Dr. Martina Bunge (DIE LINKE)
Abgeordnete Bundestag 2005-2009
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Grunddaten
Dr. Martina Bunge
Jahrgang
1951
Berufliche Qualifikation
Facharbeiterin (Eisenbahn), Diplom Lehrerin, Dr. oec., Dr. sc.
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Wismar - Nordwestmecklenburg - Parchim
Landeslistenplatz
2, Mecklenburg-Vorpommern
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Der Antrag "Dem Gesundheitswesen eine stabile Finanzgrundlage geben" (DS 16/3096) meiner Fraktion DIE LINKE wurde in der 80. Sitzung des Deutschen Bundestages am 2. Februar dieses Jahres mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD und FDP bei Enthaltung der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN abgelehnt. (...) Meine Fraktion DIE LINKE wird jedoch nicht müde werden, weiter für die Einführung einer solidarischen Bürgerinnen- und Bürgerversicherung zu streiten. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Gesundheit
05.06.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Dr. Bunge,

bei uns in Deutschland sind nur wenige bereit Organe zu spenden. Ausserdem sind auch viele Kliniken gar nicht darauf eingerichtet. Wie lässt sich dieser Zustand verbessern. Wie lässt sich die Bereitschaf zur Organspende erhöhen?
Wäre die Widerspruchslösung, wie sie in Österreich mit Erfolg praktiziert wird eine praktikable Lösung um wartenden Menschen zu helfen?

Vielen Dank und schöne Grüße
Antwort von Dr. Martina Bunge
1Empfehlung
05.08.2009
Dr. Martina Bunge
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Frage.

Das Thema Organspende liegt mir schon seit langer Zeit am Herzen. 12 000 Menschen warten auf ein lebensrettendes Organ. Vielen kann nicht geholfen werden, weil zu wenig Organe gespendet werden. Hier besteht dringender Handlungsbedarf.

Es gibt meines Erachtens zwei Hauptanknüpfungspunkte um die Menge der Organtransplantationen zu erhöhen.

Zum einen sind Strukturen im Gesundheitssystem notwendig, damit die Bereitschaft zu Organspenden auch tatsächlich umgesetzt wird und es tatsächlich zu Organtransplantationen kommt. Die Krankenhäuser müssen darauf eingerichtet sein. Die Vernetzung muss optimal sein, damit Spenderorgane zeitnah zu den Organempfängern gelangen. Zahlen zeigen, dass einige Krankenhäuser gar keine Organspenden melden, andere haben häufige Spenden. Die Ärzte in Krankenhäusern sind oft überlastet, nicht überall sind ausreichend qualifizierte Transplantationsbeauftragte vorhanden, der Kostendruck in den Kliniken ist hoch. Die Strukturen in den Krankenhäusern tragen also nicht unerheblich zu den fehlenden Organtransplantationen bei. Nur so ist zu erklären, dass immer mehr Menschen einen Organspendeausweis ausgefüllt haben und dennoch die Transplantationen im letzten Jahr zurückgingen. Eine wichtige Ursache dafür ist, dass viele Bundesländer noch keine Transplantationsausführungsgesetze erlassen haben.

Zum anderen brauchen wir zur Erhöhung der Organtransplantationen mehr Menschen, die bereit sind ihre Organe zu spenden und dies auch mit einem Organspendeausweis deutlich machen. Tatsächlich sind 67 % der Bürgerinnen und Bürger bereit ihre Organe zu spenden. Aber nur 17% haben einen Organspendeausweis. Wie kommt es zu dieser Differenz und was sind geeignete Maßnahmen um diesen Unterschied zu verringern? Im Mai diesen Jahres hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung eine Umfrage zur Organspende veröffentlicht. In dieser Umfrage wurden diejenigen, die keinen Ausweis haben, nach ihren Gründen befragt. Zunächst müssen wir uns klar machen, dass ca. ein Drittel der Bürgerinnen und Bürger ohne Spendenausweis ihre Organe nicht spenden wollen. 55% derjenigen ohne Spendenausweis haben Angst vor Missbrauch durch Organhandel, und mehr als ein Drittel hat Angst, dass nicht mehr alles medizinisch Notwendige für sie getan wird, wenn sie Organspender sind. Auch nicht zu vergessen ist das Drittel, das meint, dass sie zu krank oder zu alt seien um zu spenden. 55% der Befragten gaben an, dass sie sich jetzt noch nicht entscheiden wollen.

