Gunter Weißgerber (SPD)
Abgeordneter Bundestag 2005-2009
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Grunddaten
Gunter Weißgerber
Jahrgang
1955
Berufliche Qualifikation
Bohringenieur
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Leipzig II
Landeslistenplatz
keinen, Sachsen
weitere Profile
(...) Ich wehre mich schließlich auch gegen den Begriff des "Überwachungsstaates": Durch die Vorratsdatenspeicherung wird den Sicherheitsorganen die Möglichkeit gegeben in eng begrenzten Ausnahmefällen, individuell, durch richterliche Anordnung (!) und bei Verdacht schwerster Straftaten auf die Verbindungsdaten zuzugreifen; dies nur innerhalb von sechs Monaten. Ich erinnere mich noch gut an die Diskussion um den sog. großen Lauschangriff. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Arbeit
20.03.2008
Von:

Hallo Herr Weißgerber,

Sie schreiben in Ihren Beiträgen vom 20.03. "Human ist was Arbeit schafft" und "Erwerbsarbeit und Einkommen müssen für mich - stets - untrennbar verbunden bleiben."

Fakt ist das laut BA im Februar diesen Jahres 3.617.443 Menschen arbeitslos waren. ALG II Leistungsberechtigt waren aber 5.154.304 macht unterm Strich 1.536.861 mehr Leistungsempfänger als ALG II Empfänger. Wenn Sie diese ca. 1,5 Mio Menschen die zu niedrigsten Löhnen unter teilweise Menschenverachtenden Bedingungen zur "Zwangsarbeit" gepresst werden ( wer nicht spurt dem wird die Leistung gekürzt oder gestrichen ) als unter humanen Bedingungen beschäftigt bezeichnen dann verstehe ich die Welt nicht mehr. Auch das Erwerbsarbeit und Einkommen zusammengehören stimmt ja so auch nicht mehr, dafür hat ja die große Koalition durch viele Steuergeschenke gesorgt das viele aus der "Oberschicht" nur noch vom Kapitalgewinn leben können ohne einen Finger krumm zu machen.

Bei uns den "kleinen Leuten" sieht das ganz anders aus. Dazu mal ein interessanter 3-Jahresvergleich, im Februar 2005 gab es insgesamt 7.977.502 Leistungsberechtigte von ALG I, ALG II und Sozialgeld, im Februar 2008 aber waren es 8.206.729 Menschen die staatliche Transferleistungen bezogen. Also entgegen der medialen Suggestion durch BA und andere staatliche Stellen gab es in benannten Zeitraum ein Plus von 229.227 Leistungsempfängern.

Die "Wirtschaftswoche" stellte in ihrer Ausgabe 5 vom 28.01.2008 auf Seite 43 die Frage warum die Arbeitslosigkeit in Deutschland viel höher sei als es die offiziellen Statistiken ausweisen und kommt zu dem Schluss das es weit mehr Arbeitslose gibt als die BA-Statistik ausweist.

Wo sind also die Arbeitsplätze und der wirtschaftliche Aufschwung den die Regierung so lauthals propagiert? Können Sie mir das beantworten lieber Herr Weißgerber. Es ist aber wohl leichter die die durch den Rost fallen mit Almosen abzuspeisen als über eine sozial gerechte Lösung nachzudenken.
Antwort von Gunter Weißgerber
1Empfehlung
04.04.2008
Gunter Weißgerber
Sehr geehrter Herr ,

Sie wollen mit mir nicht diskutieren, Sie wollen mich belehren. In meinen anderen Antworten habe ich zu begründen versucht, warum ich das Prinzip des "Fördern und Forderns" für richtig halte. Noch einmal: Der, der sich auf die Solidarität der Gemeinschaft verlassen kann, hat eine Pflicht zur Eigeninitiative. Niemand wird zur "Zwangsarbeit" gepresst. Die Aufnahme einer zumutbaren Tätigkeit ist eingebettet in einen ganzen Katalog von Maßnahmen und Leistungen der Agentur für Arbeit bzw. der Arbeitsvermittler. Sanktionen sind immer der letzte Schritt.

Deutschland bietet weltweit eines der engsten Netze der sozialen Sicherung. Hier pauschal von "Abspeisung" zu sprechen halte ich angesichts dessen für bedenklich.

