Dr. Gesine Lötzsch (DIE LINKE)
Kandidatin Bundestagswahl 2005
Dieses Profil dient zu Archivzwecken, eine Befragung ist nicht mehr möglich. Besuchen Sie das aktuelle Profil.

Grunddaten
Dr. Gesine Lötzsch
Jahrgang
1961
Berufliche Qualifikation
Philologin
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wohnort
-
Wahlkreis
Berlin-Lichtenberg-Hohenschönhausen
Ergebnis
42,9%
Landeslistenplatz
3, Berlin
weitere Profile
Wenn Sie Frau Lötzsch eine Frage stellen möchten, nutzen Sie ganz einfach das Frageformular auf dieser Seite. abgeordnetenwatch.de wird Ihre Frage für Sie an Frau Lötzsch zur Beantwortung weiterleiten. Die beantworteten Fragen erscheinen dann hier im Profil.
Fragen an Dr. Gesine Lötzsch
Auswahl der Fragen und Antworten
Nachricht an folgende Adresse schicken, sobald eine Antwort eintrifft:


An diese Adresse den abgeordnetenwatch.de-Newsletter bestellen
Bitte loggen Sie sich hier ein.
Frage zum Thema Integration
16.08.2005
Von:

Sehr geehrte Frau Dr. Lötzsch,
auch wenn es so aussieht, als ob Sie es nicht nötig, die hier gestellten Fragen zu beantworten, will ich es trotzdem mal versuchen.
Sind Sie wirklich der Meinung, daß MigrantInnen gegen ihren Willen überhaupt integriert werden können? und 2. Welchen Vorteil hätte Deutschland von einer EU-Mitgliedschaft der Türkei?
Antwort von Dr. Gesine Lötzsch
3Empfehlungen
17.08.2005
Sehr geehrte Frau ,
zur Integration:
Wir treten für klare und transparente Regelungen ein, die Vorgaben aus Verfassungs- und Völkerrecht umsetzen und eindeutige Rechtsansprüche schaffen. Das rot-grün-gelb-schwarze Einwanderungsgesetz ist geprägt von Abwehr und Ausgrenzung. Menschen, die zu uns kommen, brauchen eine rechtliche Gleichstellung im Rahmen eines demokratischen Einwanderungs- und Niederlassungsrechts. Die seit langem in Deutschland lebenden ethni-schen Gruppen – alteingesessene wie eingewanderte – haben das Recht auf Schutz und Förderung der Pflege ihrer Sprache, Kultur und Traditionen. Wir treten für ein demokratisches Staatsbürgerschaftsrecht ein, das endgültig vom "Blut-recht" Abschied nimmt und die doppelte Staatsangehörigkeit zulässt. Rechtliche Regelungen sollen verhindern, dass Migrantinnen und Migranten für Lohn- und Sozialdumping miss-braucht werden. Ein Antidiskriminierungsgesetz muss vor alltäglichem Rassismus, vor jeglicher Ausgrenzung von Menschen schützen. Migrations- und Integrationspolitik ist Gesell-schaftspolitik, die die kulturelle Vielfalt unserer Gesellschaft aktiv gestaltet. Wir brauchen keine deutsche Leitkultur. Basis des Zusammenlebens in der Gesellschaft sind die im Grundgesetz und in den internationalen Menschenrechtsverträgen festgeschriebenen Grund- und Menschenrechte, die für alle gleichermaßen gelten, aber auch alle gleichermaßen binden. Die Gestaltung
gesellschaftlicher Vielfalt erfordert zugleich Investitionen in Sprachförderung, in kulturelle Einrichtungen, konkrete Integrationshilfen und Sozialarbeit.

Zur Türkei
Die Perspektive der Bundesrepublik ist aus unserer Sicht eine europäische. Die Linkspartei.PDS sagt JA zu Europa, JA zu einer sich wandelnden Europäischen Union. Sie steht für einen Kurswechsel in der europäischen Integration und der deutschen Europapolitik. Die Gemeinschaft soll die Gleichstellung aller Menschen – unabhängig von
Herkunft und Geschlecht – gewährleisten. Wir wollen eine Europäische Union, die sozial und ökologisch nachhaltig wirtschaftet, sich gemeinsame Mindeststandards bei Löhnen, Steuern und Sozialleistungen gibt und konsequent zu einer nicht-militärischen Vereinigung wird.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Gesine Lötzsch
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Familie
29.08.2005
Von:

Sehr geehrte Frau Dr. Lötzsch

Zu der Frage von Herrn Kelmer vom 10.8.05 möchte ich noch eine anfügen. Das "Gender Mainstreaming" ist nach meinen Erkundungen ein neuer Begriff bzw. ein neues ideologisches Konstrukt, welches im Kern eine ziemliche Gängelung / Erziehung der Menschen zum Thema haben könnte. Diese sollen irgendwie so sein oder werden, wie sie nach irgendjemandes Wunschbild noch nicht sind. Ich erkenne das daran, daß es z.B. schon "Gender- Trainer" "am Markt" gibt. Das Ganze scheint also ein Geschäftsfeld zu sein und noch werden zu wollen, welches nicht so sehr die klare rechtliche Gleichstellung der Geschlechter zum Thema hat und sich darauf beschränkt, sondern neue Geschäftsfelder, die sich eröffnen, wenn man erst einmal - durch viel nebulöse Propaganda - etwas in Frage stellt, Mißtrauen zwischen "den Geschlechtern" sät bzw. spaltet.
Psychologen, Sozialpädagogen, Berater und Rechtsanwälte profitieren von diesem unerhörten Firlefanz (vgl. "Stern vom 17.3.05), der es manchen in der Familie erschwert, ihre eigenen Rollen in Absprache zu definieren bzw. auszuhandeln. Überall lauert ein Mainstreamer, der behauptet, man sei "noch nicht" in der modernen Rolle, welche in irgendeiner Befragung oder von einem Guru als wünschenwert gedacht sein soll.
Ein anderer "Mainstream" - Begriff (Consumer -M.) wurde von der Staatsekretärin Müller (Verbraucherschutzministerium München) erfunden. Da will man uns zu bestimmtem Konsumverhalten (natürlich auch nur zu unserem Wohl) erziehen.
Sehen Sie - zumal als Philologin - in solchen merkwürdigen Wortneuschöpfungen einen Fortschritt oder könnte sich eine NEO- Ideologie dahinter verbergen, welche die grundgesetzlich gemeinte, Gesetze zur Gleichberechtigung gerade nicht ignorierende freie Entwicklung von Persönlichkeiten nicht so sehr zum Ziel hat wie die womöglich durchaus perfide Ausbeutung von Orientierung noch suchenden, verunsicherten Menschen als "Humanressource"?

Mit freundlichen Grüßen
W.
Antwort von Dr. Gesine Lötzsch
2Empfehlungen
07.09.2005
Sehr geehrter Herr ,

ich danke Ihnen für Ihre Frage vom 29. August.

Man kann grundsätzlich unterschiedlicher Auffassung sein, ob es sinnvoll und gut ist, Begriffe für neue Bewegungen, Strömungen, Forschungszweige etc. einfach aus anderen Sprachen, vor allem dem Englischen, zu übernehmen. Ich denke, es besteht in vielen Fällen die Möglichkeit, auch einen adäquaten deutschen Begriff zu finden.

Ich denke Gender Mainstreaming ist in erster Linie die Bezeichnung für ein neues Forschungsgebiet in der Soziologie. Eine Ideologie, die die Ausbeutung von Menschen zum Ziel hat, kann ich in diesem Konzept aber nicht erkennen.


Ich wünsche Ihnen alles Gute.

MdB Dr. Gesine Lötzsch (Die Linkspartei.PDS)

PS: Wenn Sie mehr über meine Arbeit erfahren möchten, besuchen Sie mich doch unter: www.gesine-loetzsch.de !
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Gesundheit
31.08.2005
Von:

Warum wird nicht expliziter auf die "Reform" zur Absicherung der Gesundheit eingegangen? Das Programm der Linken nimmt Distanz auf zu wirklich wichtigen und einfachen Fragen, die bis vor kurzem noch in der PDS Gegenstand waren! Warum hinterfragt man nicht, wem es nützt, die Gesellschaft in gesetzlich und private Kranke zu unterteilen, mal abgesehen von dem verwaltungstechnischen Unsinn der über 260 Krankenkassen in Deutschland. Vieviele Gesundheiten hat man? 261? ....Zwischen denen man wählen kann, wenn man nicht, wie mittlerweile über 40.000 Bundesbürger, einem Verfahrensfehler in der Ummeldung unterlegen ist, und nun nicht mehr krankenversichert ist! Warum nicht eine Krankenkasse für alle? Es gibt auch nur eine Gesundheit und sie sollte nicht zur kostendeckenden Ware werden! Solche einfachen Thesen sollten ins Programm kommen, dann hätten Sie auch Zuhörer! Mehr als sie glauben! Die Phrasen über die "verletzten "Arbeitslosen, die über 60.000 € in die AL-Vers. einzahlen und nur 10.000 ausgezahlt bekommen, stoßen nicht wirklich zum Denken an!
Antwort von Dr. Gesine Lötzsch
2Empfehlungen
14.09.2005
Sehr geehrter Herr ,

