Dr. Sascha Raabe (SPD)
Abgeordneter Bundestag 2005-2009
Dieses Profil dient zu Archivzwecken, eine Befragung ist nicht mehr möglich. Besuchen Sie das aktuelle Profil.

Grunddaten
Dr. Sascha Raabe
Jahrgang
1968
Berufliche Qualifikation
Politologe, Bürgermeister a.D.
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Hanau
Landeslistenplatz
14, Hessen
weitere Profile
(...) Damit die einfachen Steuerzahler nicht auf den Kosten der Bankenkrise hängen bleiben, hat die SPD-Bundestagsfraktion beschlossen, dass mögliche Defizite bei den Bürgschaften und Hilfen für einzelne Banken am Ende durch eine Sonderabgabe vom gesamtem Bankensektor ausgeglichen werden müssen. Damit wollen wir Sozialdemokraten erreichen, dass der Steuerzahler nicht den Schaden zahlen muss, den hoch bezahlte Bankmanager angerichtet haben. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
Fragen an Dr. Sascha Raabe
Auswahl der Fragen und Antworten
Nachricht an folgende Adresse schicken, sobald eine Antwort eintrifft:


An diese Adresse den abgeordnetenwatch.de-Newsletter bestellen
Bitte loggen Sie sich hier ein.
Frage zum Thema Internationales
19.11.2007
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Raabe,

Wir sind drei Studenten von der FH Deggendorf, studieren Internationales Management und werden am 29.11. einen Vortrag mit anschließender Diskussion zum Thema "Brain Drain – Brain Gain" halten.

Diesbezüglich haben wir einige Fragen an Sie:

1. Wie hoch schätzen Sie die negativen Folgen von Brain Drain für Deutschland ein?

2. Kann der Verlust von hochqualifizierten deutschen Arbeitskräften durch den Einsatz von ausländischen Fachkräften kompensiert werden?

3. Die Arbeitslosenquote in Deutschland ist hoch, deshalb erschweren strenge Auflagen die Einstellung ausländischer Fachkräfte. Der Konflikt dabei ist, dass oftmals der Bedarf an hochqualifizieren Arbeitskräften nicht (mehr) von dem deutschen Arbeitsmarkt gedeckt werden kann und Unternehmen aber auf diese angewiesen sind, um in Zeiten der Globalisierung wettbewerbsfähig zu bleiben.
Welche Ansätze sind in Berlin vorhanden, um diesen Konflikt zu lösen? Was ist Ihre persönliche Meinung dazu?

4. Was wären Ihrer Meinung nach geeignete Maßnahmen, sodass die deutsche Wirtschaft von dem Brain Drain- bzw. Brain Gain-Trend profitieren könnte?

Wir freuen uns auf Ihre Antwort!

Mit freundlichen Grüßen

, Kerstin Liebl, Mandy Hubrig
Antwort von Dr. Sascha Raabe
3Empfehlungen
30.11.2007
Dr. Sascha Raabe
Sehr geehrte Frau , Frau Liebl und Frau Hubrig,

zuerst einmal möchte ich mich für Ihre Fragen bedanken. Es freut mich, dass junge Akademikerinnen wie Sie sich für dieses wichtige Thema interessieren.

Nun zu Ihren Fragen.

Ob und in welchem Maße wir momentan überhaupt von negativen Folgen durch Abwanderung von Hochqualifizierten sprechen können, ist fraglich. Es gibt derzeit keine genauen Daten über die Zahl von Auswanderern. Es steht zudem i.d.R. nicht fest, ob die Auswanderung zeitlich begrenzt ist oder endgültig. Darüber hinaus müsste die Zahl der Auswanderer mit der Zahl der Einwanderer verglichen werden, um eine aussagekräftige Bilanz ziehen zu können.

Eine zufriedenstellende Antwort auf diese Frage zu geben ist folglich zurzeit nicht möglich.

