Dr. Wolfgang Wodarg (SPD)
Abgeordneter Bundestag 2005-2009
Dieses Profil dient zu Archivzwecken, eine Befragung ist nicht mehr möglich.

Grunddaten
Dr. Wolfgang Wodarg
Jahrgang
1947
Berufliche Qualifikation
Arzt, Leitender Medizinaldirektor a. D.
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Flensburg - Schleswig
Landeslistenplatz
7, Schleswig-Holstein
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(...) Ihren Unmut teile ich, insofern die bestehende Regelung auf jeden Fall ein Gerechtigkeitsdefizit aufweist: Je höher das Einkommen, desto günstiger wirkt sich die Steuerersparnis aus. Bezogen auf niedrigere Steuerersparnis durch Kinderfreibetrag ist dies allerdings eine Konsequenz der progressiven Besteuerung, denn sowohl bei einem Steuersatz von 20% wie auch bei 40% wird jeweils (nur) das Existenzminimum des Kindes freigestellt. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Gesundheit
08.07.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Wodarg,

kürzlich habe ich bei der Blutspende festgestellt, dass es Schwulen nicht erlaubt ist Blut zu spenden. Da ich demnächst für eine Studierendenzeitung an der Universität Freiburg einen Artikel darüber schreiben möchte, würde ich sie als Gesundheitsexperten um die Beantwortung folgender Fragen bitten:

1. Welche medizinischen Gründe gibt es, dass Schwule nicht Blut bzw. Knochenmark spenden dürfen?
2. Empfinden Sie es als diskriminierend, dass Schwule von der Blut-, bzw. Knochenmarkspende ausgeschlossen werden. Suggeriert dieser Ausschluss nicht, dass Schwule prinzipiell ungeschützten Sex betreiben?
3. Besitzt der Gesetzgeber irgendeine Handlungsmöglichkeit gegen diesen pauschalen Ausschluss?

Mit besten Grüßen

Antwort von Dr. Wolfgang Wodarg
10Empfehlungen
14.07.2009
Dr. Wolfgang Wodarg
Sehr geehrter Herr ,

um die Frage nach meiner persönlichen Einstellung gleich zu Beginn zu beantworten: Ich empfinde es als absolut ungerechtfertigt und diskriminierend, dass Homosexuelle nicht Blutspenden dürfen. Die Sexualität sagt nichts über den Lebensstil eines Menschen aus und die generelle Unterstellung, alle Homosexuellen hätten ein Sexleben mit ständig wechselnden Geschlechtspartnern ist nicht zu rechtfertigen.

Um auf Ihre Hintergrundfragen einzugehen, muss man etwas in die Vergangenheit schauen. Das Verbot, dass Homosexuelle nicht Blutspenden dürfen, entstand aufgrund des Blutskandals vom Herbst 1993. Damals wurde bekannt, dass offizielle Berichte über Konserven mit verseuchtem Blut gefälscht waren. In den 80er Jahren als die Diagnosemöglichkeiten noch nicht so gut waren, infizierten sich mehrere hundert Menschen mit dem HI-Virus bei Bluttransfusionen. Es bestand damals also ein hoher Druck, die Sicherheit von Blutkonserven zu erhöhen, womit das Verbot begründet wurde. (Heute tendiert die Infektion über Blutprodukte, dank neuer Untersuchungsmethoden gegen null.) Im entsprechenden, 1998 verabschiedeten Gesetz selber findet sich zwar kein direktes Verbot, allerdings verweist ein Passus auf eine durch die Bundesärztekammer zu fixierende Ausschlussliste von Risikogruppen. Neben Drogenabhängigen und Prostituierten werden dort auch Homosexuelle genannt.

Da ich es ablehne, Menschen nach ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft, ihrer Religion, ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung einzuteilen und auszugrenzen, allerdings trotzdem den hohen Sicherheitsstandard der Blutkonserven gewährleisten möchte, unterstütze ich einen Vorschlag der Vorsieht, dass künftig nicht mehr nach der sexuellen Orientierung, sondern nach der Häufigkeit wechselnder Sexualpartner gefragt wird. Schwulen in irgendeiner Form eine unreflektiertere Lebenshaltung und die billigende Inkaufnahme der Gefährdung der Empfänger zu unterstellen, würde somit umgangen und das eigentliche Problem direkt angepackt. In anderen Ländern sind solche Regelungen bereits zustande gekommen, zum Beispiel in Spanien oder Italien. Auch in Deutschland setzen sich verschiedene Gruppen für eine Änderung der Gesetzeslage ein. Innerhalb der SPD sind das vor allem die "Schwusos".