Es ist aber Aufgabe der Politik, z.B. vorhandene Förderinstrumente im Hinblick auf ihre Wirksamkeit immer wieder auf den Prüfstand zu stellen. Die Reformen am Arbeitsmarkt hatten den Zweck, die vorhandenen Mittel gezielter, effektiver und individueller einzusetzen. Und die Erfolge sind spürbar: Seit Jahren sinkt beispielsweise die Arbeitslosigkeit im Alter signifikant, Deutschland hat im europäischen Durchschnitt eine der geringsten Jugendarbeitslosigkeitsquoten, seit Jahren steigt die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung auf zuletzt 39,63 Millionen (2002 ca. 38 Millionen). Dies sind alles Menschen, die nunmehr das ganze Leistungsangebot der Kranken-, Pflege-, Renten-, Unfall- Arbeitslosenversicherung genießen.

Gleichwohl gebe ich Ihnen insofern Recht, wenn Sie der Auffassung sind, dass wir keinesfalls zufrieden sein können. Besonders das Problem der Langzeitarbeitslosigkeit - auch und vor allem in den neuen Bundesländern - und das große Problem der Chancengerechtigkeit im Bildungssystem treibt uns um. Diese und weitere Punkte sind Aufgabenfelder, deren Lösung einen langen Atem benötigt und vor dem Hintergrund enger finanzieller Rahmenbedingungen und einer alternden Gesellschaft keine pauschalen Urteile.

Mit freundlichen Grüßen

Gunter Weißgerber, MdB
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
26.03.2008
Von:
-

14.12.2007 Postmindestlohn hat bei der Abstimmung zugestimmt

14.06.2007
Mindestlöhne (Antrag Die Linke.) hat bei der Abstimmung dagegen gestimmt

Hier entschließt sich mir nicht die Logik des Abstimmungsverhaltens.



16.11.2007
Diätenerhöhung hat bei der Abstimmung zugestimmt

Die Diätenerhöhung passt nicht zu einer Volkspartei, welche die Interessen des kleinen Mannes vertreten soll. Dafür wählen wir ja die SPD.



25.05.2007
Unternehmenssteuerreform hat bei der Abstimmung zugestimmt

Das waren Geschenke wieder für die Großen - wann kommen die dran, die wirklich Steuern zahlen und für den Binnenmarkt schuften?



02.02.2007
Gesundheitsreform hat bei der Abstimmung zugestimmt

Schon heute warten wir im Osten auf einen Facharzttermin Monate!
Am Ende des Quartals erhalten wir weder Medizin noch Therapien, weil das Budget alle ist. Nun werden die Krankenkassenbeiträge wieder steigen.
Deutschland hat eins der teuersten Gesundheitssysteme - wann erhalten die normalen Kassenpatienten dafür auch ordentliche Hilfe?



19.05.2006
Erhöhung der Mehrwertsteuer hat bei der Abstimmung zugestimmt

Die SPD wollte doch 0% MwSt.Erhöhung - die CDU 2%.
Wie können Sie denn zustimmen, um 3% zu erhöhen?

So könnten wir noch seitenweise die Abstimmungen durchgehen - am Ende bleibt die Frage:

Wo - bitte wo - setzt sich die SPD hier wirklich für den normalen Bürger ein?

Uns graut schon vor der nächsten Wahl - weil man nicht mehr glaubt was vor der Wahl erzählt wird. Und weil die Entscheidungen in der Regel gegen den Kleinen getroffen werden.
Die SPD doch gewählt, um das Volk zu vertreten, nicht die großen Konzerne oder die wenigen sehr Vermögenden.
Antwort von Gunter Weißgerber
4Empfehlungen
06.04.2008
Gunter Weißgerber
Sehr geehrte Frau ,

mich darf es als Sozialdemokrat nicht kalt lassen, wenn Menschen wie Sie den Eindruck haben, dass die große Koalition und in ihr die SPD es nicht zu vermitteln vermag, dass wir auf vielerlei Wegen versuchen, dieses Land sozial gerechter zu gestalten. Sie haben konkret gefragt, ich will Ihnen konkret antworten:

Der Antrag der Linken zum Postmindestlohn:

