Dr. Wilhelm Priesmeier (SPD)
Abgeordneter Bundestag

Grunddaten
Dr. Wilhelm Priesmeier
© spdfraktion.de
Geburtstag
25.07.1954
Berufliche Qualifikation
Tierarzt
Ausgeübte Tätigkeit
MdB
Wohnort
Dassel
Wahlkreis
Goslar - Northeim - Osterode
Ergebnis
39,1%
Landeslistenplatz
30, Niedersachsen
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(...) Ich unterstütze auch eine umfassende Novelle des deutschen Tierschutzrechts. Dann ist auch Schluss mit dem leicht zu umgehenden Verbot der Amputationen an unseren landwirtschaftlichen Nutztieren. Es muss ein ausnahmsloses Verbot gelten. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Umwelt
26.05.2011
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Priesmeier,

seit Jahrzehnten weisen Tierschützer beharrlich auf den verheerenden Kreislauf von Welthunger, Klimabelastung und tierquälerischer Haltung in den bekannten Systemen moderner Mastanlagen hin. Im Gerangel zwischen Profiteuren und Tierschützern geht es immer wieder um die gleichen abscheulichen Tatbestände: qualvolle Enge, zu hohe Besatzdichten, Anbindehaltung, Spaltböden, trostlose Öde in den Mastställen, Verletzung der Tiere untereinander, das qualvolle Schnabelkürzen, die brutale Entsorgung männlicher Küken, Ferkelkastrationen ohne Betäubung, und, und, und... Um jeden Zentimeter Platz für die Tiere muss gerungen werden.
Der Bürger ist verärgert! Er muss feststellen, dass viele Politiker seine berechtigten Sorgen und Einwände, sein Bürgerengagement, kaum zur Kenntnis nehmen, obwohl es bei Wahlveranstaltnugen anders tönt.
Was konkret tut die SPD, tut der Abgeordnete Dr. Priesmeier gegen diese hinlänglich bekannten Zustände in der "Nutz"tierhaltung?
Antwort von Dr. Wilhelm Priesmeier
2Empfehlungen
14.07.2011
Dr. Wilhelm Priesmeier
Sehr geehrte Frau ,

dass die von Ihnen genannten Missstände vorhanden sind, bestreitet niemand. Diese sind meiner Ansicht nach unabhängig von der Größe der Betriebe und der Anzahl der Tiere. Entscheidend ist das verantwortungsvolle Handeln des einzelnen Betriebsleiters. Und auch die Verbraucherinnen und Verbraucher stehen in der Pflicht: In unserer Gesellschaft wird zu viel Fleisch verzehrt und wir sind nicht bereit, für unsere Lebensmittel angemessen zu bezahlen. Das wirkt zurück auf die Produktionsbedingungen. Das ist ein Problem, das die Politik nur dadurch bearbeiten kann, dass sie alternative Modelle fördert und umfassende Aufklärungsarbeit leistet.
Ich selbst habe in den letzten Jahren mehrere Initiativen gestartet, um den Tierschutz bei Nutztieren zu verbessern.
Ich will, dass die Stallanlagen die arteigenen Bedürfnisse der jeweiligen Tierarten berücksichtigen. Ein entsprechender Gesetzentwurf der SPD-Fraktion zur Intensivtierhaltung wurde dazu erarbeitet (Bundestagsdrucksache 17/6089) und wird nun in den Deutschen Bundestag eingebracht.
Ich unterstütze auch eine umfassende Novelle des deutschen Tierschutzrechts. Dann ist auch Schluss mit dem leicht zu umgehenden Verbot der Amputationen an unseren landwirtschaftlichen Nutztieren. Es muss ein ausnahmsloses Verbot gelten. Darüberhinaus unterstütze ich den ambitionierten Tierschutzplan des niedersächsischen Landwirtschaftsministers Lindemann. Er hat allerdings mit starkem Gegenwind aus den eigenen Reihen zu kämpfen: Seine Forderung nach einem Tierschutz-TÜV, den ich für längst überfällig und unverzichtbar halte, ist in seiner eigenen Partei nicht durchsetzbar. Fachpolitiker der CDU auf Bundesebene blockieren ihn seit langer Zeit.
Und auch Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner muss endlich aufwachen und konkret handeln. Als agrarpolitischer Sprecher meiner Fraktion werde ich weiterhin Druck machen und für hohe Tierschutzstandards in der Nutztierhaltung kämpfen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. med. vet. Wilhelm Priesmeier
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Frage zum Thema Gesundheit
14.07.2011
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Priesmeier!