ich danke Ihnen für Ihre Frage. Bitte entschuldigen Sie die verspätete Antwort. Programme müssen immer ein wenig verkürzen; sie können nie Antworten auf alle Details geben, sondern umreißen die politischen Vorstellungen einer Partei. Aber zur genaueren Nachfrage gibt es ja zum Beispiel Seiten wie www.kandidatenwatch.de und natürlich auch die Möglichkeit direkt bei den Politikern nachzufragen.

Die Frage, die Sie stellen, wem es nützt, die Gesellschaft in eine Zwei-Klassen-Medizin zu spalten, ist recht einfach zu beantworten: Eine Person unterliegt nicht der Versicherungspflicht, wenn sie Beamter, Selbständiger oder Berufspolitiker ist. Da diese Berufsgruppen im Vergleich zur restlichen Bevölkerung relativ wohlhabend und damit zumeist auch gesünder sind, schadet diese Regelung den auf dem Solidarprinzip aufbauenden gesetzlichen Krankenkassen und damit 90% der Bevölkerung. Sie nutzt der privaten Versicherungswirtschaft und einigen Leistungserbringern, die höhere Vergütungen verbuchen können. Deswegen fordert die Linkspartei seit langem eine Bürgerversicherung, in der jeder Einwohner unabhängig von seinem Einkommen versichert ist und Beiträge gemäß seiner Leistungsfähigkeit einzahlt. Auch ich vertrete Ihre Position, dass die Anzahl der Krankenkassen zu hoch ist. Über 200 Verwaltungen erscheinen mir zuviel. Ich bin mir hingegen nicht sicher, ob eine einzige Kasse tatsächlich die effizienteste Lösung ist. Monopole schaffen meist Verschwendung und Korruption. Ein gewisser Wettbewerb ist also in diesem Bereich durchaus gewünscht und trägt zur Effektivität bei.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Gesine Lötzsch, Die Linke.PDS
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Arbeit
03.09.2005
Von:

guten tag. haben Sie schon einmal versucht mit 345 €/monat zu leben resp. sich von 120 €/monat zu ernähren oder kennen Sie abgeordnete, die das schon mal versucht haben? und wie sind ihre erfahrungen damit? wenn sie jetzt antworten, sie wollen diesen beitrag ja erhöhen, beantworten sie dies doch für ihre dann geplanten sätze. und bitte in vergleichbaren lebenslagen resp. unter vergleichbarer kaufkraft.. in indien könnte ich das auch. danke.
Antwort von Dr. Gesine Lötzsch
3Empfehlungen
07.09.2005
Sehr geehrter Herr ,


nein, ich habe noch nicht versucht von 345 Euro im Monat zu leben oder mich von 120 Euro zu ernähren. Ich bin mir auch sicher, dass dies noch kein anderer Abgeordneter getan hat. Allerdings ist mir - ganz im Gegensatz zu fast allen anderen Mitgliedern des Bundestages - von Anfang an klar gewesen, dass man von diesen Summen nicht leben kann. Gerade deswegen habe ich mit meiner Kollegin Petra Pau auch von Beginn an gegen die Hartz-Gesetze gekämpft und sie abgelehnt.

Die Linkspartei.PDS möchte den Satz des ALG II erhöhen, aber damit soll keineswegs Schluss sein. Die deutliche Erhöhung des Alg-II-Satzes sowie die spürbare Ausweitung der Hinzuverdienstgrenzen und Möglichkeiten sollen die finanzielle Situation der ALG-II-Empfänger kurzfristig spürbar entschärfen. Das Ziel allerdings muss es sein, die Hartz-IV-Reformen rückgängig zu machen. Wir müssen endlich anfangen, Geld für Arbeit und nicht für die Arbeitslosigkeit einzusetzen.

Wir verfolgen einen breiten Reformansatz, weil wir davon ausgehen, dass das Ausmaß der Arbeitslosigkeit viele Ursachen hat. Dazu gehört das Schließen von Steuerschlupflöchern ebenso wie eine grundlegende und sozial gerechte Reform der sozialen Sicherungssysteme.



Ich wünsche Ihnen alles Gute.

MdB Dr. Gesine Lötzsch (Die Linkspartei.PDS)
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Ihre Frage an Dr. Gesine Lötzsch
Die Fragefunktion wurde inzwischen geschlossen.