In einer großen Koalition in der die Sozialdemokraten leider nur der kleinere Partner sind, ist vertrauensvolle Zusammenarbeit und Verlässlichkeit von großer Bedeutung. Ich gebe zu, dass in letzter Zeit auch ein anderer Eindruck sich aufdrängen kann; und doch bleibt es bei diesen Grundsätzen. Die SPD hat zum Zeitpunkt des Antrags der Linken intensiv mit der CDU/CSU über ein eigenes Mindestlohnkonzept diskutiert. Wie sehr die SPD hierfür trotz allen Widerstandes von verschiedener Seite ringt, können Sie fast täglich den Medien entnehmen. Die Linke hat mit dem Antrag bewusst versucht, diese Verhandlungen mit der Union zu torpedieren bzw. die SPD bloßzustellen. Genau um den Eindruck – so wohl auch bei Ihnen – hervorzurufen, das Thema sei der SPD nicht wichtig genug. Wenn wir einen flächendeckenden Mindestlohn durchsetzen wollen, brauchen wir dafür Mehrheiten im Parlament, die es zurzeit auf Grund des 2005er Wahlergebnisses für die SPD nur mit der Union im Bundestag (Wahlergebnis >> Koalitionsvereinbarung SPD/CDU/CSU >> gemeinsame Regierung) gibt.
Der Antrag der Linken kopiert das sozialdemokratische Konzept und versucht damit die SPD in die Defensive zu drängen, mitnichten geht es der Linken hierbei um die betroffenen Menschen. Deshalb meine Ablehnung. Anzumerken ist an dieser Stelle, Bundeskanzler Gerhard Schröder brachte das Konzept Mindestlohn als begleitende Maßnahme zur AGENDA 2010 in die derzeitige Politik mit ein.

Zur Diätenerhöhung: Die Diäten von uns Abgeordneten sind seit Jahren nicht gestiegen, trotz dessen sind auch wir u.a. von den allgemeinen Preissteigerungen betroffen. Man mag sich trefflich darüber streiten, ob sie in ihrer Höhe gerechtfertigt sind; jedenfalls gebe ich Ihnen insoweit Recht, als das Verfahren der eigenen Entscheidung über die Höhe durch die Abgeordneten Fragen aufwirft. Wie Sie vielleicht verfolgt haben, sind wir gerade dabei, dafür ein neues Verfahren zu entwickeln. Letztlich wird die Entscheidung über die Höhe bei dem Parlament bleiben müssen. Die Abgeordnetenbezüge sind Teil der Ausgaben aus dem Bundeshaushalt – und den muss der Gesetzgeber beschließen. Hinzuzufügen wäre noch der Umstand, dass es mindestens 5 diesbezügliche Kommissionen gab, die aus Vertretern der verschiedenen gesellschaftlichen Bereiche (u. a. Gewerkschaften Sozialverbände, Wirtschaftsverbände usw.) zusammengesetzt waren, die immer wieder höhere Bezüge als die zu den Zeitpunkten geltenden für die Abgeordneten vorschlugen. Es waren dann immer die Abgeordneten, die sich scheuten, die vorgeschlagenen Größenordnungen umzusetzen.
Vergleichsgrößen für die Kommissionen waren gesamtgesellschaftliche Kriterien, Bezüge von Bürgermeistern kleinerer und mittlerer Städte, von Landräten, auch die Bezüge von Geschäftsführern kleiner und mittlerer Unternehmen und von vergleichbaren Gewerkschaftsvertretern wurden in die Betrachtungen einbezogen.

Zur Unternehmenssteuerreform: Die Unternehmenssteuerreform ist eingebettet in ein ganzes Paket von Maßnahmen zur Entlastung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMUs). Zunächst erst einmal: Die Reform schafft für die großen Unternehmen Entlastung, schließt aber gleichzeitig sogenannte Steuerschlupflöcher. Griffig formuliert: Sie zahlen nicht mehr Steuern, sondern diese Steuern in Deutschland. Dazu nur eine Zahl: Ca. 100 Milliarden Euro Unternehmensgewinne werden nicht in Deutschland sondern im Ausland versteuert.