Eine Widerspruchslösung befürworte ich, allerdings hat diese in der Politik keine Mehrheit. Dahinter steht für mich auch die Frage, ob ein gesellschaftlicher Konsens gegenwärtig in der Bundesrepublik herstellbar wäre. Das A und O für die Bereitschaft zur Organspende ist, dass die Bürgerinnen und Bürger Vertrauen in das Gesundheitssystem haben. Dazu muss es vor allem solidarisch sein. Dem stehen die vielen Kommerzialisierungstendenzen in den letzten Jahren im Wege. Immer mehr Leistungskürzungen, Diskussionen um Rationierung und Budgetierungen führen zum Vertrauensverlust. Der Mensch muss endlich in den Mittelpunkt der Gesundheitspolitik stehen.

Ich hoffe, ich habe damit Ihre Frage ausreichend beantwortet.

Mit freundlichen Grüßen

Martina Bunge
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Frage zum Thema Gesundheit
25.06.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Dr. Bunge,

wie mir bekannt wurde, gibt es zwar einen Frauengesundheitsbericht, jedoch keinen Männergesundheitsbericht (trotz niedrigerer Lebenserwartung)
Werden Sie sich dafür einsetzen, daß hier eine Gleichbehandlung vorgenommen wird?

Gruß

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Frage zum Thema Gesundheit
28.06.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Dr. Bunge

Das GG garantiert den Schutz der Menschenwürde und das Recht auf körperliche Unversehrtheit.

Es gibt ein Buch von V. Coleman " Wie Sie Ihren Arzt davon abhalten , Sie umzubringen"

Das Bundeskabinett hat nunmehr die neue Schallschutzverordnung zum Fluglärmschutzgesetz verabschiedet. In dieser Verordnung spiegelt sich nicht der Stand der Technik (VDI 4700) und auch nicht die Empfehlung der WHO wieder, die da lauten :Grundstücke ohne Ausnahmen 25 dB(A) nachts, 35 dB(A) tags und 30 dB(A) für Einrichtungen als max. Innenraumpegel dürfen überschritten werden.

Eine Studie von Prof. Greiser kommt zu dem Ergebnis, dass ab einem Wert von 40 dB(A) jedes weitere Dezibel das Schlaganfallrisiko um 6,7%, das Risiko für Herzerkrankungen um 4,8% und das Brustkrebsrisiko um 7% erhöht.

Sehr geehrte Frau Bunge, stimmen Sie mit mir überein, dass Gesundheit nicht verhandelbar ist ? Sehen Sie, dass betroffene Bürgerinnen und Bürger hinter den Interessen der Luftverkehrslobby zurücktreten müssen.? Ist der Stand der Technik kein Maßstab für die BRD ?

Ist es richtig, dass Bundesministerium für Gesundheit bei der Erarbeitung der Schallschutzverordnung nicht mit einbezogen worden ist ?

Die Regierung spricht von ausgeurteilten Entscheidungen bei Flughafenprobelamtiken - hat eine Regierung das Recht die Exitenz und die Gesundheit von Menschen in Frage zu stellen ?

Wie kann man die Politik davon abhalten, einen durch Fluglärm umzubringen ?
Antwort von Dr. Martina Bunge
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05.08.2009
Dr. Martina Bunge
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Frage.