Auf kritische Nachfragen zum Tier- und Verbraucherschutz, aber auch zu vielen anderen Themen, bekommen wir Wählerinnen und Wähler oftmals höfliche Standardantworten, die sich grob an den Regeln des Kinderspiels "Schwarzer Peter" orientieren. Diese Tendenz scheint um so stärker zu werden, je länger ein/e Mandatsträger/in ohne Druck von außen auf seinem/ihrem Posten sitzt. Dass die Durchsetzung von notwendigen gesetzlichen Änderungen gegen starke Lobbyinteressen ein hartes Brot ist, wird nicht bestritten. Aber wo steht die SPD denn überhaupt in diesen und anderen Fragen? Hielten Sie es für richtig, einen bundeseinheitlichen Tierschutz- und Verbraucherschutz-TÜV nach dem Vorbild etwa des BKA einzurichten - mit richterlichen Kompetenzen? Welche Entwicklungen gibt es in puncto BSE und Gammelfleisch? Dass die Öffentlichkeit lange nichts aus diesem Bereich gehört hat, ist kein Beleg dafür, dass es dort inzwischen sauber(er) zugeht. Wer ist auf die Schnapsidee gekommen, die fachliche Aufsicht über insbesondere die fleischverarbeitenden Betriebe bei den chronisch unterfinanzierten Kreisen und Städten anzusiedeln, die zugleich aber von den Gewerbesteuern dieser Betriebe abhängig sind? Möchten Sie unter solchen Bedingungen als Kreisveterinär arbeiten? Im Landkreis Northeim ist man so weit gegangen, die Amtsärzte und Amtsveterinäre in einer gemeinsamen Dienststelle zusammenzufassen. Können die sich auch gegenseitig vertreten? Was mag dabei herauskommen, wenn ein Neurologe eine Schlachterei überprüfen soll?

Die viel gebrauchten Standardantworten wie "Wir würden ja gern, haben aber keine Mehrheit" oder "Unserer Drucksache 4711/0815 beschäftigt sich damit" führen nicht weiter. In allen diesen Punkten könnten Sie auf eine breite öffentliche Unterstützung zählen, wenn Sie denn nun endlich in Gang kämen. Sie wollen doch Frau Merkel schlagen, oder habe ich da etwas missverstanden? Jagdhunde, die zur Jagd getragen werden müssen, sind nutzlos!

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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
30.07.2011
Von:

Sehr geehrter Herr Priesmeier,

die SPD diskutiert seit kurzem über eine Öffnung der Partei und Vorwahlen nach amerikanischem Vorbild. Was halten Sie davon? Würden Sie sich einer Vorwahl zur nächsten Bundestagswahl stellen? Darüber hinaus würde mich Ihre Meinung zu einer maximalen Anzahl an Wahlperioden für MDB´s interessieren.

Viele Grüße

Antwort von Dr. Wilhelm Priesmeier
1Empfehlung
28.09.2011
Dr. Wilhelm Priesmeier
Sehr geehrter Herr :

ich halte es für zwingend notwendig, dass die SPD im 21. Jahrhundert anders aufgestellt und organisiert sein muss als die Willy-Brandt-SPD der Siebziger Jahre. Eine stärkere inner- und außerparteiliche Kommunikation sowie die Mobilisierung von Nicht-Parteimitgliedern sind erstrebenswerte Ziele einer Parteireform. Auch weitergehende Beteiligungsformen sind möglich – die Zustimmung der Partei- Mitglieder vorausgesetzt. Ich persönlich hätte auch kein Problem damit, mich einer Vorwahl zu stellen. Das Ergebnis einer solchen Vorwahl könnte jedoch meiner Ansicht nach nur Empfehlungscharakter haben. Wen eine Partei nominiert, muss die Partei letzten Endes weiter selbst entscheiden (dies hat auch mit der Verfassungs- und Gesetzeslage zu tun). Parteimitglieder haben in der Regel den Vorteil, dass sie sich im politischen Tagesgeschäft gut auskennen. Ich halte die Aussicht nicht für erstrebenswert, dass Nicht-Mitglieder sich bei Nominierungs- und anderen Personalfragen engagieren, aber sich aus der eigentlichen politischen Alltags-Arbeit einer Partei heraushalten. So oder so bleibt es jeder Bürgerin und jedem Bürger dieses Landes unbenommen sich zu engagieren und sich um Mandate zu bewerben oder über Mandate und Kandidaturen abzustimmen.

