Dr. Joachim Langbein (GRÜNE)
Kandidat Landtagswahl NRW 2010
Dieses Profil dient zu Archivzwecken, eine Befragung ist nicht mehr möglich.

Grunddaten
Dr. Joachim Langbein
Jahrgang
1969
Berufliche Qualifikation
-
Ausgeübte Tätigkeit
Geograph
Wohnort
Bad Honnef
Wahlkreis
Rhein-Sieg-Kreis II
Landeslistenplatz
keinen
(...) Die Diskussion vor dem BürgerInnen-Entscheid wurde aber alles andere als sachlich geführt, vielmehr wurden gezielt Emotionen geschürt. Das häufigste Argument gegen den Nationalpark mit dem ich konfrontiert wurde war, dass dann Kinder und Enkel nicht mehr am Löwenburger Hof Schlitten fahren können. (...)
Kandidaten-Check
Beim Kandidaten-Check können Sie Ihre eigenen politischen
Überzeugungen mit denen Ihrer Kandidaten vergleichen.
Dr. Joachim Langbein hat sich am Kandidaten-Check beteiligt und zu allen von 31 Thesen Position bezogen.
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Frage zum Thema Arbeit
07.03.2010
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Langbein,

wie stehen Sie zur Idee "Bedingungsloses Grundeinkommen"?


Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Dr. Joachim Langbein
bisher keineEmpfehlungen
08.03.2010
Sehr geehrter Herr ,

Herzlichen Dank für Ihre Frage, die erste, die mich über Abgeordnetenwatch erreicht hat und sie hat es direkt in sich, weil die Frage "Wie stehen Sie zum bedingungslosen Grundeinkommen?" nicht einfach mit "Finde ich richtig" oder "Lehne ich ab" zu beantworten ist. Sie knüpft an eine Diskussion an, die nicht nur innerhalb der GRÜNEN bereits vor 3-4 Jahren intensiv geführt wurde. Damals hat die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens für alle aus der Hartz IV Debatte heraus einen neuen Schub erhalten. Inzwischen ist sie etwas in den Hintergrund getreten und es wird statt dessen über "spätrömische Dekadenz" philosophiert.

Es ist auch kein landespolitisches Thema und schon gar keines, das unseren Wahlkreis in besonderem Maß betrifft.

Da ich ohne Listenplatz für das Direktmandat im Wahlkreis kandidiere, habe ich mich bislang eher mit Themen beschäftigt, bei denen sich Landespolitik auf unsere Region auswirkt: Im Mittelpunkt meiner Politik steht bei mir (das ergibt sich aus meinem beruflichen Tätigkeit) eine nachhaltige regionale Wirtschaftsförderung, die auf die Verbindung von Ökonomie mit Umweltaspekten und sozialer Entwicklung steht. Dies ergibt sich aus meinem beruflichen Tätigkeit, als Projektleiter für Innovations- und Technologieförderprogramme im Bereich Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung bei der Internationalen Weiterbildung und Entwicklung gGmbH - einer Durchführungsorganisation des BMZ.

Hier sehe für unsere Region ein erhebliches Entwicklungspotential durch Förderprogramme, die auf die Zusammenarbeit von Forschung und Privatwirtschaft setzten. In unserem Wahlkreis gibt es verschiedene Fachhochschulen, die Fraunhofer Gesellschaft, in direkter Nachbarschaft die DLR und die Uni Bonn, hier kann nachhaltige Wirtschaftsförderung als Förderung neuer kreativer Unternehmen und Innovationen ansetzen.

Hinzu kommt im Wahlkreis sicher das Thema Gesamtschule. In St. Augustin wird ideologiegeprägt mit schwarz-gelben Verfahrenstricks der eindeutig formulierte Elternwille ignoriert und eine moderne Schulpolitik verhindert. Außerdem hat der Ausgang der Landtagswahl einen erheblichen Einfluss auf die Frage wie es mit dem Naturpark Siebengebirge weiter geht - auch keine Frage, die sich einfach mit ja oder nein beantworten lässt.

