Dr. Harald Terpe (GRÜNE)
Kandidat Bundestagswahl 2005
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Grunddaten
Dr. Harald Terpe
Jahrgang
1954
Berufliche Qualifikation
Doktor der Medizin
Ausgeübte Tätigkeit
Arzt
Wohnort
-
Wahlkreis
Rostock
Ergebnis
9,4%
Landeslistenplatz
1, Mecklenburg-Vorpommern
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Frage zum Thema Außenpolitik
17.08.2005
Von:

Bundeskanzler Schröder hat sich mit Nachdruck für eine Aufhebung des EU-Waffenembargos gegen die VR China eingesetzt. Welche Position vertritt Ihre Fraktion in der Frage? Sind Sie bereit, sich für den Fortbestand des Waffenembargos zu engagieren?

Deutschland gehört zu den wenigen Staaten der westlichen Welt, in denen der Dalai Lama noch nie von einem amtierenden Regierungschef empfangen worden ist. Wird Ihre Fraktion im Falle einer Regierungsverantwortung darauf drängen, dass dies Versäumnis nachgeholt wird?
Antwort von Dr. Harald Terpe
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26.08.2005
Dr. Harald Terpe
Sehr geehrte Frau ,

zum ersten Teil der Frage:
Für mich kommt eine Aufhebung des EU-Waffenembargos gegen China derzeit nicht infrage. China erfüllt weder in der Innen- noch in der Außenpolitik die Bedingungen hierfür. Eine Aufhebung des Waffenembargos ist an klare Kriterien gebunden, vor allem an die umfassende Achtung der Menschenrechte. In China gibt es noch immer eklatante Menschenrechtsverletzungen, so werden in der Volksrepublik jährlich mehr Menschen hingerichtet als in allen anderen Staaten der Welt - oftmals ohne faire Gerichtsverfahren. Und mit seinem jüngst verabschiedeten Gesetz, hat China erneut deutlich gemacht, gegebenenfalls auch militärisch gegen Taiwan vorzugehen.

Zum zweiten Teil der Frage: Die grüne Fraktion würde und wird einen Empfang des Dalai Lama durch den Bundeskanzler befürworten, wenn der Dalai Lama das wünscht. Wir gehen davon aus, daß der Dalai Lama sich nicht als Repräsentant eines souveränen Staates Tibet versteht und einen Empfang durch den Bundeskanzler als Würdigung seiner beispielhaften Rolle als Vertreter eines gewaltlosen Einsatzes für die Menschenrechte interpretieren würde.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Harald Terpe
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Frage zum Thema Wirtschaft
19.08.2005
Von:

Sehr geehrter Herr Terpe,

seit Mitte der 80er Jahre wird in der Finanzwissenschaft das Thema einer konsumorientierten Steuerpolitik diskutiert. Aus Sicht der Wissenschaft sind die Vorteile gegenüber dem jetzigen System eindeutig. Weder die jetzige Regierung, noch die Vorgängerregierung haben in dieser Hinsicht große Aktivitäten gezeigt. Welche Position vertritt Ihre Fraktion und wie würden die Grünen in einer Regierungskoalition mit der SPD in dieser Hinsicht agieren?

Wie in den letzten Monaten zu erleben war, kann eine Mehrheit im Bundesrat die Regierungsarbeit stark blockieren. Auch das (Nicht)ergebnis der Föderalismuskommission legt den Schluss nahe, dass der föderale Aufbau der BRD mittlerweile mehr verhindert als bewirkt. Die Kompetenz des Bundes in der Bildungspolitik und der Zusammenschluss von Bundesländern wäre ein Weg in die richtige Richtung. Welche Position vertritt Ihre Fraktion?
Antwort von Dr. Harald Terpe
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26.08.2005
Dr. Harald Terpe
Sehr geehrter Herr ,

wie Sie ja erwähnen, hatte die Bundesregierung im letzten Jahr mit den Ländern über eine Reform des Föderalen Systems verhandelt. Ergebnis war immerhin ein rund 60 Seiten starkes Papier von Stoiber und Müntefering. Dann aber haben die unionsregierten Länder die Verhandlungen durch überzogene Forderungen platzen lassen.
Ich bin der Meinung, daß die Verhandlungen in der nächsten Legislaturperiode wieder aufgenommen werden müssen, damit es zu einem deutlichen Abbau der Politikverflechtung kommt. Die Kompetenzen müssen letztlich dort angesiedelt werden, wo dies am zweckmäßigsten ist. Ich würde den Föderalismus allerdings nicht als hinderlich bezeichnen. Ob es auch zu einer Zusammenlegung von Ländern kommen soll, hat ja letztlich nicht der Bundesgesetzgeber zu entscheiden, sondern die jeweils betroffenen Bürger. Man sollte das aber ohne Tabus diskutieren.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Harald Terpe
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Frage zum Thema Sicherheit
27.08.2005
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Terpe,

ich weiß, dass Polizei Ländersache ist, dennoch an Sie folgende Frage:

Wie steht Bündnis 90 / Die Grünen zu der problematischen Ausstattung der Polizei in MV?
Die Gebäude der PD Rostock oder des Kriminalkommissariates in Güstrow verfallen. Es regnet rein, Gardinen und Möbel sind aus den 70er Jahren (außer ein paar gespendete Möbel).
14 Sachbearbeiter der Kripo in Güstrow müssen sich einen einzigen PKW für die Ermittlungsarbeit teilen und dieser ist aus dem Baujahr 1993. Die neuen geleasten Streifenwagen stehen gut geschützt in den Garagen, weil die Dienststellenleiter aus Angst vor Regressforderungen die Schlüssel nur bei besonderen Anlässen und mit persönlicher Übergabe und Kontrolle der Wagen herausgeben.
Das Funksystem der Polizei ist aus den frühen 70ern. Man hat in weiten Teilen des ländlichen Mecklenburg keinen Empfang, im Sommer sind die Störgeräusche so laut, dass man gelegentlich entnervt den Funk abschalten muss... Oder man hört die Kollegen aus Dänemark lauter als die eigene Einsatzleitstelle.
Für die über 32´000 Einwohner Güstrows sind an üblichen Wochentagen gerade mal 3 Polizisten auf der Straße unterwegs. In den ländlichen Bereichen sind zum Beispiel rund um Teterow auf knapp 1´000km² gerade mal 2 Streifenwagen unterwegs.

Die Liste der (hoffentlich) erschreckenden Beispiele könnte ich noch beliebig verlängern. Auch wenn die Polizei Ländersache ist, so denke ich doch, dass die Politik auch auf Bundesebene einschreiten sollte und könnte. Bei den Bereitschaftspolizeien geht es doch auch.

Ich werde diese Fragen allen Kandidaten stellen. Unter meinen Kollegen herrscht die Ansicht, dass es der Polizei unter einer CDU-geführten Regierung besser gehen würde. Ich bin sehr gespannt, welche Ansichten Ihre Partei vertritt!

Mit freundlichen Grüßen,

Antwort von Dr. Harald Terpe
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29.08.2005
Dr. Harald Terpe
Sehr geehrter Herr ,

Polizei ist in der Tat Ländersache. Insofern hat der Bund die Situation, die Sie beschreiben, natürlich nicht zu verantworten. Soweit ich das aber einschätzen kann, ist die Polizei des Bundes besser ausgestattet als die Landespolizei.
Die Länder würden dem Bundesinnenminister (egal welches Parteibuch dieser besitzt) übrigens an die Gurgel springen, sollte dieser versuchen, sich in Länderangelegenheiten einzumischen. Insofern wäre ein Versprechen meinerseits, sich auf Bundesebene für die Behebung der von Ihnen geschilderten Mißstände einzusetzen, unehrlich.
Die rot-grüne Regierung hat aber beispielsweise versucht, den digitalen Polizeifunk auf den Weg zu bringen. Dies wäre gerade im Vorfeld der WM 2006 eine wichtige Verbesserung der polizeilichen Ausstattung gewesen. Leider ist dieses Vorhaben zuletzt Anfang Juli von der CDU-FDP-Mehrheit im Bundesrat blockiert worden. Das Urteil Ihrer Kollegen, wonach eine unionsgeführte Regierung, besser für die Polizei sei, kann ich also nicht nachvollziehen. Zumal ja ein Teil der Mißstände in Mecklenburg-Vorpommern bis in die Zeit der CDU-geführten Regierung in Mecklenburg-Vorpommern zurückreichen.
Wir waren immer der Meinung, daß die Polizei über Technik verfügen muß, die Ihnen im Rahmen ihrer rechtsstaatlichen Befugnisse, bestmögliches Arbeiten ermöglicht. Was die Anzahl der Polizisten betrifft, so wollen wir möglichst viele Polizisten auf die Straße schicken und möglichst wenige mit bürokratischen Tätigkeiten befassen. Wie in allen anderen Bereichen der Verwaltung, müssen übrigens auch die Aufgaben der Polizei kritisch unter die Lupe genommen werden und Überflüssiges und Überkommenes gar nicht mehr bzw. durch andere erledigt werden. Letztlich sollte auch darüber diskutiert werden, wie sich die Rolle der Polizei vor allem angesichts der demographischen und finanziellen Rahmenbedingungen in Mecklenburg-Vorpommern verändern wird und muß. Zur Erreichung dieser Ziele gibt es jedenfalls keine Patentrezepte. Wer Ihnen solche verspricht, der handelt unredlich. Und: Befugnisserweiterungen und neue Zuständigkeiten sind jedenfalls kein Weg.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Harald Terpe
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Frage zum Thema Außenpolitik
06.09.2005
Von:

Sehr geehrter Herr Terpe,

Afrika findet in der Öffentlichkeit fast weniger statt als die Antarktis. Lediglich wenn neue Ölvorkommen vor Afrikas Westküste gefunden werden, Hungersnöte das Leben der Menschen bedrohen oder erneut ein Bürgerkrieg losbricht rückt dieser Kontinent in unseren Fokus.
Was würden Sie (und die Grünen) tun, damit es den Menschen auf dem vergessenen Kontinent besser geht, würden Sie gewählt?

