Dr. Lale Akgün (SPD)
Abgeordnete Bundestag 2005-2009
Dieses Profil dient zu Archivzwecken, eine Befragung ist nicht mehr möglich.

Grunddaten
Dr. Lale Akgün
Jahrgang
1953
Berufliche Qualifikation
Diplom-Psychologin, approbierte Psychotherapeutin
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Köln II
Landeslistenplatz
28, Nordrhein-Westfalen
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(...) Ich halte die Entscheidung einer weiteren Aufstockung der Diäten für nicht vereinbar mit meinen politischen Grundsätzen, bereits im November 2007 haben wir Parlamentarier die Diäten angepasst. Jetzt noch einmal draufzusatteln ist schlichtweg nicht zu vertreten und auch keinem zu erzählen, damit verstärkt man nur den Eindruck einer Selbstbedienungsmentalität, den schon viel zu viele Bürgerinnen und Bürger haben. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Soziales
21.09.2008
Von:

Sehr geehrte Frau Akgün,

wegen Ihrer ethischen Herkunft und Ihr Engagement nehme ich an, dass Sie an die Veranstaltungen gegen Pro Köln am Samstag teil nehmen wollten. Nun hat Herr Schramma alle eingeladen, gegen Pro Köln und seine Gäste zu demonstrieren. Und tatsächlich kamen alle! Die internationale Presse ist heute voll davon, dass die Aggressionen nicht von Pro Köln, sondern von den sogenannten Gegendemonstranten ausgingen. Diese werden durchgehend als Linksextreme (left wing, extreme left wing u. ä.) betitelt, so z. B. in Hürriyet, in BBC, usw.
Ich gehe nicht davon aus, dass Sie zu diesen aggressiven linken Gästen des Herrn Schramma gehören. Aber ich würde es lieber von Ihnen hören: War das in Ordnung, dass man mit allen Mitteln (auch ungesetzlichen) den Anti-Islam Kongress verhindert hat, oder distanzieren Sie sich von den Gewaltakten einiger Ihrer Mitdemonstranten? Gegen welchen Gruppen sind solche Gewaltakte zulässig? Nur gegen Rechtsextremen und Rechtspopulisten, oder gegen all diejenigen, die behaupten, dass das Multikulti-Experiment gescheitert ist?

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Dr. Lale Akgün
9Empfehlungen
22.09.2008
Dr. Lale Akgün
Sehr geehrte Frau ,

vielen Dank für Ihre präzisen Fragen, die ich ebenso präzise beantworte: Die Demonstration gegen den sogenannten "Anti-Islamisierungs-Kongress" war überwiegend friedlich. Sowohl auf dem Domvorplatz als auch nahe des Gürzenich waren Tausende friedlicher Demonstranten versammelt, die mit Spruchbändern oder kreativen Aktionen gegen die aggressive Hetze von "Pro Köln" mobil gemacht haben. Dazu haben viele bekannte Musikgruppen aus Köln auf den Bühnen gespielt, und die ganze Demo hatte außergewöhnlichen "Volksfestcharakter". Darüber haben viele Zeitungen berichtet "(einfach auf die Kölsche Art", Kölner Stadt-Anzeiger).
Leider haben sich unter die vielen Tausend Friedlichen auch ein paar gewaltbereite Autonome gemischt. Solche Leute gefährden den Erfolg einer ansonsten großartig erfolgreichen Gegendemonstration, die sich nicht nur auf die Demos in der Kölner Innenstadt beschränkte, sondern auch auf andere Aktionen, wie "Kein Kölsch für Nazis" oder der Tatsache, dass Taxi- und Busbetriebe für die rechten Aufmarschierer nicht fuhren. Gewalt aber ist niemals zu rechtfertigen, egal aus welcher Richtung diese kommt. Sie schadet den Zielen der großen zivilgesellschaftlichen Mehrheit: den rechten Hetzereien von "Pro Köln" mit politischen Mitteln zu begegnen.

