Sehr geehrter Herr

,
herzlichen Dank für Ihre E-Mail.
Sie haben Recht. Die LINKE lehnt den Einsatz der Bundeswehr und die gesamte Afghanistan-Politik der Bundesregierung und der Nato ab. Wir sind der Meinung, dass die Herangehensweise in Afghanistan komplett geändert werden muss. Zunächst muss Deutschland der militärischen Option abschwören. Gegenwärtig wird jedoch das Gegenteil diskutiert. Nachdem die Bundeswehr das Kommando der sog. schnellen Eingreiftruppe (QRF) übernommen hat und unumwunden erklärt, nun ein realen Kampfauftrag erhalten zu haben, sieht das Verteidigungsminsiterium eine weitere Truppenaufstockung von in etwa 1000 Soldaten vor. Mittlerweile muss doch aber auch der Bundesregierung aufgefallen sein, dass die Militäreinsätze zu mehr Gewalt und Terror geführt haben. Unsere Alternative beinhaltet hingegen eine massive Offensive in den zivilen Aufbau.
Wie häufig in den Medien behauptet, wollen wir Afghanistan nicht seinem Schicksal überlassen. Sondern das Geld in die humanitäre Hilfe und den zivilen Aufbau investieren. Die Zahlen aus dem Jahr 2006 sprechen eine deutliche Sprache: Die Mittel aus dem Bundeshaushalt beliefen sich für ISAF auf 501 Mio. Euro und für die Entwicklungszusammenarbeit in Afghanistan auf. 49 Mio. Euro. Hier muss eine strukturelle Veränderung vorgenommen werden, so dass durch die Errichtung einer zivilen Infrastruktur ein Gesellschafts-und Staatswesen entstehen kann, das alle Menschen an politischen Entscheidungen teilhaben lässt und im Besonderen die Recht der Frauen stärkt. Daneben muss, um die Korruption in Afghanistan zu bekämpfen, eine neue Strategie gegen die dortigen Drogenbarone entwickelt werden. Hierbei sind Agrarinvestitionen notwendig, damit die Bauern von ihren Erträgen leben können.
Herr

, das sind alternative Ansätze unserer Partei, die jenseits
des militaristischen Denkens der Bundesregierung eine Strategie für
Afghanistan entwickeln sollen.
Sie argumentieren, die Taliban hätte die eigene Bevölkerung zurück ins tiefste Mittelalter befördert und sich nicht mit diplomatischem Druck einschüchtern lassen. Aber rechtfertigt dies Kriegseinsätze? Diese interventionistische Denkweise, verfolgte man sie konsequent, könnte auch Militäreinsätze in Ländern begründen, die aber bislang (wie Saudi-Arabien und Pakistan)das Wohlwollen der Vereinigten Staaten von Amerika genießen. Die Außenpolitik der Bundesregierung kann doch nicht ernsthaft beinhalten, der USA mit ihrem Selbstverständnis, eine Art Weltpolizei zu sein, unkritisch Gefolgschaft zu leisten.
Lassen Sie mich bitte noch einen Satz zum Kampf-Einsatz der Bundeswehr im Rahmen der QRF schreiben. Ich finde, die Geschichstlosigkeit der Bundesregierung, die in diesem militärischen Denken, mitschwingt, sehr bemerkenswert. Wir sind der Meinung (wahrscheinlich als einzige parlamentarische Partei), dass sich Deutschland vor dem Hintergrund seiner Geschichte weder mittelbar noch unmittelbar an einer Kriegsführung beteiligen darf. Punkt!
Ich wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute!
Mit freundlichen Grüßen,
Dr. Gesine Lötzsch, MdB