Dr. Lale Akgün (SPD)

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Frage zum Thema Gesundheit
28.03.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Dr. Akgün,

heute war in der Presse zu lesen, dass Ihre Parteifreundin Ulla Schmidt beabsichtigt, die Kassenärzte zur Veröffentlichung ihrer "Einkünfte" zu zwingen um die Transparenz zu verbessern und das Vertrauensverhältnis zwischen Versicherten und Ärzten zu fördern.

Wie stehen Sie als meine Bundestagsabgeordnete und Mitglied des Innenausschusses generell zu diesem Vorhaben?

Im Detail:
Ist es beabsichtigt, die Umsätze oder die Gewinne zu veröffentlichen?

Interessant dürften eigentlich die Gewinne sein, aber meines Wissens gibt es keinen Weg, verlässlich die Betriebskosten auszurechnen, die auf den Kassenumsatz einer Praxis entfallen.

Es steht zu befürchten, dass durch Veröffentlichung der Umsätze - horrend hohe Zahlen, die kein Arzt in der Höhe mit nach Hause nimmt - die Ärzte mal wieder als Porsche fahrende reiche Knöpfe dargestellt werden sollen.

Mit freundlichen Grüßen

H. ,
Köln
Antwort von Dr. Lale Akgün
5Empfehlungen
09.04.2009
Dr. Lale Akgün
Sehr geehrter Herr ,

haben Sie vielen dank für Ihre Frage. Die Idee, die Umsätze von Ärzten offen zu legen, hat die Bundesgesundheitsministerin am 26. März im Kabinett vorgetragen. Meines Wissens war gibt es hierzu noch keine konkreten Planungen.

Das Anliegen der Bundesministerin, mehr Transparenz in das Gesundheitswesen zu bringen, unterstütze ich natürlich, bin mir nicht sicher, ob eine Offenlegung der Umsätze der richtige Weg dafür wäre. Aus zwei Gründen bin ich skeptisch, was eine mögliche Veröffentlichung der Umsätze angeht.

Zum einen wird durch die Veröffentlichung der Gewinne nicht nur deshalb wenig über die tatsächlichen Gewinne ausgesagt, weil Betriebs- und andere Kosten noch abzuziehen wären, nein, auch andere Einnahmen der Ärzte wie Gutachtertätigkeiten oder Einkünfte aus den privaten Krankenversicherungen könnten nicht berücksichtigt werden. Es würde nur um Leistungen aus der GKV gehen. Über die tatsächlichen Gewinne der Ärzte würde bei einer Veröffentlichung der Umsätze also wenig ausgesagt und es würde ein Zerrbild entstehen.

Unabhängig davon, kann ich auch ihre Befürchtung vor einer Diffamierung verstehen. Bei allem berechtigten Wunsch nach Transparenz müssen der Berufsstand und die Privatsphäre der Ärzte geschützt werden.

Ich hoffe, Ihnen mit dieser Antwort meinen Standpunkt näher gebracht zu haben und verbleibe mit freundlichen Grüßen,

Ihre

Lale Akgün
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
21.04.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Dr. Akgün,

derzeit ist das Thema "Kinderporno-Sperren" in dem Medien sehr aktuell da ja morgen ein entsprechender Gesetzesentwurf vom Bundeskabinett beschlossen werden soll.

Mich würde Ihre Meinung zu diesem Thema interessieren, halten Sie es für den geeigneten Weg das Problem zu bekämpfen? Die SPD hat Ihren eigenen Vorschlag ja zurückgezogen.
Sehen Sie vielleicht mit dem Aufbau dieser Sperren den Grundstein zu einer Internetzensur gelegt wie von Vielen befürchtet?

Ich selber arbeite im IT-Bereich und kann mich nur über die Naivität dieser Maßnahme wundern:
Jeder der mit den Grundlagen von Netzwerken vertraut ist wird diese Sperren umgehen können, diejenigen die keine entsprechende Kenntnis haben können sich wahrscheinlich nach kurzer Zeit eine Vielzahl von Anleitungen über diverse Suchmaschinen beschaffen.

Gäbe es denn nicht bessere Möglichkeiten gegen Kinderpornos vorzugehen?
Die Internetadressen (jedenfalls eine gewisse Zahl) scheinen ja beim BKA bekannt zu sein, warum schaltet man nicht die Server ab bzw. lässt diese Abschalten wenn sie im Ausland stehen.
Ich kann mir keinen Staat der Welt vorstellen der Kinderpornos als legal ansieht und es muss doch Mittel und Wege geben um entsprechende Abkommen zu treffen.

Als Nutzer kann ich beim Aufruf einer Webadresse nicht wissen, ob diese auf der vom BKA erstellten Sperrliste verzeichnet ist oder auf ein entsprechendes Angebot weiterleitet.

