Grietje Staffelt (DIE GRÜNEN)
Abgeordnete Bundestag 2005-2009
Dieses Profil dient zu Archivzwecken, eine Befragung ist nicht mehr möglich.

Angaben zur Person
Grietje Staffelt
Jahrgang
1975
Berufliche Qualifikation
Diplom-Pädagogin
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Flensburg - Schleswig
Landeslistenplatz
3, Schleswig-Holstein
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(...) Hier brauchen wir keine neuen Regelungen, die bestehenden müssen nur konsequenter umgesetzt werden. Außerdem ist es ein Trugschluss zu glauben, dass z.B. mit Verboten von sog. "Killerspielen" Amokläufe verhindert würden. Das ist purer Populismus und wird den komplexen individuellen Ursachen für solche Gewaltausbrüche überhaupt nicht gerecht. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
03.07.2009
Bundestagswahlrecht
nicht beteiligt
02.07.2009
AWACS-Einsatz in Afghanistan
nicht beteiligt
18.06.2009
Internetsperren
nicht beteiligt
18.06.2009
Patientenverfügung (Stünker-Antrag)
JA
29.05.2009
Schuldenbremse
NEIN
28.05.2009
Abgabe von künstlichem Heroin an Schwerstabhängige
nicht beteiligt
Fragen an Grietje Staffelt
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Frage zum Thema Umwelt
10.06.2009
Von:

Was kann man gegen das von RWE geplante CO2 Endlager in Schleswig Holstein tun?

Unterschriften Aktionen können da ja nicht langen oder?
Antwort von Grietje Staffelt
2Empfehlungen
16.06.2009
Grietje Staffelt
Sehr geehrter Herr ,

ja, man kann sehr viel mehr tun, als Unterschriftenlisten zu unterschreiben. Die Koordination verschiedener Protestaktionen hat bereits begonnen.

Am kommenden Mittwoch, den 17.6., wird das Thema CCS in der Landtagssitzung beraten. Um ein deutliches Zeichen zu setzen, rufen Bündnis 90/Die Grünen alle Menschen dazu auf, am 17.6.2009 um 14 Uhr vor dem Landtag in Kiel gegen das CO2-Lager in Nordfriesland und Schleswig-Flensburg zu demonstrieren.

Aktuelle Informationen zu CCS und geplanten Aktionen finden Sie auf der Homepage der schleswig-holsteinischen Grünen ( www.sh-gruene.de ).

Der Protest gegen ein CO2-Endlager findet auch parteiübergreifend statt. Was konkret läuft, können Sie über die grüne Landesgeschäftsstelle in Kiel erfahren (Kontakt: isabel.sadewasser@gruene.de )

Weiterhin sind die Grünen vor Ort in enger Anbindung an den Landesverband aktiv. Einen Info-Verteiler zum Thema baut gerade der Kreisverband Nordfriesland auf (Kontakt: kv.nordfriesland@gruene.de ).

Die Argumente gegen CCS sind aus meiner Sicht erdrückend. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie Ihrem Protest Ausdruck verleihen und sich an den vielfältigen Aktionen beteiligen.

Mit freundlichem Gruß

Grietje Staffelt
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Frage zum Thema Tourismus
17.06.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Staffelt,
ich behellige Sie jetzt mit einem Umwelt/Tourismus/Verkehr-Thema, welches mir schon sehr lange auf den Nägeln brennt. Steigerungsraten des Flugverkehrs und Erreichen der Klimaschutzziele: Wie passt das zusammen und wann wird man dieses sehr ernste Thema endlich angehen?

Bei Flugzeugen wird fälschlicherweise der CO2-Ausstoß in der Höhe wo Flugzeuge fliegen (teils in Stratosphäre) mit Autos, Bussen und Bahnen verglichen, was wegen den unterschiedlichsten Temperaturen überhaupt nicht geht!