Mit freundlichen Grüßen,

Lale Akgün
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
23.09.2008
Von:

Sehr geehrte Frau Akgün,

in Ihren Anworten zu den Pro-Köln Anfragen fallen Äusserungen wie ".....gegen die aggressive Hetze von "Pro Köln" mobil gemacht haben." oder "...wenn wenn es keine Krawallmacher geben würde, das ist wahr. Aber dazu zähle ich auch die Leute von "Pro Köln", die seit geraumer Zeit versuchen, Stimmung gegen Ausländer zu machen."

Ich wäre Ihnen dankbar wenn Sie mir für diese Ihre Aussagen konkrete Aussagen und Tatbestände von Pro-Köln Mitgliedern benennen könnten, Von reiner Polemik halte ich persönlich nichts.

Gleichzeitig bitte ich Sie um eine Erklärung, wie Sie zur Versammlungs- und Meinungsfreiheit stehen, speziell auch wenn sich diese Meinung nicht mit der Ihren deckt. Komisch finde ich auch, wenn Sie Gesetzesverstöße, hier Beförderungspflicht mit Taxen, als positiv kommentieren.

Gerne hätte ich von Ihnen auch eine Erklärung, wieso Sie Islamkritik mit generellem Ausländerhaß gleichsetzen. Ich bin bisher davon ausgegangen, das nicht alle Migranten Moslems sind.

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Frage zum Thema Gesundheit
26.09.2008
Von:

Sehr geehrte Frau Dr. Akgün !

Momentan befindet sich eine Gruppe von Contergangeschädigten in Bergisch Gladbach in einem Hungerstreik, um auf die unzureichende Versorgung der Opfer dieses grössten Medikamentenskandals aufmerksam zu machen. Zwar hat die Bundesregierung unter dem Eindruck des durch den WDR-Zweiteiler "Eine einzige Tablette" ausgelösten öffentlichen Interesses die monatlichen Opfergeldzahlungen zum 01. Juli 2008 verdoppelt, doch entspricht dies noch längst nicht dem Standard z.B. in Grossbritannien oder Schweden - selbst in Brasilien werden höhere Entschädigungzahlungen geleistet. Die Fa. Grünenthal hat eine Zahlung von 50 Mio. Euro angekündigt - verteilt auf die ca. 2800 Betroffenen sind dies nicht einmal € 1,50 pro Tag ! Alle politischen Verantwortlichen waren sich nach der Verdopplung einig, dass dies nur ein erster Schritt sein könne. Das gegenwärtige Entschädigungsniveau und der von Grünenthal angekündigte Betrag reichen bei weitem nicht aus, eine angemessene Versorgung der Betroffenen zu gewährleisten - erst recht nicht im Alter! Die Betroffenen sind nun in einem Alter, in dem sich massive Folgeschäden bemerkbar machen - sie haben keine Zeit mehr für langwierige Verhandlungen und langjährige Gesetzgebungsverfahren ! Meine Frage an Sie : Sind Sie der Meinung, dass die Fa. Grünenthal mit ihrem Angebot ihrer moralischen Verantwortung in angemessener Weise gerecht wird? Wie beurteilen Sie den Hungerstreik und die gegenwärtige Lage der 2800 Contergan-Geschädigten?

Mit freundlichem Gruss,
Antwort von Dr. Lale Akgün
3Empfehlungen
08.10.2008
Dr. Lale Akgün
Sehr geehrter Herr ,

haben Sie vielen Dank für Ihre Frage bezüglich der Opfergeldzahlung an Contergan Geschädigte.

Wie Sie auch in Ihrer Nachricht erwähne, hat die Bundesregierung im Sommer diesen Jahres die Opfergeldzahlungen verdoppelt.

Darüber hinaus hat im Juni diesen Jahres eine öffentliche Anhörung des Bundestagsaussschusses für Familie, Frauen, Senioren und Jugend stattgefunden, bei der sich die Experten dafür aussprachen, weitere Hilfen zu gewährleisten.