Es stellt sich neben der Diskriminierung auch ganz praktisch die Frage, ob wir es uns angesichts eines Mangels an Spenderblut erlauben können unzählige Menschen, die eigentlich gerne spenden würden, auszuschließen.

Zu Ihrer letzten Frage. Da der Ausschluss von Homosexuellen nicht gesetzlich geregelt ist, sondern von der Ärztekammer so beschlossen wurde, wäre eine gesetzliche Änderung nicht nötig. Selbstverständlich ist es allerdings möglich auf gesetzlichem Wege den Ausschluss Homosexueller zu verhindern und für eine solche Regelung werde ich mich in der kommenden Legislaturperiode einsetzen.

Mit freundlichen Grüßen, Dr. Wolfgang Wodarg
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Frage zum Thema Soziales
16.07.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Wodarg,

wie gerecht finden Sie Hartz-IV? Ich jedenfalls finde, dass es das Ungerechteste ist, was die SPD-Regierung mitverantwortet.
Ich, 59 Jahre, 40 Jahre gearbeitet, seit gut einem Jahr von Hartz-IV "lebend", ohne Chance auf einen Arbeitsplatz, werde gleichgestellt mit einem 28-jährigen, der nur eine Lehre gemacht hat und seit dieser Zeit nur arbeitslos ist. Der sich nicht bewirbt, keinen Bock hat oder immer wieder bei Neue Arbeit Nord einen 1-Euro-Job für ein Jahr bekommt.
Wahrscheinlich wird dieser junge Mann auch noch ungefähr so viel Rente bekommen wie ich.
Ihre Meinung würde mich sehr interessieren.

Mit freundlichem Gruß
V.
Antwort von Dr. Wolfgang Wodarg
1Empfehlung
17.08.2009
Dr. Wolfgang Wodarg
Sehr geehrte Frau ,

vielen Dank für Ihre Nachricht. Ihre persönliche Lage kann ich gut verstehen. Jemandem der sein ganzes Leben gearbeitet hat, fällt es sehr schwer nach dem Verlust seines Arbeitsplatzes plötzlich auf die Unterstützung durch die Allgemeinheit angewiesen zu sein. Es tut mir auch ausgesprochen leid, dass Sie bislang noch keine Arbeit finden konnten. Die SPD hat zur Verbesserung der Situation älterer Menschen auf dem Arbeitsmarkt schon vor einiger Zeit die Initiative 50plus ins Leben gerufen. Ziel ist, ältere Menschen wieder in Arbeit zu bringen und nicht zuletzt, die Erfahrungen der über 55-Jährigen zu nutzen, und deren spezifische Potenziale zu erkennen, zu fördern und einzusetzen. Wir müssen sicher noch mehr tun, damit es gelingt, möglichst viele ältere Menschen, die gesund und leistungsfähig sind, in Arbeit zu halten oder zu bringen.

Es ist völlig klar, dass ein 28-jähriger arbeiten gehen muss, wenn er es kann! "Kein Bock" zu haben darf dabei kein Argument sein und wird von den Mitarbeitern der Bundesagentur für Arbeit auch nicht toleriert. Trotzdem steht auch einem 28-jährigen die Unterstützung der Solidargemeinschaft zu, wenn er in die Arbeitslosigkeit rutscht. Mit der Verlängerung des Arbeitslosengeldes I haben wir der Lebensarbeitsleistung älterer Menschen trotzdem noch einmal einen ganz besonderen Stellenwert eingeräumt. Gemeinsam mit meiner Fraktion und meiner Partei setze ich mich seit Jahren dafür ein, älteren Menschen vermehrt Chancen zu geben und den Betrieben klar zu machen, dass ältere Arbeitnehmer viele Qualitäten mit sich bringen, auf die es sich zu setzen lohnt.

