Dr. Frank-Walter Steinmeier (SPD)
Abgeordneter Bundestag

Grunddaten
Dr. Frank-Walter Steinmeier
© spdfraktion.de
Geburtstag
05.01.1956
Berufliche Qualifikation
Dr. jur.
Ausgeübte Tätigkeit
MdB, Fraktionsvorsitzender
Wohnort
Saaringen und Berlin
Wahlkreis
Brandenburg an der Havel - Potsdam-Mittelmark I - Havelland III - Teltow-Fläming I
Ergebnis
32,8%
Landeslistenplatz
1, Brandenburg
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Sie kritisieren völlig zu Recht, dass die Bundesrepublik zu den wenigen Vertragsstaaten zählt, die das von ihr im Dezember 2003 unterzeichnete UN-Übereinkommen gegen Korruption bis heute nicht in nationales Recht umgesetzt haben. Gleichzeitig häufen sich Medienberichte über Vorteilsnahmen Einzelner, und das Vertrauen in die Integrität von Volksvertretern schwindet zunehmend. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Inneres und Justiz
29.01.2012
Von:
Dr.

Sehr geehrter Herr Dr. jur. Steinmeier,

am 22.12.1994 gewährte die NORD/LB der Firma Syncodata GmbH EDV-Systeme & Co. Handels KG einen Kredit über 205 Mio. DM zur Neubebauung des Grundstückes Tauentzienstr. 7 b/c in
Berlin, davon 131 Mio. DM sofort zahlbar.

Im Gegenzug kaufte die Syncodata eine notleidende Forderung aus einem Kreditbetrug des Baulöwen Dr. Schneider zum Nennwert von 131 Mio. DM.

Am 29.03.1995 ersteigerte die Syncodata das Haus für 55,1 Mio. DM und kündigte sofort meine Mietverträge für mein Hauptgeschäft "Rutz am Tauentzien" über § 57 a ZVG.

Am 03.04.1995 erklärte die NORD/LB gegenüber der HAZ, dass sie trotz eines Gebotes von nur 55,1 Mio. DM aufgrund "weitergehender Absprachen" keinen Schaden aus dem Kreditbetrug erlitten habe.

In der anschließend erstellten Bilanz der Syncodata per 31.12.1994 bilanzierten die Geschäftsführer den Forderungskaufpreis im Umlaufvermögen mit den Anschaffungskosten von 131 Mio. DM unter Anwendung des strengen Niederstwertprinzips gemäß § 253 Abs. 3 HGB, ohne jedoch die zwingend vorgeschriebene Wertberichtigung von 91 Mio. DM auf den durch Gutachten ermittelten Marktwert von 40 Mio. DM vorzunehmen.

Das um 91 Mio. DM überbewertete Umlaufvermögen ließen die Geschäftsführer von ihrer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft als voll werthaltig testieren und reichten die testierte Bilanz dann bei der NORD/LB ein, woraufhin die Wirtschaftsprüfer der NORD/LB den kreditierten Forderungskaufpreis als voll werthaltig ansahen und am 08.05.1995 für die Bilanz per 31.12.1994 ihr uneingeschränktes Testat erteilten.

Die Staatsanwaltschaft in Frankfurt/Main hat mir zwischenzeitlich mitgeteilt, dass es sich bei der voll werthaltigen Bilanzierung des Forderungskaufpreises wohl um eine Bilanzfälschung handelt.

Ich möchte den Vorgang parlamentarisch klären lassen.
Darf ich mit Ihrer uneingeschränkten Unterstützung rechnen?

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Boyens
Inh. Betten-Rutz, Berlin

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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
01.02.2012
Von:

Überwachung von Abgeordneten der Linken ist noch ziemlich aktuell in den Medien,Wie ist Ihre Einstellung dazu etwa ähnlich wie die von Herrn Dobrindt oder halten Sie solche Bespitzlung von Abgeordneten als äußerst Bedenklich für die Demokratie? Steuern wir so bewußt auf eine Diktatur hin ? Es werden immer mehr Rechte der Bürger beschnitten und eingeschränkt Überwachungsstaat läßt grüßen z.B Änderung von Pass und Ausweisgesetz damit auch Strafverfolgung auch bei kleinere Verkehrsdelikte möglich wurde. Der Bürger soll somit keine faire Chance haben sich zu verteigen. Was wird aus dem Recht sich nicht selbst vor Gericht belasten zu müssen. Das ist durch diese Gesetzes Änderung hinfällig geworden. Ebenso die Kontenabfragen von Behörden. Das alles hat stark Diktatorische Züge.
Das halt leider auch die SPD teilweise mitzuverantworten.

