die Aussage aus dem Wahlprogramm der SPD nicht mehr, in der versprochen wird die Direkte Demokratie zu stärken?

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Hannelore Kraft
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25.06.2010
Hannelore Kraft
Lieber Herr ,

sollte meine Antwort zu Irritation geführt haben so bedauere ich dies sehr.

Die Aussage gilt natürlich noch! Die Möglichkeit mit Volksbegehren und Volksentscheiden Gesetze in NRW zu erlassen findet sich von je her in der Landesverfassung. Wie im Wahlprogramm beschrieben, wollen wir die formalen Hindernisse bei Volksbegehren senken. Wir wollen die freie Unterschriftensammlung ermöglichen und die Sammlungsfrist verlängern. Darüber hinaus wollen wir die Zustimmungshürde bei Bürgerentscheiden nach Gemeindegrößen staffeln. Ich sehe darin eine Stärkung der direkten Demokratie.

Eine Senkung der Quoren - also der Anzahl der erforderlichen Unterschriften - ist ohne eine Änderung der Verfassung nicht möglich. Wenn im Einzelfall eine politische Frage durch Volksentscheid entschieden wird, begrüße ich das. Die SPD hält im Grundsatz aber an dem Vorrang der parlamentarischen Demokratie fest. Bei der großen Mehrzahl der Fälle lässt sich eine komplizierte politische Frage nicht auf eine kurze Formel für eine Volksabstimmung bringen. Hier ist die Verantwortung der gewählten Volksvertreter im Parlament gefragt.

Mit freundlichen Grüßen

Hannelore Kraft
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