Dr. Matthias Güldner (GRÜNE)

Dr. Matthias Güldner
Jahrgang
1960
Berufliche Qualifikation
Politikwissenschaftler
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied der Bremischen Bürgerschaft, Fraktionsvorsitzender von Bündnis90/Die Grünen
Wohnort
Bremen
Stadtteil
Bremen-Östliche Vorstadt , Stimmen (Wahlkreis): 2.302
Landeslistenplatz
4, über Liste eingezogen
(...) Vielleicht müssen auch in einzelnen Feldern einmal andere Organisationen mit neuen Ideen ran. Ziel muss immer sein, dass vor allem die Kinder und Jugendlichen heute ein menschenwürdiges Leben leben können, aber auch durch Bildung fit werden für ein selbstbestimmtes Leben als Erwachsene. (...)
 
Persönliche Website
www.matthiasgueldner.de
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Frage zum Thema Inneres und Justiz
08.05.2011
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Güldner,

bezugnehmend auf Ihre recht drastischen Äußerungen zum Fall Sarazin und seinem Verbleib in der SPD auf Ihrer Web-Seite halte ich die Frage freier Meinungsäußerungen auch und gerade in demokratischen Parteien für unabdingbar. Die SPD hat sich distanziert, ohne Sarrazin auszuschließen - das sollte dann reichen, denn der Mann hat für die Partei auch durchaus Verdienste. Wie würde Ihre Partei z. B. mit einem Grünen-Mitglied umgehen, der bei allem Risiko von Kernkraft diese für immernoch langfristig vertretbar hielte ? Ausschließen ? Nun aber meine eigentliche Frage: Das Äußerungen wie die des Herrn Sarrazin auf fruchtbaren Boden fallen, hat m. E. auch damit zu tun, dass u. a. auch die Bremer Politik z. B. in Sachen Miri-Clan sowohl in Hinsicht des polizeilichen Umgangs und der Konsequenzen der kriminellen Mitglieder des Clans wenig wirksam ist und war. Sind Sie und Ihre Partei zukünftig willens und in der Lage hier deutliche und konsequente Zeichen zu setzen und im Rahmen einer Null-Toleranz-Politik gegenüber dieser kriminellen Gruppe vorzugehen und dadurch auch den Nährboden gefährlicher Verallgemeinerungen in bezug auf Migranten die Baisis zu entziehen ?
Antwort von Dr. Matthias Güldner
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11.05.2011
Dr. Matthias Güldner
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Fragen.

Zur ersten Frage bezüglich Herrn Sarrazin: Vor mir liegt ein Plakat der NPD, auf dem sie mit einem Originalzitat aus dem Buch von Herrn Sarrazin wirbt. Darüber kann sich Herr Sarrazin nicht beschweren. Sein Buch ist voll von Aussagen, die absolut zur NPD oder zur Neonazi-Szene passen würden. Meines Erachtens gibt es in diesem Fall sehr wohl eine Unvereinbarkeit mit dem Programm der SPD. Auf irgendetwas müssen sich die WählerInnen doch verlassen können, wenn Parteien ihr Wahlprogramm aufstellen. Bekomme ich, wenn ich SPD wähle, Völkerverständigung und Toleranz oder Hasstiraden und Rassentheorie? Um hier Klarheit zu schaffen, hätte meines Erachtens die SPD Sarrazin zwingend ausschließen müssen.

Ganz peinlich ist die Reaktion der Bremer SPD, die sich entweder drückt (Parteivoritzender Bovenschulte fordert nur "ein Ende der Debatte"), oder dem SPD-Verbleib Sarrazins zustimmt (Bürgermeister Böhrnsen: "ich habe keinen Anlass, den Ausgang des Schiedskommissionsverfahrens zu kritisieren").