Was wollen Sie gegen solche Misstände tun wenn es zu einem Politischen Machtwechsel kommen würden.
Antwort von Dr. Frank-Walter Steinmeier
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14.02.2012
Dr. Frank-Walter Steinmeier
Sehr geehrter Herr ,

die Überwachung von Abgeordneten der Linkspartei durch den Verfassungsschutz hat mich fassungslos gemacht. Das ist ein unglaublicher Vorgang, und zwar vor allem vor dem Hintergrund, dass gleichzeitig eine rechtsradikale Mörderbande über ein Jahrzehnt unbehelligt durch Deutschland ziehen konnte! Ich habe erhebliche Zweifel, dass der Verfassungsschutz die Prioritäten in dieser Frage richtig gesetzt hat.

Ihre Befürchtung, dass wir in Deutschland insgesamt auf eine Diktatur zusteuern, halte ich dennoch für äußerst übertrieben. Die öffentliche Aufregung um die Linke-Bespitzelung ist doch das beste Beispiel dafür, dass wir in der Bundesrepublik kein Klima der Überwachung und der Unfreiheit dulden wollen!

Für die SPD steht fest: Wo der Staat Daten über seine Bürger sammelt, muss die Erhebung und Nutzung der Daten gesetzlich klar geregelt und strikt begrenzt werden. Auch im Kampf gegen Kriminalität und Terrorismus sind die Menschenwürde und die Grundrechte unantastbar!


Mit freundlichen Grüßen

Frank-Walter Steinmeier
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Frage zum Thema Verlängerung Afghanistaneinsatz (ISAF)
02.02.2012
Von:
-

Seit vielen Jahren versucht die westliche Welt, den Kampf gegen die Rauschgiftkartelle mit militärischen Mitteln zu gewinnen.
Wie sich auch in Mexiko abzeichnet, wird dieser Krieg gegen diese Multimilliarden Unternehmen auch vom Präsidenten Felipe Calderon, nicht zu gewinnen sein.
Auch der Kampf der Terroristen in Afghanistan wird maßgeblich vom internationale Rauschgift-Kartell finanziert.
Solange es einen Rauschgiftmarkt gibt, bei dem jährlich hunderte von Milliarden Dollar verdient werden, ist ein Kampf dagegen militärisch nicht zu gewinnen.

Gerade die USA hat doch in ihrer jüngsten Geschichte (1919-1933) erkennen müssen, dass ein Alkoholverbot den Verbrechersyndikaten in die Hände gearbeitet hatte.

Nach jahrelangen blutigen Verlusten mit tausenden Toten wurde das Alkoholverbot wieder aufgehoben. Und zwar nicht zum Schaden der Amerikaner und Amerikanerinnen.
Trotz diesen Erkenntnissen, glauben unsere Politiker noch immer, den Rauschgiftkonsum mit einem Verbot eindämmen zu müssen.
Das Gegenteil ist jedoch der Fall.
Das Geschäftsmodell der Dealer und Rauschgift-Kartelle, funktioniert dank der sturen Verbots-Politik hervorragend.
Eine staatlich kontrollierte Freigabe des Rauschgiftskonsums, würde jedoch den Dealern und Rauschgiftkartellen ihr Geschäftsmodell zerstören.

Es wird höchste Zeit, dass die vereinigten Nationen und vor allem Präsident Obama ebenfalls zu dieser Einsicht kommen.

