Dr. Rolf Mützenich (SPD)
Abgeordneter Bundestag

Grunddaten
Dr. Rolf Mützenich
© spdfraktion.de
Geburtstag
25.06.1959
Berufliche Qualifikation
Diplom Politikwissenschaftler
Ausgeübte Tätigkeit
MdB
Wohnort
Köln
Wahlkreis
Köln III
Ergebnis
35,9%
Landeslistenplatz
67, Nordrhein-Westfalen
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(...) Ich halte es in der Tat nach wie vor für einen Fehler, dass sich die Bundesregierung im UN-Sicherheitsrat mit ihrer Enthaltung ohne Not isoliert hat. (...) Es kommt jetzt weniger auf internationale Prestigefragen und Hahnenkämpfe an, sondern es muss vor allem darum gehen, gemäß der UN-Resolution einen Waffenstillstand und die Flugverbotszone durchzusetzen. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Finanzen
13.09.2011
Von:
Uwe

Sehr geehrter Hr. Dr. Mützenich,

in den letzten Tagen und Wochen werden wir u.a. auch von Ihrem Parteivorsitzenden mit der "Parole" konfrontiert, wir, d.h. die Deutschen würden erheblich vom Euro profitieren, es gab sogar die Zahl von angeblich 30 Mrd. €, die Deutschland durch die gemeinsame Währung als "Bonus" in irgendeiner Form gewinnt...., Bitte erklären Sie mir diesen Euro-Mehrwert, wo ist der real zu erfassen, wer profitiert davon?
Ich erinnere mich, dass Deutschland auch schon vor dem Euro Exportüberschüsse erzielt hat, wieso sollte das heutzutage - im hypothetischen Fall des Scheiterns des Euros - nicht möglich sein?
Und bitte legen Sie mir doch auch dar, warum die SPD in vorauseilender Staatsbürgerlichkeit die Unterstützung Griechenlands verkündet, aber zu einer strikten Regulierung der Finanzspekulanten fast nichts zu hören ist. Sind Sie nicht auch der Meinung, dass wir erst den Anfang ! einer global agierenden, rücksichtslosen Finanzwirtschaft erleben, die nicht mehr durch Appelle an die Vernunft etc. zur Räson zu bringen ist? Die Entwertung der realen Arbeit hat ein Ausmaß angenommen, dass - wie Hr. Gysi wohl zu Recht anmerkte - sich daraus die Systemfrage stellt. Was will die SPD, die ja als bürgerliche Partei nicht am Systemzusammenbruch interessiert sein dürfte, dagegen tun?

Mit freundl. Grüßen
U.
Antwort von Dr. Rolf Mützenich
bisher keineEmpfehlungen
28.09.2011
Dr. Rolf Mützenich
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Fragen.

Für den Fall, dass die Euro-Länder wieder zu nationalen Währungen zurückkehrten, gehen nahezu alle Experten davon aus, dass dies für Deutschland dramatische Folgen hätte. Die deutsche Währung würde 30 Prozent aufwerten und die Exportwirtschaft schwer belasten. M.a.W.: Die deutsche Wirtschaft, bei allen Risiken, profitiert von der Euro-Krise. Dabei geht es nicht nur um den Zinsgewinn, den die Hilfskredite für Griechenland, Portugal und Irland einspielen. Schließlich nimmt die Bundesregierung das Geld ja nicht dem vielzitierten Steuerzahler weg, sondern borgt es sich an den Märkten zu niedrigen Zinsen und verleiht es zu höheren Strafzinsen an die Krisenstaaten weiter. Die Zinsdifferenz sackt der deutsche Fiskus ein – solange die Schuldner zahlen.
Auch gesamtökonomisch sind die Finanzierungsprobleme einiger Euro-Länder bislang ein gutes Geschäft für Deutschland. Denn das sorgt für niedrige Zinsen, also für billige Kredite hierzulande. So hält die Europäische Zentralbank (EZB) aus Rücksicht auf die Krisenstaaten die Leitzinsen bislang niedrig. Der Hauptrefinanzierungssatz liegt derzeit bei 1,25 Prozent. Das ist angesichts des Wirtschaftsbooms in Deutschland extrem niedrig. Laut Commerzbank wäre für die deutsche Konjunktur ein Leitzins von 3,0 Prozent angemessen. Deutschland kann sich am Kapitalmarkt so billig Geld leihen wie nie zuvor. Investoren lassen sich für die als krisensicher geltende Anlage mit rekordniedrigen Zinsen abspeisen.

