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Sehr geehrter Herr Lafontaine,
so sehr ich den Einsatz der Linken für Gerechtigkeit schätze, so sehr fällt mir auf, daß in bestimmten Bereichen die Hälfte des Wählerpotentials von der Linken wie von allen anderen Parteien ignoriert wird. Gerade hier wäre aber die Linke als Alternative gefragt.
Männer leben sechs Jahre kürzer als Frauen, obwohl das laut Klosterstudie keine biologische Ursache hat, sondern auf Faktoren wie härtere Arbeit etc. zurückzuführen ist. Dennoch bekommt das benachteiligte Geschlecht keinen Männergesundheitsbericht. Das ist m.E. klar grundgesetzwidrig.
Seit mindestens 1996 warnen Experten vor der systematischen Benachteiligung von Jungen im Schulsystem, inzwischen liegt dem Bildungsministerium die Studie "Bildungs(miss)erfolge von Jungen" vor: Jungen bekommen für die gleiche Leistung schlechtere Noten, und sie bekommen selbst bei gleichen Noten weniger Gymnasialempfehlungen. ( Werden die zwecks Mädchenförderung ausgegrenzten Jungen später wohl zu Leistungsträgern oder eher zu Sozialfällen? )
Es wird ursächlich das Fehlen männlicher Leitbilder im Kindergarten- und Grundschulbereich beklagt , aber bisher gibt es - untypisch für den öffentlichen Dienst - ausgerechnet in Grundschulen keine Quotierung, wo der Frauenanteil auf die 90 Prozent zuwächst.
Die Arbeitslosigkeit ist mehrheitlich männlich. Im April erhöhte sich die Arbeitslosigkeit bei Männern im Jahresvergleich um 12 %, während sie bei Frauen um über zwei Prozent zurückging. Spezifische Berufsförderprogramme gibt es aber nicht für Männer, nur für Frauen. Die Männerthematik läßt sich also kaum noch ignorieren
Meine Frage lautet nun: Wird sich, vor dem Hintergrund der seit 1968 doch sehr veränderten Benachteiligungslage, die Linke als womöglich einzige Partei in der nächsten Legislaturperiode aktiv und konkret für einen Männergesundheitsbericht und für Geschlechtergerechtigkeit auch für Männer einsetzen, ja oder nein? Und wenn ja, womit dürfen Männer rechnen?
Mit freundlichen Grüßen,
