Dr. Werner Hoyer (FDP)
Abgeordneter Bundestag 2005-2009
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Grunddaten
Dr. Werner Hoyer
Jahrgang
1951
Berufliche Qualifikation
Diplom Volkswirt, Staatsminister a. D.
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Köln II
Landeslistenplatz
4, über Liste eingezogen, Nordrhein-Westfalen
weitere Profile
(...) Die "Berliner Rede" war eine umfassende, würdige und in die Zukunft greifende Ansprache. Horst Köhler hat einmal mehr bewiesen, dass er der richtige Bundespräsident für Deutschland ist. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Internationales
03.09.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Hoyer,

In den USA hat die Unterstützung für den Afghanistan-Krieg der NATO in
den letzten Monaten deutlich abgenommen (vgl.
www.nytimes.com
). Präsident Obama braucht inzwischen die Unterstützung von republikanischen
Hardlinern wie McCain, um seine Pläne einer Truppenverstärkung
durchzusetzen, aber selbst einflussreiche Konservative wie der Kolumnist
George Will sind inzwischen für einen Rückzug.

Meine Frage: Würden Sie die weitere Präsenz der Bundeswehr in
Afghanistan auch dann unterstützen, wenn die USA ihre Truppen abziehen?
Muss Deutschland seine Sicherheit am Hindukusch zur Not auch allein, oder
jedenfalls ohne die USA verteidigen?

Wenn die Antwort darauf nein sein sollte, schließt sich die nächste
Frage an: Finden Sie es in Ordnung, dass die amerikanische öffentliche
Meinung mehr über Bundeswehreinsätze zu sagen hat als die deutsche
öffentliche Meinung (die ohnehin seit längerem gegen den Krieg ist, vgl.
zuletzt U. Ladurner in der ZEIT vom 27.8.2009, www.zeit.de )?

Mit freundlichen Grüßen,
Ihr
Prof. Dr. (Leipzig)
Antwort von Dr. Werner Hoyer
4Empfehlungen
15.09.2009
Dr. Werner Hoyer
Sehr geehrter Herr Professor ,

haben Sie vielen Dank für Ihre Anfrage. Mit Interesse habe ich die Artikel gelesen, auf die Sie in Ihrer Anfrage verweisen. Einige der dort angeführten Punkte teile ich ausdrücklich - z.B. dass gerade in den Jahren 2002 bis 2004 eine große Chance Bestand, die Rechtsstaatlichkeit und damit die Wertschätzung staatlicher Institutionen im Land stärker zu fördern; oder auch die Kritik an den von vornherein unrealistischen Hoffnungen, man könne Afghanistan in kürzester Zeit in eine Art "Westminister-Demokratie" umwandeln. Die damalige rot-grüne Bundesregierung hat alles getan, diese Fehleinschätzungen zu befördern, auch deshalb, weil man sich schmerzhaften Fragen hinsichtlich der Grenzen des sog. "society building" als Teil des "nation building" in Bezug auf die afghanische Gesellschaft nicht stellen wollte. Dies wurde auch unter CDU/CSU und SPD nicht verändert, was dazu geführt hat, dass Anspruch und Wirklichkeit unseres Engagements immer weiter auseinanderklaffen, was selbstverständlich in unserer Öffentlichkeit registriert und entsprechend bewertet wird.

Ausdrücklich anderer Meinung bin ich allerdings hinsichtlich der Schlüsse, die aus dieser Beobachtung zu ziehen sind. Man sollte nicht den Eindruck erwecken, als wären "Exit-Strategie" oder "Bekenntnis zum Engagement" Alternativen, die zum gleichen Ziel führten. Jetzt aus Afghanistan abzuziehen, hieße, das Land wieder radikalen Islamisten zu überlassen, die erst die eigene Bevölkerung terrorisieren und dann den Terror in die Welt tragen. Die Bilder von öffentlichen Hinrichtungen und die Zerstörung religiöser Stätten durch die Taliban sind mir noch ebenso gut im Gedächtnis wie der 11. September 2001. Beides darf es in Zukunft nicht mehr geben. Dass man dies nicht dauerhaft von außen garantieren kann, ist vollkommen klar. Genauso klar ist für uns Liberale, dass wir jeden Bundeswehreinsatz so schnell wie möglich wieder beenden wollen. Deshalb müssen die Afghanen in die Lage versetzt werden, selbst für die Sicherheit in ihrem Land zu sorgen, damit die Entwicklung in anderen Bereichen weiter voranschreiten kann. Dann wird auch der Zeitpunkt gekommen sein, einen schrittweisen Abzug der internationalen Truppenpräsenz in Afghanistan einzuleiten. Ich bin sehr sicher, dass dies auch in den USA in ähnlicher Art und Weise gesehen wird und sich deshalb die Frage eines vorzeitigen Abzuges dort nicht stellen wird.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Werner Hoyer
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Frage zum Thema Internationales
15.09.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Hoyer,