Zu Ihrer zweiten Frage: Die SPD setzt sich seit langem für eine Regulierung der Finanzmärkte und die Einführung einer Finanztransaktionssteuer ein. Die Finanztransaktionssteuer soll einerseits Spekulationen eindämmen, andererseits einen Teil der Kosten für die Bekämpfung der Finanzkrise aufbringen. Der Finanzsektor muss endlich einen "fairen und substanziellen Anteil an den Kosten der Krise" übernehmen. Ich gebe Ihnen Recht: Es kann nicht sein, dass die Gewinne privatisiert und die Verluste verstaatlicht werden. Zugleich ist uns wichtig, dass die Hilfe nicht in Trippelschritten erfolgt, sondern eine dauerhafte, hinreichende, nachhaltige Lösung gefunden wird, die vor allem die Ursachen dieser Krise wirksam bekämpft und die Gläubiger, die schließlich hohe Zinsen einstreichen, an jeder Rettung beteiligt. Risiko und Haftung müssen wieder in einer Hand liegen. Wenn wir unter Eurobonds verstehen, dass nationale Anleihen von Not leidenden oder in Schwierigkeit geratenen Staaten durch die Gemeinschaft, z. B. den ESM, unter harten Auflagen und Bedingungen garantiert werden, wir also "bürgen", dann wäre das eine konsequente Hilfe zur Selbsthilfe und zugleich ein wirksames Ausschalten der Investoren, die gegen einzelne Euro-Staaten spekulieren. Denn gegen die Euro-Zone insgesamt ist jede Spekulation zwecklos. Allerdings müsste dieses Instrument durch andere Maßnahmen wie z. B. eine bessere Regulierung der Finanzmärkte verstärkt werden. Wir haben diesen Weg nach intensiver Diskussion in der Fraktion in unserem Entschließungsantrag vom 10. Juni 2011 (BT-Drs. 17/6161) schon genau beschrieben.

In der Hoffnung, Ihre Fragen damit beantwortet zu haben, verbleibe ich
mit freundlichen Grüßen

Rolf Mützenich
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Frage zum Thema Internationales
20.09.2011
Von:

Sehr geehrter Dr. Mützenich,

am 22. September wird Benedikt XVI. auf Einladung des Parlaments vor dem Deutschen Bundestag sprechen. Aufgrund vielfältiger Kritik am Heiligen Vater und/oder der römisch-katholischen Kirche planen viele Abgeordnete, dem Auftritt fernzubleiben. Neben Kritik am Wirken des Papstes wird unter anderem angeführt, dass durch die Rede die Trennung von Staat und Kirche nicht gewährleistet werde und dass der Papst das Staatsoberhaupt eines absolutistischen, autoritären Staates sei. Die freibleibenden Plätze sollen mit ehemaligen Mitgliedern des Bundestages besetzt werden.

Meine Fragen an Sie:

1. Werden auch Sie der Rede des Papstes fernbleiben?
2. Finden Sie es richtig, dass der Papst vor dem Bundestag sprechen darf?
3. Was entgegnen Sie der hier kurz angerissenen Kritik?
3. Finden Sie es richtig, dass die freibleibenden Plätze neu besetzen werden oder sollte das demonstrative Fernbleiben mancher Parlamentarier nicht als ein Zeichen des Protestes gegen den Papst wahrnehmbar sein?

Vielen Dank und freundliche Grüße
Antwort von Dr. Rolf Mützenich
2Empfehlungen
21.09.2011
Dr. Rolf Mützenich
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Fragen.
zu 1) Meines Wissens wird die Mehrzahl der Abgeordneten an der Plenarsitzung anlässlich der Rede des Papstes teilnehmen. Ich beabsichtige ebenfalls teilzunehmen.
Zu 2) Der Präsident des Deutschen Bundestages hatte mit Zustimmung aller im Bundestag vertretenen Parteien die Einladung ausgesprochen.
Zu 3) Die Trennung von Staat und Kirche ist eine Errungenschaft, die durch eine halbstündige Papstrede im Bundestag nicht gefährdet ist. Schließlich kommt der Papst als Staatsoberhaupt und wird im Plenarsaal keine Predigt halten, noch müssen die Abgeordneten den Ansichten des Papstes zustimmen oder muss das Parlament sich diese zu eigen machen. Innerhalb und außerhalb des Bundestags gelten Meinungs- und Religionsfreiheit. Im Reichstag befindet sich ein interkonfessioneller Gebetsraum. Viele Mitglieder der Bundesregierung verwenden bei ihrer Vereidigung die religiöse Formel. Dies schließt grundsätzliche Kritik an der Politik des Vatikan und der katholischen Kirche nicht aus. Ich hoffe, dass der Papst derartige Fragen aufgreift und auch zu internationalen Fragen Stellung bezieht.
Zu 4) Kein Abgeordneter ist gezwungen, an der Papstrede teilzunehmen. Wie der Bundestagspräsident – eventuell in Rücksprache mit dem Präsidium - mit möglicherweise freibleibenden Plätzen umgehen wird, ist mir nicht bekannt.


