Gunter Weißgerber (SPD)
Abgeordneter Bundestag 2005-2009
Dieses Profil dient zu Archivzwecken, eine Befragung ist nicht mehr möglich.

Grunddaten
Gunter Weißgerber
Jahrgang
1955
Berufliche Qualifikation
Bohringenieur
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Leipzig II
Landeslistenplatz
keinen, Sachsen
weitere Profile
(...) Noch einmal: Ich wehre mich entschieden gegen den Vergleich, mit der Verabschiedung des Gesetzes gäbe es eine Neuauflage des Stasi-Überwachungsapparates. Dies ignoriert die freiheitliche Realität in unserem Land und setzt den demokratischen Willensbildungsprozess - auch im Parlament in problematischer Weise herab. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
Fragen an Gunter Weißgerber
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Frage zum Thema Vorratsdatenspeicherung
26.01.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Weißgerber,

vielen Dank für Ihre Antwort vom 22.01.2008, die mir die Gelegenheit gibt, auf Ihre Argumente einzugehen:

Da ist zum einen der Vergleich von Vorratsdatenspeichung (VDS) und Hausdurchsuchung: Erstere erfasst die Daten von allen Bürgern, unabhängig, ob sie auch nur in irgendeinem Verdacht stehen. Auf die Hausdurchsuchung übertragen würde das bedeuten, dass der Staat ohne Verdacht permanent heimlich meine Wohnung durchsucht. Das ist für mich eine furchtbare Vorstellung.

Zweitens: Die Daten, die Warenhäusern und Banken sammeln, lassen sich wohl kaum mit der staatlichen Protokollierung aller unserer privaten Verbindungsdaten vergleichen.
Zum anderen ist es nicht meine *Unschuld*, die in der Strafverfolgung ermittelt werden soll, sondern die *Schuld* des Verbrechers. Ich hoffe, dass sehen Sie nicht anders. Daher ist es für mich ein Unding, dass mich die VDS überwacht, ohne dass ich in ein Verbrechen verwickelt bin.

Zum dritten bin ich der Meinung, dass bestimmte Berufsgruppen ihre Funktion nicht zufriedenstellend ausfüllen können, wenn die Privatheit ihrer Kommunikation nicht gesichert ist. Das gilt insbesondere für solche, denen Kontrollfunktion zukommt, also etwa Parlamentarier und Journalisten.
Außerdem: wie sollen Strafverfolger, Ärzte oder Geistliche mit ihren "Klienten" erfolgreich arbeiten, wenn sie nicht vertraulich kommunizieren können.

Und damit zum Wichtigsten: Die VDS lässt sich auch für Laien auf sehr einfache Weise umgehen. Etwa durch Verschlüsselung der Internetverbindung, oder dadurch dass die Nachrichten nicht verschickt, sondern einfach direkt im Postfach des Kommunikationspartners gelesen werden.

Wie man diese, im Hinblick auf ihre Ergebnisse fragliche, Ermittlingsmethode daher höher werten kann als die Grundrechte der Handlungsfreiheit, der Meinungsfreiheit (Freiheit der Rede) und des Fernmeldegeheimnisses bleibt mir weiter unverständlich, aber vielleicht können Sie mich aufklären.

Mit freundlichen Grüßen,

Antwort von Gunter Weißgerber
3Empfehlungen
09.03.2008
Gunter Weißgerber
Sehr geehrter Herr ,

ihre Argumentation vermittelt den Eindruck, als ob durch die Vorratsdatenspeicherung die Gespräche an sich mitgeschnitten werden, dies ist aber nicht so: Lediglich die Verbindungsdaten an sich bzw. ihre Anfangs- und Endzeit werden gespeichert. Um in ihrem Bild zu bleiben: Der Staat wird ihre Wohnung nicht durchsuchen, er speichert nur ihre Wohnadresse. Dies erlaubt nach meiner Auffassung auch die Datenspeicherung bei sog. Berufsgeheimnisträgern. Denn weder wird hier ein Gespräch zwischen Anwalt und Mandanten, noch ein Gespräch bei einem Priester oder einem Arzt "belauscht". Das ist ein wesentlicher Unterschied! Im Übrigen: Das Bundesverfassungsgericht hat im Rahmes des sog. "Abhörurteils" aus dem Jahr 1970 sowohl die Überwachung Unschuldiger als auch sogar von Berufsgeheimnisträgern als verfassungsrechtlich unbedenklich beschieden. Das Urteil darf ich Ihnen daher zur Lektüre empfehlen.