Zurzeit prüfen die Koalitionsfraktionen im Bundestag daher, ob weitere Verbesserungen bei der Opferentschädigung möglich sind. Nähere Informationen zu der Anhörung finden Sie auf der Internetseite des Bundestages.

Für die Firma Grünethal kann ich nicht sprechen- denke aber, dass auch diese prüfen sollte, inwiefern sie die Contergan Opfer besser unterstützen kann.

Ich denke, dass wir alle gemeinsam weitere Maßnahmen treffen müssen, um die Situation von Contergan Geschädigten, so wie es schreiben: gerade auch im Alter- zu verbessern.

Mit freundlichen Grüßen,

gez.

Ihre Dr. Lale Akgün
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Frage zum Thema Integration
30.09.2008
Von:

Drei Jahre nachdem ich Ihnen meine Erststimme gegeben hatte, bin ich von Ihrer politischen "Performance" sehr enttäuscht, weil ich das genuin "politische" vermisse. Ich will meine Zweifel an Ihrer Arbeit an einigen fachlichen Fragestellungen, vor deren Beantwortung Sie sich offenbar wegducken, deutlich machen: Dem Münsteraner Islamwissenschaftler Kalisch wird gerade auf Druck der muslimischen Verbände vom Wissenschaftsminister unseres Landes die Befugnis entzogen, Religionslehrer auszubilden, weil er - unter Anwendung kritischer und historisierender wissenschaftlicher Methoden - Zweifel an zentralen Glaubensinhalten formuliert. Warum protestieren Sie nicht gegen diesen skandalösen Eingriff in die Wissenschaftsfreiheit, wie es hunderte von Intellektuellen bereits in einem offenen Brief getan haben? Daran anschließend: Warum treten Sie nicht mutig dafür ein, den Bekenntnis-Religionsunterricht (auch der christlichen Kirchen!) aus staatlichen Schulen zu verbannen und seine Finanzierung durch die Allgemeinheit zu stoppen ? Ist der Ethik-Unterricht, wie er vom Berliner Senat gegen den erbitterten Widerstand von christlichen Kirchen und muslimischen Verbänden durchgesetzt wird, für Sie ein Vorbild für Nordrhein-Westfalen? Wenn ja, welche Schritte haben Sie bisher in dieser Richtung unternommen? Obwohl Sie die islampolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion sind, habe ich keinerlei Text, Thesenpapier, Artikel oder dergleichen im Internet gefunden, in dem Sie ihre grundsätzlichen politischen Haltungen zu diesen zentralen Fragen einmal offenbaren würden. Können Sie einen entsprechende Fundstelle (Link) nennen? Kurz und gut: Ich vermisse bei Ihnen politische Ernsthaftigkeit und Kohärenz. Ich empfinde sowohl ihr Auftreten in Köln als auch in Berlin als eher unpolitisch und tendenziell seicht. Das betrübt mich sehr, denn ich hatte mit Ihrer Wahlkampfzeitung intellektuelle Erwartungen an Sie verbunden.
Antwort von Dr. Lale Akgün
5Empfehlungen
08.10.2008
Dr. Lale Akgün
Sehr geehrter Herr ,

haben Sie vielen Dank für Ihre Nachricht bezüglich der Vorgänge am Centrum für Religiöse Studien der Universität Münster und der Frage nach der Legitimität von Religionsunterricht an deutschen Schulen.

Zum ersten Aspekt: Ich beschäftige mich intensiv mit der Debatte um Professor Muhammad Sven Kalisch. Ich halte genau wie Sie die Kritik einiger muslimischer Verbände und den Druck, welchen auszuüben, für unangebracht.

Genau wie Sie bin ich der Meinung, dass wir eine freie und kritische Forschung in allen Wissenschaftsgebieten, also auch in der islamischen Theologie brauchen. Dies ist gerade im Hinblick auf die wissenschaftliche Fundierung des Islamunterrichts an deutschen Schulen von großer Bedeutung.