1) ihre gereizte Antwort zeigt, dass ihnen meine Frage lästig ist, aber "absolut absurd" ist es keineswegs festzustellen, dass die FDP auch eine rechte Vergangenheit hat. Ex-FPDler Günther Verheugen hat "Opas FDP" der Nachkriegszeit in seinem Buch "Der Ausverkauf" (SPIEGEL-Verlag) recht plastisch geschildert. Diese nationaliberale Strömung war immer existent, ob nun bei Mende oder aber als Möllemann versuchte die FDP mit einem Berater der rechtsradikalen österreichischen FPÖ, nationalistischem Getöse und antisemitischen Ausfällen auf 18% zu bringen. Anfangs haben sie da alle mitgezogen, da dies erfolgreich schien. Erst der Absturz Möllemanns beendete dieses Intermezzo. Haben sie diese nationaliberale Strömung, die auch vor dem rechten Rand nicht halt macht inzwischen im Griff? Wie ist ihr Verhältnis zu den rechtsradikalen Parteien BZÖ und FPÖ?

2) Was halten sie von dem Vorschlag der Linkspartei die NATO durch ein System kollektiver Sicherheit unter Einschluss Russlands zu ersetzen ?Das klingt ähnlich wie Medjewdes Vorschlag. Oder Putin, der 2001 in Bonn sagte: "Niemand bezweifelt den großen Wert der Beziehungen Europas zu den Vereinigten Staaten. Aber ich bin der Meinung, daß Europa einen Ruf als mächtiger und selbständiger Mittelpunkt der Weltpolitik langfristig nur festigen wird, wenn es seine eigenen Möglichkeiten mit den russischen menschlichen, territorialen und Naturresourcen sowie mit den Wirtschafts-, Kultur, und Verteidigungspotentialen Russlands vereinigen wird." (Zitat nach: Emmanuel Todd: Weltmacht USA-Ein Nachruf, Piper/München 2003). Ist das die proslawische Hoffnung auf ein neues Rapallo oder eine eurasische Blockbildung oder handelt es sich hierbei um unausgegorene Spinnereien?
Iniweweit halten sie die Westbindung bei SPD und Linkspartei noch für garantiert?

Mit freundlichen Grüssen
Antwort von Dr. Werner Hoyer
2Empfehlungen
24.09.2009
Dr. Werner Hoyer
Sehr geehrter Herr ,

lassen Sie mich zunächst feststellen, dass mir Ihre Frage nicht lästig ist, und dass mir meine Antwort auch nicht als "gereizt" erschienen ist. Vielmehr halte ich meine Position für sachlich leicht nachvollziehbar und eindeutig.

Wie ich bereits in meiner Antwort auf Ihre Frage vom 2. September 2009 dargelegt habe, bildet die Aufarbeitung der eigenen Geschichte und möglicher Fehler in der FDP einen Grundpfeiler ihrer demokratischen Ausrichtung. Diese Vergangenheitsbewältigung hat in der Partei "Die Linke" an keiner Stelle stattgefunden. An dieser Stelle sollte es Sie auch nicht überraschen, dass wir Liberale weder zur FPÖ noch zur BZÖ Kontakt haben und ihre rechtspopulistische Politik ablehnen.

Die von Ihnen erwähnten Vorschläge der Linkspartei, die NATO durch ein System kollektiver Sicherheit unter Einschluss Russlands zu ersetzen, lehne ich ab. Die NATO und die Westbindung Deutschlands haben in den vergangenen 60 Jahren den Frieden und Wohlstand für Deutschland und seine Bündnispartnern gesichert. Gerade durch die neue US-Administration wird die NATO in den kommenden Jahren wieder zur zentralen Plattform für globale Strategiepolitik werden. Dadurch wird nicht zuletzt auch der Handlungsfähigkeit der NATO als Wertegemeinschaft wieder mehr Bedeutung beigemessen. Diese Form der Westbindung wird auch in der SPD nicht in Frage gestellt.

