Sehr geehrter Herr

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ich nehme an, Sie können meinen Äußerungen, die Sie aus der Online-Ausgabe des Handelsblatts zitieren, zustimmen. Denn in der Tat ging es mir darum, klarzumachen, daß ein einfaches "Augen zu und durch" nicht ausreicht, um dem irischen Nein zum Lissaboner Vertrag zu begegnen.
Wir haben das Nein der irischen Wähler zu akzeptieren, auch wenn ich meine, daß die Europäische Union mit jetzt 27 Mitgliedern dringend neue Abstimmungsregeln braucht, um zügig zu Entscheidungen zu kommen. Der Vertrag von Lissabon stellt dies mit dem Prinzip der doppelten Mehrheit in den allermeisten Fällen sicher und kommt dank der Gewichtung auch nach Bevölkerungszahl gerade uns Deutschen zugute.
Aber jetzt, nach dem Nein der Iren, stellt sich die Situation anders da, auch wenn weitere Länder, darunter Deutschland, im Ratifizierungsverfahren fortschreiten werden. Wie es zu einer Lösung kommen kann, wird heute noch niemand sagen können. Der Europäische Rat zu Ende dieser Woche wird vielleicht erste Aufschlüsse geben.
Eine Lehre können wir gewiß jetzt schon aus dem irischen Referendum ziehen: die Bevölkerung muß in den Prozeß der Europäischen Integration stärker einbezogen werden als dies bislang der Fall war. Ich gebe zu, manche Punkte des Lissaboner Vertrages sind nicht in fünf Minuten zu erklären und manche – institutionelle – Regelungen sind noch nicht bis ins letzte durchdacht.
Aber daß Europa nur zusammen bestehen wird, wenn es um die Fragen unserer gemeinsamen Zukunft gehen wird, liegt auf der Hand. Denn gegen Ende dieses Jahrhunderts werden nur gerade einmal sechs Prozent der Weltbevölkerung Europäer sein.
Das Europa, für das ich stehe, ist ein subsidiäres Europa, aufgebaut auf der Vielfältigkeit seiner Regionen, der identitätsstiftenden Kraft seiner Nationen und dem Bewußtsein seiner gemeinsamen Geschichte, Werte und Interessen. Die CSU setzt sich ein für mehr Rechte der nationalen Parlamente, gegen absurde Vorschriften und die Regelungswut von Bürokraten.
In diesem Sinne begrüße ich Ihr Interesse und Ihr bürgerschaftliches Engagement!
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Peter Ramsauer