Es wäre zwar denkbar, einen möglichen Fachkräfteverlust von deutschen Arbeitskräften durch Auswanderung mit einer Einwanderungspolitik zu kompensieren. Unser vorrangiges politisches Ziel muss die Ausbildung von qualifizierten Fachkräften und deren Einsatz hier in Deutschland sein. Darüber hinaus kann ein möglicher Bedarf an weiteren Fachkräften durch eine gesteuerte Zuwanderung geregelt werden. Die Zuwanderung von Hochqualifizierten kann also nur eine Ergänzung zu dieser Politik sein – sie darf sie aber keinesfalls ersetzen. Fakt ist, dass durch den demografischen Wandel der Bedarf an ausländischen Hochqualifizierten noch weiter zunehmen wird und deren Zuwanderung somit unverzichtbar für die ökonomische Entwicklung Deutschlands werden wird. Daher brauchen wir für die Zukunft ein flexibles Zuwanderungssystem, damit wir mögliche negative Konsequenzen aus dem Bevölkerungsrückgang verhindern können.

Eine bereits beschlossene, geeignete Maßnahme um vermehrt ausländische Akademikerinnen und Akademiker nach Deutschland zu lotsen ist zum Beispiel die Exzellenz-Initiative der Bundesregierung Hochschulen und Hightech-Strategien mit einem Gesamtvolumen von 6 Milliarden Euro zu finanzieren. Diese Investitionen werden mittelfristig einen weiteren Einwanderungsschub von Akademikerinnen und Akademikern bewirken.

Mit der Verabschiedung des Zuwanderungsgesetzes wurden die Möglichkeiten der arbeitsmarktbezogenen Immigration erheblich verbessert. Dabei orientierte man sich an den Erfordernissen des Wirtschaftsstandortes Deutschland und den Verhältnissen und spezifischen Besonderheiten des deutschen Arbeitsmarktes. Aus diesem Grund hat man auch die aufenthaltsrechtlichen Bedingungen für Hochqualifizierte und deren Familienangehörige erleichtert. Sie können schon bei der Einreise eine (unbefristete) Niederlassungserlaubnis erhalten, für Selbstständige bereits nach drei Jahren. Auch ausländische Studierende profitieren von den Neuerungen. Nach Ablauf ihres erfolgreich abgeschlossenen Studiums haben sie bis zu einem Jahr Zeit, einen passenden Job zu finden, um dauerhaft in Deutschland bleiben zu können. Parallel wurde jedoch der Anwerbestopp für Nicht- und Geringqualifizierte beibehalten.

Das neue Zuwanderungsgesetz stellt eine Art Paradigmenwechsel in Bezug auf die Immigration von Hochqualifizierten dar – vom bisherigen restriktiven Zuwanderungsrecht hin zu einer gezielten Einwanderung von qualifizierten Arbeitskräften. Damit wird Einwanderungswilligen eine Zukunftsperspektive in Deutschland geboten.

Leider ist das Phänomen der Auswanderung von Hochqualifizierten bisher wissenschaftlich nur unzureichend erforscht. Umso mehr hoffe ich, dass Sie sich auch weiter mit dieser äußerst aktuellen Problematik auseinandersetzen werden.

Für Ihren Vortrag möchte ich Ihnen des Weiteren empfehlen, sich mit der Arbeit von Prof. Dr. Klaus Bade zu beschäftigen. Er ist einer der wenigen Experten auf dem Gebiet der Migrationsforschung.

Ich hoffe, ich konnte Ihre Fragen beantworten, wünsche Ihnen viel Erfolg für Ihren Vortrag und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Dr. Sascha Raabe
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Internationales
09.12.2007
Von:

Sehr geehrter Dr. Raabe!

Auch nach der Verabschiedung der Millenniumserklärung im Jahre 2000 leiden weiterhin Millionen Menschen weltweit unter den Folgen extremer Armut. Die Sicherung der Grundbedürfnisse aller Menschen bleibt daher zu Recht Hauptaugenmerk aktueller Entwicklungspolitik.