Die Unternehmenssteuerreform hat zwar auf den ersten Blick eine Senkung der Steuersätze zur Folge, auf den zweiten Blick werden Sie sehen, dass in gleichem Zug die Einnahmebasis verbreitert wird.

Der Mittelstand wird entlastet: Zunächst wird die Gewerbesteuermesszahl einheitlich auf 3,5 Prozent gesenkt. Dadurch wird die Berechnung der Gewerbesteuer künftig sehr einfach. Die Anhebung des Faktors der Anrechenbarkeit des Gewerbesteuer auf die Einkommenssteuerschuld von 1,8 auf 3,8 führt dazu, dass Unternehmen in Städten bis zu einem Gewerbesteuerhebesatz von 380 Prozentpunkten (bisher 341) praktisch keine Gewerbsteuer zahlen. Eine echte Entlastung. Auch die Möglichkeit, den einbehaltenen Gewinn im Gewerbebetrieb künftig statt mit der bis zu 42 Prozent hohen individuellen Steuerlast des Gesellschafters, nun mit der niedrigeren Gesamtsteuerbelastung der Körperschaften von 29,8 Prozent zu versteuern, entlastet Unternehmen in ihrer Investitionstätigkeit nachhaltig. Im Übrigen noch ein Hinweis: Die Union wollte die Gewerbesteuer komplett abschaffen und damit den Städten ihre wichtigste Einnahmequelle nehmen. Hier hat sich die SPD durchgesetzt.

Zur Gesundheitsreform: "Deutschland hat eines der teuersten Gesundheitssysteme" schreiben Sie, richtig - aber auch eines der Besten. Ich vermag Ihnen allerdings keine Antwort darauf zu geben, wenn Sie schreiben, dass "wir keine Medizin oder Therapie erhalten", wenn Sie dies nicht konkretisieren. In einer anderen Antwort habe ich mich ausführlich mit unseren Reformbemühungen auseinandergesetzt. Ich darf Sie deshalb in diesem Zusammenhang auf den entsprechenden Text verweisen.

Zur Mehrwertsteuererhöhung: Auch ich habe mich mit der Erhöhung mehr als schwer getan. Politik ist aber die Kunst des nicht nur Wünschenswerten, sondern Machbaren. Als kleiner Koalitionspartner mussten wir diese Kröte schlucken. Andererseits darf ich Sie darauf hinweisen, dass wir im Gegenzug u.a. den Beitrag zur Arbeitslosenversicherung massiv gesenkt und die Steuermehreinnahmen mitnichten nur in den Konsum pumpen. Die Erhöhung ist eingebettet in das größte Investitionsprogramm seit Jahrzehnten – in Höhe von 25 Milliarden Euro- , mit dem Zukunftsbranchen gefördert, Wachstumskerne gestärkt und Bildungschancen erhöht werden.

Ich der festen Überzeugung, dass die sozialdemokratische Handschrift in dieser Regierung erkennbar ist und die Reformen – auch für die Zukunft - grundsätzlich richtig und notwendig bleiben. Deutschland liegt nicht auf einer Insel. Wir sind einer rasch fortschreitenden Globalisierung ausgesetzt, profitieren aber auch wie wenig andere Länder davon. Gleichwohl bleiben viele in diesem Wettlauf auf der Strecke. Als Parlamentarier gilt es für mich, hier einen gerechten Ausgleich zu finden. Seien Sie versichert, dass ich mich diesem Ziel in meiner ganzen Person verpflichtet fühle.

Mit freundlichen Grüßen

Gunter Weißgerber, MdB
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Frage zum Thema Soziales
02.04.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Weißgerber,

ich habe Ihre Antwort mit großer Aufmerksamket gelesen und bedanke mich für Ihre Zeit. Meine - zugegebener Maßen etwas provokative - Frage zu Ihren Kompetenzen haben Sie absolut befriedigend beantwortet, und ich stimme Ihnen zu, dass multimodaler Dialog der beste Weg zur Findung des besten Weges ist.