In der Hoffnung, Ihre Fragen beantwortet zu haben, verbleibe ich
Mit freundlichen Grüßen

Rolf Mützenich
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Frage zum Thema Internationales
17.02.2012
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Mützenich,

Wieso unterstützt die Bundesrepublik Deutschland das Land Israel in allen Fragen?
Die Israelische Regierung macht meiner meiner Meinung nach oft keine demokratische und Menschen Freundliche Politik. Und wieso ist man antisemitisch wenn man die Art und Weise wie Israel Politik Politik betreibt nicht in Ordnung findet? Ich bitte sie Herr Dr. Mützenich das sie, wie ich sie als außerordentlich sympathischen und demokratischen Abgeordneten verfolgt habe sich dafür einsetzen das der Nahost Krieg wieder mehr Aufmerksamkeit bekommt.

Mit hochachtungsvollen Grüßen

Antwort von Dr. Rolf Mützenich
2Empfehlungen
23.02.2012
Dr. Rolf Mützenich
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Fragen.

Ich gebe Ihnen Recht, dass die gegenwärtige Politik Israels alles andere als hilfreich ist. Auch wenn das Existenzrecht Israels für die SPD-Fraktion unantastbar ist, ändert dies nichts daran, dass man die israelische Politik - auch als deutscher Politiker - sehr wohl kritisieren darf. Ich habe dies auch in Gesprächen mit meinen israelischen Kollegen immer wieder getan und vor allem die israelische Siedlungspolitik deutlich kritisiert. Dies hat nichts mit Antisemitismus zu tun - wobei es durchaus einen linken Antisemitismus in Deutschland gibt. Ich halte auch wenig davon, Israel als Täter und die palästinensische Seite als Opfer zu stilisieren. Dies wird der Komplexität des Konfliktes nicht gerecht.

Ich kann ihnen versichern, dass die SPD-Bundestagsfraktion sich ständig darum bemüht, den festgefahrenen Nahostfriedensprozess wieder in Gang zu bringen. Palästinenser und Israelis müssen sich in gemeinsamen Gesprächen in den Fragen einigen, die sie nach wie vor trennen: Grenzen und Sicherheit, Flüchtlinge und Jerusalem. Der Stillstand im Nahost-Prozess kann nur dann überwunden werden, wenn jede Seite lernt, sich in die Lage der Gegenseite zu versetzen. Dass die Voraussetzungen hierfür derzeit alles andere als gut sind, brauche ich Ihnen nicht zu sagen.

In der Hoffnung, Ihre Fragen damit beantwortet zu haben, verbleibe ich
mit freundlichen Grüßen

Rolf Mützenich
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Frage zum Thema Internationales
11.04.2012
Von:

Sehr geehrter Herr Mützenich,

ich habe mich gefreut, zu lesen, dass Sie einen "Präventivkrieg" gegen den Iran für völkerrechtswidrig und deshalb für unzulässig halten (siehe Ihre Erklärung vom 24. Februar: www.rolfmuetzenich.de ).

Allerdings schreiben Sie auch: "Die Mittel der Diplomatie sind noch lange nicht ausgeschöpft. Es besteht immer noch eine reale Chance für einen Verhandlungsprozess."

Nun möchte ich Sie fragen, was Sie meinen, was der Westen tun sollte, wenn die Mittel der Diplomatie ausgeschöpft sind, d.h. wenn (wie zu erwarten ist) die iranische Führung weiter darauf beharrt, selbst Uran anzureichern. Soll man sich dann and Völkerrecht halten und eben auf Abschreckung setzen? Oder wäre dann eine militärische Lösung auch gegen das Völkerrecht eine denkbare Option für Sie? Die westlichen Länder haben eine solche Option ja nie ausgeschlossen, d.h. sie sind eventuell bereit, wie 1999 im Kosovokonflikt wieder das Völkerrecht zu brechen.

Falls Sie definitiv gegen eine Beteiligung Deutschlands an einem Angriff auf den Iran sind: Was soll Deutschland tun, wenn seine Verbündeten den Iran angreifen (was inzwischen ja sehr wahrscheinlich geworden ist)? Soll Deutschland die Verbündeten heimlich unterstützen, wie im (ebenso völkerrechtswidrigen) Irak-Krieg (etwa durch Überlassung von Militäranlagen in Deutschland)? Oder die Verletzung der Werte der UNO und des Grundgesetzes durch die Verbündeten ebenso anprangern wie die Verletzung des Völkerrechts durch nicht verbündete Staaten?

Weil diese Fragen in der Öffentlcihkeit praktisch nicht diskutiert werden, würde ich mich sehr auf eine Antwort von Ihnen freuen.

Ihr
Prof. Dr.

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