Fritz Kuhn (GRÜNE)
Kandidat Bundestagswahl 2005
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Grunddaten
Fritz Kuhn
Jahrgang
1955
Berufliche Qualifikation
Sprachwissenschaftler
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wohnort
-
Wahlkreis
Heidelberg-Weinheim
Ergebnis
11,1%
Landeslistenplatz
2, Baden-Württemberg
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Frage zum Thema Frauen
14.09.2005
Von:

Hallo Herr Kuhn,

danke für ihre ausführliche Antwort! Tatsächlich hat sich ja in der Frage der Gleichberechtigung einiges verbessert seit den 80er Jahren! Meiner Meinung nach sind Benachteiligungen von Männern (Wehrpflicht, Scheidungsrecht, Sorgerecht, Frauenquoten, Benachteiligung von Jungen in der Schule,...) inzwischen häufiger und gravierender als die, zugegebenermaßen noch existierenden Benachteiligungen von Frauen (hauptsächlich schlechtere Bezahlung, wobei das meiner Meinung nach gar nicht bewiesen ist). Eine solche Praxis wie bei ihnen führt natürlich auch zu massiv ungleichen Chancen, wenn 30% der Parteimitglieder Frauen sind und diese über 50% der Parteiämter bekommen ist natürlich die Chance (=Wahrscheinlichkeit ein Amt zu bekommen) bei einer einzelnen Frau fast doppelt so hoch wie bei einem einzelnen Mann.

Ich persönlich finde diese Benachteiligungen bei den Grünen sehr schade und wirklich nicht mehr zeitgemäß. Bis auf diese Frage ist meine persönliche politische Einstellung fast deckungsgleich mit dem Programm der Grünen. Gäbe es diese Diskriminierungen nicht bei Ihnen würde ich mich wahrscheinlich sogar bei den Grünen engagieren!

Deswegen meine Frage: Wann sehen die Grünen ein, daß wir nicht mehr in der Gesellschaft der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts leben und schaffen diese Diskriminierungen ab? Wann setzen sich die Grünen endlich dafür ein, daß man Gleichberechtigung für jedes Individum schaffen muß und daß man nicht Einzelne dafür bestrafen darf daß sie einer Gruppe (Männer) angehören, die angeblich die andere Hälfte der Menschheit (Frauen) unterdrückt?
Antwort von Fritz Kuhn
bisher keineEmpfehlungen
16.09.2005
Sehr geehrter Herr ,

zunächst möchte ich richtig stellen Ihre Zahl zum Frauenanteil bei den
Grünen. Obwohl wir in der Wählerschaft immer wieder über 50 Prozent
Frauen für uns gewinnen können, haben wir bei der Mitgliedschaft in der
Tat bisher einen niedrigeren Frauenanteil. Der liegt aber nach den
aktuellsten der Bundesgeschäftsstelle vorliegenden Daten bei rund 37
Prozent (womit wir zumindest vor anderen Parteien liegen, schauen Sie
mal zu Union und FDP zum Vergleich). Sie liegen also insofern zumindest
richtig, dass nicht jedes zweite Mitglied bei uns eine Frau ist. Aber
warum sollte dann durch die Quotierung der Wahlplätze eine
Diskriminierung gegen Männer vorliegen?
Erstmal gibt es genug Ämter und Listenplätze, wo, wenn man mal bei einer
Wahl für einen bestimmten Posten nicht zum Zuge kam, man erneut antreten und Aufgaben an anderer Stelle übernehmen kann, wenn einem an der Mitarbeit mit Amts- oder Mandatsaufgaben in unserer Partei gelegen ist.
Grundsätzlich aber ist kein einzelner Mann per se durch unsere
Quotierungsregel von der Wahl ausgeschlossen. Antreten kann Jeder und
Jede auf jedem Platz einer Liste, übrigens auch Nichtmitglieder. Dass
unsere Delegierten einem Mann auf einem ungeraden Listenplatz bei der
Aufstellung einer Wahlliste ihre Stimme mit großer Mehrheit verweigern
würden, ist ihr gutes Stimmrecht. Auf dem nächsten geraden Platz könnte
er gewinnen. Ein Beispiel: wer bei der ersten Wahl zum Amt unserer
Bundesvorsitzenden nicht zum Zuge kommt, weil er ein Mann ist, ist durch
nichts gehindert, bei der nachfolgenden Wahl zum zweiten
Co-Vorsitzendenposten zu kandidieren. Dass er dabei durch einen anderen
Konkurrenten ausgestochen werden kann, ist keine Diskriminierung und
kann jeden undn jede treffen, die sich einer Wahl stellen.

Politisch entscheidend ist und bleibt für uns nicht, ob der Anteil von
Frauen und Männern in der Mitgliedschaft eins zu eins wiedergespiegelt
wird in den Gremien und Listen. Wir wollen die bestehenden
Ungleichgewichte nicht widerkauen sondern ändern. Entscheidend ist
vielmehr: Beide Geschlechter stellen nahezu die Hälfte in der
Bevölkerung, aber auch heute sind sie noch nicht in politischen Ämtern
und Funktionen annähernd gleich beteiligt. Auch nicht in der Wirtschaft
oder anderen Führungsbereichen in anderen Organisationen und Bereichen.
Und wir treten dafür ein, dass zu ändern und dies auch mit dem Mittel
des Geschlechterproporzes über die Quotierung in unserer Partei, weil
wir es da selbst direkt in der eigenen Hand haben.