Zur zweiten Frage bezüglich der gewalttätigen Clans:

Hier gebe ich Ihnen weitgehend recht. Eine der herausragenden Funktionen des Staates ist die, seine BürgerInnen zu schützen und alles dafür zu tun, dass sich Recht und Gesetz und diejenigen, die sich daran halten, nicht unter die Räder von Gewalt, Willkür und Angst kommen. Allen Versuchen, im Kleinen, wie zum Beispiel auf Schulhöfen, oder im Großen, wie zum Beispiel bei organisiertem Drogen-, Menschen- und Waffenhandel, sich die Stadt und ihre Menschen zu unterwerfen, muss entschieden widerstanden werden. Mein Eindruck als langjähriger Innenpolitiker ist, dass sich die Polizei hier ihrer Aufgabe sehr wohl bewusst ist. Das gilt aber leider nicht für alle staatlichen Stellen und schon gar nicht für eine entschiedene und effektive Zusammenarbeit aller Behörden. Hier muss noch viel getan werden, um zu verhindern, dass die eine Behörde aufbaut, was die andere mit dem Allerwertesten dann wieder einreist. Ich werde mich dafür einsetzen, dass hier in der nächsten Wahlperiode echte Fortschritte erzielt werden und nicht nur Papier mit guten Absichten bedruckt wird. Die Justiz ist als vierte Gewalt unabhängig von politischer Einflussnahme. Deshalb hoffe ich hier auf ein Umdenken von innen heraus, dass es sich bei den extremen Gewalttaten in Bremen nicht um verzeihliche Jugendsünden handelt.

Mit freundlichen Grüßen

Matthias Güldner, Fraktionsvorsitzender
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Frage zum Thema Bildung und Forschung
11.05.2011
Von:

Lieber Matthias,

in den siebziger Jahren des vorherigen Jahrhunderts wurden linke Lehrerinnen und Lehrer mit Berufsverbot belegt. Die damalige Praxis ist durch den Europäischen Gerichtshof am Beispiel Niedersachsens verurteilt worden. Daraufhin wurden alle Betroffenen in Niedersachsen wieder eingestellt. In Bremen ist das nur teilweise passiert. Hier bekommt eine Kollegin, die vor ihrem Berufsverbot sechs Jahre lang in der Schule gearbeitet hat, die Auskunft, dass sie damals aus eigenem Verschulden aus dem Dienst entlassen wurde. Die Kollegin arbeitet nach ihrem Berufsverbot seit 25 Jahren mit hohem Engagement allerdings zu schlechteren Bedingungen im Schuldienst. Diese Auskunft wurde von Performa (Grün geführtes Ressort) und Bildung erteilt. Meine Frage lautet: Warum rechtfertigt der Senat die damalige Praxis der Berufsverbote? Was tust Du, um Menschen, die damals von diesen obrigkeitsstaatlichen Umgehensweisen betroffen waren, zumindest moralisch endlich zu rehabilitieren?

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Dr. Matthias Güldner
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12.05.2011
Dr. Matthias Güldner
Lieber ,

vielen Dank für diese sehr interessante Frage. Die Zeiten des Berufsverbotes habe ich in der Schule erlebt. Durchaus bewusst, da es auch LehrerInnen von mir betraf. Seit Beginn meiner politischen Aktivitäten in den frühen 80er Jahren an der Universität Heidelberg empfand ich die Praxis der Berufsverbote - wie auch andere Formen der Diskriminierung von Andersdenkenden durch den Staat - als Schlag gegen die nach 1968 gerade lebendig gewordenen deutsche Demokratie.
Dass es Nachwirkungen für damals Betroffene bis heute gibt, wie in der Frage angedeutet, war mir nicht bewusst. Ich werde mich daraufhin erkundigen, was konkret passiert ist und welchen Hintergrund dieses Vorgehen hat. Sollte sich der Fall als ein "Aufsetzen" auf den damaligen Berufsverboten erweisen, werde ich mich direkt bei den betroffenen SenatorInnen dafür einsetzen, diese Praxis zu beenden.

Mit den besten Grüßen
Matthias Güldner
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