Ich kann Ihren Ärger verstehen und teilen. Die Bundesregierung hat den Belangen der Flughäfen Vorrang eingeräumt zu Lasten der Gesundheit der Anwohnerinnen und Anwohner. Das Gleiche trifft auch auf die Schallschutzverordnung zu. Meine Fraktion DIE LINKE war bei dem Thema Fluglärm sehr aktiv und hat sich intensiv für den Schutz der Anwohnerinnen und Anwohner eigesetzt.

dokumente.linksfraktion.net
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dokumente.linksfraktion.net
dokumente.linksfraktion.net
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Es ist davon auszugehen, dass das Bundesministerium für Gesundheit bei der Kabinettsentscheidung der Verordnung zugestimmt hat. Inwieweit das Ministerium konkret bei der Erarbeitung eingebunden war, entzieht sich meiner Kenntnis.

Meine Fraktion DIE LINKE fordert eine gesundheitsförderliche Gesamtpolitik. Nur wenn wir alle Politikbereiche zur Förderung der Gesundheit heranziehen, werden wir merkliche Fortschritte in der Gesundheit der Bevölkerung erzielen können. Die Gesundheit ist ein sehr hohes Gut und verdient es Priorität bei politischen Entscheidungen zu genießen. Wir brauchen ein Health Impact Assessment. d. h. bei jeder politischen Entscheidung sind die gesundheitlichen Folgen zu bedenken und entsprechend zu berücksichtigen.

Leider fehlen uns derzeit die Mehrheiten besser gegen Fluglärm vorzugehen. Meine Fraktion wird aber sich weiterhin für die Gesundheit der Menschen im Allgemeinen und den Schutz vor Fluglärm im Speziellen einsetzen.

Sie persönlich können gegen den Fluglärm eintreten, indem sie meine Fraktion DIE LINKE bei der Wahl unterstützen. Ansonsten bleibt Ihnen Ihre Empörung öffentlich zu machen, eine Petition einzubringen oder der Regierung auf die Füße zu treten.

Ich hoffe, ich konnte Ihre Frage zufriedenstellend beantworten

Mit freundlichen Grüßen

Martina Bunge
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Frage zum Thema Gesundheit
11.07.2009
Von:

sehr geehrte Frau dr. Bunge

Wie zuverlässig man im Umgang mit Daten ist und wie sicher diese geschützt werden, lässt der Heise- Bericht ahnen.
www.heise.de
Im Trustcenter der Bundesdruckerei passierte offenbar nach einem Spannungsabfall das, was D-Trust Geschäftsführer Matthias Merx gegenüber "heise online" als etwas beschrieb, was schon mal vorkommt: "Das HSM hat eigenständig die Daten gelöscht, weil es einen Angriff vermutete."
Die Befürchtungen von Andreas Bogk vom Chaos Computer Club haben sich damit bestätigt.
Auf so einer Karte möchte ich meine Krankengeschichte nicht gespeichert wissen.
Was hat das Experiment "Gesundheitskarte" bisher gekostet?
Wird der Karteninhaber entscheiden können, ob seine Krankengeschichte auf der Karte abgespeichert wird oder nicht?
Wer haftet für Behandlungsfehler die bei Datenverlust auftreten?
Antwort von Dr. Martina Bunge
bisher keineEmpfehlungen
05.08.2009
Dr. Martina Bunge
Sehr geehrte Frau ,

vielen Dank für Ihre Frage.

Zunächst möchte ich klarstellen, dass ich die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte nicht zu verantworten habe. Die Einführung geht bereits auf einen Beschluss der vorherigen Bundestages zurück. Für das derzeitige Verfahren ist die derzeitige Bundesregierung verantwortlich. Diese ist auch der bessere Ansprechpartner, wenn es um die bisherigen Kosten geht.

Meine Fraktion DIE LINKE stand der elektronischen Gesundheitskarte von vorneherein kritisch gegenüber. In einem Fachgespräch konnten diese Bedenken von der Gematik auch nicht ausgeräumt werden. Vor allem blieben Bedenken gegen Mehrwertdienste. also die kommerzielle Verwertung der Gesundheitskarte, gegen die zentrale Speicherung der Daten und bezüglich der Freiwilligkeit.