Was die maximale Anzahl an Wahlperioden für Abgeordnete anbelangt, meine ich, dass man immer den Einzelfall betrachten sollte: Wenn jemand eine überzeugende politische Arbeit leistet, gibt es keinen Anlass diese nach einer bestimmten Zeit zwangsläufig zu beenden. Wenn die Öffentlichkeit der Auffassung ist, dass diese überzeugende Arbeit nicht geleistet wird, so können dem Abgeordneten im Rahmen des demokratischen Auswahlprozesses die Grenzen aufgezeigt werden. Auch hier ist jeder Einzelne aufgefordert sich zu engagieren: Wer unzufrieden ist, muss die offene und öffentliche Auseinandersetzung suchen.

Mit freundlichen Grüßen,

Wilhelm Priesmeier
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Frage zum Thema Wirtschaft
05.08.2011
Von:

Betrifft: Subventionen für die Automobilindustrie

Sehr geehrter Herr Dr. Priesmeier,
wie vor geraumer Zeit in einer Fernsehsendung berichtet wurde, bekommt die Autoindustrie eine Subvention in Höhe von ca. 1 Milliarde Euro um die Forschung an neuen Batterien im Bereich der Elektroautos voranzutreiben. Wie jedem bekannt ist, machen gerade dieser Industriezweig Milliardengewinne. Warum wird das benötigte Investitionsgeld nicht von den Konzernen selbst aufgebracht, sondern von den Steuerzahlern? Oder wird dieses Geld eines Tages an uns zurück gezahlt? Ich zitiere den ehemaligen Wirtschaftsminister R. Brüderle aus einer Pressemitteilung vom 3.5.2011 mit der Überschrift:
Brüderle: Markt und Wettbewerb sind der beste Motor für Innovationen und technischen Fortschritt
"...Denn eines ist klar: Jeden Euro an Subventionen für die Elektromobilität müssen Steuerzahler an anderer Stelle aufbringen."

Bereits am 20.07. hatte ich diese Frage an das Wirtschaftsministerium gestellt und eine für mich sehr unbefriedigende Antwort erhalten. Zitat: "Nach eigenen Angaben will die Industrie in den kommenden Jahren 17 Mrd. Euro in Forschung und Entwicklung bei der E-Mobiliätt stecken, der Bund gibt "nur" eine Milliarde Euro." Ich finde dieses "nur" im Bezug auf eine Summe in Höhe von
1.000.000.000 € schon ganz schön daneben; wenn ich es auch nicht gerne tue, aber ich muss dem Herrn Exminister für Wirtschaft Recht geben...es ist unser Geld. Bitte erklären Sie mir, warum der reichen Automobilindustrie so viel Geld geschenkt wird. Es fehlt doch dann für wirklich wichtige Dinge.
Das Antwortschreiben des Bundeswirtschaftsministeriums kann ich Ihnen gern auf anderem Wege zukommen lassen.

Vielen Dank und die besten Grüße aus Goslar von

Antwort von Dr. Wilhelm Priesmeier
bisher keineEmpfehlungen
28.09.2011
Dr. Wilhelm Priesmeier
Sehr geehrter Herr ,