Geplant ist ja dann auch die Speicherung der Daten und die Weitergabe an dass BKA falls ich auf eine gesperrte Seite zugreife, wie soll man sich von diesem Verdacht befreien können?

Wer kontrolliert also die Sperrlisten und das BKA an dieser Stelle? Kann garantiert werden das diese Listen morgen nicht einfach ausgeweitet und "unbequeme Seiten" gesperrt werden (20 Seiten mehr oder weniger fallen dabei bestimmt auch nicht mehr auf)?
Die technischen Grundlagen sind dafür ja vorhanden.

Vielen Dank und mit freundlichen Grüßen,

Antwort von Dr. Lale Akgün
7Empfehlungen
29.04.2009
Dr. Lale Akgün
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihr Schreiben vom 21.04.2009. Ich begrüße die Gesetzinitiative der Bundesregierung zur Bekämpfung der Kinderpornographie. Was die Netzsperren anbelangt, so sehe ich darin den zurzeit einzig technisch möglichen Weg den Kindermissbrauch im Internet zu stoppen.

Die Befürchtung, dass Kinderporno-Sperren den Einstieg in Internetzensur darstellen könnten, teile ich so nicht. Natürlich müssen wir die Praxis der Sperrungen abwarten und kontrollieren, aber für mich geht es vor allem erst einmal darum, Straftaten zu verhindern und die Rechte von Kindern zu schützen.

Natürlich haben Sie als Fachmann Recht, wenn Sie darauf hinweisen, dass die Sperren von versierten Nutzern umgangen oder geknackt werden können. Die Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen geht davon aus, dass ca. 20% der Nutzer in der Lage sind, die Sperren zu umgehen.

Allerdings denke ich, dass jeder Zugriff weniger auf eine Kinderpornographieseite schon ein Erfolg ist. Und wenn von 100 Nutzern nur noch 20 auf eine solche Seite gelangen, dann ist das zwar noch keine ausreichende Lösung, aber es ist das, was nach Meinung der Fachpolitiker zurzeit technisch möglich ist und es ist besser, als wenn nichts geschehen würde.

Das Abschalten von Servern, besonders von Servern im Ausland wird als zu zeitaufwändig eingeschätzt.

Ihre einzelnen Fragen zur Speicherung der Daten und die Weitergabe an das BKA und zur parlamentarischen Kontrolle Sperrlisten halte ich für sehr berechtigt- kann sie aber leider noch nicht beantworten. Zu diesen Fragen wird in der nächsten Woche eine Anhörung im Deutschen Bundestag stattfinden.

Ich halte auf jeden Fall eine regelmäßige parlamentarische Kontrolle und Überprüfung aller Maßnahmen für wichtig.

Mit freundlichen Grüssen
Ihre Dr. Lale Akgün
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Frage zum Thema Familie
25.04.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Akgün,

ich bitte Sie hiermit freundlichst um eine Stellungnahme bezgl. der Forderung der Wohlfahrtsverbände nach einer Kindergrundsicherung.

Eine thematisch entsprechende Frage meinerseits nach dem Kinderzuschlag per Email blieb leider bis heute unbeantwortet, aber vielleicht äußern Sie sich ja auf diesem Wege.

Vielen Dank und freundliche Grüße,
J.
Antwort von Dr. Lale Akgün
3Empfehlungen
29.04.2009
Dr. Lale Akgün
Sehr geehrter Herr ,

haben Sie vielen Dank für Ihre Frage. Ich halte die Idee einer Kindergrundsicherung für diskussionswürdig. Es sind seit längerem mehrere Modelle - zum Beispiel das der Grünen, der Linkspartei und das des Deutschen Gewerkschaftsbundes in der Diskussion.

Am 14. April hat ein Bündnis aus Sozialverbänden, unter anderem dem Paritätischen Wohlfahrtsverband, dem Kinderschutzbund und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft einen neuen Vorstoß zur Einführung einer Kindergrundsicherung unternommen.

Das Bündnis schlägt vor, alle bisherigen Familienleistungen, d.h. Kinderfreibetrag, das Ehegattensplitting und das Bafög zusammenzuführen und eine Kindergrundsicherung in der Höhe von 500 EURO einzuführen.

Für wichtig an dem Vorschlag halte ich, dass Kinder dadurch einen unabhängigen Rechtsanspruch auf Förderung erhalten würden.

Durch eine Kindergrundsicherung würden alle Kinder in gleicher Weise finanziell gefördert- das hat Vorteile und Nachteile. So wäre es sicher positiv, dass auch Kinder Alleinerziehender ausreichend gefördert würden und Kinderarmut verringert werden könnte. Andererseits würden damit auch gut verdienende Familien in gleicher Höhe gefördert wie gering Verdienende. Das halte ich unter dem Aspekt der sozialen Gerechtigkeit für problematisch.