Bis in die Stratosphärenschichten hinein sind es meißt minus 60° und kälter, wodurch der Wasserdampf aus dem Abgas der Flieger kristallisiert. Vom Weltraum betrachtet tragen die alltäglichen Linienflüge schon heute zu einem dichten Netz um unseren ganzen Planeten bei. Dieses dichte Netz aus kristallisiertem Wasserdampf lässt UV-Strahlen der Sonne zwar ohne nennenswerte Ablenkungen hindurch, jedoch die von der Erde zurückreflektierten Wärmestrahlen, werden von den Flugzeugabgas-Wasserkristallen und Aerosolen mehrfach zurück zur Erde reflektiert, womit der Treibhauseffekt so richtig in Gang kommt.

Wasserstoff-Flugzeuge würden diese Wirkung sogar noch verstärken!

Verbieten lassen will sich keiner was in einer Demokratie! Allerdings wenn man dem Menschen beibringen will, das Klimaschutz so wichtig ist, kann man einen der schlimmsten Klimakiller keinen Freifahrtschein geben, nur weil es das liebste Kind, neben dem Auto, der Weltmächte ist.

Wie sehen Sie das und was Gedenken Sie persönlich mit Ihrer Partei dazu beisteuern zu können? Ganz ehrlich: Haben sie überhaupt schon versucht diese Art der klimafeindlichsten Mobilität mit politischen Werkzeugen zurückzudrängen?

Was für Möglichkeiten und realistischen Chancen sehen Sie persönlich, um diese stärker werdenden Auswirkungen zurückdrängen zu können?

Vielen Dank schon mal vorab.
Antwort von Grietje Staffelt
1Empfehlung
22.06.2009
Grietje Staffelt
Sehr geehrter Herr Meyerle,

ich stimme Ihnen zu, die Zunahme des Flugverkehrs und die Erreichung der Klimaschutzziele passen nicht zusammen, denn Fliegen führt nachweislich zu einer immer höheren Klimabelastung.

Die auf den internationalen Flugverkehr zurückgehenden Treibhausgasemissionen der EU sind seit 1990 um 87 Prozent gewachsen. Der Weltklimarat geht mindestens von einer Verdopplung der CO2-Emissionen des Luftverkehrs bis 2015 und einer Verdreifachung bis 2030 im Vergleich zu 1990 aus. Dabei ist der Klimaeffekt des Fliegens weitaus höher als die CO2-Emissionen. Nicht nur die Abgasemissionen aus der Kerosinverbrennung, sondern auch Kondensstreifen und vor allem Cirruswolken haben in einer Flughöhe zwischen 8.000 - 13.000 Metern besonders starke Auswirkungen auf den Treibhauseffekt. Der UN-Weltklimarat (IPCC) bemisst die unmittelbare Strahlungswirkung des Flugverkehrs daher zwei- bis viermal stärker als die alleinige Wirkung von Kohlendioxid.

Meine Fraktion hat daher im September 2008 einen Beschluss Verfasst, in dem wir die die EU-Kommission und die Bundesregierung auffordern folgende Maßnahmen zu ergreifen:

  • Die Einbeziehung aller Treibhausgasemissionen des Flugverkehrs (d.h. CO2 mit einem Faktor 3) in den europäischen Emissionshandel; internationalen Luftverkehr mit klaren Reduktionszielen in den Post-Kyoto-Prozess einbinden.
  • Effizienzsteigerungen durch den einheitlichen europäischen Luftraum, Forschung und Entwicklung für leise, sichere, verbrauchsarme und klimafreundliche Flugzeuge.
  • Die Abschaffung sämtlicher Steuerprivilegien des Flugverkehrs (Kerosinsteuer, Mehrwertsteuerbefreiung von Auslandsflügen).
  • eine Flugticketabgabe zur Aufstockung der Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit.
  • Einen Masterplan nachhaltiger Luftverkehr, der Planung und Entwicklung der Luftverkehrsinfrastruktur nach umwelt-, lärmschutz- und wirtschaftspolitischen Kriterien steuert.
  • Staatliche Subventionen für unwirtschaftliche Regionalflughäfen streichen.

