Dr. Petra Sitte (DIE LINKE)
Abgeordnete Bundestag

Grunddaten
Dr. Petra Sitte
© Die LINKE
Geburtstag
01.12.1960
Berufliche Qualifikation
Diplom-Volkswirtin
Ausgeübte Tätigkeit
MdB
Wohnort
Halle ( Saale )
Wahlkreis
Halle
Ergebnis
33,7%
Landeslistenplatz
1, Sachsen-Anhalt
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(...) Ich kann Ihnen hier lediglich Tipps geben, wie Sie Ihre Rechte geltend machen können, eine Rechtsberatung darf ich Ihnen nicht erteilen. Deshalb betone ich ausdrücklich, dass die nachstehenden Tipps kein Anspruch auf Richtigkeit und Vollständigkeit haben. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Arbeit
06.03.2011
Von:

Werte Frau Sitte,

monatlich werden ja die "neuen" Zahlen der Agentur für Arbeit "preisgegeben". Nun findet man ja immer Ausreden, weshalb die Stände so sind wie sie sind.

Bei den monatlichen Pressevorführungen spricht man ja grundsätzlich von den Menschen, die Alg 1 erhalten, die Bezieher von Alg 2 werden ausgespart. Auch werden die Menschen nicht gezählt, die in Maßnahmen sind, krank sind, 58 und älter sind usw.

Natürlich wissen wir alle, wie das läuft!

Meine spezielle Frage:

Da ja auch Minister der Wahrheit verpflichtet sind, weshalb ist es dann, vorallem Fr. v. d. Leyen, gestattet, bewusst falsche Zahlen in Umlauf zu bringen.

In diesem Land sind ca. 8 Millionen Menschen offiziell ohne Arbeit!! Und die Menschen werden bewusst belogen!!

Wie und Wer kann diesem Treiben endlich Einhalt gebieten?

Vielen Dank
Antwort von Dr. Petra Sitte
1Empfehlung
18.03.2011
Dr. Petra Sitte
Sehr geehrte Frau ,

die letzte Frage, wer dem Einhalt gebieten kann, können auch wir nicht beantworten. Aber auch wir fühlten und fühlen uns seit Jahren von den Veröffentlichungen zu den Arbeitsmarktzahlen hintergangen. Wir sind der Auffassung, wer die tatsächliche Arbeitslosigkeit erfassen will, muss ehrlich rechnen. Dazu sagte der damalige Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) am 4. Juni 2009 in der Fernsehsendung Panorama: "Alles, was an Effekten durch arbeitsmarktpolitische Maßnahmen entsteht, wird jedes Mal zusammen mit der Arbeitsmarktstatistik veröffentlicht. ... Ich glaube, dass man sich auf die Seriosität dieses Prozesses verlassen kann." Wer anders rechnen wolle, könne ja "seine Zahl veröffentlichen - und dazu ein Flugblatt drucken." Genau dies machen wir.

Wir haben darauf Einfluss genommen, dass durch die Partei DIE LINKE monatlich die "echten Arbeitslosenzahlen" veröffentlicht werden, d. h. alle die Personen, die sich in Maßnahmen befinden, die die 58er Regelung in Anspruch genommen haben, aber auch die, die jetzt in der Bürgerarbeit sind - nämlich die Personen, die in der Unterbeschäftigung der BA ausgewiesen werden, zu den offiziellen Arbeitslosenzahlen dazuzurechnen sind. Damit werden monatlich auf der Website der Partei die tatsächliche Zahl der Arbeitslosen, die allein auf amtlichen Daten der Statistik der Bundesagentur für Arbeit beruht, veröffentlicht. Im Februar 2011 waren dies immerhin 4,3 Millionen Menschen. Nicht ausgewiesen haben wir die stille Reserve oder prekär Beschäftigte.
Verschiedene andere Personengruppen befinden sich auf der Suche nach guter Arbeit, weil sie von dem, was sie als Lohn erhalten nicht leben können - fürs Amt zu viel, fürs Leben zu wenig. Aber dies sind Auswertungen, die regelmäßig an anderer Stelle veröffentlicht werden.
In diesem Zusammenhang empfehle ich die Veröffentlichungen des Bremer Institutes für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe e. V., die man unter der Mail institut-arbeit-jugend@t-online.de abfordern kann.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Petra Sitte
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Frage zum Thema Internationales
22.07.2011
Von:

Sehr geehrte Frau Sitte,

ich möchte aus aktuellem Anlass Ihnen 2 Fragen stellen. Der Presse konnte ich entnehmen, dass der Regionalminister der westlichen Region Ghanas, Paul Evans Aidoo, Mitglied der regierenden ‘sozialdemokratischen’ National Democratic Congress, angeordnet hat, alle Menschen die gleichgeschlechlichen Sex hatten zu verhaften. Weiter schreibt die Zeitschrift "Queer": "Der Minister sicherte zu, dass alles unternommen werde "um diese Leute aus unserer Gesellschaft zu verbannen". Dazu forderte er die Bevölkerung auf verdächtige Homosexuelle den Behörden zu denunzieren, auch Polizisten sollen an öffentlichen Orten Bürger befragen, ob diese Informationen über Schwule oder Lesben haben. Vorausgegangen ist dem harten Durchgreifen Aidoos, der selbst gläubiger Katholik ist, eine monatelange Hetzkampagne von christlichen und muslimischen Aktivisten." Dies ist kein Einzelfall. Erinnert sei an die Situation im Iran, in vielen arabischen und afrikanischen Staaten. Die Verfolgung basiert auf staatlicher Repression und ist dort immer wieder mit religiöser Motivation verbunden. In einigen Ländern droht homosexuellen Menschen die Todesstrafe. Nach derzeitiger Rechtslage wird in Deutschland die Verfolgung und Diskriminierung Homosexueller in ihren Heimatländern nicht als Asylgrund anerkannt. In welchem Maße setzen Sie sich dafür ein, dass homosexuelle Menschen, die in ihrem Heimatland aus diesem Grunde verfolgt werden, in Deutschland Asyl erhalten? Und in welchem Maße werden Sie den bevor stehenden Besuch des Staatsoberhauptes des Vatikanstaates nutzen, und diesen aufzufordern, die Verfolgung und Diskriminierung homosexueller Menschen klar und deutlich zu verurteilen? Immerhin wird sein Wort innerhalb der eigenen Institution mehr als gehört werden. Und diese Institution ist selbst in viele Fälle der Diskriminierung, wie aktuell hier in Ghana, aktiv verwickelt.

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Dr. Petra Sitte
2Empfehlungen
10.08.2011
Dr. Petra Sitte
Sehr geehrter Herr ,

die Zunahme der antihomosexuellen Gesetzgebung in einigen Staaten dieser Erde ist skandalös. Ghana, Iran oder auch Uganda sind leider keine Einzelfälle. Es gibt religiöse Flügel innerhalb der großen monotheistischen Religionen, die zur Hetze auf Minderheiten, gerade auch auf Homosexuelle, aufrufen.

DIE LINKE im Bundestag wendet sich vehement gegen diese Verfolgung und hat auch bei den Botschaftern entsprechend interveniert. Auch die Verfolgten sollten unbedingt unterstützt werden, deshalb unterstützt DIE LINKE im Bundestag die Forderung, dass Verfolgte aufgrund ihrer sexuellen Identität, einen Asylanspruch erhalten sollten. DIE LINKE wird in diesem Bereich auch noch parlamentarisch initiativ werden.

Auch wir sehen den Papstbesuch kritisch. Der Papst verhält sich im internationalen Politikgeschehen an einigen Stellen mehr als bedenklich. Die Verweigerung der Unterzeichnung der UN-Menschenrechtserklärung und die fehlende selbstkritischere Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte gerade zu Zeiten des Faschismus unter Mussolini, sind nur einige Beispiele.