Meine Frage an Sie aber zielt auf einen weit zukünftigeren und generellen Rahmen. Der Lebensstandard der Ersten Welt, welcher erst durch einen enormen Verbrauch an natürlichen Ressourcen möglich wird, ist auch in Ansehung zukünftigen technischen Fortschritts nicht im Weltmaßstab übertragbar. Auch die nobelsten Intentionen der Entwicklungszusammenarbeit kommen nicht umhin anzuerkennen, dass die natürlichen Grenzen des Wachstums das Erreichen des hiesigen Lebensstandards für einen Großteil der Entwicklungsländer von vornherein rein faktisch nicht zulassen.

Daher möchte ich Sie fragen, mit welchem ethischen Konzept der Verteilungsgerechtigkeit Sie der Problematik der Grenzen des Wachstums begegnen.
Wie ist Politik ethisch zu rechtfertigen, die davon ausgehen muss, dass die Zukunftserwartung einer Vielzahl von Völkern weit hinter derjenigen unseres Volkes zurückbleibt, aufgrund der Grenzen des Wachstums gar zurückbleiben muss?

Mit vorzüglichen Grüßen,

Antwort von Dr. Sascha Raabe
bisher keineEmpfehlungen
04.02.2008
Dr. Sascha Raabe
Sehr geehrter Herr ,

für Ihre E-Mail vom Dezember möchte ich mich herzlich bedanken. Ich bitte um Verständnis, dass ich Ihnen aufgrund der intensiven Sitzungswochen des Deutschen Bundestages im Dezember und im Januar erst jetzt antworten kann.

Ihre beiden Fragen sind für den Arbeitsbereich der Entwicklungspolitik sehr interessant und wichtig.

Die UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung hat in Rio de Janeiro 1992 ein Dreieck der nachhaltigen Entwicklung entworfen. Es umfasst wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, soziale Gerechtigkeit und ökologische Nachhaltigkeit. In der deutschen Entwicklungszusammenarbeit wurde dieses Dreieck noch um die Dimension der politischen Stabilität erweitert. Die Stärkung dieser vier Bereiche in unseren Partnerländern des Südens wollen wir im Rahmen der deutschen und internationalen Entwicklungszusammenarbeit fördern und unterstützen. Das können wir natürlich nicht allein, die Partnerländer müssen selbst die Hauptanstrengungen unternehmen, um die Millenniums-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen bis zum Jahr 2015 zu erreichen.

Ich möchte darauf hinweisen, dass uns Probleme der Entwicklungsländer, wie Armut, HIV/Aids oder die Versorgung mit Energie auch direkt selbst betreffen. Bekämpfen wir diese Probleme, beugen wir ihren Auswirkungen bei uns in Deutschland und in Europa vor. Entwicklungszusammenarbeit mit den Ländern des Südens liegt daher in unserem wohlverstandenen Eigeninteresse. Darüber hinaus trägt Entwicklungszusammenarbeit zu internationaler Gerechtigkeit und Solidarität bei. Ziel unserer Zusammenarbeit sollte es immer sein, die Lebensqualität in den ärmsten Ländern zu steigern und Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Nur so kann Entwicklungszusammenarbeit verantwortet und ethisch vertreten werden. Unsere Arbeit soll Armut bekämpfen, Frieden sichern, Globalisierung gerecht gestalten sowie die Umwelt schützen und damit nachhaltige Entwicklung fördern.

Dass nachholende Entwicklung möglich ist, zeigt sich an den so genannten Tigerstaaten sowie China und Indien, die vormals selbst Empfänger von Entwicklungsgeldern waren und heute zu den Industrie- bzw. Schwellenländern gehören. Es gibt also durchaus positive Beispiele, dass einstige Entwicklungsländer rapide Fortschritte machen. Der Erfolg dieser Länder beruht vor allem darauf, dass sie sich in den letzten 25 Jahren in die Weltwirtschaft haben integrieren können. Sie haben es geschafft, mit ihren Exportgütern die globalen Märkte zu erobern. Heute leben insgesamt vier Milliarden Menschen in Ländern, die wirtschaftlich sehr schnell aufholen. Für diese Menschen gibt es viel Hoffnung.

