Sehr geehrter Herr

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Es ist richtig, die reinen Brennstoffkosten für ein MWh Strom sind für Gas teurer als für Kohle. Allerdings ist der Brennstoff nicht der einzige Kostenfaktor. So fallen neben den üblichen Personalkosten, Steuern und Abgaben z.B. Entsorgungskosten an, die bei Kohle aufgrund der hohen Rückstände an Schlacke, Gips und Filterstäuben erheblich sind und bei Gas gegen Null tendieren. Weiter ist ein Kohlekraftwerk von der Investition her doppelt so teuer wie ein Gaskraftwerk und verursacht also höhere Kapitalkosten. All das wirkt auf die Kostenstruktur. Zu bedenken ist auch, dass Kohlekraftwerke deutlich mehr CO2 ausstoßen, als Gaskraftwerke. Dies wird sich natürlich auch auf die Kosten des CO2-Zertifikatehandels auswirken.
Vattenfall selbst argumentiert wie die anderen Energiekonzerne, dass der Preis an der Leipziger Strombörse gebildet wird. Dort werden die Preise solange nicht sinken wie keine nennenswerte Konkurrenz vorhanden ist. Vattenfall hat im letzten Jahr ca. 1,6 Mrd.Euro Gewinne gemacht, die vorwiegend in Deutschland, sprich Hamburg und Berlin, erwirtschaftet wurden - obwohl zwei Atomkraftwerke seit einem halben Jahr nicht in Betrieb sind, also nichts verdient haben.
Die Hamburger SPD hat sich als Ersatz für das Heizkraftwerk Wedel für ein Gaskraftwerk entschieden, weil es aufgrund geringer Schadstoff- und Feinstaubemissionen stadtverträglicher und klimaverträglicher ist. Das geplante Kohlekraftwerk emittiert in einem Jahr ca. 8,5 Mio. Tonnen CO2, vier mal soviel wie der Hamburger Senat in vier Jahren einsparen will. Dafür werden 25. Mio. Euro ausgegeben. Wenn sie in einem Jahr 8,5 Mio. Tonnen CO2 sparen wollten, müsste der Steuerzahler 100 Mio. Euro ausgeben. Eine CO2-Abscheideanlage ist im großindustriellen Maßstab heute noch nicht darstellbar. Experten gehen davon aus, dass dies erst 2020 der Fall sein wird. Dann wäre das Kohlkraftwerk bereits acht Jahre in Betrieb und hätte ca. 60 Mio. Tonnen C02 in die Atmosphäre entlassen. Wenn wir davon ausgehen, dass wir in Deutschland und in Hamburg die Produktion von Treibhausgasen bis 2020 um 40 Prozent drosseln wollen, ist das unverantwortlich.
All dies sind aus meiner Sicht gute Gründe, für eine kleinere und sauberere Alternative zum Kohlekraftwerk Moorburg einzutreten. Dabei sollte keine Grundsatzdebatte über den Einsatz von Kohle oder Gas geführt werden. Es gilt, für den Standort Hamburg die beste, sauberste Lösung zu finden.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Michael Naumann