Es gibt aber durchaus progressive Kräfte innerhalb der katholischen Kirche, die dem historischem sowie aktuellen Dogmensystem kritisch gegenüberstehen – Beweis dafür sind aktuelle Debatten über Homosexualität in kirchlichen Räumen oder Empfängnisverhütung in Deutschland. Wir hoffen, dass Benedikt bei seiner Rede im Bundestag die Gelegenheit nutzt, um einige seiner problematischen Äußerungen bspw. zum Islam und Judentum gerade zu rücken, und sich auch bei anderen wichtigen Fragen (z.B. zur Homosexualität und zum Schwangerschaftsabbruch) zu Positionen zu bekennen bzw. zu verändern.

Trotzdem unterstützen wir auch den demokratischen Protest gegen den Papstbesuch. So ruft auch DIE LINKE. Berlin zur Demonstration gegen den Papst auf. Inwieweit wir die Möglichkeit haben, dem Papst auch unsere Kritik direkt vortragen zu können, können wir Ihnen jetzt noch nicht mitteilen.

Doch seien Sie gewiss, dass wir das Engagement der katholische Kirche gegen Lesben und Schwule deutlich verurteilen.

Mit freundlichen Grüßen

Petra Sitte
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Frage zum Thema Gesundheit
28.01.2012
Von:

Sehr geehrte Frau Sitte,

ich bin Mitglied in einer Privaten Krankenkasse (Barmenia a.G.) und möchte Ihnen über die Steigerung meiner Krankenbeiträge berichten. Im Jahr 2008 hatte ich einen Beitrag von 437,14€ pro Monat, am 14.11.2012 habe ich von meiner Versicherung den Beitrag für 2012 bekommen, 634,66€, das ist eine Steigerung um 45%. Mir ist klar, Gesundheit kostet und ich bin jetzt 56 Jahre. Wenn ich aber weiss, dass ca. 150.000 Mitglieder in die Private Krankenversicherung keinen Beitrag zahlen und von den PKV´s für Neueinsteiger Beiträge um die 100€ verlangt werden, dann komme ich zu dem Schluss, mit meinen Beitrag werden die Kosten für die Anderen, die nichts einzahlen und definitiv zu wenig (100€), mitfinanziert.

Ich kann meinen Beiträge immer noch gut bezahlen, ich bin selbständig Tätig. Was wird sein wenn ich Rentner bin? Soviel kann ich gar nicht vorsorgen um die Kosten in 2020 zu bezahlen. Muss ich dann zum Staat gehen und um Almosen betteln, wie das schon einige tun müssen?

Wenn 150.000 keinen Beitrag bezahlen und die anderen dafür aufkommen,dann ist das nicht privat sondern gesellschaftlich und ich stehe dafür bereit, aber es ist nicht richtig und das System Private Krankenversicherung ist so nicht mehr zu halten.

Ihre Partei sollte sich darum kümmern dieses System abzuschaffen. Ein weiter so führt für viele in die Zahlungsunfähigkeit.

Mit freundlichen Grüßen


PS. Diese Frage hatte ich auch an Frau Pieper FDP gerichtet (mit ein paar Änderungen).
Antwort von Dr. Petra Sitte
1Empfehlung
15.02.2012
Dr. Petra Sitte
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Frage vom 28.01.2012.
Ich kann Ihnen in allen Punkten zustimmen. Auch wir halten das Geschäftsmodell der Privaten Krankenversicherung (PKV) für gescheitert. Abgesehen davon ist die Existenz von zwei separaten Versicherungssystemen (PKV und GKV) nicht nur unsinnig, sondern auch ungerecht. Sie ist die wichtigste Ursache für die bestehende Zwei-Klassen-Medizin in Deutschland. Es ist außerdem nicht einzusehen, warum sich gerade Menschen, die überdurchschnittlich gut verdienen und auch überdurchschnittlich gesund sind, aus dem Solidarsystem verabschieden können. Gesundheit ist für die LINKE ein Menschenrecht, das nicht vom persönlichen Geldbeutel abhängen darf. Bei Einbeziehung der jetzt privat Versicherten (weitere Voraussetzungen siehe anhängendem Antrag zur Einführung einer solidarischen Bürgerinnen- und Bürgerversicherung)
Wie Sie richtig ausführen, kämpft die PKV-Branche längst einen Überlebenskampf. Mit unseriösen Lockangeboten werden junge, gesunde Menschen in die PKV gezogen. Die entsprechenden Tarife werden schnell geschlossen, so dass die Versichertenschaft innerhalb des Tarifs kollektiv altert. Die Beiträge steigen dann sehr schnell an, denn die niedrigen Eingangstarife reichen bei weitem nicht aus, um realistisch kalkulierte Altersrückstellungen zu bilden.