Zur Notwendigkeit einer liberalen islamischen Theologie habe ich mich bereits im letzten Jahr in einem Artikel mit dem Titel "Der grüne Daumen" geäußert. In diesem Artikel, den Sie auf meiner Internetseite finden, beschreibe ich die Bedeutung der historisch-hermeneutischen Koranexegese, wie sie von der so genannten "Ankara Schule" an der dortigen Universität betrieben. Ich denke, dass diese zum Teil als Vorbild für eine moderne islamische Theologie an deutschen Universitäten gelten kann.

Was den Religionsunterrichtes anbelangt, so trete ich für ein Nebeneinander von konfessionell gebundenem Religionsunterricht und Ethikunterricht mit freier Wahlmöglichkeit für die Schüler bzw. die Erziehungsberechtigten ein. Wobei - wie Sie es auch erwähnen- die Bundesländer hierüber im Rahmen der Bildungshoheit zu entscheiden haben. Für sehr interessant halte ich übrigens das Hamburger Modell des interreligiösen Religionsunterrichtes.

Mit freundlichen Grüßen,

gez.

Ihre Dr. Lale Akgün
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Frage zum Thema Soziales
03.10.2008
Von:
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Aufruf zu mehr sozialer Gerechtigkeit
Sehr geehrte Frau Abgeordnete Akgün,
Es interssiert mich sehr, warum kein/e Kölner Abgeordnete/r und sie im Besonderen den o.z. Aufruf unterschrieben haben.
Kann ich und andere daraus Schluss folgern, dass die Kölner Abgeordneten den Weg der sozialen Gerechtigkeit (1998 auch Ihnen zum Wahlsieg verholfen hat) verlassen haben.
Oder keiner der gewählten Kölner Abgeordneten und sie im Besonderen,
einen Handlungsbedarf am bestehendem System sehen?
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Antwort von Dr. Lale Akgün
3Empfehlungen
08.12.2008
Dr. Lale Akgün
Liebe Frau -,

als sozialdemokratische Abgeordnete stehe ich natürlich weiterhin dafür, mehr soziale Gerechtigkeit für alle Menschen Wirklichkeit werden zu lassen.

An dem bestehenden System sehe ich vielfältigen Handlungsbedarf in verschiedene Richtungen.

Wir müssen uns darauf einstellen, dass unsere Gesellschaft in den nächsten Jahren: ärmer, älter, zahlenmäßig kleiner und heterogener werden wird. Wir müssen deshalb unsere Anstrengungen in der Armutsbekämpfung, sowohl durch den Erhalt von Sozialtransfers als auch durch den vorsorgenden Sozialstaat weiter intensivieren.

An oberster Stelle steht dabei für mich die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns, denn es kann nicht sein, dass Menschen von ihrer Arbeit nicht leben können. Bitte lesen Sie dazu auch den Vortrag, zum Thema "Gerechte Teilhabe", den Sie auf meiner Internetseite finden.

Angesichts der aktuellen Wirtschaftskrise habe ich mich bei der Abstimmung am 4.12. 2008 über den Gesetzentwurf von CDU/CSU und SPD zur Umsetzung steuerrechtlicher Regelungen des Maßnahmenpakets "Beschäftigungssicherung durch Wachstumsstärkung" (Drs. 16/10930) für ein ein umfassendes, auf 10 Jahre angelegtes und schnell wirksames Programm zur massiven Ausweitung der öffentlichen und privaten Investitionen mit einem Volumen von rund 2 % des Bruttoinlandsprodukts, also ca. 50 Mrd. Euro im ersten Jahr, ausgesprochen.

Bitte vergleichen Sie hierzu meine Persönliche Erklärung zu der Abstimmung, die Sie auf meiner Internetseite finden, in der ich auch auf weitere notwendige sozialpolitische Maßnahmen, wie die Anhebung des Hartz IV Regelsatzes eingehe.

Mit freundlichen Grüßen,

Ihre

Lale Akgün
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