Allerdings sagten Sie, dass die negativen Arbeitsmarkteffekte für Sie eines der Hauptargumente gegen das Bürgergeld seien. Aber hat nicht gerade der von u.a. Ihrer Partei beauftragte "Weisenrat" also u.a. Stengmann-Kuhn und Opielka belegt, dass in gewissen Konzeptionen äußerst positive Arbeitsmarkteffekte durch ein Grundeinkommen (und das gerade im Mindestlohnsektor) entstehen würden?
Und warum, glauben Sie, sprechen sich gerade die oben genannten Wissenschaftler aktuell für einen Umbau des Sozialstaates hin zu einem Grundeinkommen aus?

Weiter haben Sie in vielen anderen Antworten erklärt, was Ihre Vorstellung von Sozialstaat ist und damit indirekt, welches Menschenbild Sie haben. Können Sie sich damit denn grundsätzlich keine Gesellschaft vorstellen, in der jeder Ihrer Mitmenschen das gleiche Recht genießt wie Sie, der Sie als Abgeordneter über ein bedingungsloses Einkommen verfügen, auch wenn Sie Ihr Amt aus welchen Gründen auch nicht mehr weiter führen (wollen)? Eine Antwort auf diese Frage wäre mir besonders wichtig, da Sie und Ihre Kollegen als Forschungsexemplare besonders gut geeignet sind, um die Wirkung einer bedingungslosen Existenzsicherung in menschenwürdiger Höhe zu erforschen.
Was also macht diese Tatsache mit Ihnen, dass Sie wissen, dass selbst wenn Sie morgen einfach aus Unlust Ihre Ämter "hinschmeißen", Sie Geld in nicht geringer Höhe bis zum Lebensende bekommen, dass unter anderen Ich mit meiner Arbeit finanzieren würde. Ich hoffe inständigst, dass Sie für die Beantwortung dieser Frage etwas Introspektion betreiben.

Bis dahin verbleibe ich mit der Hoffnung auf die gewünschten Antworten und mit freundlichem Gruß, S. Kaletka
Antwort von Gunter Weißgerber
1Empfehlung
19.04.2008
Gunter Weißgerber
Sehr geehrter Herr Kaletka,

Abgeordnete des Deutschen Bundestages verfügen mitnichten über ein "bedingungsloses Grundeinkommen" im Falle Ihres Ausscheidens aus dem Parlament, sondern über eine verfassungsrechtlich garantierte (vgl. Art. 48 Abs. 3 Grundgesetz) - voll zu versteuernde - Altersentschädigung als Teil der Diäten, die ihre Unabhängigkeit sichern soll. Dieses System wurde vom Bundesverfassungsgericht schon im Jahr 1972 (Az.: 2 BvR 367/69), später noch einmal 1975 (Az.: 2 BvR 193/74) bestätigt. Die den Abgeordneten gewährte Entschädigung ist dabei allerdings keine Vollversorgung; sie schließt nur die Lücke, die ihnen dadurch entstanden ist, dass sie im Parlament engagiert waren und zu dieser Zeit keine andere Tätigkeit, die versicherungspflichtig war, ausüben konnten. Dabei wird das Renteneintrittsalter auch hier schrittweise auf 67 Jahre erhöht.

Mit freundlichen Grüßen

Gunter Weißgerber MdB
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Frage zum Thema Soziales
21.04.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Weißgerber,

natürlich weiß ich, dass Sie nicht über ein "bedingungsloses Grundeinkommen" verfügen wie es derzeit von vielen Wissenschaftlern und Politikern unterschiedlichster Schulen und Parteien gefordert wird. Und ich bin sicher, dass der Entschluss 1972 nach bestem Wissen und Gewissen und mit Anstand und Angemessenheit verabschiedet worden ist. Doch dadurch sind Sie und Ihre Kollegen sich nun eines Sicherungssystems bewusst, dem viele sozialpsychologische Parallelen zu eben diesem Grundeinkommen immanent sind. Oder möchten Sie behaupten, dass Sie Angst um Ihre Existenz und um Ihre Würde haben, wenn Sie sich vorstellen Sie würden morgen Ihren Job - wie bspw. ein Nokiamitarbeiter - verlieren oder diesen einfach aufgeben? Haben Sie Angst vor einem EinEuroJob wie bereits große Teile der anständigen Mittelschicht in unserem Land?

