Dr. Wolfgang Schäuble (CDU)
Abgeordneter Bundestag 2005-2009
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Grunddaten
Dr. Wolfgang Schäuble
Jahrgang
1942
Berufliche Qualifikation
Rechtsanwalt
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages, Bundesminister des Innern
Wahlkreis
Offenburg
Landeslistenplatz
1, Baden-Württemberg
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(...) Bei diesem Verfahren gewähren sich die Vertragsstaaten gegenseitig einen begrenzten Zugriff auf die sog. (...) Von einer unreglementierten Weitergabe kann also nicht die Rede sein. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
03.07.2009
Bundestagswahlrecht
nicht beteiligt
02.07.2009
AWACS-Einsatz in Afghanistan
JA
18.06.2009
Internetsperren
nicht beteiligt
18.06.2009
Patientenverfügung (Stünker-Antrag)
NEIN
29.05.2009
Schuldenbremse
JA
28.05.2009
Abgabe von künstlichem Heroin an Schwerstabhängige
nicht beteiligt
Fragen an Dr. Wolfgang Schäuble
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Frage zum Thema Inneres und Justiz
08.03.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Schäuble,

in der Welt vom 08.03.2008
( www.welt.de ) schreiben Sie: "Und man hört, er [Oskar Lafontaine] erwäge eine Unterschriftenaktion gegen den EU-Betritt der Türkei. Es ist ganz offensichtlich, dass ein Teil des rechtsextremen Wählerpotentials zur Zeit von der Linkspartei aufgesogen wird."

Warum ist man "rechtsextrem", wenn man gegen eine Vollmitgliedschaft der Türkei in der EU ist (und laut Recep Tayyip Erdogan kommt eine priviligierte Partnerschaft für die Türkei nicht in Frage). Laut Focus Online
( www.focus.de ) lehnt die große Mehrheit der Deutschen (84%) eine EU-Beitritt der Türkei kategorisch ab.

Was ist so schlimm daran, wenn sich ein Politiker für die Interessen der deutschen Bevölkerung einsetzt?

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Dr. Wolfgang Schäuble
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09.04.2008
Dr. Wolfgang Schäuble
Sehr geehrter Herr ,

bezüglich eines Beitritts der Türkei zur Europäischen Union vertritt die Union eine klare Position. Der durch den engen Dialog forcierte Reformprozess in der Türkei ist gerade auch wegen der Brückenfunktion des Landes in den Nahen Osten sehr zu begrüßen. Die Brücke, um in diesem Bild zu bleiben, muss ihre Verankerung allerdings auf beiden Seiten finden. Daher ist es wichtig, neue Kooperationsformen zwischen der EU und der Türkei unterhalb einer Vollmitgliedschaft zu etablieren. Aus Sicht der Union ist eine "privilegierte Partnerschaft" für beide Seiten die beste Lösung, da sie der Entwicklung in der Türkei ebenso wie der Aufnahmefähigkeit der EU Rechnung trägt.

Die derzeitigen Beitrittsverhandlungen basieren auf Vereinbarungen der rot-grünen Vorgängerregierung. CDU und SPD haben sich im Sinne der Kontinuität in der Außenpolitik im Koalitionsvertrag darauf verständigt, die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei fortzusetzen. Bei den Beitrittsverhandlungen darf es aber keinen Automatismus geben. Vielmehr werden wir auch weiterhin auf beiden Seiten dafür werben, dass eine enge Kooperation zwischen der EU und der Türkei unterhalb einer Vollmitgliedschaft den richtigen Weg darstellt.