Ich weiß Ihre Antwort zu schätzen.


Mit freundlichem Gruße

Antwort von Dr. Harald Terpe
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12.09.2005
Dr. Harald Terpe
Sehr geehrter Herr ,

ich freue mich, daß Sie in diesen Zeiten, in denen fast ausschließlich über Steuersätze, Abschreibungstatbestände und Benzinpreise geredet wird, den Blick über den eigenen Tellerrand nicht vergessen.
Dabei ist Afrika die Nagelprobe, ob die Industrieländer wirklich zu einer gerechten Gestaltung der Globalisierung bereit sind. Schließlich ist Afrika jener Kontinent, in dem die Herausforderungen für eine erfolgreiche Armutsbekämpfung am größten sind.
Wir haben uns in der vergangen Legislaturperiode besonders für die Entwicklung Afrikas eingesetzt, neue Formen der partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit reformbereiten Entwicklungsländern auf den Weg gebracht und den Kampf gegen HIV/Aids unterstützt.
Aber wir müssen den eingeschlagenen Weg fortsetzen. Dies heißt konkret:

Im Hinblick auf die Welthandelsorganisation stehen wir GRÜNE dafür, den Entwicklungsländern fairen Zugang zu unseren Märkten zu gewähren, die Agrarwende international voranzutreiben, unfaire (Export-)Subventionen der Industrieländer zu beenden und auf Schutzinteressen Schwächerer Rücksicht zu nehmen.
Dies ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass Entwicklungsländer die Chance erhalten, aus eigener Kraft ihren Wohlstand zu mehren.

Wir GRÜNE unterstützen die Förderung von sozialen und ökologischen Mindeststandards. Unser Ziel ist es, mittel- und langfristig solche Standards in der Welthandelsorganisation zu verankern. Den Handel mit "Fairen Produkten" wollen wir aktiv stärken. Deshalb wollen wir darauf hinwirken, dass in der deutschen Verwaltung bevorzugt fair gehandelte Produkte eingesetzt werden.

Wir wollen Ernährungssicherheit und das Menschenrecht auf Ernährung in den internationalen Verhandlungen ebenso sicherstellen wie den Zugang zu sauberem Wasser, zu lebensnotwendigen Medikamenten, zu Verhütungsmitteln und zu Saatgut. Die Millenniumsziele haben sich vor allem in der Politik von IWF und Weltbank noch nicht hinreichend niedergeschlagen. Das muss sich ändern. Entwicklungsländer brauchen Handlungsspielräume.

Weder die Industriestaaten noch die Entwicklungsländer und ihre Regierungen sind dabei aus der Verantwortung zu entlassen. Gutes Regieren (good governance) und die Bekämpfung der Korruption sind zentrale Voraussetzungen für erfolgreiche Entwicklung und sollten bei weiterem Schuldenerlass berücksichtigt werden. Die zur Korruptionsbekämpfung erforderliche Transparenz ist eine Forderung nicht nur an die Entwicklungsländer, sondern auch an die dort operierenden internationalen Konzerne. Ohne die Einbeziehung der Geschlechterperspektive und ohne die Durchsetzung von Frauenrechten lassen sich Demokratie und Entwicklung nicht verwirklichen. Deswegen wollen wir diese Perspektive konsequent auf europäischer und internationaler Ebene stärken.

Das G8-Ergebnis zum Thema Schuldenerlass geht aus meiner Sicht in die richtige Richtung, darf aber nicht darüber hinweg täuschen, dass sich die internationale Gemeinschaft intensiver mit den Ursachen der Schuldenkrise beschäftigen und auch die Einführung eines Insolvenzrechts für Staaten wieder auf die Tagesordnung nehmen muss. Bei den Themen Agrarsubventionen und Klimaschutz sind die G8-Führer eher vage geblieben: Doch für die Zukunft Afrikas und der Entwicklungsländer anderer Kontinente ist die Frage, ob die Agrarsubventionen der reichen Nationen abgeschafft und die Klimaveränderung gestoppt werden können, existentiell.

Im Jahr 2000 haben einige afrikanische Staaten die "Neue Partnerschaft für die Entwicklung Afrikas (NEPAD)" auf den Weg gebracht. Heute sind die ersten Ergebnisse erkennbar: Eine zunehmende Anzahl afrikanischer Länder akzeptiert zivilgesellschaftliche demokratische Selbstkontrolle und macht Schritte in Richtung "good governance", Korruptionsbekämpfung und Stärkung der Frauenrechte. Wir setzen auf den Dialog auf gleicher Augenhöhe und auf eine Politik, die unseren reformorientierten Partnern mit Respekt begegnet.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Harald Terpe
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Ihre Frage an Dr. Harald Terpe
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