Insofern erwischen Sie mich mit Ihrer Frage nach dem bedingungslosen Grundeinkommen etwas unvorbereitet, aber ich will mich nicht vor einer Antwort drücken, wenn Sie mir erlauben, etwas weiter auszuholen.

In der Debatte zum bedingungslosen Grundeinkommen werden verschiedene Modelle diskutiert und oft vermischt. Die Modelle sind ebenso vielfältig wie die Gesellschaftsbilder ihrer Verfechter. Sie reichen vom utopischen Sozialismus bis zu neoliberalen Staatsabbauideologien. Als GRÜNER habe ich eine gewisse Sympathie zu den Modellen, die auf Gerechtigkeitsvorstellungen und bürgerlichen Gleichheitsidealen aufbauen, wohingegen ich die neoliberale Staatsabbauideologien einiger Grundeinkommensbefürworter eindeutig ablehnen.

Das bedingungslose Grundeinkommen ist aber auf keinen Fall die Lösung all unserer wirtschafts-, arbeitsmarkt- und sozialpolitischen Probleme. Ich glaube nicht, dass mit dem bedingungslosen Grundeinkommen ein einfacher und fairer Sozialstaat geschaffen werden kann, der seinen Bürgern ein größtmögliches Maß an Freiheit, Selbstbestimmung und Würde bei gleichzeitiger finanzieller Existenzsicherung einräumt.
Es ist falsch, bedingungsloses Grundeinkommen für alle zu fordern, weil angeblich der Gesellschaft die Erwerbsarbeit ausgeht - allein im Bereich der Schwarzarbeit "verstecken" sich fünf Millionen Jobs. Ich will nicht, dass der Staat sich, mit der Zahlung einer "Stilllegungsprämie" aus der Verantwortung, die Teilhabe aller zu gewährleisten zurückzieht - und stattdessen auf die alleinige Verantwortung der Individuen verweist.
Die dauerhafte und bedingungslose Alimentierung von Menschen kann für einen politischen und gesellschaftlichen Ablasshandel missbraucht werden, der schnell zur organisierten Ruhigstellung ganzer Bevölkerungsgruppen führt. Ich lehne daher Grundeinkommens-Vorstellungen ab, die Erwerbslose quasi abfinden wollen, bisherige soziale Sicherungsleistungen dafür gegen rechnen und die Betroffenen mit der Verantwortung für die Schaffung gesellschaftlicher Zugänge alleine lassen. Ich lehne Vorschläge ab, deren Kern darin besteht, als "Kombilohn-Modelle für jedermann" Arbeitgebern die Lohnkosten zu senken.

Doch durch solche Kritik ist die Diskussion um ein bedingungsloses Grundeinkommen nicht erledigt. Viele im Zusammenhang mit dem bedingungslosen Grundeinkommen vertretene Argumente bringen nämlich Fehler im bisherigen System der sozialen Sicherung zur Sprache. Sie plädieren zu Recht für ein System, das weniger mit Verdacht, Misstrauen und Kontrolle arbeitet als vielmehr in Richtung Selbstbestimmung und Respekt für mündige Bürgerinnen und Bürger mit individuellen Lebenswegen.

Wir GRÜNE haben das Konzept der bedarfsorientierten Grundsicherung und darin einige Ideen aus der oben beschriebenen Debatte aufgenommen, aber das ist kein Einstieg in den Systemwechsel zum bedingungslosen Grundeinkommen für alle.

Aus der Perspektive des GRÜNEN Eintretens für Gerechtigkeit legt die Grundeinkommens-Debatte einen falschen Schwerpunkt bei der Erneuerung des Sozialstaats. Ein Großteil der sozialen Probleme von heute lässt sich allein durch höhere individuelle Transfers nicht lösen. Stattdessen muss im Mittelpunkt die Vision eines ermutigenden Sozialstaats der Ausbau und die Reform öffentlicher Güter und Dienste stehen: insbesondere des Bildungssystems, der Kinderbetreuung, der Pflege und der Arbeitsmarktinstitutionen.