Dennoch gibt es im Hinblick auf die sozial gerechte Gestaltung der Weltwirtschaft politisch weiterhin viel zu tun: Es ist unabdingbar, dass wir so schnell wie möglich Partnerschaftsabkommen zwischen der EU und den Staaten Afrikas sowie des karibischen und pazifischen Raums, den so genannten AKP-Staaten, zustande bringen, die diesen Namen auch wirklich verdienen, und dass insbesondere den Agrarprodukten aus Entwicklungsländern ein quoten- und zollfreier Zugang zu unseren Märkten eröffnet wird. Zudem muss die wettbewerbsverzerrende Subventionspolitik in der europäischen und US-amerikanischen Landwirtschaft beendet werden. Wenn gleichzeitig den AKP-Staaten auch künftig ein Schutz für ihre sensiblen Produkte eingeräumt wird und ihnen bei weiteren Liberalisierungen lange Übergangsfristen gewährt werden, haben sie eine reelle Chance, wettbewerbsfähig am Welthandel teilzunehmen. Das wäre das beste Mittel, die Armut in diesen Ländern und gerade auch in den ländlichen Regionen zu bekämpfen. Hierfür setzt sich die SPD-Fraktion weiterhin ein.

In Ihren Fragen gehen Sie auch auf die Grenzen des Wachstums ein. Deswegen möchte ich auf diesen Aspekt an dieser Stelle noch kurz eingehen. Uns allen ist bekannt, dass Dennis Meadows und seine Mitarbeiter im Jahr 2004 ihre im Jahr 1972 veröffentlichte Studie auf den neuesten Stand gebracht haben. Sie nahmen leichte Veränderungen an ihrem Computermodell vor und errechneten anhand verschiedener Szenarien mögliche Entwicklungen ausgehend vom Jahr 2002 bis zum Jahr 2100. In den meisten der errechneten Szenarien ergibt sich ein Überschreiten der Wachstumsgrenzen und ein anschließender Kollaps bis spätestens 2100. Die Fortführung des /"business as usual"/ der letzten 30 Jahre führt zum Kollaps im Jahr 2030. Auch bei energischen Fortschritten in den Bereichen Umweltschutz- und Effizienzstandards kann diese Tendenz oft nur abgemildert, nicht aber verhindert werden. Die Studie zeigt, dass erst eine Kombination einer überaus ambitionierten Mischung aus eingeschränktem Konsum, Kontrolle des Bevölkerungswachstums, Reduktion des Schadstoffausstoßes und zahlreichen weiteren Maßnahmen zu einer nachhaltigen Entwicklung mit hoher Lebensqualität bei knapp acht Milliarden Menschen führt. Auf internationaler und nationaler Ebene liegt folglich noch ein langer Weg vor uns, um unsere Eine Welt nachhaltig zu gestalten. Hierfür setzte ich mich politisch ein.

In der Hoffnung, Ihnen mit diesen Ausführungen gedient zu haben, verbleibe ich mit freundlichen Grüßen

Dr. Sascha Raabe
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Wirtschaft
27.01.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Raabe,

seit einiger Zeit beschäftigt mich die weitere Entwicklung der Globalisierung und deren Auswirkungen.

Bisher habe ich u. a. auch von der Bundeskanzlerin Frau Merkel vernommen, dass Deutschlands Chancen in mehr Anstrengungen auf einen technischen Vorsprung gegenüber anderen Ländern beruhen.

Mir fällt es allerdings schwer zu glauben, dass dies auf eine lange Sicht funktioniert, denn andere Länder wie z. B.China und Indien könnten unseren technischen Stand bereits in einem kürzeren Zeitraum (vielleicht 5-10 Jahre) erreichen.