rund 14 Prozent der CO2-Emissionen werden vom PKW-Verkehr verursacht. In der Energiebilanz sind elektrische Antriebe im Vergleich zum Verbrennungsmotor bereits beim heutigen Kraftwerksmix effizienter und können zur Verringerung des CO2-Ausstoßes beitragen. Erhebliche Klimavorteile werden aber erst dann erreicht, wenn der Strom aus anderen Quellen als den fossilen Energieträgern stammt. Unter anderem deshalb hat die rot-grüne Bundesregierung bereits vor 10 Jahren die Energiewende eingeleitet.
Die deutsche Automobilindustrie hat zu lange auf den Verbrennungsmotor gesetzt und hängt nun in der technologischen Entwicklung bei der Batterietechnik nach. Die Forschungsförderung hat in Deutschland bisher noch nicht den Stellenwert, den sie benötigt, um die deutsche Automobilindustrie zukunftsfähig zu machen. Die europäischen Nachbarländer und Staaten wie die USA, Japan und China sind da weiter und unterstützen ihre Industrien mit umfangreichen Programmen auf dem Weg zur Elektromobilität.
Natürlich ist eine Milliarde viel Geld. Dennoch glaube ich, dass in dem von Ihnen geschilderten Fall die Forschungsförderung des Bundes angemessen ist. Die Elektromobilität in Deutschland muss gestärkt werden und es nützt der Politik nicht, es bei Appellen an die Automobilindustrie zu belassen. Wir müssen dabei auch auf finanzielle Anreize setzen. Das Geld sollte allerdings nicht den Großkonzernen und damit den Falschen zukommen, sondern zielgerichtet an kleine und mittlere Unternehmen gehen. In der konkreten Ausgestaltung der Forschungsförderung gibt es Verbesserungsbedarf und wir als Opposition werden diesbezüglich weiter Druck bei der Regierung machen.

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. Wilhelm Priesmeier
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Frage zum Thema Finanzen
19.10.2011
Von:

Sehr geehrter Herr Priesmeier,

als unser Wahlkreisabgeordneter im Bundestag möchte ich mich mit folgendem Thema an Sie wenden:
Die aktuelle Entwicklung in der Europa- & Finanzpolitik bereitet mir Sorgen. Wo die Schulden nur groß genug sind, werden seitens der Regierungen Absicherungen ausgesprochen, die derweil schwindeleregende Höhen annehmen. Aktuell ist für den Euro Rettungsschirm (EFSF) eine Einlage von 2 Bill. € im Gespräch. Dies entspricht nahezu dem jährlichen deutschen Bruttonationalprodukt (BNE), als größte europäische Wirtschaftsnation sowie des Schuldenstandes unserer Bundesrepublik. Parallel dazu ist die vergangene Finanzkrise nicht überwunden, auch wenn sie schon aus den Köpfen der Allgemeinheit entschwindet. Aktuell sind aber schon neue Sicherungsmaßnahmen im Gespräch falls durch drohende ´Staatspleiten´ Finanzinstitute ins Trudeln geraten. Für mich ist hier auf ganzer Linie kein Ende erkennbar. Mir sind die Vorteile der europäischen Union und desEuros für unsere Wirtschaft bewusst, doch muss man in meinen Augen irgendwann eine Grenze ziehen, wenn es darum geht Absicherungen abzugeben. Aus welchem Grund trennt man in der Finanzwirtschaft nicht die Realwirtschaft vom Investmentbereich, wie es nach der Wirtschaftskrise in den 20ern in den USA gemacht wurde (was in den 90ern jedoch wieder aufgehoben wurde)? Es macht in meinen Augen einen Unterschied, ob ich hinter Zahlen konkrete Werte stehen habe oder ob ich die Geldmenge künstlich um ein Vielfaches erhöhe und das damit verbundene Risiko gemäß dem Motto: "Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren", auslagere. In der Europapolitik gilt für mich, dass eine gegenseitige Strukturhilfe, wie sie hier bei uns im Länderfinanzausgleich stattfindet, durchaus sinnvoll sein mag, aber die Bereitschaft komplette Staaten unbegrenzt finanziell abzufangen, ist bei mir nicht vorhanden, insbesondere wenn gemeinsame Wirtschaftspolitik vorhanden ist. ICH möchte zukünftig nicht in einem völlig überschuldeten Staat leben!
Antwort von Dr. Wilhelm Priesmeier
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09.11.2011
Dr. Wilhelm Priesmeier
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Frage und die differenzierte Art und Weise, mit der Sie die Problematik betrachten. Auch ich sehe die aktuelle Entwicklung in der Europa- und Finanzpolitik mit Sorge. Ich mache mir Sorgen um die Stabilität unserer Währung und die wirtschaftliche Zukunft unseres Landes. Keine der möglichen Antworten auf die Euro-Krise kann für sich in Anspruch nehmen, keine Risiken zu beinhalten. Eine Patentlösung gibt es leider nicht, daher müssen wir sehr gründlich die unterschiedlichen Antworten und Konsequenzen diskutieren. Wie Sie richtigerweise bemerken, ist für Deutschland der Prozess der europäischen Einigung bisher enorm von Vorteil gewesen: Politisch, weil es die deutsche Einheit ohne die europäische Einigung nicht gäbe. Wirtschaftlich, weil Millionen deutscher Arbeitsplätze vom Export deutscher Güter und Dienstleistungen in die Europäische Union und die Euro-Zone abhängen. Die Stärkung und Erhaltung unserer Wirtschaftskraft ist eng damit verknüpft, dass es den anderen Staaten Europas ebenfalls wirtschaftlich gut geht. Deshalb hat Deutschland ein eigenes starkes nationales Interesse an der Stabilisierung der Währungsunion. Die Bewältigung der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise in Europa steht und fällt für mich mit der Stabilität der europäischen Staatshaushalte. Wir in Deutschland haben unsere Hausaufgaben gemacht. Die seinerzeit von der rot-grünen Bundesregierung unter Gerhard Schröder umgesetzten Reformen erweisen sich heute als unser großes Plus beim Umgang mit der Krise im Vergleich zu anderen Staaten, die keine derartigen Schritte unternommen haben.