Die spezifischen CO2-Emissionen des Fliegens sind im Personenverkehr dreimal höher als die der Eisenbahn. Kurzstreckenflüge sollten daher nach und nach ganz durch den Schienenverkehr ersetzt werden. Die herrschende Steuer- und Subventionspolitik unterstützt die ökologisch schädliche Wahl des Transportmittels und des Reiseziels. Deshalb ist es notwendig, die Bemühungen für eine europäische Initiative zur Abschaffung der Steuerbefreiung von Kerosin voranzutreiben, um so auch die versteckte Subventionierung von Fernreisen zu beenden und den inländischen Tourismus zu stärken.

Mit freundlichen Grüßen

Grietje Staffelt
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Frage zum Thema Internetsperren
21.06.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Staffelt,

Dem Abstimmungsergebnis zum Zugangserschwernisgesetz entnehme ich das Sie sich nicht an der Abstimmung beteiligt haben.

Ich möchte von Ihnen nun gerne erfahren warum Sie sich zu diesen Schritt entschlossen haben. Sie hätten sich, wie 15 andere Mitglieder Ihrer Partei auch, enthalten können. Was vermutlich zu einer ähnlichen Frage geführt hätte.

Allerdings hat die Debatte um dieses Gesetz bei Ihnen offenbar nicht einmal zu diesen Entschluss geführt.

Ich möchte von Ihnen nun also wissen, was Sie zum total Verzicht einer Stimmabgabe bewogen hat?

Schließlich wird von einigen Bürgern die Meinung vertreten das jede Stimme die nicht gegen dieses Gesetz ist, eine Stimme für den Aufbau einer Zensurinfrastruktur ist. Nach dieser teilweise nachvollziehbaren Logik, müssten Sie sich also zukünftig unterstellen lassen für eine Zensur in Deutschland zu sein.

Andererseits unterstellt die Gegenseite jedem der nicht für dieses Gesetz ist eine gewisse nähe zur Kinderpornographieszene oder zu mindestens deren Duldung. Könnten Sie mit Ihrem Abstimmungsverhalten nun ausgesetzt sein.

Sind Sie nicht der Meinung das Ihre Wählerrinnen und Wähler, gerade bei einem solch brisanten Thema, eine konkrete Antwort von Ihnen erwarten dürfen?

Mit freundlichen Grüßen,
Antwort von Grietje Staffelt
13Empfehlungen
24.06.2009
Grietje Staffelt
Sehr geehrter Herr ,

am vergangenen Donnerstag hat das Parlament mit einer Mehrheit von 398 Stimmen, überwiegend aus der Koalition, dem Gesetzentwurf der Bundesregierung gegen Kinderpornographie im Internet zugestimmt. Ich lehne dieses Gesetz ab, weil es der Bekämpfung der Kinderpornographie meines Erachtens nicht dienlich ist und vor allem unverhältnismäßig in verbriefte Bürgerrechte eingreift.

Kinderpornographie ist eine der widerwärtigsten Straftaten überhaupt. Die Herstellung und Verbreitung, die Beschaffung und der Besitz von Kinderpornographie sind zu Recht strafbar. Dies gilt auch für das Internet. Auf der bestehenden Rechtsgrundlage kann schon heute gegen Anbieter und Nutzer kinderpornographischer Inhalte im Netz vorgegangen werden. Die Erfahrungen zeigen, dass die überwiegende Mehrzahl kinderpornographischer Inhalte umgehend gelöscht wird, wenn die Betreiber der Seiten auf die Inhalte hingewiesen werden. Das Stopp-Schild der Bundesregierung stellt nun allenfalls eine Zugangserschwernis dar, die ohne weitreichende technische Kenntnisse zu umgehen ist. Entsprechende Anleitungen lassen sich einfach im Netz finden. Der aktuelle Gesetzentwurf wirft also höchstens einen sehr durchsichtigen Schleier über die Inhalte, er beseitigt sie aber nicht.

Neben diesen grundsätzlichen Erwägungen sehe ich auch rechtsstaatliche Implikationen. Ich glaube nicht, dass in einem Rechtsstaat geheime Sperrlisten geführt werden sollten. Schon gar nicht von einer Institution wie dem Bundeskriminalamt (BKA), dem hier auch die rechtsstaatliche Kompetenzzuweisung fehlt. Außer in der Terrorismusbekämpfung hat das BKA keine Zuständigkeit in der Gefahrenabwehr. Zusätzlich dann noch den Bundesdatenschutzbeauftragten als Prüfinstanz mit ins Boot zu holen und damit seine dringend notwendige Unabhängigkeit zu beschädigen, ist der falsche Ansatz.