In dem von Ihnen genannten Interview habe ich Herrn Lafontaine keineswegs als rechtsextrem bezeichnet. Wie Sie dem Gesamtzusammenhang der Frage entnehmen können, bezogen sich meine Worte auf die zunehmende Gefahr des Populismus in der Politik.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Dr. Wolfgang Schäuble
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Frage zum Thema Sicherheit
10.03.2008
Von:
von

Sehr geehrter Herr Minister,

am Samstag fand in Berlin eine Demonstation palästinensischer Gruppen statt. Ich glaube, Sie können sich ausmalen, was für sympathische Slogans die Teilnehmer unters Volk brachten www.hagalil.com
Wir sind uns sicher beide einig, dass Rufe wie "Tod den Juden" oder "Israel ist ein Apartheidsstaat" auch Ihren politischen Geschmack sehr stören. Nun bin ich nur einfacher Steuerzahler, Sie hingegen Minister und haben folglich die Macht, solche Umtriebe zu unterbinden.
Wieso werden solche Aufmärsche geduldet bzw. nicht einfach auseinander getrieben? Es ist mir unerträglich, dass eine faschistoide ausländische Gruppe mitten in Berlin frech ihren intellektuellen Müll verklappen kann. Müssen wir uns das gefallen lassen?
Was gedenkt die Regierung zu tun, um die antisemitische und faschistoide Propaganda islamischer Gruppen zu verbieten?

Ich danke im Voraus für Ihre Antwort.
Mit freundlichen Grüßen aus der Ortenau
von
Antwort von Dr. Wolfgang Schäuble
16Empfehlungen
14.03.2008
Dr. Wolfgang Schäuble
Sehr geehrter Herr von ,

Sie können davon ausgehen, dass sowohl die Sicherheitsbehörden des Bundes als auch der Länder solche geschmacklosen Umtriebe nicht nur beobachten, sondern die geeigneten Maßnahmen einleiten, um Vereinigungen, die solche Propaganda verbreiten, an ihrem Tun zu hindern.

Gepaart sind Aktivitäten derartiger Organisationen häufig mit Spendensammlungen für terroristische Zwecke. Diese werden mit den Mitteln des Strafrechts verfolgt, aber auch vereinsrechtlich: So hat das Bundesministerium des Innern Vereinigungen, die terroristische Aktivitäten im Ausland unterstützen oder Gewaltanwendung als Mittel zur Durchsetzung politischer oder religiöser Ziele propagieren, bereits in den Fällen des "Kalifatsstaats" des Metin Kaplan, der Vereine "Al-Aqsa e.V." und "YATIM Kinderhilfe e.V." und der "Hizb ut-Tahrir" verboten. Die Einhaltung dieses Verbotes wird von den Sicherheitsbehörden strikt überwacht. Vereinigungen, die nur auf dem Gebiet eines einzigen Bundeslandes tätig sind, müssen vom zuständigen Landesinnenministerium verboten werden.

Maßnahmen, die konkret Versammlungen unter freiem Himmel betreffen, wie etwa die von Ihnen angesprochene Demonstration, fallen in die Zuständigkeit der Länder, hier also des Landes Berlin.

Nach dem Versammlungsgesetz kann bei einer unmittelbaren Gefährdung der öffentlichen Sicherheit oder Ordnung die Versammlung vor ihrem Beginn verboten und nach Veranstaltungsbeginn aufgelöst werden. Unter dem Gesichtspunkt der Verhältnismäßigkeit sind allerdings beschränkende Anordnungen vorrangig. Eine unmittelbare Gefahr für die öffentliche Sicherheit im Sinne des Versammlungsgesetzes ist jedenfalls dann zu bejahen, wenn Straftaten begangen werden. So können beispielsweise das Skandieren der in Ihrer Frage und auf der zitierten Internetseite genannten Parolen sowie die Gleichstellung israelischen militärischen Vorgehens mit dem Holocaust bei der Versammlung Straftatbestände erfüllen, was die zuständige Staatsanwaltschaft zu prüfen hätte. Kritik an der israelischen Politik ist in Deutschland selbstverständlich an sich nicht strafbar. Wenn aber Todeswünsche geäußert, Straftaten gebilligt oder Volksverhetzung betrieben werden, ist die Grenze des rechtlich Zulässigen überschritten - unabhängig davon, aus welcher Richtung und in welche Richtung die Rufe ertönen.