Meine Frage:
In der Annahme, dass Sie meiner Beurteilung grob gesehen zustimmen, müsste Deutschland dann, um gegenüber diesen Staaten auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig zu sein, seine Produkte nur noch für ca. 1/5-tel bis 1/10-tel oder gar noch billiger produzieren.

Ich habe diese Werte nur grob abgeschätzt.

Dies würde aber dann auch bedingen, dass die deutschen Einkommen entsprechend fallen müssten.

Lassen Sie mich bitte wissen, ob Sie meine Auffassung, grob gesehen, teilen. Sollte dies der Fall sein, so bitte ich Sie um Ihre Meinung darüber, wie das gelöst werden kann.

Ich wäre Ihnen auch dankbar, wenn Sie mir Hinweise zu entsprechender Literatur ggfs. auch öffentlicher Ausschussunterlagen geben könnten.

Vielen Dank !
Antwort von Dr. Sascha Raabe
2Empfehlungen
14.02.2008
Dr. Sascha Raabe
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für ihre Frage zu den Auswirkungen der Globalisierung.

Wie Sie in Ihrer Anfrage beschrieben haben, werden die Staaten durch die Globalisierung ständig mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Auch die deutsche Wirtschaft stand und steht dabei immer in Konkurrenz zu anderen Wirtschaften. Den Wettstreit um die billigste Produktion kann Deutschland dabei nicht gewinnen. Deshalb müssen deutsche Unternehmen versuchen, durch innovative Technologien der internationalen Konkurrenz ein Stück voraus zu sein. In Zeiten von sich immer schneller verändernder Technik ist dies sicher keine leichte Aufgabe. Hier sind kontinuierliche Investitionen in das Bildungssystem und die Forschung notwendig.

Um dies zu erreichen hat die Bundesregierung eine "Hightech-Strategie für Deutschland" verabschiedet. Für die Umsetzung dieser Strategie sind bis zum Jahr 2009 15 Milliarden Euro bereitgestellt. Der Fahrplan legt 17 Bereiche fest, in denen neue Märkte erschlossen und bestehende Märkte ausgebaut werden sollen. Ziel ist es, durch immer neue Innovation in diesen Bereichen marktführend zu werden oder zu bleiben. Weitere Informationen finden Sie zum Beispiel auf der Homepage des Bundesministeriums für Bildung und Forschung ( www.bmbf.de ) und auf der von der Bundesregierung eingerichteten Seite zur Hightech-Strategie ( www.hightech-strategie.de ).

Neben dem wachsenden Innovationsdruck bringt die Globalisierung noch weitere Effekte mit sich. Etwa 80 Prozent der Weltbevölkerung leben in Entwicklungsländern mit geringem Einkommen, niedrigem Bildungsstand und hoher Armutsquote. Durch die zunehmende Integration der Entwicklungs- und Schwellenländer in den Weltmarkt entstehen neue Möglichkeiten, die Unterentwicklung und Armut in diesen Ländern erfolgreich zu bekämpfen. Besonders Staaten in Asien haben es geschafft, die Chancen von weltweitem Handel erfolgreich für sich zu nutzen. Beispielsweise wurden durch das wirtschaftliche Wachstum in China mehrere hundert Millionen Menschen aus der Armut befreit. Andere Staaten, vor allem in Afrika, konnten von der zunehmenden Dynamik und Integration des Weltmarktes kaum profitieren und ihre Lage hat sich zunehmend verschlechtert.