Wenn wir Armut nicht nur lindern, sondern zukünftig auch vermeiden wollen, haben gerade Investitionen in gute Bildungs-Infrastruktur, Zugangsgerechtigkeit und öffentliche Angebote für Kinder und Erwachsene höchste Priorität.

Es funktioniert nicht, auf den Ausbau öffentlicher Institutionen einfach noch das bedingungslose Grundeinkommen für alle drauf zu satteln. Wir GRÜNE setzen auf einen Staat, der mit seinen Ressourcen klug haushaltet und Unterstützung gezielt denen zukommen lässt, die sie wirklich brauchen. Nur so bleibt die nötige öffentliche Legitimation und auch die Bereitschaft der gesamten Gesellschaft zur Solidarität erhalten.

So, das war nun etwas ausführlich. Aber manche Fragen sind wie gesagt nicht einfach mit ja oder nein, schwarz oder weiss zu beantworten. Ich hoffe dennoch, dass ich Ihnen meinen Standpunkt zum bedingungslosen Grundeinkommen einigermaßen verständlich erläutern konnte.

Mit freundlichen Grüßen

Joachim Langbein
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Frage zum Thema Soziales
12.03.2010
Von:

Sehr geehrter Herr Langbein,

angenommen, es gäbe bereits in Deutschland ein existenzsicherndes, bedingungsloses Grundeinkommen - was würde ihrer Vermutung nach die Mehrheit der Bürger tun?

Mit freundlichen Grüßen,
Antwort von Dr. Joachim Langbein
bisher keineEmpfehlungen
13.03.2010
Sehr geehrter Herr ,

Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass ich mich auf dieser Plattform nicht zu Spekulationen über "was wäre wenn" und "Stell dir vüür" hinreißen lassen will.

Mit freundlichen Grüßen

Joachim Langbein
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Frage zum Thema Soziales
14.03.2010
Von:

Sehr geehrter Herr Langbein,

mich hat ihre Antwort vom 13.3. zum Thema Grundeinkommen sehr überrascht.

Wie sonst wollen Sie Entscheidungen für die Zukunft treffen, ohne sich vorher zu überlegen, "was wäre dann"?

Mit freundlichen Grüßen,

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Frage zum Thema Gesundheit
16.03.2010
Von:
-

Sehr geehrter Herr Dr. Langbein,

als Bürger des Sankt Augustiner Stadtteils Birlinghoven habe ich mit vielen Mitbürgern stark unter dem Fluglärm des Flughafens Köln-Bonn zu leiden. Mit großer Betroffenheit habe ich vor ca. zwei Jahren zur Kenntnis nehmen müssen, dass die Nachtfluggenehmigung durch die Landesregierung zeitlich bis zum Jahr 2030 ausgeweitet worden ist. Und das obwohl es bereits zu diesem Zeitpunkt hinlängliche Untersuchungsergebnisse gab die belegen, dass insbesondere Kreislauferkrankungen aber auch Krebserkrankungen in Lärm belasteten Gegenden signifikant höher sind als in nicht betroffenen Gebieten.

Wie stehen Sie zu einem generellen Nachtflugverbot in NRW in der Zeit zwischen 23:00 Uhr und 06:00 Uhr?

Was können Sie unternehmen um ein (bundesweites, denn anders wird es nicht gehen) Nachtflugverbot durchzusetzen?

Über Ihre Antwort freue ich mich.

Mit bestem Gruß

-
Antwort von Dr. Joachim Langbein
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17.03.2010
Sehr geehrter Herr ,

herzlichen Dank für diese Frage, mit der Sie nicht nur ein wirklich landespolitisches Thema ansprechen, sondern auch noch eines, das den Wahlkreis, den ich vertreten möchte in besonderem Maße betrifft!