Ich hoffe, dass auch Sie in den nächsten Monaten noch einmal Arbeit finden werden und verbleibe mit den besten Wünschen für Ihre Zukunft,

Wolfgang Wodarg
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Frage zum Thema Wirtschaft
24.07.2009
Von:
-

Ein wunderschönen Guten Tag Herr Dr. Wodarg,

Ich bin jetzt seit dem 01.01.2008 freiwilliglängerdienender (FWDL) bei der Bundeswehr. Habe meinen Lkw- Führerschein und bin als Kraftfahrer in Eckernförde seit dem 20.08.2008 tätig. Ich fahre hauptsächlich Pkw die wir vom BwFuhrpark geleast haben. Nun früher war es so das die Bundeswehr sich Fahrzeuge aufkaufte und sie bis zum Ende fuhr. Jedoch heute leasen oder leihen wir uns jegliche art von Mobilen beim BwFuhrpark. Komm wir jetzt zu meiner Frage. Ich habe mir die Rechnungen, die wir vom BwFurhpark für die Autos bekommen, mal angeguckt und hab fest gestellt das man locker für das Geld das wir zb. für ein jahr geleastes Autos bezahlen uns ein Auto KAUFEN könnten und sogar noch Geld übrig hätten. Nun meiner Meinung nach verdient sich der Bw Fuhrpark eine Goldene Nase durch die Bw. Wie verhält sich das?, da muss ja irgendjemand drüber nachgedacht haben bevor er den Vertrag unterschrieben hat, oder? Bitte erklären sie mir das! Meiner Meinung nach stimmt da was nich oder ich hab nich genug rechachiert.

Mit freundlichen Grüßen
-
Antwort von Dr. Wolfgang Wodarg
2Empfehlungen
17.08.2009
Dr. Wolfgang Wodarg
Sehr geehrter Her ,

vielen Dank für Ihre Frage. Es ist tatsächlich so, dass die Bundeswehr viele Fahrzeuge seit 2002 nicht mehr selber kauft, sondern dass sie in der Regel beim BWFuhrpark Autos anmietet. Auf den ersten Blick scheint auch Ihre Beobachtung richtig; nämlich dass die Miete über einige Zeit addiert höher ist als der Kaufpreis eines Autos. Mit der Gründung des BWFuhrparks und der Einführung der jetzigen Praxis "erkaufte" sich die Bundeswehr allerdings eine ganze Reihe anderer Vorteile, die letztlich sogar zu einer Kostenreduzierung führten.

Zunächst waren zu Beginn der Umstrukturierung viele Fahrzeuge sehr alt und verursachten somit hohe Betriebskosten. Sei es durch Reparaturen oder durch hohen Verbrauch. Dieses Problem wurde durch die Einführung des Leasing-Systems behoben. Die Bundeswehr hat nun stets einen Fuhrpark tadelloser, moderner Autos zur Verfügung. Außerdem spart die Bundeswehr viel Geld dadurch ein, dass sie den Aufwand der Verkaufsorganisation nicht mehr selber betreibt. Um einige weitere Aspekte zu nennen: Die Leasingrate umfasst die Tankkarten, die Prüfung der Autos, die Wartung, Informationsleistungen und, was besonders wichtig ist, eine Mobilitätsgarantie, zum Beispiel wenn Fahrzeuge ausfallen. Darüber hinaus hat die Bundeswehr die Möglichkeit der Kurzanmietung. Wenn also in bestimmten Regionen kurzfristig viele Fahrzeuge benötigt werden, dann kann die Kapazität ohne großen finanziellen Aufwand schnell erhöht und der Bestand schon wenige Tage später wieder gesenkt werden. Der BWFuhrpark hat über 100 Standorte (24 Hauptstandorte) und schafft somit eine zuvor nicht dagewesene Flexibilität.

Ergebnis ist, dass die benötigte Zahl der Fahrzeuge insgesamt um 1/3 gesunken ist. Durch die Flexible Anmietung und Abgabe der Fahrzeuge und die logistische Arbeit im Hintergrund haben die einzelnen Fahrzeuge eine etwa 30-40% höhere Kilometerleistung pro Jahr. Die Nutzung ist also wesentlich effizienter geworden. Das System insgesamt ist somit wesentlich kostengünstiger als der Kauf von Fahrzeugen.