Ich teile die Ansicht vieler User und Aktivisten im Netz sowie die Einschätzung von Juristen, dass die von der Bundesregierung geplante Sperrinfrastruktur zumindest die Gefahr einer Ausdehnung auf andere Inhalte als Kinderpornographie implizit beinhaltet. Wenn nicht heute, so vielleicht in Zukunft. Die Ereignisse rund um die Proteste gegen das offizielle Wahlergebnis im Iran zeigen, wie wichtig der freie Zugang zu Informationen für eine offene Gesellschaft ist. Wer das Grundrecht auf freie Information einschränkt, schwächt automatisch auch alle anderen Grundrechte. Der Kampf gegen Kinderpornographie ist zwar dringend notwendig, er darf aber auch im Netz nicht dazu führen, dass elementare Grundrechte verletzt werden. Das Internet darf kein grundrechtsfreier Raum werden!

Schlichte Symbolpolitik à la Ursula von der Leyen wird den Missbrauch und die Misshandlung von Kindern nicht beenden. Viel wichtiger und effektiver wäre es, bestehende Gesetze konsequent anzuwenden und international für vergleichbare Standards bei der Verfolgung von Kinderpornographie und Kindesmissbrauch im Netz ebenso wie im realen Leben zu sorgen.

Da am Donnerstag die Betreuung meiner kleinen Tochter kurzfristig nicht gewährleistet war, konnte ich an der Abstimmung über den Gesetzentwurf der Bundesregierung gegen Kinderpornographie im Internet nicht teilnehmen. Wäre es mir möglich gewesen, meine Stimme abzugeben, dann hätte ich ganz klar gegen den Gesetzentwurf der Bundesregierung gestimmt.

Ich möchte an dieser Stelle zusätzlich betonen, dass keine grüne Abgeordnete und kein grüner Abgeordneter für den Gesetzentwurf der großen Koalition gestimmt hat. Es gab insgesamt 15 Grüne, die sich enthalten haben. Diese Abgeordneten haben sich ihre Entscheidung nicht leicht gemacht und hatten sicher gewichtige Gründe für ihre Entscheidung. Die Enthaltungen interpretiere ich so, dass sich die 15 Abgeordneten durchaus über die rechtsstaatlich fragwürdigen Auswirkungen bewusst waren und sind. Nur sind sie in einer ganz persönlichen Güterabwägung zu anderen Schlüssen gekommen, die ich nicht teile. Es gehört aber zu einer Demokratie und damit zu einer demokratischen Partei, dass auch abweichende Meinungen, wenn sie begründet sind, akzeptiert werden.

Mit freundlichen Grüßen

Grietje Staffelt
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
07.09.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Staffelt,

erst einmal vielen Dank für Ihre Antworten im Forum.
Leider haben Sie folgende Frage vom 02.06.2009 nicht beantwortet:

"Ist das "Ihre" Demokratie? Warum können die Bundesabgeordneten nicht direkt gewählt werden? Warum sind Sie gegen die Direktwahl des Bundespräsidenten?"

Weiterhin bewegt mich die Frage, weshalb in unserem Personalausweis unter "Staatsbürgerschaft" nur der Begriff "deutsch" steht, und nicht "Bundesrepublik Deutschland?"

"Deutsch" ist meine Muttersprache, doch keine Staatsangehörigkeit.
Wie stehen Sie dazu?