In diesem Zusammenhang war daher mein Beispiel der Wohnungsdurchsuchung zu verstehen: Hier wird in wesentlich stärkerem Maße in die Privatsphäre eingegriffen, Ähnliches gilt schließlich auch für den sog. "Lauschangriff". Diese andere Qualität des Eingriffs erfordert deshalb aber auch eine andere Gefahrenprognose.

Ich wehre mich schließlich auch gegen den Begriff des "Überwachungsstaates": Durch die Vorratsdatenspeicherung wird den Sicherheitsorganen die Möglichkeit gegeben in eng begrenzten Ausnahmefällen, individuell, durch richterliche Anordnung (!) und bei Verdacht schwerster Straftaten auf die Verbindungsdaten zuzugreifen; dies nur innerhalb von sechs Monaten. Ich erinnere mich noch gut an die Diskussion um den sog. großen Lauschangriff. Hier wurde mit der flächendeckenden Bespitzelung unbescholtener Bürger Stimmung gemacht; die Realität: unter 36 akustische Wohnraumüberwachungen im Jahr 2003 in ganz Deutschland bei 4,6 Millionen Ermittlungsverfahren.

Wir sind uns jedoch einig, dass die Sicherheit nie die persönliche Freiheit des Einzelnen in ihrem Kern antasten darf. Diesen schwierigen Ausgleich gilt es zu meistern.

Im Übrigen darf ich Sie auf meine Argumente in den anderen Antworten verweisen.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr
Gunter Weißgerber
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Frage zum Thema Arbeit
10.03.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Abgeordneter Weißgerber,

könnten Sie freundlicherweise auf einen Punkt Ihrer Äußerungen zum Bedingungslosen Grundeinkommen näher eingehen. Sie schreiben:

"Wenn ein Mensch bedingungslos den Anspruch darauf hat, ist der Anreiz selbst sein Schicksal in die Hand zu nehmen dahin."

Nun ist eine solche Aussage ohne Zweifel in dieser Pauschalität unsinnig, da bei einem Bedingungslosen Grundeinkommen ja jede noch so geringfügige Erwerbsarbeit sofort einen Hinzuverdienst bedeutet, ergo einen ökonomischer Anreiz zur Aufnahme einer Erwerbsarbeit vorliegt, der noch dazu bei niedrig entlohnten Tätigkeiten erheblich höher ausfiele als bei den heutigen Regelungen. Ich schließe daraus, dass Sie mit Ihrer Bemerkung etwas spezifisches im Auge haben müssen. Falls das so ist, würden Sie bitten noch ergänzen, was das ist? Dafür wäre ich Ihnen dankbar.

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Gunter Weißgerber
1Empfehlung
20.03.2008
Gunter Weißgerber
Sehr geehrter Herr ,

sie sprechen eine wichtige Frage an: Was sind die Impulse oder Signale, die mit der Einführung des Grundeinkommens in die Gesellschaft gesandt werden? Man könnte - etwas zugespitzt - fast ethisch fragen: Was ist das Selbstverständnis eines Staates in einer sozialen Marktwirtschaft? Es geht bei dieser Problematik also nicht primär um Finanzierbarkeit oder die praktische Durchführbarkeit eines solchen Konzeptes, sondern vielmehr um die grundsätzliche Frage nach dem psychologischem Effekt.