Ebenso ist es nicht zu billigen, wenn das Existenzrecht des Staates Israel in Frage gestellt wird. Dies gilt nicht nur erst recht wegen des besonderen historischen Verhältnisses zwischen Deutschland und Israel, sondern auch im Verhältnis zu anderen Staaten; eine ähnliche Hetze z.B. gegen Dänen und Dänemark wäre hierzulande ebenso unzulässig. Wer sich so verhält, verlässt den Konsens der Demokraten über die Formen der politischen Auseinandersetzung und entlarvt sich selbst.

Ob die Voraussetzungen einer Auflösung der Versammlung im Einzelfall vorlagen, und ob ein Verbot bzw. die Auflösung der Versammlung geboten ist oder Auflagen als mildere Mittel zur Gefahrenabwehr ausreichten, hatte die für den Vollzug des Versammlungsgesetzes zuständige Landesbehörde, nämlich der Polizeipräsident in Berlin, zu bewerten und zu entscheiden. Weil für das Versammlungsrecht sowohl die Gesetzgebungskompetenz als auch die Zuständigkeit für den Vollzug allein beim zuständigen Land liegt, hat der Bund keinerlei Aufsichtsbefugnisse, übt also weder eine Rechts- noch eine Fachaufsicht aus. Dasselbe gilt für die Verfolgung etwaiger bei der Versammlung begangener Straftaten.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Dr. Wolfgang Schäuble, MdB
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Frage zum Thema Integration
11.03.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Minister,

ich habe einige Fragen gelesen, die an Sie gestellt wurden.

Auffälig ist, dass einige glauben, durch Verbote Integration zu erreichen. Dass Demos der Palästinenster verboten werden sollten. Wie kann man nur so denken?

Die Entwicklung der deutschen Haltung gegenüber "etwas Anderem" hat sich in den letzten 5 Jahren sehr beängstigend vorrangetrieben.

Meine 2 Fragen:
  • Glauben Sie dass dieser Negativ Trend anhalten wird?
  • Wie haben Sie diese Entwicklung in den letzten 5 Jahren gesehen?

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Dr. Wolfgang Schäuble
3Empfehlungen
14.03.2008
Dr. Wolfgang Schäuble
Sehr geehrter Herr ,

in Deutschland leben rund 15 Mio. Menschen mit Migrationshintergrund, unter ihnen viele Muslime. Sie sind Teil unserer Gesellschaft und die weitaus meisten von ihnen sind gut in unserem Land integriert. Aber es gibt auch Defizite, die sich über Jahrzehnte angesammelt haben. Es gibt Ängste auf der einen und das Gefühl des Ausgegrenztsein auf der anderen Seite. Diese emotionale Kluft ist ein Problem. Aber wir sind in den letzten Jahren weitergekommen. Mit dem Nationalen Integrationsgipfel und der Deutschen Islam Konferenz haben wir Dialogstrukturen geschaffen. Wir sprechen miteinander nicht übereinander. Integration ist unsere gemeinsame Pflicht. Ich bin zuversichtlich, dass wir im respektvollen Umgang miteinander Verständnis füreinander entwickeln und gemeinsam die Probleme lösen werden, die unser Zusammenleben noch immer belasten. All das vollzieht sich nicht über Nacht. Integration ist ein gesellschaftlicher Prozess, der mehrere Generationen umfasst und Anstrengungen beider Seiten verlangt.

Das deutsche Integrationsmodell ist das Resultat langjähriger kontroverser gesellschaftlicher Auseinandersetzungen. Es ist geprägt von Aufbrüchen und Rückschlägen, von Illusionen und Illusionsverzicht und von Versäumnissen. Lange Zeit war es gekennzeichnet vom wohlfahrtsstaatlichen Ausgleich und einem pragmatischen Improvisieren. Mit der Zuwanderungsdebatte haben wir das multikulturelle Laissez-Faire überwunden. Wir haben heute ein Zuwanderungsgesetz, dass die Zuwanderung im Ganzen steuert, die Integration fördert und Integration als Voraussetzung für den Aufenthalt begreift.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Dr. Wolfgang Schäuble, MdB
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Frage zum Thema Integration
11.03.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Schäuble!