In Erwartung Ihrer Antwort verbleibe ich mit freundlichen Grüßen

Antwort von Grietje Staffelt
bisher keineEmpfehlungen
10.09.2009
Grietje Staffelt
Sehr geehrter Herr ,

Bundestagsabgeordnete können, anders als von Ihnen dargestellt, durchaus direkt gewählt werden. Dies geschieht bei der Wahl mit der Vergabe der Erststimme, die direkt an einen Kandidaten vergeben wird. Die zusätzliche Wahl von Parteien mit der Zweitstimme ergänzt diese Direktwahl und trägt dazu bei, dass die Parteien wie im Grundgesetz (Art. 21) beschrieben an der politischen Willensbildung mitwirken können. Der Bundespräsident wird in Deutschland nicht direkt gewählt, um das repräsentativ angelegte Amt nicht politisch aufzuladen. Sowohl das Wahlsystem als auch die bewusst unpolitische Gestaltung des Bundespräsidentenamtes sind auf die Erfahrungen der Weimarer Republik zurückzuführen, als andere Gestaltungen sich als förderlich für Instabilität und Radikalisierung erwiesen haben. Diese Weiterentwicklung hat sich in der Geschichte der Bundesrepublik bewährt und findet auch meine Unterstützung.

Was die Staatsangehörigkeit angeht, die im Personalausweis vermerkt ist, ist "deutsch" hier als Adjektiv zu verstehen: Sie besitzen die deutsche Staatsangehörigkeit, nicht die "Bundesrepublik Deutschland Staatsangehörigkeit". Diese Formulierung ist auch vor dem Hintergrund sinnvoll, dass die deutsche Staatsangehörigkeit nicht aufgrund der Geburt im Bundesgebiet, sondern aufgrund der deutschen Staatsangehörigkeit der Eltern vergeben wird.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit diesen Antworten weiterhelfen.

Mit freundlichen Grüßen
Grietje Staffelt
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Frage zum Thema Wirtschaft
14.09.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Staffelt,

der Linux-Verband e.V. ( www.linuxverband.de ) ist der Branchenverband der Open Source Unternehmen in Deutschland. Unsere Verbandsmitglieder repräsentieren den IT-Mittelstand, deren Geschäftsmodell vorrangig auf Open Source Software und tangierenden Dienstleistungen basiert. Als Vorstandsmitglied des Linuxverbandes bitte ich Sie, als medienpolitische Sprecherin Ihrer Fraktion, Ihren parteipolitischen Standpunkt zu Open Source zu erläutern und die nachfolgenden Fragen bis zum 20.09.2009 unter Berücksichtigung Ihres Parteiprogrammes zu beantworten.

1)
Welchen Standpunkt hat Ihre Partei generell zu Open Source Software?

2)
Sollte die Tatsache, ob es sich bei einer Software um Open Source Software handelt, bei der Bewertung von Angeboten auf öffentliche Ausschreibungen berücksichtigt werden?

3)
Sollten öffentliche Verwaltungen gehalten sein, grundsätzlich die Lieferung von Open Source Software auszuschreiben, wenn dies technisch und fachlich möglich ist?

4)
Sollten öffentliche Verwaltungen gehalten sein, grundsätzlich offene Standards und Schnittstellen (z.Bsp.: ODF / OpenOffice) in Ausschreibungen zu berücksichtigen?

5)
Halten Sie es für sinnvoll, in Deutschland oder in der EU ansässige Unternehmen und Einrichtungen (wie z.B. Forschungsinstitute), die Open Source Software entwickeln, besonders zu fördern?

6)
Sollte Open-Source-Software in Bildungseinrichtungen stärker verwendet werden?

Ich bedanke mich im Voraus für Ihre Antworten.

Mit freundlichen Grüßen,

2.Vorsitzender
LIVE Linux-Verband e.V.
Antwort von Grietje Staffelt
1Empfehlung
18.09.2009
Grietje Staffelt
Sehr geehrter Herr ,

herzlichen Dank für Ihre Fragen, die ich Ihnen hiermit gern beantworte.

1) Welchen Standpunkt hat Ihre Partei generell zu Open Source Software?

Bündnis 90/Die Grünen sprechen sich seit langem für Freie Software, offene Formate und Lizenzen wie z.B. Creative Commons aus. Deshalb werden wir auch in Zukunft gegen Softwarepatente kämpfen und uns gegen die Diskriminierung von freier Software in der Verwaltung einsetzen. Freie Software lohnt sich nicht nur wirtschaftlich und ist sicherer. Sie bietet durch ihre Kompatibilität und lange Lebensdauer auch einen großen ökologischen Vorteil.