Parallele "bedingungslos": Wie hoch sind die Bedingungen für die sogenannte "Altersvorsorge"? Derzeit sind die Bedingungen, EIN JAHR (!) im Bundestag tätig gewesen zu sein, oder? Und wie hoch ist dann die "Altersvorsorge"? 1400 Euro, voll zu versteuern, wie Sie sagen? Das wäre eine Rente nach einem Jahr Arbeit, von der viele Millionen Menschen in diesem Land nur träumen können. Wie hoch ist diese "Altersvorsorge" nach zehn Jahren? Wäre diese Rente für einen Handwerker oder andere Mittelschichtler noch in einem Leben zu erarbeiten?

Sehr geehrter Herr Weißgerber, ich hoffe, dass Sie das Ziel meiner Fragen erkennen. Und bitte glauben Sie mir, dass ich Ihnen Ihre Altervorsorge nicht neide - mitnichten! Sie dürfen auf Grund eines Sicherungssystems, dass 1972 sicher adäquat zu den damaligen Politikerkarrieren war, in einer psychischen / emotionalen / finanziellen Sorgenarmut leben, die ein Großteil der Menschen für die beste kulturelle Grundstimmung für unsere derzeitige/moderne Gesellschaft halten. Oder glauben Sie, Angst vor Armut und Entwürdigung ließe Sie bessere Entscheidungen treffen, als Sie es heute tun?

MfG, S.
Antwort von Gunter Weißgerber
bisher keineEmpfehlungen
22.04.2008
Gunter Weißgerber
Sehr geehrter Herr ,

Sie haben insofern Recht, dass nunmehr ein Jahr Abgeordnetentätigkeit für Ansprüche auf die Altersvorsorge reicht; früher waren dies acht Jahre. Ich halte dieses System im Übrigen deshalb für sinnvoller, weil der Abgeordnete auch im ersten Jahr schon keine Beiträge mehr in die gesetzliche Rentenversicherung zahlt, insoweit also arbeitet, aber keine Anwartschaft erwerben "darf". Nach diesem ersten Jahr erhält der Abgeordnete 2,5 % seiner Abgeordnetenentschädigung, mit jedem weiteren Jahr steigt der Betrag um 2,5 % auf maximal 67,5 %. Dieser Höchstbetrag wurde im Gegenzug früher bei 23 Jahren Tätigkeit, heute bei 27 Jahren Tätigkeit erreicht.

Doch glaube ich, noch einmal Eines klarstellen zu müssen: Abgeordnete des Deutschen Bundestages erhalten nach ihrem Ausscheiden aus dem Parlament zwar noch für eine geringe Zeit ein Übergangsgeld (es gibt keinen Kündigungsschutz!), werden dann aber wie jeder andere Arbeitslose behandelt. Das heißt, sie erhalten beispielsweise die Grundsicherung. Ihre Ausführungen legen den Schluss nahe, dass nach dem Ausscheiden aus dem Parlament ein monatliches Salär weitergezahlt wird. Dem ist nicht so!

Vor diesem Hintergrund ist die Sorge u.a. vor finanziellen Engpässen mit all ihren Konsequenzen keinesfalls eine, die auch Abgeordneten unbekannt ist.

Mit freundlichen Grüßen

Gunter Weißgerber MdB
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
06.05.2008
Von:
R.

Sehr geehrter Hr. Weißgerber,

wie planen Sie konkret die anstehende Diätenerhöhung zu verwenden, der Sie ja sicher zustimmen werden?!

Wäre eine leistungsgerechte Bezahlung der Abgeordneten eine Möglichkeit, wieder Vertrauen in der Bevölkerung zu bekommen??

Immerhin gibt es zu den neuesten Diätenplänen Ihrer Regierung keinerlei Zustimmung im Land außer der Mitglieder von SPD und CDU-Fraktion.
Was sagt eigentlich ihr Leipziger Verband dazu??
Antwort von Gunter Weißgerber
bisher keineEmpfehlungen
02.06.2008
Gunter Weißgerber
Sehr geehrter Herr ,

wie Sie den Medien entnehmen konnten, ist eine Erhöhung der Diäten derzeit nicht mehr geplant. In meiner Antwort an Frau Gebler finden Sie trotz dessen meine grundsätzliche Position zu diesem Themenkreis.

Mit freundlichen Grüßen

Gunter Weißgerber, MdB
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