Oder ist die Lobby der Rauschgift-Kartelle schon zu groß?

wie ist Ihre Meinung dazu?
Antwort von Dr. Frank-Walter Steinmeier
1Empfehlung
21.02.2012
Dr. Frank-Walter Steinmeier
Sehr geehrter Herr ,

die von Ihnen geforderte Legalisierung harter Drogen halte ich für einen verhängnisvollen und fahrlässigen Irrweg - auch, wenn Sie von einer staatlich kontrollierten Abgabe sprechen und nicht von dem völligen Verzicht auf jede staatliche Kontrolle. Mit der Macht der Rauschiftkartell-Lobby, wie Sie unterstellen, hat dies nichts zu tun: Es gibt genügend andere Argumente, die gegen eine Legalisierung sprechen.

Denn auch die staatlich kontrollierte Abgabe von Drogen hat aus meiner Sicht folgenschwere Konsequenzen. Sie könnte zu dem Eindruck führen, für den Konsum harter Drogen gäbe es quasi ein staatliches Qualitätssiegel. Die zerstörerische oder gar tödliche Wirkung der harten Drogen und ihr oft massives Abhängigkeitspotenzial würden so unterschätzt. Das verharmlost, und das verwischt auch die Unterschiede zwischen den einzelnen Drogen. Somit würde eine Legalisierung sicherlich zu einer deutlichen Erhöhung der Zahl der Erstkonsumenten führen: Auch diejenigen, die den Gang zum Dealer scheuen, könnten ja problemlos harte Drogen erhalten. Hinzu kommt, dass die staatliche Abgabe von Drogen wesentliche Probleme nicht löst: Gesundheitliche und finanzielle Probleme, Arbeitsplatzverlust und Vereinsamung.

Die Alternative zur Legalisierung von harten Drogen ist die Entkriminalisierung der Süchtigen. Und die ist wichtig. Süchtige brauchen mehr Unterstützung und Hilfsangebote, um aus der Sucht herauszukommen oder notfalls mit ihrer Sucht zu leben. Die SPD verfolgt diesen Ansatz seit langem. Wir haben etwa im Jahr 2002 die diamorphingestützte Substitutionsbehandlung für schwerstkranke Opiatabhängige als Modellprojekt gestartet und 2003 mit dem »Aktionsplan Drogen und Sucht« den Ansatz der Schadensreduzierung und Überlebenshilfe als eigenständige Säule der Drogenpolitik eingeführt. So konnten Drogenkonsumräume in den Bundesländern entstehen. Zuletzt hat der Bundestag die Übernahme einer streng reglementierten Heroinabgabe an Schwerstabhängige beschlossen. Das alles war ohne eine Legalisierung harter Drogen möglich.

Insofern lautet meine Antwort: Entkriminalisierung ja, aber Legalisierung nein!

Mit freundlichen Grüßen,

Frank-Walter Steinmeier
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
09.02.2012
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Steinmeier,

ich bin persönlich sehr viel im Internet unterwegs und deshalb verfolge ich mit Besorgnis das vorranschreiten des Gesetzgebungsverfahrens von Acta.
Das größte Unding ist es das nicht gewählte Volksvertreter wie sie, sondern Lobbyisten in Brüssel das Gesetz aushandeln und das ist das schlimmste was man der Demokratie antun kann.
Durch dieses Gesetz würde jeder Internetanschluss grundsätzlich überwacht werden und jeder Bürger würde damit pauschal kriminalisiert werden.
Das ist wieder nur ein Versuch der "Content-Mafia" veraltete Strukturen beuzubehalten, anstatt sich mit Netzgemeinschaft zusammenzusetzen und neue Möglichkeiten und Lösungen zu finden, damit in Zukunft alle Profitieren.
Meine Frage ist nun wie sie persönlich und auch ihre Partei dazu stehen und was sie hoffentlich tun um dieses Gesetz zu verhindern

lg

Antwort von Dr. Frank-Walter Steinmeier
1Empfehlung
23.02.2012
Dr. Frank-Walter Steinmeier
Sehr geehrter Herr ,