Ich gebe Ihnen natürlich Recht, dass nicht jeder Arbeitnehmer sich mit dem Grundeinkommen in dieser Höhe klar kommen wird. Natürlich wird es nach wie vor eine hochdiversifizierte Lohnpolitik in Deutschland geben. Der "Lackmustest des Grundeinkommens" sind jedoch die unteren Einkommensschichten; mit ihnen habe ich mich in meiner Antwort auseinandergesetzt. Und dort befürchte ich, dass die arbeitsmarktpolitischen Signale erhebliche negative Auswirkungen befürchten lassen; man es sich in diesem System einrichtet. Sollte sich das Grundeinkommen im Bereich der heutigen ALG II-Sätze (und dies ist ja in der Regel der Vorschlag) bewegen, sinkt damit nicht signifikant das Interesse an einem Arbeitsplatz? In diesem Zusammenhang wird manchmal sogar von sog. "Rentnermentalität" gesprochen.

Wir haben im Rahmen der Reformen am Arbeitsmarkt intensive Diskussionen um den schon zitierten Grundsatz "Fördern und - (eben) Fordern" geführt. Das "Fordern" - die zweite Säule des Konzepts und eben kein bloßes Anhängsel des "Förderns" - würde in dieser Funktion erheblich entwertet; auf die Folgen für die Innovation will ich hier gar nicht zu sprechen kommen. Eine Grundkoordinate des Grundeinkommens ist im Übrigen die These, die Arbeit ginge aus. Ich bin auch da anderer Meinung.

Aber noch einmal: Bevor die Diskussion über die Folgen einer solchen Entscheidung geführt werden kann, muss sich eine Gesellschaft selbst fragen, welches ihr sozialpolitisches Selbstverständnis ist: Meines ist eines - wenn Sie mir das Bild gestatten - , dass dem Einzelnen nach dem Stolpern hilft und nicht vor dem Beginn des Laufes. Erwerbsarbeit und Einkommen müssen für mich - stets - untrennbar verbunden bleiben.

Mit freundlichen Grüßen

Gunter Weißgerber
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Frage zum Thema Arbeit
11.03.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Weißgerber,

Sie sind der Meinung

"Wenn ein Mensch bedingungslos den Anspruch darauf hat, ist der Anreiz selbst sein Schicksal in die Hand zu nehmen dahin"

und verwechseln Lust und Zwang. Der von ihnen angesprochene Anreiz ist nämlich keiner, den die Bürger in jedem Fall dankend in Anspruch nehmen.

So etwa zählt für Arbeitsvermittler und das Bundessozialgericht das Auffüllen von Zigarettenautomaten zu den "zumutbaren Arbeiten". (Quelle: www.journalmed.de )

Sprich: Wer dieses Angebot, legale Drogen zu verteilen, nicht in Anspruch nimmt, bekommt das ALG gekürzt. Sozial ist, was Arbeit schafft? Toller Anreiz.

"Und der Staat tut damit kund, dass auch er kein Interesse mehr hat, dem Betroffenen dabei zu unterstützen."

Den wovon genau Betroffenen? Betroffen von zuviel Zeit für sich, Freunde und Bekannte? Betroffen von zu wenig täglich verpendelten, umweltschädigenden Kilometern? Betroffen von zu wenig negativem Stress, weil das Grundeinkommen Kündigungs- und anverwandte Ängste exorziert?

"Der Bürger oder die Bürgerin wird einfach mit Geld abgefunden und zur Untätigkeit abgestempelt."

Erwerbslos ist nicht gleich arbeitslos. Und so vermeintlich realitätsfern die Idee vom Grundeinkommen bzw. Existenzgeld auch sein mag, so human ist die zugrundeliegende Idee.

Übrigens finde ich es immer wieder bemerkenswert, dass der (auch von Ihnen) vorgebrachte Haupteinwand gegen Existenzgeld und Co. stets der vom Bürger ist, der sich sogleich nach Eingang der Überweisung auf die faule Haut legt.

Womit begründen Sie persönlich diesen Verdacht?

Mit freundlichem Gruß,
.

