Liebe Frau

,
haben Sie vielen Dank für Ihre Frage und Ihr Interesse an meiner Arbeit. Bitte entschuldigen Sie die leicht verspätete Antwort, aber wie Sie vielleicht auch mitverfolgt haben, befinden wir uns gerade mitten in der heißen Phase der Verhandlungen zum Mehrjährigen Finanzrahmen. Als haushaltspolitische Sprecherin der Grünen Fraktion im Europaparlament investiere ich sehr viel Arbeit, Energie und Zeit in diese Verhandlungen.
Nun zu Ihren Fragen:
Die Idee eines öffentlich finanzierten und europaweit empfangbaren Fernsehsender finde ich sehr gut. Leider haben die Mitgliedstaaten daran kein gesteigertes Interesse. Besonders Deutschland zeigt sich hier nicht sehr kooperativ. Somit sind die Vetopositionen nicht im Parlament zu finden, sondern im Rat, bei den Mitgliedstaaten.
Zu Ihrer Frage, was es bereits an europäische Medien gibt, möchte ich Sie gerne auf EURONEWS verweisen, als europäischen Fernsehsender.
de.euronews.com (Wobei bei dieser Kooperation weder das ZDF noch die ARD beteiligt sind.) Es gibt auch eine europäische Tageszeitung, "European Daily", wobei es sich hier noch um keine Printversion handelt.
europeandaily.com Es gibt weitere Projekte in diese Richtung, eine europäische Öffentlichkeit zu schaffen, wie zum Beispiel presseurop
www.presseurop.eu Auch gibt es schon einen europäischen Radiosender Euranet, der aber leider nicht mehr in allen offiziellen Sprachen der EU verfügbar ist.
www.euranet.eu Diesen Medien mangelt es leider an breiter Sichtbarkeit.
Hindernisse, die dem breiten Erfolg solcher Projekte entgegenstehen, sind beispielsweise ein hoher Finanzierungsbedarf und ein Mangel an Investoren; der Sprachenvielfalt der Europäischen Union gerecht zu werden, bedeutet eine große Herausforderung. Andererseits konkurrieren die europäischen Medien mit nationalen und regionalen Medien um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Erschwerend wirkt sich hier die Komplexität der europäischen Themen und die gefühlte Entfernung zu den Brüsseler Entscheidungen aus.
Nun kurz zu Arte:
Im Vergleich zu EURONEWS wird ARTE fast ausschliesslich durch öffentliche Mittel gefördert:
95% kommen aus Fernsehgebühren aus Frankreich und Deutschland.
www.arte.tv
Ein kleiner Anteil wird durch Partnerschaften und Kooperationsverträge mit anderen öffentlichen Fernsehanstalten aus anderen EU Ländern erzeugt.
Europäische Fördergelder kann ARTE durch das Programm MEDIA erhalten, wobei es sich hier um eine indirekte Förderung handelt, die nicht direkt in die Kasse von ARTE fließt, sondern über die Förderung einzelner ARTE-Produktionen läuft.
ARTE muss in jedem Land Verträge mit Kabelanbietern schliessen, um dort entweder auf Französisch und/oder Deutsch ausgestrahlt zu werden. Der Zugriff auf die Webseite ist durch das copyright der Programme begrenzt.
Ich teile Ihre Ansicht, dass es wichtig ist, gerade auch in der Krise, die Kultur nicht zu vernachlässigen und eine europäische Kultur zu fördern, und dass Kultur und Medien unabdingbar sind, für die Akzeptanz und das erfolgreiche Weiterbestehen der EU. Ich kann Ihnen versichern, dass wir als Grüne, gerade auch in den aktuellen Verhandlungen zum Haushalt, für die richtige Umverteilung von Geldern kämpfen. Neben den Forderungen nach mehr Investionen in Klima- und Umweltschutz, in Forschung und Entwicklung, setzen wir uns auch stark für mehr Förderung von Bildung und Kultur ein.
Ich bedanke mich nochmal bei Ihnen für Ihr Interesse und hoffe, Ihnen eine zufriedenstellende Antwort gegeben zu haben.
Mit freundlichen Grüßen
Helga Trüpel