Soweit zu uns und unseren Ansprüchen. Einen von Ihnen wahrgenommenen
Trend weg von der grundsätzlichen Benachteiligung von Frauen zu immer
stärkerer Ungerechtigkeit gegenüber dem männlichen Geschlecht kann ich
nicht erkennen. Dazu jetzt jeden Rechtsbereich einzeln im Detail
durchzugehen, geht in der Tat über meine verfügbare Zeit. Aber zur
Wehrpflicht will ich kurz anmerken, weil dies auch schon in einer
vorherigen Frage an mich auftauchte: Dass es heutzutage ungerecht wirkt,
dass nur Männer zur Wehrpflicht herangezogen werden und nicht auch
Frauen, läßt sich schwer abstreiten. Aber wir sind als Grüne schließlich
ja auch für die Abschaffung der Wehrpflicht und die Umwandlung der
Bundeswehr in eine Freiwilligenarmee, zu der Frauen wie Männer
gleichberechtigt Zugang haben können müssen, so sie dies wollen. Es ist
aber meines Erachtens wenig ehrlich, uns die Ungerechtigkeit der
Wehrpflicht vorzuhalten und dass wir die Wehrpflicht noch nicht
abgeschafft haben, wenn bekanntermaßen wir dafür seit Jahren werben und
kämpfen, dies aber bislang durch große Merheiten in den beiden
Volksparteien abgelehnt wird, diese aber für eine erforderliche
Zweidrittel-Mehrheit im Parlament großteils zustimmen müßten. Zaubern
gehört nicht zu den demokratischen Künsten. Kämpfen und werben können
wir wir und werden es weiterhin. Wir haben schon an anderen Stellen
Ausdauer bewiesen und Erfolge am Ende eingefahren.

Mit freundlichem Gruß,

Fritz Kuhn, MdB
Bündnis 90/Die Grünen
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Frage zum Thema Wirtschaft
16.09.2005
Von:

Sehr geehrter Hr. Kuhn!

Im Interesse der Gerechtigkeit, des sozialen Friedens und des Wohlstandes ist es höchste Zeit, die Umverteilung von der verarmenden Mehrheit der Menschen in Deutschland zu den wenigen sehr Reichen mit wirksamen Mitteln zu stoppen.
Bleibt die Frage nach den „wirksamen Mitteln“.
Zunächst gibt es sicher kein anderes Mittel als die Besteuerung. Auf längere Sicht jedoch sollte man auch daran gehen, die Ursachen der Umverteilung anzugehen. Und die sind dem System unserer Geld- und Bodenordnung immanent.
Überlegungen, wie man am besten den Spitzenreichtum abschöpfen kann sind daher etwa so wirkungsvoll wie eine überlaufende Badewanne abzuschöpfen, ohne auf die Idee zu kommen, den Zulauf zu drosseln.
Man schaue sich einmal die Größenverhältnisse an: während die von der SPD diskutierte Abschöpfung der Reichtumsspitze maximal 1,5 Milliarden Euro im Jahr bringen würde, beträgt allein der Schuldendienst des Bundes über 41 Mrd. Euro! Die gesamten Zinszahlungen von Unternehmen, Privathaushalten und öffentlicher Hand betragen pro Jahr über 300 Milliarden Euro. Dieser Betrag, der weit größer ist als der Bundeshaushalt, fließt fast ausschließlich denen zu, die damit nichts anderes anzufangen wissen als ihn wieder profitabel anzulegen –mit dem Erfolg, dass die Vermögen beinahe exponentiell wachsen und es zu einer wahren Explosion des Reichtums kommt.
Wenn die Wirtschaft aber nur linear oder gar nicht wächst, hat dies zur Folge, dass für die Wertschöpfenden immer weniger bleibt. Hier ist der Wirkmechanismus zu finden, der die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter öffnet und immer größere Probleme schafft!
Die Freiwirtschaft bietet meines Erachtens mit ihrer Konzeption zur Reform unserer Geld- und Bodenordnung eine echte ursachenbereinigende Lösung des Problems.
Es wundert mich, dass in unserer Gesellschaft so wenig über diese Lösung diskutiert und geforscht wird.
Herr Kuhn, mich würde sehr interessieren wie Sie dazu stehen.
Frdl. Grüße L.
Antwort von Fritz Kuhn
1Empfehlung
16.09.2005
Sehr geehrter Herr ,
sozialen Frieden und Wohlstand wollen wohl alle (sollten es zumindest. Das sind gute und richtige Ziele. Aber wie man dort hinkommt, darüber gibt es natürlich viele verschiedene Theorien, ja Weltsichten, und allerlei unterschiedliche Ansätze auch innerhalb einzelner Wirtschafttheorien. Mich als Politiker interessieren dabei solche, die einen realen Bezug und Umsetzungschancen versprechen, mit denen ich grüne Politikziele erreichen kann. Was Silvio Gesell und andere mit ihren Theorien über das Übel des Zinses und des Bodenbesitzes und deren Abschaffung sich gedacht haben, gehört nicht dazu. Regionale Wirtschaftskreisläufe zu stärken und Austausch auf nachbarlicher Ebene ist schön und gut, es kann ja auch unökologische Transportkosten reduzieren. Als Grundlage für heutige Politik in unserer komplexen globalisierten Zivilisation halte ich das für irreales Zeug.

Mit freundlichem Gruß,

Fritz Kuhn, MdB
Bündnis 90/Die Grünen
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