Sehr geehrter Herr

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vielen Dank für Ihre Frage. Sie haben Recht, dass die Vorteile von Tempo 30 besser zum Tragen kommen, wenn es flächendeckend eingeführt wird. Deshalb fordern wir Grünen schon lange Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit im städtischen Verkehr, außer auf großen Verkehrsmagistralen.
Vorrangiges Ziel von Tempo 30 im Stadtverkehr ist die Erhöhung der Verkehrssicherheit Innerorts sowie die Reduktion von Lärm. Bei einem Unfall mit Tempo 50 ist das Risiko für Fahrradfahrer und Fußgänger schwer oder tödlich verletzt zu werden sehr hoch. Ab Tempo 30 hingegen ist die Aufprallgeschwindigkeit deutlich geringer und viele Unfälle verlaufen deutlich glimpflicher. Das betrifft insbesondere die zahlreichen Unfälle mit Kindern, die oft unvermutet vor ein Auto laufen sowie ältere Menschen deren Reaktionsvermögen beeinträchtigt ist.
Ihre Behauptung, dass bei geringeren Geschwindigkeiten die Aufmerksamkeit im Verkehrsgeschehen sinkt, trifft nicht zu. Vielmehr unterstützt Tempo-30 die Wahrnehmung und Aufmerksamkeit der Autofahrer für Vorgänge seitlich der Fahrbahn. Die Fokussierung der Aufmerksamkeit von Autofahrern auf den Fahrbahn- und Seitenbereich der Fahrbahn sowie die Aufnahme von Blickkontakt mit anderen Verkehrsteilnehmern spielt eine wesentliche Rolle gerade für die Kooperationsbereitschaft und Verkehrsverhaltenskultur der Verkehrsteilnehmer untereinander ("Tunnelblick" versus "Weitwinkelblick").
Da die menschlichen Sinne nur eine beschränkte Anzahl an Reizen / Informationen je Zeiteinheit aufnehmen und verarbeiten können, werden umso mehr wichtige Details "ausgeblendet", je schneller gefahren wird. Untersuchungen zeigen, dass Autofahrer ihre Aufmerksamkeit auf die Fahrbahnmitte vor dem Fahrzeug richten, um so mehr die Geschwindigkeit zunimmt, während die Aufmerksamkeit für den seitlichen Bereich bzw. den Blickkontakt mit anderen Verkehrsteilnehmern deutlich abnimmt. Das bedeutet, dass Vorkommnisse, die seitlich vor dem Fahrzeug stattfinden, mit zunehmender Fahrgeschwindigkeit weniger leicht wahrgenommen werden. Dies ist aber gerade in verbauten Wohnstraßen mit Fußgänger-, Rad- und ruhendem Verkehr sowie Kindern auf Gehsteigen oder im Fahrbahnrandbereich besonders gefährdend.
Unser Positionspapiere zur grünen Verkehrssicherheitsstrategie "Vision Zero - Mehr Verkehrssicherheit auf deutschen Straßen. Keine Toten und Schwerverletzten" finden Sie unter dem folgenden Link:
www.gruene-bundestag.de
Auch Ihre Behauptung, Tempo 30-Fahren verbrauche mehr Sprit und produziere mehr Schadstoffe trifft nicht zu.
Autohersteller und Autoexperten empfehlen seit Jahren, dass Tempo 30 im dritten Gang gefahren werden soll. Das schont den Motor, ist leiser und führt zu geringerem Verbrauch. Ein VW Golf (55kW/75 PS) braucht z.B. bei konstant 30 km/h im dritten Gang zwei Liter Benzin weniger pro 100 km/h als im zweiten Gang.
Zwar verbraucht ein PKW bei Tempo 50 im vierten Gang weniger Treibstoff als bei Tempo 30 im dritten Gang. Doch gilt dies nur für die Konstantfahrt. Den höchsten Verbrauch hat ein Auto während der Beschleunigungsphase. In einem Wohngebiet, in dem rechts vor links gilt, kommen bei Tempo 50 mehr und längere Beschleunigungsphasen vor als bei Tempo 30. Bei Tempo 30 erhöht sich der Anteil der verbrauchsgünstigen Konstantfahrtphasen.
Weitere Tipps zum Spritsparenden Fahren finden Sie hier:
www.energiesparen-im-haushalt.de
Übrigens, noch besser ist es natürlich kurze Strecken in Stadt oder Gemeinde zu Fuß oder per Fahrrad zurückzulegen.
Mit freundlichen Grüßen
Fritz Kuhn