Zusätzlich zu den altersbedingten Beitragssteigerungen haben viele Privatkassen in den letzten Jahren, besonders in den letzten Monaten ihre Beiträge massiv anheben müssen. Gerade viele Selbständige sowie Rentnerinnen und Rentner, die mit wenig Geld auskommen müssen, sind hier finanziell überfordert. Leider werden gerade junge Selbständige geradezu in die PKV gezwungen, denn die aktuellen Mindestbemessungsgrenzen in der GKV führen zu hohen Beiträgen, selbst wenn der/die Betreffende nur wenig Geld zur Verfügung hat. Als wichtigen kurzfristigen Schritt fordern wir daher die Absenkung der Mindestbemessungsgrenze in der GKV von derzeit 1.968,75 Euro (bzw. unter bestimmten Voraussetzungen 1.312,50 Euro, jeweils Stand 2012) auf die allgemeine Mindestbemessungsgrenze von 875,00 Euro. In unserem Konzept der solidarischen Bürgerinnen- und Bürgerversicherung zahlen alle Mitglieder nur anhand ihres realen Einkommens - es gibt dann weder eine untere noch eine obere Beitragsbemessungsgrenze.

Die Privatkassen brauchen immer neuen Zustrom von Netto-Zahlerinnen und -Zahlern, um die Beitragssteigerungen für alle Anderen wenigstens abzumildern. Daher gibt es auch in der PKV einen Solidarausgleich, obwohl das eigentlich nicht erlaubt ist und dem Prinzip der PKV widerspricht. Die Bundesregierung hat daher willfährig den Zugang zur PKV weiter erleichtert und der PKV damit eine Galgenfrist verschafft, zuletzt durch das GKV-Finanzierunggesetz 2010. Viele PKV-Unternehmen haben längst erkannt, dass das Geschäftskonzept nicht aufgeht. Gerade große Versicherungskonzerne denken intern über den Ausstieg aus diesem Geschäftsfeld nach. Die wachsende Zahl von Zahlungssäumigen sowie die systematische Benachteiligung von Versicherten im Basistarif machen auch deutlich, dass die Unterstellung, PKV-Versicherte hätten die Unterstützung des Solidarsystems nicht nötig, nicht mehr haltbar ist. Der PKV-Verband denkt jetzt über einen "Nichtzahler-Tarif" nach, in dem Zahlungssäumige durch einen Billig-Tarif sich nur noch für Akut-Behandlungen absichern können. Solche Tarife (es gibt bereits Tarife, die weniger als das medizinisch Notwendige abdecken) sind kategorisch abzulehnen. Ein Land wie Deutschland darf sich keine Menschen leisten, die von einer guten Gesundheitsversorgung abgeschnitten sind. Dafür muss das deutsche Gesundheitswesen auf eine neue Grundlage gestellt werden, die alle nach ihren Möglichkeiten einbezieht. Niemand darf überfordert, aber auch niemand aus der Verantwortung entlassen werden.