Selbst, wenn die Daten derzeit auf zentralen Servern sicher sein sollten, bedeutet dies nicht, dass das in Zukunft so bleibt. Ebenso ist fraglich, ob der Datenschutz weiter gewährleistet bleibt, wenn die Gesundheitskarte dazu dienen könnte, zur Terrorabwehr beizutragen oder sonstigen dringenden Nutzen zu erbringen. Die kommerzielle Nutzung der elektronischen Gesundheitskarte über Mehrwertdienste soll die Gesundheitskarte rentabel machen. Der Datenschutz ist damit allerdings extrem gefährdet.

Ich fürchte auch, dass es mit der Freiwilligkeit nicht von Dauer sein würde. Sobald sich Kosten mit der Karte sparen ließen oder dadurch sparen ließen, dass die Karte von allen im vollem Umfang genutzt wird, würde die Freiwilligkeit vermutlich aufgehoben. Oder zumindest würden die Kassen vielleicht Bonuszahlungen für Kartennutzerinnen und -nutzer herausgeben. Denn es ist klar, dass zusätzliche Kosten dadurch entstehen würden, dass beispielsweise Apotheken sowohl elektronische, wie auch Papierrezepte annehmen müssten. Ebenso muss in Arztpraxen neben den elektronischen Patientenakten zumindest auch eine serverunabhängige Akte geführte werden, sonst könnte die Versorgung erheblich gestört werden, wenn mal der Server längere Zeit ausfällt.

Letztlich wirft die elektronische Patientenakte viele Fragen und Probleme auf, weshalb sich letztlich der jüngste Parteitag der LINKE gegen sie ausgesprochen hat.

Mit freundlichen Grüßen

Martina Bunge
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Frage zum Thema Gesundheit
24.07.2009
Von:

Vom 21. bis 23. Juli hat im Bayerischen Landtag in München ein Schülerparlament zum Thema: "Hirnforschung: Eine Debatte um die Grenzen und Möglichkeiten der Wissenschaft” stattgefunden. Dort haben sich 100 Oberstufenschüler aus Bayern an 3 Tagen intensiv mit Fragen rund um das Thema auseinandergesetzt, in Arbeitsgruppen Experten befragt und Thesen entwickelt. Diese Thesen wurden schließlich im Plenum diskutiert und im parlamentarischen Verfahren verabschiedet.

In der Arbeitsgruppe zum Thema: "Die Leistungsgesellschaft der Zukunft: Kein Erfolg ohne Droge? Psychopharmaka steigern die Leistungsfähigkeit von Menschen. Welche Regeln sollten gelten, die weder neue Medikamente dämonisieren noch die Gesundheit aller in einem ruinösen Wettbewerb gefährden?" wurden dabei folgende Forderungen verabschiedet:
Wir fordern:
1. Die Einnahme von Medikamenten, die die geistige Leistungsfähigkeit erhöhen, ohne dass eine entsprechende Krankheit vorliegt, ist unabhängig vom Berufsstand illegal. Dies gilt auch für den Fall, dass die Medikamente weiterentwickelt werden und kaum Nebenwirkungen mehr aufweisen.
2. Die Krankheit wird mit Hilfe einheitlicher Tests durch Fachärzte, die eine zusätzliche Qualifikation in diesem Bereich erworben haben, diagnostiziert, um vor Missbrauch und leichtfertiger Verschreibung zu schützen.
3. Zur Prävention soll in Bildungseinrichtungen und in der Öffentlichkeit durch Experten umfassend über die Risiken und Nebenwirkungen des Medikamenten-missbrauchs aufgeklärt werden.
4. Die psychologische Betreuung der Betroffenen soll ausgebaut werden.
5. Die Sammlung von verlässlichen empirischen Daten bezüglich der Wirkung und möglichen Nebenwirkungen von Psychopharmaka soll erweitert werden.
6. Die Erforschung und Entwicklung von Psychopharmaka soll zu Heilungszwecken weiter vorangetrieben werden.
Es wäre schön, wenn Sie als Ausschussvorsitzende ein kurzes Statement zu den Forderungen der Schüler abgeben könnten.