Der Ausbau von Infrastruktur für die Kinderbetreuung und für Bildung - also die Investition in Krippen, Kindergärten und Schulen, halte ich für mindestens genauso wichtig, denn damit werden die Startchancen aller Kinder verbessert.

Auch die Finanzierung der Kindergrundsicherung ist fraglich. Auch wenn alle bisherigen Familienleistungen wegfallen würden, so bestünde für die Kindergrundsicherung immer noch ein Finanzierungsbedarf von mindestens 30 Milliarden. Das Sozialbündnis schlägt vor, diesen durch die Abschaffung des Ehegattensplittings zu finanzieren. Auch wenn ich für eine Abschaffung des Ehegattensplittings bin, so weiß ich doch, dass dies ein heikler und politisch hoch strittiger Punkt ist.

Ein eindeutiges Ja oder Nein zu dem Vorschlag ist daher zu diesem Zeitpunkt nicht möglich. Im Bundestag und den zuständigen Ministerien muss jetzt sorgfältig geprüft werden, welche Folgen sich aus der Einführung einer Kindergrundsicherung ergeben würden.

Mit freundlichen Grüßen,

Ihre Dr. Lale Akgün
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Frage zum Thema BKA-Gesetz
29.04.2009
Von:
M.

Bezug nehmend auf Ihre Antwort vom 29.04.2009 an Herrn Zorgnotti, frage ich sie..:

Wie kann es sein das jemand das Abschalten von Servern auf denen Kinderpornografie zur Verbreitung bereit liegt, als zu zeitaufwendig einschätzt, während es sich mit den Sperren nur vertuschen, aber nicht beheben lässt..?

Sind sie dafür, das Kindesmissbrauch weiterhin als Anschaungsmaterial auch auf deutschen Servern bereit liegt für jeden der dann den mumm hat es sich anzuschauen..?

Sind sie für Kinderpornografie?

MfG
Antwort von Dr. Lale Akgün
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30.04.2009
Dr. Lale Akgün
Sehr geehrter Herr ,

ich muss Ihnen in aller Deutlichkeit sagen, dass ich diese Unterstellung empfinde. Es gibt kaum ein abscheulicheres und die Seele von Kindern mehr verletztendes Verbrechen als Kinderpornographie!

In meiner Antwort an Herrn Zorgnotti habe ich sehr deutlich gemacht, dass Kinderpornographie für mich ein abscheuliches Verbrechen darstellt und dass wir alles tun müssen, um Kinderpornographie zu verhindern.

Natürlich würde ich mir wünschen, dass auf keinem Server, in keinem Land der Welt irgendwelche kinderpornographischen Inhalte liegen.

Das hat aber nichts mit den Internetsperren zu tun. Denn: das eine tun, heißt ja nicht, das wir das andere lassen müssen.

Ich würde mir wünschen, dass auch die Server mit kinderpornogrpahischen Inhalten abgeschaltet werden.

Jedoch ist es nach Einschätzung von Experten vor allem juristisch gesehen, schwieriger und langwieriger die Server, vor allem wenn sie im Ausland stehen, abzuschalten. Auf das Sperren der Seiten hat sich die Bundesregierung nun mit den Providern geeinigt und das ist für mich- wie schon gesagt- ein wichtiger Erfolg im Kampf gegen Kinderpornographie.

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. Lale Akgün
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
29.04.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Dr. Akgün,

ich habe gerade mit entsetzen gelesen, das Sie die Internetsperren mit dem Argument verteidigen, das eine Abschaltung der Server zu Zeitaufwendig wäre! Fragen Sie bitte einmal die Organisation Carechild die anhand der __Dänischen Sperrlisten__ Provider zur Löschung von kinderpornographischen Domains veranlasst hat - in 3(!) Stunden waren diese vom Netz!

siehe: www.carechild.de

Wie erklären Sie sich das? Warum wollen Sie vermutete 80 von 100 zugriffen - aus Deutschland - verhindern, wenn Sie 100 von 100 Zugriffen und etliche aus anderen Ländern mit weniger Aufwand verhindern können?

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Dr. Lale Akgün
1Empfehlung
19.06.2009
Dr. Lale Akgün
Sehr geehrter Herr ,

wie Sie sicher wissen, hat gestern die Abstimmung über das Thema Internetsperren zur Bekämpfung von Kinderpornographie stattgefunden.

Vor der gestrigen Entscheidungen über die Internetsperren habe ich mich ebenfalls intensiv mit verschiedenen Aspekten wie dem Schutz von Mißbrauchsopfern, aber auch mit technischen und verfassungsrechtlichen Fragestellungen beschäftigt.

Das Ergebnis meiner Überlegungen entnehmen Sie bitte meiner Persönlichen Erklärung vom gestrigen Tag, die Sie auf meiner Internetseite (www.laleakguen.de) finden.

Mit freundlichen Grüßen,

Ihre Dr. Lale Akgün
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Ihre Frage an Dr. Lale Akgün
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