Die solidarische Bürgerinnen- und Bürgerversicherung nach dem Konzept der Linksfraktion bezieht alle Menschen ein. Die PKV wird als Vollversicherung wird abgeschafft, sie darf dann nur noch Zusatzversicherungen, wie Einzelzimmer-Unterbringung in Krankenhäusern, anbieten. Es werden alle Einkommen verbeitragt - nicht nur Löhne und Gehälter bzw. Gewinn-Einkommen. Zuzahlungen benachteiligen besonders Geringverdienende. Niemand darf einer notwendigen Behandlung fernbleiben, weil sie/er sich die Eigenbeteiligungen nicht leisten kann. Deshalb wollen wir alle Zuzahlungen incl. der Praxisgebühr abschaffen.

Wir haben die Effekte der solidarischen Bürgerinnen- und Bürgerversicherung in einer unabhängigen Studie untersuchen lassen. Der Beitragssatz könnte durch die breitere Einnahmebasis um circa ein Drittel gesenkt werden. Das entlastet Beschäftigte und Arbeitgeber. Die daraus folgende Kaufkraftsteigerung hat positive Auswirkungen auf den Binnenmarkt und kann dauerhaft 500.000 Menschen in Beschäftigung bringen, insbesondere im Dienstleistungssektor. Der Beitragssatz bleibt bis mindestens 2020 nach den Berechnungen stabil.

Hier können Sie die Anträge meiner Fraktion nachlesen:

dokumente.linksfraktion.de

dokumente.linksfraktion.de



Mit freundlichen Grüßen

Petra Sitte
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Frage zum Thema Kinder und Jugend
31.01.2012
Von:

Sehr geehrte Frau Dr. Sitte,

ich bin in der Gastronomie tätig. Ich arbeite in einem Lokal, das Raucher- und Nichtraucherbereich besitzt. Neulich hatten wir abends Gäste, die sich mit ihrem ca. 10 Monate altem Baby in den (voll besetzten) Raucherbereich setzten und dort einige Zeit verbrachten. Da es mein Job ist sie zu bedienen, tat ich dies, wenn auch widerwillig. Im Nachhinein überflog ich noch einmal das Jugendschutzgesetz und konnte tatsächlich keinen Absatz finden, der es Eltern explizit verbietet sich mit kleinen Kindern im Raucherberich aufzuhalten. Habe ich nicht gründlich genug gesucht? Habe ich irgendeine Handhabe in Zukunft den Service zu verweigern, oder die Gäste des Lokals zu verweisen?

Mit freundlichen Grüßen
H.
Antwort von Dr. Petra Sitte
1Empfehlung
13.02.2012
Dr. Petra Sitte
Sehr geehrte Frau ,

vielen Dank für Ihre Frage und dass Sie sich um die Gesundheit Ihrer Gäste sorgen. Das ist nicht selbstverständlich. Das Jugendschutzgesetz bietet meines Erachtens in der Tat keine Möglichkeit, Eltern zu verbieten sich mit ihrem Kind im Raucherbereich einer Gaststätte aufzuhalten. Allerdings bieten die Nichtraucherschutzgesetze der einzelnen Bundesländer eventuell eine Handhabe. So darf in Sachsen-Anhalt der Betreiber der Gaststätte es Personen unter 18 Jahren nicht gestatten, den Raucherraum aufzusuchen. Hier wäre es Eltern zu verbieten, mit ihrem Kind in einen solchen Raum zu gehen (Gesetz zur Wahrung des Nichtraucherschutzes im Land Sachsen-Anhalt, §5 (2)). Über diese Gesetzeslage könnten Sie Ihre Gäste künftig informieren und zugleich auch an deren persönliche Vernunft und Verantwortung für die Gesundheit ihrer Kinder appellieren. Da es in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich gehandhabt wird, zeigt dies einmal mehr, dass wir endlich bundeseinheitliche Regeln brauchen.

Mit freundlichen Grüßen
Petra Sitte
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
24.03.2012
Von:

Sehr geehrte Frau Dr. Sitte,

ich richte diese Frage im besonderen auch an Sie in Ihrer Funktion eines aktiven Mitgliedes der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft.