Walid Nakschbandi, ein gemäßigter, aufgeklärter Muslim, hat sein Mandat bei der "slamkonferenz niedergelegt.

www.derwesten.de

Er sähe "keine Chance mehr, sich gegen die fünf Vertreter der zumeist konservativen muslimischen Verbände inhaltlich zu behaupten".

Das finde ich unerträglich.

Eine "Islamkonferenz” ist überhaupt nur mit einer Mehrheit von Leuten wie Herrn Nakschbandi sinnvoll.
Ich glaube nämlich, dass Nakschbandi eigentlich viel mehr Muslime in Deutschland repräsentiert, als die Herren, die sich als "Vertreter der Muslime" in den Vordergrund drängen.
In meinen Augen sind es nämlich genau diese Muslimverbände und ihre Vertreter, die für Abschottung der Muslime gesorgt haben und diese weiter betreiben. (Das ist natürlich nur meine Meinung, liebe Leute von Abgeortnetenwatch.)
Es ist der politische Islam, dem sich längst nicht alle Muslime in Deutschland zugehörig fühlen und der, in Ihrer Islamkonferenz völlig überrepräsentiert, das Ruder an sich gerissen hat.

Warum lassen Sie das zu?

sapere aude, lieber Herr Schäuble!

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Frage zum Thema Inneres und Justiz
13.03.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Schäuble,

gerade findet in Berlin die dritte Islamkonferenz statt, in der es de facto um die Interessen der (ehemaligen) türkischen Gastarbeiter in Deutschland geht. Ist es auch geplant, ähnliche Konferenzen für die anderen Gastarbeiter abzuhalten, die seit den 50er-Jahren nach Deutschland gekommen sind, d.h. Italiener, Spanier, Griechen, Jugoslawen (wenn ja, wann, und wenn nein, warum nicht)?

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Dr. Wolfgang Schäuble
2Empfehlungen
03.04.2008
Dr. Wolfgang Schäuble
Sehr geehrter Herr ,

erfolgreiche Integration bedeutet Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und Verantwortung auf der Grundlage des Grundgesetzes und der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Dies muss für alle hier in Deutschland lebenden Menschen trotz unterschiedlichster Herkunft selbstverständlich sein bzw. werden.

Mit der Deutschen Islamkonferenz hat die Bundesregierung den interkulturellen Dialog gemeinsam mit den Ländern und den Kommunen institutionalisiert und einen Handlungsrahmen zur Pflege der Beziehungen zwischen dem deutschen Staat und den Muslimen in Deutschland geschaffen. Die Deutsche Islamkonferenz ist als langfristiger Verhandlungsprozess zwischen dem deutschen Staat und Vertretern der muslimischen Bevölkerung Deutschlands angelegt. Ziel der Konferenz ist eine verbesserte religions- und gesellschaftspolitische Integration der muslimischen Bevölkerung in Deutschland.

Darüber hinaus gibt es den Integrationsgipfel und den nationalen Integrationsplan, die sich mit der Integration aller in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund befassen. Der Schwerpunkt liegt dabei vor allem auf bildungspolitischen, sozialpolitischen, städtebaulichen, erziehungspolitischen, kommunalpolitischen, sportpolitischen und kulturpolitischen Maßnahmen.

In der Islamkonferenz und dem Integrationsgipfel sollen nicht die Interessen einzelner Gruppen vertreten werden. Vielmehr sind damit Dialogstrukturen geschaffen worden, um mit allen Menschen mit Migrationshintergrund ins Gespräch zu kommen und die Zusammenarbeit mit allen staatlichen Ebenen zu verbessern.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Dr. Wolfgang Schäuble
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