PS: Heinrich Bölls Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral kennen Sie vielleicht? (Volltext: www.uni-flensburg.de )
Antwort von Gunter Weißgerber
2Empfehlungen
20.03.2008
Gunter Weißgerber
Sehr geehrter Herr Vlec,

aus meinen anderen Antworten zum selben Thema können Sie ersehen, dass die Diskussion um das bedingungslose Grundeinkommen nicht einfach ist und Grundfragen des Selbstverständnisses unseres Sozialstaates aufwirft. Für Millionen arbeitslose Menschen muss es sich aber seltsam anhören, wenn Sie meinen, ihre Situation sei insoweit etwas Positives abzugewinnen, als umweltschädigende, gependelte Arbeitswege nicht mehr zurückgelegt werden müssen. Ist dies eine zielführende Diskussion?

Ich fühle mich dem Anspruch verpflichtet, Arbeitslosigkeit - übrigens auch und gerade Langzeitarbeitslosigkeit - mit allen Förderinstrumenten unseres Systems wirkungsvoll und nachhaltig zu bekämpfen. "Arbeit schaffen" ist nicht nur eine wirtschaftliche Forderung sondern eine gesellschaftliche Aufgabe erster Güte. Human ist was Arbeit schafft!

Ich gebe Ihnen insoweit Recht, als Erwerbsbiographien heute nicht mehr bruchlos verlaufen und neue Formen von "Arbeit" gefunden werden müssen, bspw. gesellschaftliche Aktivitäten, die unser Gemeinwesen stärken; hier müssen wir innovative Konzepte fördern. Im Mittelpunkt muss aber stets der/die Einzelne stehen. Ich befürchte, ein bedingungsloses Grundeinkommen kontakariert diesen Anspruch.

Mit freundlichen Grüßen

Gunter Weißgerber
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Frage zum Thema Soziales
11.03.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Weißgerber.

Ihre Antwort an Herr Böttcher nach sind die Hartz IV Gesetze der Weisheit letzter Schluss?

Nun zur Frage was ist mit dem Bürgergeld ist nicht Grade das was die Leute unabhängig macht ? Fördern und Fordern oder geht’s darum die Leute weiter zu Gängel ?

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Gunter Weißgerber
4Empfehlungen
16.03.2008
Gunter Weißgerber
Sehr geehrte Frau ,

in meiner Antworten zum Thema habe ich versucht zu begründen, warum ich die Reformen am Arbeitsmarkt für einen notwendigen und sinnvollen Schritt halte.

Ich habe bereits dargelegt, welche Verbesserungen das Leistungsangebot hat, übrigens gerade für weit über eine Million erwerbslose, alleinerziehende Mütter, die nunmehr in die Zuständigkeit und damit die Vermittlungs- und Qualifizierungsbemühungen der Arbeitsagenturen fallen.

Nur ein weiteres Beispiel: Die Erwerbsquote von über 55-jährigen steigt seit Einführung der Reformen kontinuierlich: Von zuletzt 37,9 % im Jahr 2001 auf 48,4 % im Jahr 2006. Der Grund? Unter der Regierung Kohl erhielten ältere Arbeitnehmer bis zu 32 Monate das ALG I. Die Unternehmen nutzen diese überlange Bezugsdauer zur massenhaften Frühverrentung Ihrer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Das ALG I wurde von ihnen bewusst zur Überbrückung bis zur Rente missbraucht. Korrekturen an der Organisation der Arbeitsvermittlung und der Förderpolitik waren also notwendig um erwiesenermaßen aufgetretene Missstände zu beseitigen. Ich bin mir bewusst, dass eine derart umfassende Reformgesetzgebung, die noch dazu Ergebnis eines mühsamen Kompromisses war, nie "der Weisheit letzter Schluss" ist. Sie bleibt aber doch ein wirkungsvolles Instrument moderner Arbeitsmarktpolitik.

Noch abschließend ein Satz zum Bürgergeld: Es hat meiner Auffassung nach nichts mit Gängelei zu tun, wenn sich der, der sich auf die Solidarität der Gemeinschaft verlassen kann, demgegenüber auch eine Pflicht zur Eigeninitiative hat.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr
Gunter Weißgerber
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Frage zum Thema Soziales
16.03.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Weißgerber,

als Therapeut und Bürger, muss ich mit Schrecken und größten Befürchtungen, was unser kulturelles Miteinander angeht, feststellen, wie selten ich von meinen/unseren politisch Beauftragten Sätze höre wie: "Dazu kann ich leider keine qualifizierte Aussage treffen." / "Befragen Sie dazu besser einen Fachmann." Oder ganz schlicht: "Weiß ich nicht."