Nach über einem Jahrzehnt aktiv erworbener Erfahrungen im Rahmen online geführter Diskussionen begrüße ich ausdrücklich die Etablierung von Institutionen wie denen der E-Petition des Petitionsausschusses des Deutschen Bundestages und des assoziierten Diskussions-Forums sowie von "Adhocracy".

Der politische Diskurs und die demokratische Teilhabe ist, damit beschäftigt sich die Kommission eingehend, einem grundlegenden Wandel unterworfen. Die sich durch das Internet und andere digitale Medien ergebenden Möglichkeiten verheißen mannigfaltige, neuartige Strukturen politischer Partizipation und Kommunikation. Die diesbezüglich grundlegenden Weichenstellungen haben einen eminent richtungsweisenden Charakter in bezug auf die Etablierung einer damit assoziierten demokratischen Wirklichkeit. Die demokratische Verantwortung der Enquete-Kommission ist somit in Hinblick auf ihre die Zukunft entscheidend mitgestaltende Einflußnahme kaum hoch genug einzuschätzen. Ich möchte, u.a. auch vor dem Hintergrund der jüngst gemachten und beobachteten Erfahrungen, diese Frage auf nur einen Teilaspekt fokussieren: Die Moderation des Forums des Petitionsausschusses setzt die Richtlinien des Forums um. Hierzu gehört z.B. die Löschung von Beiträgen, die "in keinem sachlichem Zusammenhang zum Anliegen der Petition" stehen. Hierbei zeigte sich, welch unruhestiftendes und diskussionsbeeinflussendes Potential diesem Vorgehen innewohnt. Entsprechend habe ich das Thema "Qualitätssicherung auf dem Gebiet der Moderation" gestartet. Ein analoger "thread" ist in Adhocracy unter "Netzwerkbefähigung der Verwaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter" zu finden. Mich würde interessieren, welche Stellung Sie persönlich zu dieser Thematik beziehen.

Mit freundlichen Grüßen
C.
Antwort von Dr. Petra Sitte
bisher keineEmpfehlungen
10.05.2012
Dr. Petra Sitte
Sehr geehrter Herr ,

grundsätzlich halte ich die Moderation von Foren für eine richtige Sache. Wenn diese klaren und transparenten Regeln folgt, kann sie dazu dienen, dass Diskussionen inhaltlich und im Tonfall zielgerichtet, themen- und sachorientiert sind. Insbesondere beleidigende, rassistische, fremdenfeindliche oder antisemitische Äußerungen haben auch in Foren nichts verloren.
In meiner Arbeit in der Projektgruppe Medienkompetenz der Enquete-Kommission "Internet und digitale Gesellschaft" des Bundestages habe ich außerdem aus statistischen Erhebungen erfahren, dass moderierte Foren einen signifikant höheren Anteil an mitdiskutierenden Frauen haben. Moderation kann Forendiskussionen also auch vielfältiger gestalten.

Entsprechend bin ich im Grundsatz auch damit einverstanden, wenn die Moderation wie im Forum des Petitionsausschusses, Beiträge "ohne jeglichen sachlichen Zusammenhang" entfernt. Gleichzeitig sehe ich die von Ihnen beschriebene Gefahr, dass hier einzelne ModeratorInnen durchaus (bewusst oder unbewusst) den sachlichen Zusammenhang zu eng oder gar falsch auslegen können. Hier sollte im Zweifel eher ein Beitrag zu viel als einer zu wenig zugelassen werden, um den politischen Diskurs nicht unnötig einzuschränken. Einzelfälle der Nichtveröffentlichung sollten im Streitfall einer sorgfältigen Prüfung unterzogen werden. Auch sollten die Moderationsrichtlinien sowie deren Umsetzung regelmäßig auf Passgenauigkeit überprüft und gegebenenfalls aktualisiert werden.

Ich weiß von meinen KollegInnen aus der Projektgruppe "Demokratie und Staat" der Internet-Enquete, dass Ihre Anliegen dort diskutiert werden und auch überlegt wird, wie diese in Handlungsempfehlungen umgesetzt werden können.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Petra Sitte
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