Sehr geehrter Herr

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Diesmal möchte ich Ihnen widersprechen: Natürlich bin ich davon überzeugt, dass wir das bessere Konzept gegen die Arbeitslosigkeit in Hamburg haben. Und dabei betone ich insbesondere für Hamburg, weil wir als Metropole eine besondere soziale Struktur und nätürlich auch die besonderen wirtschaftlichen Bedingungen zu berücksichtigen haben. Arbeitsmarktpolitik ist ein Hamburger Thema. Die Struktur der Arbeitslosigkeit zeigt weiterhin, dass geringe Qualifizierung und langjährige Arbeitslosigkeit die Haupthindernisse für die Erwerbslosen bedeuten - 2/3 aller Arbeitslosen werden von der Hamburger ARGE betreut - sind also langjährig ohne Arbeit.
Unser erstes Ziel muss es sein, die Vermittlung in Arbeit grundsätzlich zu verbessern. Es kann nicht angehen, dass Arbeitssuchende zuallererst einen 1-Euro-Job angeboten bekommen, der 2. Arbeitsmarkt ist - auch laut Gesetz - eine nachrangige Lösung. Noch immer - zwei Jahre nach der Einsetzung der neuen Arbeitsgemeinschaft - muss ein Vermittler noch bis zu 600 Arbeitslose betreuen, es gibt keinen funktionierenden Arbeitgeberservice, Arbeitsagentur und Stadt - die in der Arbeitsgemeinschaft die Langzeitarbeitslosen betreuen - behindern sich gegenseitig: Wir fordern damit eine Intensivierung der Arbeitsvermittlung (z.B. nach dem Münchner-Modell) und die sog. Option: eine Verantwortung - und die soll in Hamburg liegen.
Qualifizierung und Weiterbildung ist das Mittel gegen die grundlegende strukturelle Arbeitslosigkeit - Bildung und lebenslanges Lernen sind die zentralen Forderungen. Wirtschaftsunternehmen beklagen bereits jetzt einen abzusehenden Mangel an Fachleuten, auch bei den Zeitarbeitsfirma ist der "Markt" langsam leergefegt. Arbeitsmarktpolitische Mittel müsssen eingesetzt werden, um anzulernen, umzuschulen, im Job weiterzubilden - nicht ungesteuert und ziellos - sondern kontolliert und evaluiert. Heute zeigt sich, dass Qualifizierung weiterhin höchste Integrationsquoten begründet.
Wir gehen nicht davon aus, dass in absehbarer Zeit alle 85.000 Arbeitslose in Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarktes zu vermitteln sind. Ein zweiter Arbeitsmarkt kann, soll, muss eine Möglichkeit bieten, Qualifikationen wieder aufzubauen, weiterzuentwickeln - Beschäftigung zu ermöglichen, solange Beschäftigung auch wesentlich "gesellschaftliche Teilhabe" bedeutet. Nur - und das unterscheidet uns auch ganz wesentlich von der CDU - wollen wir kein Abschieben in 1-Euro-Jobs, sondern sinnvolle Beschäftigung dort, wo sie benötigt wird. Eine VerKnüpfung von sozialer Stadtteilentwicklung und Arbeitsmarktpolitik - mehr soziale Infrastruktur für die Menschen in benachteiligten Stadtteilen. Es geht nicht darum Arbeitslose zentral gesteuert in Maßnahmen zu parken, sondern vor Ort Projekte zu entwickeln, die den Menschen helfen - den Bewohnern und den Arbeitslosen: eine Bürgerarbeit, die nicht Stigmatisierung und Ausgrenzung bedeutet, sondern Teilhabe an der Stadtgesellschaft, der Bürgergesellschaft.
Neue Jobs entstehen heute nicht nur im Hafen, sondern im Bereich neuer Technologien - insbesondere der erneuerbaren Energien - hier kann Arbeitsmarktpolitik einen Beitrag leisten, um entsprechende Fachleute zu fördern, entsprechende Ausbildungsmöglichkeiten zu fördern.
Nicht zu akzeptieren bleibt, dass der jetzige Senat seine eigenen Anstrengungen im Bereich der Arbeitsmarktpolitik zurückgefahren hat - und zwar nicht nur materiell. Ein Engagement dieses Senates wird nur dort deutlich, wo ohnehin Arbeitsplätze entstehen - das ist dann ein Grund zum feiern - aber keine Politik. Aufgabe muss es sein, die strukturellen Probleme in Bezug auf die Bildung und Ausbildung anzugehen, langwährende Arbeitslosigkeit in eine gemeinwohlorientierte Beschäftigung umzusetzen und den neuen wirtschaftlichen Strukturwandel in Bezug auf Ressourcenverbrauch und Klimaauswirkungen für Hamburg zu nutzen....
Das wiederum in Kürze - ich bitte Sie bei weiterem Interesse genauer nachzufragen -
Mit vielen Grüßen
Gudrun Köncke