MfG von Wissenschaft im Dialog GmbH
Antwort von Dr. Martina Bunge
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05.08.2009
Dr. Martina Bunge
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Fragen.

Zunächst einmal vorweg: Ich bin zwar Vorsitzende des Gesundheitsausschusses, aber ich möchte hier nicht in meiner Funktion als Vorsitzende antworten. Diese Funktion verpflichtet mich zu Neutralität. Bei Abgeordnetenwatch.de geht es aber gerade darum zu erfahren, wie die Abgeordneten zu bestimmten Fragen stehen. Daher antworte ich Ihnen als Abgeordnete und Mitglied der Fraktion DIE LINKE.

Ich finde die Schülerinnen und Schüler haben mit dem Thema Doping am Arbeitsplatz ein sehr spannendes und zunehmend wichtiges Thema debattiert.

Meine Antworten auf Ihre Fragen:

1. Die Einnahme von Medikamenten, die die geistige Leistungsfähigkeit erhöhen, ohne dass eine entsprechende Krankheit vorliegt, ist unabhängig vom Berufsstand illegal. Dies gilt auch für den Fall, dass die Medikamente weiterentwickelt werden und kaum Nebenwirkungen mehr aufweisen.

Ich bin natürlich grundsätzlich gegen die Einnahme von Medikamenten zur Förderung geistigen Leistungsfähigkeit (mich wundert etwas, dass die körperliche Leistungsfähigkeit außer Acht gelassen wurde). Aber ich gebe auch zu bedenken: Wer soll dies kontrollieren? Soll es also zukünftig Dopingtests in Firmen geben? Sind mit Medikamenten nur rezeptpflichtige Arzneien gemeint? Bei diesen sollte so oder so eine ärztliche Diagnose vorliegen. Oder sind auch andere Naturstoffe, wie Lecithin, Ginkgo, Ginseng oder rezeptfreie Arzneien gemeint?

2. Die Krankheit wird mit Hilfe einheitlicher Tests durch Fachärzte, die eine zusätzliche Qualifikation in diesem Bereich erworben haben, diagnostiziert, um vor Missbrauch und leichtfertiger Verschreibung zu schützen.

Grundsätzlich werden alle verschreibungspflichtigen Arzneien von Ärztinnen und Ärzten verschrieben, die etwas von ihrem Beruf verstehen sollten. Ich denke, es ist nicht sinnvoll einen neuen Facharzt - für alle Krankheiten, bei denen leistungssteigernde Arzneien zum Einsatz kommen - zu schaffen. Wenn Ärztinnen und Ärzte Arzneien verschreiben, obwohl diese nicht angezeigt oder nicht notwendig sind, verstoßen sie gegen die Berufsordnung und bei negativen Folgen gegen das Gesetz. Ein großer Teil der Substanzen wird ohne Rezept über das Internet oder Freunde bezogen. Hier würde der Vorschlag auch nicht greifen.

3. Zur Prävention soll in Bildungseinrichtungen und in der Öffentlichkeit durch Experten umfassend über die Risiken und Nebenwirkungen des Medikamentenmissbrauchs aufgeklärt werden.

Ich denke, es ist richtig und selbstverständlich, dass über die Folgen von Medikamenteneinnahmen informiert wird. Allerdings glaube ich auch, dass die meisten Konsumenten sich der möglichen Gefahren durchaus bewusst sind. Häufig werden leistungssteigernde Arzneien von Akademikern konsumiert.