Nicht nur wir GRÜNEN als Partei und Fraktion, sondern auch ich persönlich bin für ein generelles Nachtflugverbot.

Ich unterstütze daher das Bemühen unsere Landtagsfraktion ein generelles Nachtflugverbot am Flughafen Köln/Bonn durchzusetzen. Mit einem Entschließungsantrag haben die Fraktionen von CDU und FDP letzte Woche am 11.3. noch einmal deutlich gemacht, dass sie "das von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen wiederholt geforderte generelle Nachtflugverbot am Flughafen Köln/Bonn" ablehnen. Dabei ging es uns mit unserem Antrag am gleichen Tag zunächst nur darum, den bereits am am 24. August 2007 einstimmig gefassten Landtagsbeschluss zum Nachtflugverbot am Flughafen Köln/Bonn endlich umzusetzen, also nur um einen ersten Schritt zum Ziel ein generelles Nachtflugverbot zu erreichen

Die Durchsetzung eines generellen Nachtflugverbots hängt also von den politischen Mehrheiten ab, wir GRÜNE haben uns hier eindeutig positioniert und werben um Ihre Unterstützung, um im Landtag eine Mehrheit für ein generelles Nachtflugverbot zu erreichen.

Sie haben aber recht. Das Thema muss auch bundespolitisch betrachtet werden. Auch wenn uns in der Region der nächtliche Fluglärm vom Flughafen Köln/Bonn besonders belastet, sind auch andere Regionen in Deutschland von Fluglärm betroffen. Ich habe daher eine Petition im Bundestag mit gezeichnet. Und das können Sie auch tun!

Unter epetitionen.bundestag.de finden Sie in der Spalte "Thema" die Petition "Lärmschutz im Luftverkehr - Absolutes Nachtflugverbot für alle deutschen Flughäfen". Sie können auch in der Spalte "Hauptpetent" nach Klaus Zydeck suchen. Nach einer kurzen und unkomplizierten Anmeldeprozedur können Sie diese Petition mit zeichnen. Ende der Mitzeichnung ist der 27.04.2010.

Mit freundlichen Grüßen

Joachim Langbein
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Frage zum Thema Arbeit
23.03.2010
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Langbein,

wie stehen Sie zu der Frage, ob ein Arbeitnehmer für seine Arbeitsstelle umziehen soll, anstatt viele km zu pendeln?
EIn Umzug an einen anderen Wohnort ist besonders oft für familienliebende, im Leben verwurzelte Menschen ein Einschnitt, der soziale Kontakte und Bindungen kappt und die Lebensqualität verringert.

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Dr. Joachim Langbein
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27.03.2010
Sehr geehrter Herr ,

da ich in der Entwicklungszusammenarbeit tätig bin, einem Arbeitsfeld, indem Kolleginnen und Kollegen für einige Jahre nach Afrika, Asien oder Lateinamerika ausreisen müssen, um dann zurück zu kommen und wenige Zeit später wieder woanders eingesetzt zu werden, habe ich persönlich zu diesem Thema einen sehr speziellen Zugang. Berufliche Mobilität ist in meinem Arbeitsumfeld eher die Regel, als die Ausnahme.

Dennoch verstehe ich natürlich, dass jeder Wohnortswechsel familiäre und soziale Probleme mit sich bringt. Das ist auch in meiner Branche nicht immer einfach. Aber letztlich muss doch jeder für sich selbst entscheiden, ob er oder sie lieber zur Arbeitsstelle pendelt oder einen Umzug in Kauf nimmt.

Aus ökologischer Sicht ist es natürlich sinnvoll, möglichst nahe am Arbeitsplatz zu wohnen oder wenigstens mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu pendeln.

Mit freundlichen Grüßen

Joachim Langbein
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