Sehr geehrter Herr

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es fällt mir schwer, Ihre Fragen in der nötigen Kürze zu beantworten, aber ich will es versuchen ohne in den polemischen Ton zu verfallen, der Ihre Anfrage prägt.
Elterngeld: Wir haben zu Anfang des Jahres das Kindergeld und die Kinderfreibeträge erhöht. Da kann das Elterngeld auch maßvoll gekürzt werden. Dass Familien schlechter dastehen als Singles kann ich so nicht nachvollziehen -- oder ist für Sie die Entscheidung für Kinder durch finanzielle Erwägungen bestimmt?
Die Rentenversicherungsbeiträge sind schon in der Großen Koalition einmal halbiert worden, jetzt fallen sie für Hartz IV-Empfänger ganz weg. Sie hätten eine Rentenanwartschaft von wenigen Euro begründet -- also keinesfalls auch nur annähernd für eine auskömmliche Rente gesorgt. Wir haben in 2011 vor, eine Kommission einzusetzen, die sich mit dem Problem möglicher Altersarmut befasst.
Die Heizkostenzuschüsse sind vor einigen Jahren auf dem Höhepunkt der Energiepreisexplosion eingeführt worden. Mittlerweile hat sich der Markt deutlich beruhigt, deswegen erscheint mir der Wegfall auch gerechtfertigt.
Bundeswehr: Es soll nicht an der Ausrüstung gespart werden (das geht natürlich bei einer Armee im Einsatz auch nicht), sondern durch eine Strukturreform soll Geld gespart werden.
Besteuerung Reicher und Vermögender: Hätte ich an dieser Stelle gerne gesehen, war aber mit dem Koalitionspartner FDP nicht zu realisieren.
Banken und Euro-Milliarden: Ich glaube es ist ein populärer Irrtum anzunehmen, wir hätten das Geld einfach so locker gemacht. Da erwarte ich auch von einem mündigen Bürger, auch wenn er sich noch so aufregen mag, ein wenig mehr Reflektion. Die Banken bezahlen für die Stützung Gebühren und Zinsen, und sie nicht zu stützen hätte am Ende viele kleine Sparer ruiniert. Und die Euro-Hilfe liegt in unserem ureigenen Interesse, das ergibt schon ein Blick auf einfache volkswirtschaftliche Zusammenhänge. Also bitte: weniger Polemik, mehr Sachlichkeit!
So, nun wissen Sie, wie ich zu den Sparplänen stehe. Ich betrachte sie als schmerzhafte Notwendigkeit, nicht als Stuss. Ihre Absicht, bei der nächsten Demonstration des DGB dabei zu sein ehrt sie. Und es ist natürlich schön, über alles möglichen vorgeblichen Ungerechtigkeiten zu schwadronieren wie es der DGB häufig tut, und das Gegenbild einer gerechten, ausgleichenden, solidarischen, ja liebevollen Gemeinschaft aller Menschen guten Willens zu beschwören, die lediglich durch "die in der Politik" verhindert wird. Aber in einer parlamentarischen Demokratie braucht man Mehrheiten -- es sei denn, Ihnen liegt eine solche Unduldsamkeit im Blute, dass sie die Demokratie abschaffen wollen. Dann allerdings würden sich unsere diskursiven Wege trennen.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Matthias Zimmer MdB