Das Bundesministerium der Verteidigung hat trotz der Neustrukturierung nicht die Kontrolle aus der Hand gegeben. Der BWFuhrpark ist zu 100% (teils indirekt über die Deutsche Bahn) in der Hand des Bundes. Eine erste Erfolgskontrolle durch das Ministerium nach zwei Jahren Betrieb (2004) ergab, dass die Kosten pro Kilometer insgesamt um knapp 20 Prozent gesenkt werden konnten.

Ich hoffe mit meinen Erläuterungen für etwas mehr Klarheit gesorgt zu haben und bedanke mich ausdrücklich für Ihre Wachsamkeit. Scheuen Sie sich nicht, sich wieder an mich zu wenden, wenn Sie das Gefühl haben, dass Dinge nicht korrekt ablaufen.

Mit freundlichen Grüßen,

Wolfgang Wodarg
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Frage zum Thema Gesundheitsreform
07.08.2009
Von:

Sehr geehrter Dr.Wodag,

ich frage Sie warum Ihre bemerkenswerten und richtigen Ausagen zur Schweinegrippe und generell zu Impfungen, nicht von der Mehrheit Ihrer Fraktion übernommen werden !
Sind Kosten. Gesundheit und Verantwortung für den Bürger für die meißten unserer Volksvertreter kein Thema ?
Oder ist die Masse der Volksvertreter nur noch Lobbyissmus abhängig ?

Ich grüße Sie freundlich und danke für Ihre mutige Aussage !

!
Antwort von Dr. Wolfgang Wodarg
5Empfehlungen
12.08.2009
Dr. Wolfgang Wodarg
Sehr geehrte Frau ,

da meine fachlich begründete Aussage zum Teil im Widerspruch zu den Aussagen gewichtiger Repräsentanten staatlicher Institute wie dem Robert-Koch-Institut oder dem Paul-Ehrlich-Institut stehen, ist es für nichtfachkundige Abgeordnete schwierig, in dieser Diskussion Position zu beziehen. Die bisher von der Bundesregierung getroffenen Entscheidungen beruhen nicht auf Beschlüssen des deutschen Bundestages, sondern sind Ermessensentscheidungen der zuständigen staatlichen Einrichtungen. Meine Aktivität als Mitglied des Gesundheitsausschusses des deutschen Bundestages begründet sich aus der Kontrollfunktion des deutschen Bundestages gegenüber der Bundesregierung. Ich habe den Eindruck, dass es der Industrie, mit Hilfe einiger Fachwissenschaftler gelungen ist, einen großen Handlungsdruck auf die Bundesregierung auszuüben.

Mit freundlichen Grüßen, Wolfgang Wodarg
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Frage zum Thema Gesundheit
08.08.2009
Von:

Guten Tag, Herr Dr. Wordag,

ich bin sehr an Ihrer Stellungnahme und Ihre Informationen über die bevorstehende Impf-Welle gegen den Schweinegrippen-Virus interessiert und freue mich über eine Nachricht, wo ich dies nachlesen kann.

Der Impfung stehe ich sehr kritisch gegenüber, werde mich jedoch rechtfertigen müssen, falls ich mich dagegen entscheide (ich arbeite als Pharmazeutisch-Technische-Assistentin in einer öffentlichen Apotheke und es gilt als beschlossen, dass wir alle durchgeimpft werden sollen).

Herzlichen Dank für Ihre Bemühungen und

mit freundlichem Gruß

Antwort von Dr. Wolfgang Wodarg
1Empfehlung
17.08.2009
Dr. Wolfgang Wodarg
Sehr geehrte Frau ,

vielen Dank für Ihre Frage. Einen ausführlichen Artikel und ein Interview zur Problematik der so genannten "Schweinegrippe" finden Sie unter folgenden Links:
www.wodarg.de ,
www.wodarg.de

Die Impfung ist keine Pflicht sondern grundsätzlich freiwillig. Wenn in Ihrem Fall Druck auf Sie ausgeübt werden sollte, dann ist das meines Erachtens unverantwortlich. Ich hoffe Ihnen mit den Fakten im oben genannten Artikel weiterhelfen zu können.

Mit freundlichen Grüßen,

Wolfgang Wodarg
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Ihre Frage an Dr. Wolfgang Wodarg
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