In der jetzigen Situation und insbesondere angesichts der teilweise chaotischen politischen Zustände in Griechenland und Italien zeigt sich endgültig, dass das Krisenmanagement der Regierung Merkel viel zu zaudernd und zögerlich war. Diese Haltung hat mit dafür gesorgt, dass die Risiken für den Steuerzahler größer geworden sind. Beispielsweise kommt der Schuldenschnitt für Griechenland anderthalb Jahre zu spät und auch weitere Einsichten wie die Notwendigkeit einer Finanztransaktionssteuer wurden – obwohl seit langem von vielen Akteuren und Experten gefordert – von Regierungsseite viel zu spät erkannt. Ich plädiere dafür, Griechenland im Euro-Raum zu halten. Dies geht aber nur und ausschließlich bei harten und klaren Vorgaben für die Griechen. Eine gute Kooperationsbereitschaft von griechischer Seite ist sowieso Voraussetzung für weitere Hilfe. Eine Umschuldung Griechenlands muss von umfassenden Strukturreformen und weiteren Unterstützungsmaßnahmen begleitet werden. Es muss eine Art "Marshall-Plan" für Griechenland geben. Eine dauerhafte Alimentierung lehne ich ab. Die Griechen stehen in der Pflicht, ihr Staatswesen zu reformieren sowie ihr Sozialsystem- und vor allem ihr Steuersystem wieder funktionsfähig zu machen.

Die aktuelle Krise lehrt uns etwas, das nun auch nach und nach von einstigen neoliberalen Vorkämpfern realisiert wird: Wir müssen grundsätzlich die Weichen in der Wirtschafts- und Finanzpolitik neu stellen. Wir brauchen Regeln auf den Finanzmärkten, die dem Treiben der Zocker und Spekulanten nachhaltig Einhalt gebieten. Diejenigen, die sich an der Krise bereichert haben, müssen zur Kasse gebeten werden. Hierbei ist die angesprochene Finanztransaktionssteuer das Instrument, das von der SPD seit langem gefordert wird und nun endlich eingeführt werden muss. Es ist zu hoffen, dass die Regierung wenigstens an dieser Stelle einmal Courage zeigt. Außerdem fordere ich eine gemeinsame europäische Bankenaufsicht sowie die von Ihnen angesprochene Trennung des Bankensektors in Geschäfts- und Investmentbanken. In diese Richtung werden die SPD-Fraktion und ich weiter Druck machen. Wir sind uns unserer staatspolitischen Verantwortung für Europa bewusst. Bei den Fraktionen der Regierung habe ich da erhebliche Zweifel.
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