Dies hängt natürlich mit den parteipolitischen Sachzwängen unserer Mediengesellschaft zusammen; man solle sich einmal vorstellen wie Sie oder einer Ihrer Kollegen öffentlich vom "feindlichen" politischen Lager zerfetzt werden würde, würden Sie oder Ihr Kollege zu einem Thema eine ehrliche Unwissenheit zugeben. Als Politiker MUSS (!) man öffentlich eine Meinung kundtun und diese auch als fundiert vertreten, selbst wenn sie auch nur dem eigenen Gutdünken entspringt.

Fragen: Halten Sie es für möglich, dass sich in den Köpfen von Menschen, die seit längerer Zeit politische Ämter bekleiden, subjektive Meinung und objektive Wahrheit vermischen, bis sie selbst nicht mehr den Unterscheid erkennen? Wie oft haben Sie vor bspw. Journalisten gesagt, dass Sie sich für nicht qualifiziert genug halten, um die gestellte Frage zu beantworten?

Ihr Zitat, dass ein Mensch mit einem bedingungslosen Grundeinkommen keine Motivation mehr entfalten würde, um sein Schicksal in die Hand zu nehmen, thematisiert die Motivationsforschung (Pädagogik/Psychologie).

Fragen: Welche Qualifikationen haben Sie in diesen Bereichen erworben? Ist Ihnen der Unterschied zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation bekannt? Was glauben Sie welchen Wert Antworten von mir zum Thema Bohringenieurswesen hätten, wo ich ja Thearpeut bin?

Zuletzt noch ein Hinweis: Sie erhalten auf Grund Ihres Mandates nach einem Jahr BEDINGUNGSLOSE ZAHLUNGEN bis ans Lebensende, finanziert durch Ihre Mitbürger. Gemessen an Ihrem Zitat müssten wir uns tiefste Sorgen um die Motivation und Arbeitsleistung von Ihnen und Ihren Kollegen machen!

MfG, S. Kaletka
Antwort von Gunter Weißgerber
1Empfehlung
02.04.2008
Gunter Weißgerber
Sehr geehrter Herr Kaletka,

Ihre Frage suggeriert, dass ich mir als Ingenieur eine Meinung nur über das bilden kann bzw. politisch vertreten darf, worin ich Fachmann bin. Diese Auffassung halte ich für problematisch.

Zur Meinungs- und schließlich Entscheidungsfindung führen wir intensive Diskussionen untereinander und mit Fachleuten; in Ausschüssen und in der Fraktion wird gerungen; die Arbeit im Wahlkreis vor Ort bringt eine Vielzahl von Begegnungen mit ganz unterschiedlichen Standpunkten. Ich bin der festen Überzeugung, dass daraus jeder Abgeordnete seine eigene Entscheidung treffen kann und muss. Keinesfalls ist es nämlich so, dass Fachleute automatisch die optimale Antwort geben können. Immer wieder kommt es vor, dass Konzepte und Theorien fernab von der politischen Realität und Machbarkeit vertreten werden. Dem Experten ist es vielleicht sogar geradezu immanent, nur auf seinem Gebiet umfassende Kenntnisse zu besitzen. Meine Aufgabe als Vertreter des ganzen Volkes und nur meinem Gewissen unterworfen ist es, aus der Vielzahl von Positionen und vor diesem Hintergrund für mich eine Entscheidung zu treffen bzw. mir eine Meinung zu bilden.

Hinsichtlich des Grundeinkommens ist das Problem der Arbeitsmarkteffekte ein zentrales Gegenargument, dass von unterschiedlichster Seite vorgebracht wird.

Das dies allerdings im Hinblick auf das sozialstaatliche Selbstverständnis und die Finanzierbarkeit keinesfalls mein Hauptargument gegen ein bedingungsloses Grundeinkommen ist, werden Sie schließlich den anderen Antworten entnehmen können.

Mit freundlichen Grüßen

Gunter Weißgerber
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