Ich möchte unterstreichen, dass uns Probleme dieser Entwicklungsländer, wie Armut, HIV/Aids oder die Versorgung mit Energie auch direkt selbst betreffen. Bekämpfen wir diese Probleme, beugen wir ihren Auswirkungen bei uns in Deutschland und in Europa vor. Entwicklungszusammenarbeit mit den Ländern des Südens liegt daher in unserem wohl verstandenen Eigeninteresse. Darüber hinaus trägt Entwicklungszusammenarbeit zu internationaler Gerechtigkeit und Solidarität bei. Ziel unserer Zusammenarbeit sollte es immer sein, die Lebensqualität in den ärmsten Ländern zu steigern und Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Unsere Arbeit soll Armut bekämpfen, Frieden sichern, Globalisierung gerecht gestalten sowie die Umwelt schützen und damit nachhaltige Entwicklung fördern. Erst durch die Überwindung von Armut entsteht Kaufkraft in den Entwicklungsländern und werden neue Absatzmärkte für die deutsche Exportwirtschaft geschaffen.

Dennoch gibt es im Hinblick auf die sozial gerechte Gestaltung der Weltwirtschaft politisch weiterhin viel zu tun: Es ist unabdingbar, dass wir so schnell wie möglich Partnerschaftsabkommen zwischen der EU und den Staaten Afrikas sowie des karibischen und pazifischen Raums, den so genannten AKP-Staaten, zustande bringen, und dass insbesondere den Agrarprodukten aus Entwicklungsländern ein quoten- und zollfreier Zugang zu unseren Märkten eröffnet wird. Zudem muss die wettbewerbsverzerrende Subventionspolitik in der europäischen und US-amerikanischen Landwirtschaft beendet werden. Wenn gleichzeitig den AKP-Staaten auch künftig ein Schutz für ihre sensiblen Produkte eingeräumt wird und ihnen bei weiteren Liberalisierungen lange Übergangsfristen gewährt werden, haben sie eine reelle Chance, wettbewerbsfähig am Welthandel teilzunehmen. Das wäre das beste Mittel, die Armut in diesen Ländern zu bekämpfen. Hierfür setzt sich die SPD-Fraktion weiterhin ein.

Sie haben mit Ihrer Frage ein sehr komplexes Thema angesprochen, das hier lediglich in Ansätzen diskutiert werden kann. Deshalb empfehle ich Ihnen zur weiteren Lektüre vor allem folgende Bücher:

  • Joseph Stiglitz, 2002: Die Schatten der Globalisierung, Berlin: Sieder Verlag.

  • Joseph Stiglitz, 2006: Die Chancen der Globalisierung, Berlin: Sieder Verlag.

Ich hoffe, dass ich Ihnen weiterhelfen konnte, und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Dr. Sascha Raabe
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Inneres und Justiz
06.02.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Raabe,

mit Entsetzen mußte ich heute der Zeitung "Die ZEIT" entnehmen, dass bei der anstehenden Münchner Sicherheitskonferenz bewaffnete Bundeswehrsoldaten Wachaufgaben wahrnehmen sollen.

Was gedenken Sie und Ihre Fraktion dagegen zu unternehmen, dass so offensichtlich gegen die Verfassung verstoßen wird?

Es wird ja immer betont, dass die Sicherheitskonferenz von einem privaten Veranstalter organisiert wird. Wie kann es sein, dass dann dort nicht nur die Bundeswehr zum Einsatz kommt, sondern dass diese Veranstaltung auch noch vom Bundespresseamt mit Geld des Verteidigungsministeriums finanziert wird?
Generell sehe ich mit Sorge, dass die Regierung in letzter Zeit die Grenzen der Verfassung doch sehr stark strapaziert und ich habe noch nicht feststellen können, dass das Parlament, also auch Sie, die von der Verfassung vorgesehene Kontrollfunktion wirklich wahrnimmt.

Mit freundlichen Grüßen,

B.
Antwort von Dr. Sascha Raabe
1Empfehlung
08.04.2008
Dr. Sascha Raabe
Sehr geehrter Herr ,

die von Ihnen angemerkten Bedenken eines Einsatzes der Soldaten der Bundeswehr im Inneren mit Waffe und gleichzeitiger Übertragung des privaten Hausrechtes an die Bundeswehr, kann ich vollends verstehen und teile diesbezüglich Ihre Meinung.