Eine bessere Prävention müsste daher von zwei Seiten ansetzen:

a. Die Einnahme leistungssteigernder Stoffe für die Arbeit ist oft dadurch begründet, dass die Menschen glauben, ihre Arbeit nicht zu vollster Zufriedenheit erledigen zu können. Sie befürchten, dadurch ihren Job zu verlieren oder den Aufstieg zu verpassen. Der extreme Leistungsdruck bedingt durch immer höhere Anforderungen bei gleichzeitig immer unsicherer werdenden Arbeitsbedingungen treibt die Menschen dazu, sich aufzuputschen und macht krank. Hinzu kommt der totale Absturz seit Hartz IV. Arbeitslose verlieren nach längstens einem Jahr nicht nur ihr Einkommen, sondern auch ihr Vermögen und müssen evtl. bei Null anfangen. Auch dadurch herrscht in der Arbeitswelt oft Angst und Konkurrenz. Um den Medikamentenmissbrauch vorzubeugen, müssen wir die Arbeits- und Lebensbedingungen verändern. Arbeit muss sich am Menschen orientieren, auf ihn zugeschnitten werden, seinen Bedürfnissen entgegen kommen. Menschen sind keine Maschinen. Und wir brauchen eine soziale Sicherung, die den Menschen die Angst vor dem Absturz nimmt.

b. Wir müssen die Menschen fördern, ihr Selbstbewusstsein stärken. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer müssen lernen, Grenzen zu setzen, sich in der Arbeit wahrzunehmen und ihre Bedürfnisse einzufordern.

4. Die psychologische Betreuung der Betroffenen soll ausgebaut werden.

Wer sind denn die Betroffenen? Oft nehmen sich die Menschen, die Aufputschmittel nehmen, gar nicht als Betroffene wahr. Daher muss erst einmal ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass die Einnahme von leistungssteigernden Medikamenten eine Reaktion auf Angst und Stress ist. Dieser Stress muss zuerst wahrgenommen werden. Dann müssen Lösungen gefunden werden, den Stress zu vermeiden. Unterstützung muss dabei ansetzen bevor Medikamente genommen werden. Und letztlich leiden nicht nur die Konsumenten von solchen Arzneien. Dies ist nur eine Reaktion auf die Herausforderungen durch die Arbeits- und Lebenswelt. Andere werden krank, rauchen, trinken oder sterben. Die psychologische Betreuung geht zu sehr davon aus, dass die Einnahme von Medikamenten oder Drogen das persönliche Problem der Konsumenten sei. Sie kann daher nur eine Maßnahme unter vielen sein.

5. Die Sammlung von verlässlichen empirischen Daten bezüglich der
Wirkung und möglichen Nebenwirkungen von Psychopharmaka soll erweitert
werden.

Gegen die Erhebung empirischer Daten ist nichts einzuwenden. Dies löst nur keine Probleme. Es nützt wenig, wenn die Gefahren von Psychopharmaka besser bekannt sind, wenn den Menschen keine alternativen Handlungsoptionen offen stehen. Wie soll der Filialleiter mit den Anforderungen umgehen, wenn er keine Drogen mehr nimmt? Und nimmt er keine mehr, wenn die Gefahren besser bekannt sind? Für ihn ist das Risiko seine Arbeit nicht erledigen zu können, seine Arbeit zu verlieren, viel näher und bedrohlicher als vielleicht eine Krankheit zu bekommen.

6. Die Erforschung und Entwicklung von Psychopharmaka soll zu
Heilungszwecken weiter vorangetrieben werden.

Die Entwicklung von Medikamenten, um Menschen zu helfen muss und wird weiter vorangetrieben. Aber gerade die psychischen Erkrankungen nehmen in den letzten Jahrzehnten stark zu. Hier dürfen wir nicht nur auf Medikamente zurückgreifen, sondern wir brauchen Gesundheitsförderung und Prävention und eine gesundheitsförderliche Gesamtpolitik. Meine Fraktion DIE LINKE hat dies in ihrem Antrag für ein Präventionsgesetz und zur Gesundheits- und Pflegeabsicherung gefordert ( dokumente.linksfraktion.net ; dokumente.linksfraktion.net ). Die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen gehört ins Zentrum von Politik.

Doping am Arbeitsplatz ist ein komplexes Thema. Ich hoffe, meine Ausführungen zeigen dies ein wenig auf.

Mit freundlichen Grüßen

Martina Bunge
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