2) Sollte die Tatsache, ob es sich bei einer Software um Open Source Software handelt, bei der Bewertung von Angeboten auf öffentliche Ausschreibungen berücksichtigt werden?

Die Unterschiede von Open Software und proprietärer Software sind erheblich, besonders was die langfristigen Kosten, die Abhängigkeit von den Softwareanbietern, sowie die Kontrolle über den Code und die Anpassungsfähigkeit an spezielle Anwendungen betrifft.
Wir setzen uns deshalb dafür ein, dass sich Open Source und offene Formate noch stärker auch in der Verwaltung durchsetzen.

3) Sollten öffentliche Verwaltungen gehalten sein, grundsätzlich die Lieferung von Open Source Software auszuschreiben, wenn dies technisch und fachlich möglich ist?

Wenn die Möglichkeit besteht, Open Source Software einzusetzen, weil sie den gestellten Anforderungen entspricht, dann sollten die spezifischen Vorteile von Open Source Software, wie zum Beispiel die geringe Abhängigkeit von Anbietern, auch wirklich genutzt werden.

4) Sollten öffentliche Verwaltungen gehalten sein, grundsätzlich offene Standards und Schnittstellen (z.Bsp.: ODF / OpenOffice) in Ausschreibungen zu berücksichtigen?

Wo immer sich die öffentliche Verwaltung auf Standards festlegt, müssen - soweit verfügbar - offene und patentfreie Standards bevorzugt werden. Gleiches gilt für die Dateiformate aller von der Verwaltung veröffentlichtenDokumente.
Es muss allerdings klar sein, was mit offenen Standards gemeint ist. Erst 2007 verabschiedete die große Koalition einen Antrag, in dem sie die Definition von offenen Standards so formulierte, dass sie gebührenpflichtige, patentierte Standards mit einbegriff. Offene Standards sind unserer Ansicht nach der richtige Weg, um Dokumente den Lesern und Nutzern auch für die Zukunft zu erhalten: Produkte die auf offenen Standards basieren, sind nicht abhängig vom wirtschaftlichen Erfolg oder Misserfolg eines einzelnen Herstellers. Sie sind investitionssicher und können kostengünstig in vorhandene Systeme implementiert werden. Kleinen und mittleren Unternehmen wird der Zugang zu Informationsmärken erleichtert und der Wettbewerb im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien wird gestärkt.

5) Halten Sie es für sinnvoll, in Deutschland oder in der EU ansässige Unternehmen und Einrichtungen (wie z.B. Forschungsinstitute), die Open Source Software entwickeln, besonders zu fördern?

Bündnis 90/Die Grünen halten die Förderung der Open Source Forschung und Entwicklung für wichtig, sowohl in Forschungsinstituten als auch bei Unternehmen. Unter anderem haben wir in unserem Fraktionsbeschluss vom 5. Mai 2009 gefordert, die Rahmenbedingungen für Forschung und Entwicklung besonders in kleinen und mittleren Unternehmen insgesamt attraktiver zu machen. Allen Unternehmen bis 250 Mitarbeiter sollen etwa 15 Prozent ihrer Ausgaben für Forschung und Entwicklung steuerlich gutgeschrieben werden.

6) Sollte Open-Source-Software in Bildungseinrichtungen stärker verwendet werden?

Open Source, Freie Software und Offene Formate müssen stärker als bisher Einzug in Bildungseinrichtungen und die öffentliche Verwaltung finden, weil sie kostengünstiger, energiesparender und grundsätzlich sicherer sind. Wir halten es auch für sinnvoll, die Medienkompetenzvermittlung in Schulen nicht nur auf Bedienungskenntnisse zu beschränken, sondern auch Hintergrundwissen zu vermitteln, etwa über das Potential von quelloffener und freier Software für Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. Computerkompetenz darf nicht nur Programm-Anwendung bedeuten. Schließlich muss eine freie Entscheidung für oder gegen einzelne Programme oder Software-Lösungen möglich sein.

Ich hoffe, Ihnen damit weitergeholfen zu haben.

Mit freundlichem Gruß

Grietje Staffelt
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