Sowohl im Rahmen des G 8-Gipfels 2007 wurde im Krankenhaus Bad Doberan in einem Teilbereich des Krankenhauses das Hausrecht der Bundeswehr übertragen und wahrgenommen. Gleiches ereignete sich auch auf der von Ihnen benannten Münchener Sicherheitskonferenz im Januar diesen Jahres (wie wohl auch in den Vorjahren), bei der ebenfalls zum Schutz der Veranstaltung das Hausrecht auf die Bundeswehr übertragen wurde.

Ich erachte das Vorgehen des Bundesministeriums der Verteidigung für rechtswidrig und teile damit mit vielen meiner Parteikollegen diese Position. Für Klaus-Uwe Benneter, Innenexperte der SPD-Fraktion, stellt dieses erteilte Hausrecht einen klaren Verstoß gegen das Grundgesetz dar. Die Möglichkeiten zum Einsatz der Bundeswehr im Inneren sind im Grundgesetz abschließend geregelt. Das Vorgehen des Bundesministeriums der Verteidigung dient offenkundig dazu, die gegebenen verfassungsrechtlichen Beschränkungen für den Einsatz der Bundeswehr im Inneren zu umgehen.

Ein Brief aus den Reihen der SPD-Fraktion an den Bundesminister der Verteidigung, in dem er darin aufgefordert wird von dieser Praxis zukünftig Abstand zu nehmen, ist in Vorbereitung. Wollen wir gemeinsam hoffen, dass der Bundesminister einsieht, dass das Grundgesetz auch für seinen Aufgabenbereich Gültigkeit besitzt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Sascha Raabe
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
12.03.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Raabe,

nachdem nun Frau Metzger dem massiven Druck der SPD-Parteizentrale und aus den eigenen Reihen ausgesetzt war, ihr Mandat niederzulegen, mehren sich nun die Stimmen, die dieses Vorgehen als Mobbing und verfassungswidrig ( Guido Westerwelle ) ansehen.
Selbst der ehemalige Karlsruher Richter Hans-Joachim Jentsch, nannte dieses Vorgehen, einen Anschlag auf den Rechtsstaat.
Für Hartmut Koschyk ( CSU ) ist es, so wörtlich :
Ein Skandal und zeugt von fehlendem Respekt gegenüber der grundgesetzlich geschützten Gewissensfreiheit demokratisch gewählter Abgeordneter.

Sieht die SPD es als legitim an, um jeden Preis die Machtergreifung in Hessen zu fossieren, selbst wenn dabei Wahlversprechen gebrochen werden müssen und gewählten Volksvertretern ( Frau Metzger ) nahegelegt wird, ihr Gewissen abzuschalten, oder ihr Mandat niederzulegen ?
Sehen sie nicht auch, wenn sie das Ganze mal aus der Sicht eines "normalen Bürger" sehen, solch eine Vorgehensweise als Schlag ins Gesicht des Wählers an ?
Wäre es in Ihren Augen vermessen, oder doch eher gerecht, wenn man in Zukunft den Bruch von Wahlversprechen, als Straftatbestand einstufen und dementsprechend unter Strafe stellen würde ?
Diese Fragen werde ich selbstverständlich auch anderen Politikern stellen und man darf gespannt sein, wer das Rückrad hat, überhaupt zu antworten, ohne Phrasen zu dreschen, sondern offen und ehrlich seine Meinung vertritt.

Vielen Dank + beste Grüße

Antwort von Dr. Sascha Raabe
3Empfehlungen
26.03.2008
Dr. Sascha Raabe
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihr Schreiben, welches Sie mit gleichem Wortlaut auch an Uta Zapf geschickt haben.

Da Sie aus Offenbach stammen, wird Uta Zapf die Beantwortung Ihres Schreibens übernehmen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Sascha Raabe
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Ihre Frage an Dr. Sascha Raabe
Die Fragefunktion wurde inzwischen geschlossen.