Zunächst einmal: Die Notwendigkeit, Produktpiraterie zu bekämpfen und Urheberrechte zu schützen, ist unbestritten. Das sollte eigentlich das Ziel des Acta-Abkommens sein. Ob Acta uns aber tatsächlich weiterbringt, oder nicht deutlich über das Ziel hinausschießt, ist für mich mehr als zweifelhaft. Besonders problematisch sind aus meiner Sicht die Regelungen zur Rechtsdurchsetzung im Internet. Hier enthält das Abkommen unklare Formulierungen, die extrem weit ausgelegt werden können. Die Bekämpfung von Urheberrechtsverletzungen darf nicht dazu führen, dass Grund- und Freiheitsrechte eingeschränkt werden oder der Datenschutz aufgeweicht wird. Durch Acta besteht aber die Gefahr, dass die Internetprovider verpflichtet werden, zu überwachen, welche Kunden sich was anschauen oder herunterladen. Es darf aber nicht sein, dass die Provider zu Hilfssheriffs gemacht werden, und dass letztlich jede Bewegung und Kommunikation im Internet überwachbar wird.

Sie kritisieren zu Recht, dass Acta in den Hinterzimmern unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt wurde. Solche Geheimverhandlungen müssen Geschichte sein, die fehlende Transparenz ist nicht länger hinnehmbar. Das Europäische Parlament und auch der Deutsche Bundestag müssen darauf bestehen, sich mit diesem Abkommen gründlich beschäftigen zu können.

Mit freundlichen Grüßen

Frank-Walter Steinmeier
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
11.02.2012
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Steinmeier,

unter diesem Thema würde ich gerne mal das Thema Bundespräsident behandeln und Ihnen folgende Frage stellen. Warum tut sich die SPD so schwer , gegen Herrn Christian Wulff zu intervenieren und ihn zum Rücktritt zu bewegen ?

Nur weil es sich um das Amt des Bundespräsidenten handelt ? Dieser Mann beschädigt das Amt und nicht die Diskussion darüber und auch nicht die Medien.

Ein Bundespräsident der die Medien für sich beeinflussen will, ist für mich untragbar.

Ihre bzw. die Meinung der Bundestagsfraktion der SPD würde mich interessieren und wie Sie dazu stehen.

Oder trauen Sie sich nicht, weil evtl. frühere Geschichten mit Herrn Schröder und Herrn Maschmeyer in diesem Zusammenhang aufgedeckt werden könnten ? ? ?

Bin auf Ihre Antwort sehr gespannt.

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Dr. Frank-Walter Steinmeier
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06.03.2012
Dr. Frank-Walter Steinmeier
Sehr geehrter Herr ,

Ihre Frage bzw. meine Antwort darauf ist zwar inzwischen von den Ereignissen überholt worden - ich will Ihnen aber dennoch gern antworten.

Wie Sie sicherlich wissen, hat die Opposition im Deutschen Bundestag keinerlei Handhabe, einen Bundespräsidenten zum Rücktritt zu bewegen. Rechtlich gesehen ist die Präsidentenanklage vor dem Bundesverfassungsgericht der einzige Schritt, einen Bundespräsidenten abzusetzen, wenn er nicht selbst zurücktritt oder von seinen Unterstützern dazu gedrängt wird.

Aus diesem Grund haben meine SPD-KollegInnen und ich mehrfach an die Kanzlerin und die Koalition appelliert, endlich Farbe zu bekennen, ob Herr Wulff als Bundespräsident noch tragbar ist oder nicht. Und wir haben wiederholt deutlich gemacht, dass jeder Politiker und jede Politikerin, egal aus welcher Partei und in welchem Amt, dafür sorgen muss, dass aus Freundschaften und Bekanntschaften keine Abhängigkeiten entstehen.

Aber wie gesagt: Dies alles ist inzwischen von den Ereignissen überholt worden, und wir haben jetzt die Möglichkeit für einen echten Neuanfang. Joachim Gauck passt nicht in die Schubladen alltäglicher Parteipolitik. Er kann nicht nur gerade heraus sprechen, sondern sucht, wo es notwendig ist, auch die Kontroverse. Ich bin mir deshalb sicher, dass er den Menschen Orientierung geben und glaubhaft für unsere Demokratie werben kann. Und ich freue mich schon heute auf anregende Debatten mit unserem zukünftigen Bundespräsidenten!

Mit freundlichen Grüßen

Frank-Walter Steinmeier
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