Die Beziehungen zwischen Russland und Europa werden auch in Zukunft von gegenseitigem Respekt geprägt sein. Dabei werden wir auch Präsident Medwedew beim Wort nehmen und Russland noch stärker einbinden. Hierfür sind die Beratungen innerhalb des NATO-Russland-Rates gut geeignet. Als Ergebnis dieser Verhandlungen dürfen aber nicht die USA aus Europa verdrängt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Werner Hoyer
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Frage zum Thema Internationales
07.10.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Hoyer,

erst einmal Gratulation zum Wahlsieg, wenngleich meine Stimme (noch)nicht dazu beitrug.

1)Japans neuer Ministerpräsident Hatoyama hat eine Lockerung der Beziehungen zu den USA und die Gründung einer "Ostasiatischen Gemeinschaft"in Aussicht gestellt.
Nachdem schon ein Asiatischer Währungsfonds von China, Japan und Südkorea gegrüdnet wurde, welche Erfolgsaussichten geben sie diesem panasiatischen Unternehmen?Glauben Sie, dass Japan und China ihre Konkurrenz zugunsten EU-ähnlicher Strukturen zurückstellen können oder wie glauben sie ist der Begriff gemeint?

2)Der neue NATO-Botschafter Ivo Daalder ist wie NATO-Generalsekretär Rasmsussen ein Anhänger einer Globalen NATO.Inwieweit gibt es Bestrebungen die euroatlantische NATO um eine dritte,asiatische Säule zu erweitern, sei es um Japan, Indien oder Südkoea?Sollte ein NATO-Dialog mit China forciert werden?Was wäre die Linie eines neuen Aussenminsiter Westerwelle/Hoyer diesbezüglich?

3)China hat in Afghanistan eine Kupfermine im Werte von 30 Mrd.Dollar für
5 Mrd.Dollar erstanden, im Gegenzug der afghanischen Regierung dafür
zugesagt eine Eisenbahnlinie zu bauen.Wäre dies nicht eine ideale
Gelegenheit, auch um chinesische Soldaten zum Wiederaufbau und Schutz
dieser Infrastrukturen einzuladen und China und die Shanghai Cooperation
Organization mehr an den Lasten des Afghanistankrieges zu beteiligen?
Wäre die Volksbefreiungsarmee strukturell imstande, einen nennenswerten
Beitrag in Afghanistan zu leisten und mit der NATO zu kämpfen?

4)Was hält die FDP von der Asienstratgie der CDU-/CSU-Bundestagsfraktion, in der China als "Systemkonkurrenz"bezeichnet wird?Inwieweit unterscheidet sich die Asienpolitik der FDP von der der CDU/CSU?

Mit freundlichen Grüssen

Antwort von Dr. Werner Hoyer
bisher keineEmpfehlungen
20.10.2009
Dr. Werner Hoyer
Sehr geehrter Herr ,

ich unterstütze prinzipiell die Entstehung von Strukturen regionaler Integration. Voraussetzung ist allerdings, dass sich diese universellen Menschenrechtsprinzipien verpflichten und sich nicht in Abgrenzung von oder als Konkurrenz zu bestehenden Institutionen wie den Vereinten Nationen oder der Europäischen Union begreifen.
Im Übrigen halte ich das Konzept einer "Konkurrenz der Systeme" als Analyse der gegenwärtigen Situation für vollkommen unangebracht. Vielmehr setze ich mich dafür ein, dass zukünftig auch die aufstrebenden Industrie- und Schwellenländer Asiens und Afrikas stärker in die Lösung globaler Probleme eingebunden werden, sei es im ökologischen oder im sicherheitspolitischen Bereich.
Im Bezug auf Ihre weiteren Fragen muss ich Ihnen mitteilen, dass es mir fern liegt, die Intentionen oder strukturellen Kapazitäten anderer Länder, geschweige denn die anderer politischer Parteien, zu bewerten oder zu beurteilen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Werner Hoyer
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